Reichtumsgerechtigkeit

„Die in Leistungsgesellschaften durch die unterschiedlichen Talente und Fähigkeiten der Menschen erzeugte soziale Ungleichheit lässt sich langfristig nur durch eine hinreichende Fairness des Wettbewerbs rechtfertigen, vor allem durch die Gleichheit der Ausgangschancen.“

Berthold Franke. „Aus Angst wird Wut wird Hass“. Blätter. Ausgabe Juni 2017. S. 97

Anmerkung: Bei solchen Sätzen frage ich mich ernsthaft, auf welchem Planeten, in wechem Elfenbeinturm und in welcher Filter-Bubble die Herren Akademiker eigentlich leben!? Ist es (leistungs-)gerecht, dass 62 Supereiche soviel besitzen, wie die Hälfte der Weltbevölkerung? Wo, außer in der Theorie, gibt es denn überhaupt einen „fairen Wettbewerb“? Wie kann es jemals „gleiche Ausgangschancen“ geben, wenn weltweit Millionen Kinder in bitterer Armut aufwachsen, während sich die Reichen in ihren „Gated Communities“ verschanzen? Wie kann Bildung überhaupt die Lösung für alles sein, wenn neofeudale Strukturen vorherrschen? Wo ist die Eigentums- und Verteilungsfrage? :NENE:

Die „Le Monde Diplomatique“ und die „Blätter“

Eigenwerbung der "Blätter". Bei Obama, der offiziell 2363 Tage in sieben Kriegen weltweit aktiv war, gab es deutlich weniger Widerstand bei der "Insel der Vernunft".

Eigenwerbung der „Blätter“. Bei Obama, der offiziell 2363 Tage in sieben Kriegen weltweit aktiv war, gab es deutlich weniger Widerstand bei der „Insel der Vernunft“.

Seit vielen Jahren habe ich die Blätter für deutsche und internationale Politik sowie die Le Monde Diplomatique abonniert. Ich fühle mich stets mit vielen interessanten und alternativen Blickwinkeln, Analysen, Interpretationen und Bewertungen versorgt. Doch in letzter Zeit lese ich immer wieder Beiträge in beiden Publikationen, die unverhohlen im NATO-Mainstream-Meer fischen. Zwar gibt es immer wieder sehr gute, linke und kritische Berichte, Artikel und Reportagen, aber sobald es beispielsweise um Themen wie Trump oder Putin geht, wird- ähnlich wie auf Spiegel Online, Zeit, Welt oder sueddeutsche.de– nicht selten der Populismus- und Verschwörungstheorie-Hammer geschwungen und/oder häufig sehr einseitig analysiert. Dafür habe ich diese linken Monatszeitungen aber nicht abonniert. Weiterlesen

Martin Schulz, der Erlöser

schulz_blätterIch mag die „Blätter für deutsche und internationale Politik“. Seit über fünf Jahren habe ich diese Monatszeitung abonniert. Manchmal kommt es jedoch vor, dass ich den Analysen, Berichten und Kommentaren nicht zustimmen kann (beispielsweise den einseitigen Feminismus-Beiträgen). So geschehen beim Artikel „Glücksfall Martin Schulz?“ in der Ausgabe vom März 2017 von Blätter-Redaktionsmitglied Albrecht von Lucke. Diesen geschichtsvergessenen, ja fast schon naiven Optimismus kann ich leider nicht unkommentiert stehen lassen. Weiterlesen

Empathie mit Russland

„…weil die Führung der Wehrmacht ihre Soldaten hatte wissen lassen, dass ein Russenleben nicht annähernd so wertvoll sei, wie das eines Deutschen. Wer solche und allzu ähnliche Geschichten mit sich herumträgt, kommt nie in die Versuchung, über die Russen aus der Position moralischer Überlegenheit zu reden. Aber genau dies ist heute wieder Mode geworden.“

Erhard Eppler. „Wider die Spaltung Europas: Für eine neue Verständigung mit Russland“. Blätter Ausgabe August 2016. S. 91

Anmerkung: Die Abwertung und Entmenschlichung ener Nation, Ethnie oder eines Volkes ist stets der erste Schritt, bevor es zu einem Krieg kommt. Die Tutsis in Ruanda wurden als Kakerlaken, die Juden in Deutschland als Ratten und Ungeziefer und die Moslems heute im Nahen Osten werden als Terroristen bezeichnet. Was wird sich die Kriegspropaganda für die Russen ausdenken?

