Moral. Motivation. Markt.

moral_markt_titelIch wollte in die Wissenschaft gehen, um mich auf die Suche nach der Wahrheit zu begeben. Nun bin ich ständig damit beschäftigt, private Investoren zu gewinnen und Forschung in ihrem Sinne zu betreiben.

Ich wollte Jura studieren, um die Welt gerechter zu machen, also für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen. Nun verdiene ich mein Geld damit, die kriminellen Reichen vor angemessenen Sanktionen zu schützen. Weiterlesen

Immer schön die Klappe halten!

klappe_titelNie die Wahrheit sagen oder das ausdrücken, was einen wirklich bewegt oder was man denkt! Es könnte Chefs, Familienmitglieder, Lehrer oder Menschen mit mehr Macht‐ und Einflussmöglichkeiten verärgern und so eigennützige Vorteile obsolet machen bzw. echte Nachteile mit sich bringen. Akzeptiere die vermeintliche Notlüge als strukturelle Alltags‐Normalität. Authentizität, Aufrichtigkeit und Anstand bringen Dir selten eigennützige Vorteile. Mache stets eine gute Miene zum bösen Spiel. Sei falsch, berechnend und bigott. Stoße niemanden vor den Kopf!

Solltest Du eine grobe Ungerechtigkeit an Deinen Mitmenschen erleben, mische Dich nicht ein! Es geht Dich nichts an und bringt Dir nur Ärger ein. Denke nur an Dich und wie die Anderen Dich beurteilen. Bleibe stets zuversichtlich und glaube an »vom Tellerwäscher zum Millionär«! Selbst wenn Sie Dich mobben, verachten, schlecht bezahlen oder erniedrigen: Wehre Dich nicht! Mache Dir eine Sklavenmoral zu eigen! Sei vorauseilend gehorsam, halte den Mund, schau weg und mach stets nur das, was man Dir sagt!

Sie reden von Demokratie, aber leben den Feudalismus. Wir sind eine Nation von Schissern und Duckmäusern. Wo ist der Mut geblieben?

Du musst funktionieren!

funktion_titelAls...

Mutter
Vater
Kind
Liebespartner
Lohnarbeiter
Steuerzahler
Konsument
Freund

Der Zwang zur lebenslangen Selbstentfremdung und die Hingabe zur konsumorientierten Identitätsproduktion gelten als gesunder Geisteszustand. Wer nicht mehr mitmachen kann oder will, wer auf die ureigenen Bedürfnisse hören und nicht mehr primär für die Interessen anderer Leute instrumentalisiert werden möchte, sei krank und brauche psychiatrische Behandlung. Frei und authentisch im Neoliberalismus ist, so zu sein, wie andere Dich haben wollen und nicht, wie Du gerne sein möchtest! Kultiviertes Doppeldenken als soziale Norm und Alltags‐Realität.

Ohne Profil

charakter_teaserSamtweich‐verschmierte Illusionen ohne Dornen der Wahrheit. Erkenntnis‐Verdrängungswettbewerbe als Leistungssport. Schmerzbefreite Unterwürfigkeit als vorzeigbare Tugend. Glatt gebügelte Kleinbürger‐Idole der wahrhaftigen Verlogenheit. Romantisch verklärte Gefühlsamöben zelebrieren die öffentliche Zwangsharmonie. Als aufklärungsresistentes Massenindividuum die Gemeinschaft zersetzen. Obrigkeitshörig in die Weltvergessenheit ejakulieren.  Sich vorwärts im Kreis drehen und dabei still stehen. Bilder fressen. Emotionen saufen. Im Versinken ertrinken. Ist das Charakter?

»Was ist denn jetzt wieder los?«

weihnachten 2014...ist eine Frage, die genau dann kommt, wenn man gesellschaftliche Normen und Konventionen in Frage stellt, beispielsweise zu Weihnachten. Wenn man eine andere Perspektive einnehmen oder die Normalität des Alltags durchbrechen will. Wer sich abseits der standardisierten Gedanken, der gleichgeschalteten Kommunikation und der infantilen Emotionen bewegt, mit dem muss etwas nicht stimmen. Wer Interessen hat, die den eigenen kleinen Dunstkreis, die eigene Familie und den eigenen Arbeitsplatz nicht betreffen, der ist ein unbequemer Nerd. Ein Wichtigtuer, Klugscheißer und Möchtegern. So einer ist nicht nur komisch, sondern auch furchtbar anstrengend. Das Beste ist, sich mit so einem nicht einzulassen und ihn bestmöglich zu ignorieren. Weiterlesen

Neusprech: Sozialkompetenz

ZG-Artikel: Neusprech HeuteIn der