Replik auf: „Journalismus unter Beschuss“

Haben Journalisten den Mut, die Hand zu kritisieren, die sie füttert?

Haben Journalisten den Mut, die Hand zu kritisieren, die sie füttert?

Der Chef des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Frank Überall, schreibt in den aktuellen Blättern für deutsche und internationale Politik (Blätter, Ausgabe April 2016), einen Artikel über die Bedrohungen von Journalisten. Als Hauptgefahr sieht er Blogger, Social Media – Aktivisten sowie diejenigen, welche die Medien mit dem Lügenpresse-Vorwurf belegen. Er spricht von „Hass-Blogs, Hass-Mails, Hasskommentaren“ sowie von tätlichen „hasserfüllten Angriffen“ auf Journalisten bei Demonstrationen und Kundgebungen. Weder gibt es eine sachliche Analyse darüber, warum soviel Kritik (eben nicht nur „Hass“) in der Bevölkerung gegenüber den Massenmedien vorhanden ist, noch eine schonungslose und ehrliche Selbstreflektion über den aktuellen Zustand von Berufsjournalisten und Leitmedien. Weiterlesen

Realsatire des Tages

„Die SPD war –und ist eigentlich immer noch- eine Partei der Arbeitnehmer.“

– Stefan Grönebaum. „Ohne Solidarität ist alles nichts“. Blätter Ausgabe April 2016. S. 9

„Würde es da nicht ausreichen, wenn eine wiederbelebte Sozialdemokratie sich ein neues und überzeugendes Programm für mehr Gleichheit auf die Fahnen schriebe?“

– Jan-Werner Müller. „Schatten der Repräsentation: Der Aufstieg des Populismus“. Blätter Ausgabe April 2016. S. 73

Anmerkung: Die weltfremde Hoffnung und der naive Glaube, die Spezialdemokraten könnten den Kapitalismus doch noch irgendwie zähmen und würden den faschistischen Volkshabitus doch noch aufhalten können, ist illusorisch. Denn es war vor allem die SPD unter Schröder, die mit der Agenda 2010, Hartz 4, deutschen Kriegen, der Zulassung von Hedge-Fonds, der Privatisierung der Altersvorsorge und einer drastischen Steuersenkung für Reiche und Vermögende, Parteien wie der AfD, Tür und Tor geöffnet haben. Und ausgerechnet die Verursacher sollen nun die Hoffnungsträger sein?

Die „Blätter“ kleben noch immer an der SPD-Sozialromantik der 70er Jahre und am reformierbaren Status Quo – Glauben. Das durchzieht die gesamte April-Ausgabe. Die Le Monde Diplomatique ist da schon einen Schritt weiter: „In der Gesellschaft breitet sich die Gewissheit aus, dass das System nicht mehr reformierbar ist.“ (Serge Halimi, Direktor der Le Monde Diplomatique. „Hollande auf dem falschen Pferd.“ Ausgabe März 2016. S. 5)

Hätte. Könnte. Müsste.

Man müsste nur...wenn man könnte, wollte und sollte.

Man müsste nur…wenn man könnte, wollte und sollte.

Im akademischen und wissenschaftlichen Betrieb ist es üblich, dass am Ende einer Meinung, eines Essays, einer Abhandlung, eines Kommentars oder einer Analyse eine Handlungsempfehlung stehen muss. Lösungsvorschläge und Alternativen sollen formuliert werden. So haben es Akademiker und Wissenschaftler gelernt und so liest man es auch in etlichen Magazinen, Zeitungen und Fachpublikationen. Sie kommen damit der vielfach geforderten konstruktiven Kritik nach. Diese impliziert, dass alleine das Erkennen und Analysieren eines Sachverhaltes, noch keine Kritik mit Mehrwert sei. Zwar ist es richtig und wichtig, Alternativen und Lösungen zu formulieren und anzubieten, oft verbleiben diese jedoch im absurd-fiktiv-konjunktiven Paralleluniversum, weil sie realpolitische und tatsächliche Machtverhältnisse komplett ignorieren und an den guten Willen glauben und appellieren wollen. Weiterlesen

Journalisten vs Blogger

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Der Medienjournalist Steffen Grimberg schreibt in den aktuellen „Blättern“ (Ausgabe September 2015) über das Ende der Deutungshoheit“ und meint damit primär die Massenmedien. Er wehrt sich gegen den Vorwurf der „Lügenpresse“ vom rechten Rand der Pegida-Freunde sowie von linken „biederen Familienvätern“. Zwar sei das Vertrauen in die Massenmedien „empfindlich gestört“, die Ursache sei jedoch nicht „eine Art von Einheitsmeinung“ in den Leitmedien oder Journalisten die ideologisch von der Atlantikbrücke konditioniert seien, sondern –wie könnte es auch anders sein- überspannte Verschwörungstheoretiker, die glauben, Aliens würden an den Schalthebeln der Macht sitzen (S. 103). Weiterlesen

Meinungsbildung

Es ist gar nicht so einfach halbwegs kritische Medien zu finden. Wer die Schnauze voll von Tsipras-, Griechenland-, Linkspartei- und Putin-Bashing hat, wer nicht nur Hetze gegen Gewerkschaften (GdL), Merkel-Hofberichterstattung und nicht nur wirtschafts- und US-freundliche Artikel lesen will, der kann sich beispielsweise folgende alternative Nachrichtenseiten (und natürlich unsere Blogroll) zu Gemüte führen:

>> Junge Welt
>> Blätter
>> RT Deutsch
>> WSWS
>> Telepolis
>> Nachdenkseiten
>> Le Monde Diplomatique

Habt Ihr weitere Empfehlungen?

Ohne Antwort

Am 1. November 2014 schrieb ich der „Blätter“-Redaktion folgende E-Mail:

Liebe „Blätter“ – Redaktion,

ich bin ein langjähriger Leser eures Magazins und habe es immer sehr geschätzt. Leider habt Ihr in Ausgabe 10/2014 Jürgen Trittin ein Forum geboten (mit Ankündigung auf dem Cover), was ich beim besten Willen nicht verstehen kann. Ihr bezeichnet euch in eurem Selbstverständnis als „unabhängig von Konzernen, Parteien, Verbänden und Kirchen“ und bietet dann einem prominenten GRÜNEN-Politiker eine Plattform, der im Beitrag Die Koalition der Transformation und was ihr im Wege steht“ über mögliche Koalitionsmöglichkeiten schwadroniert? Als wenn die Politik in Deutschland, im Angesicht von Banken- und Konzernmacht, überhaupt noch etwas entscheiden könnte.

Den GRÜNEN, welche die Agenda 2010 in weiten Teilen bis heute befürworten? Den GRÜNEN, die den Überwachungsstaat mit gefördert haben (Stichwort: Otto-Katalog)? Den pazifistischen GRÜNEN die weltweite Kriege führen (Kosovo, Afghanistan)? Den GRÜNEN die gegen „Ausländern“ Politik beziehen (Kretschmann im Bundesrat) – und nun Umweltaktivisten anzeigen (NRW/Kohleprotest)? Denen bietet Ihr die Möglichkeit in den „Blättern“ einen Text zu veröffentlichen?

Ich dachte, Ihr seid eine (linkspolitische) Insel im Meer des Mainstreams? Gibt es demnächst einen Artikel von Gerhard Schröder, der die Hartz-Gesetze verteidigt? Oder von Wolfgang Clement, der die wichtige Funktion von FDP und Leiharbeit kommentiert? Sind euch prominente Namen so wichtig?

bestmögliche Grüße
Markus

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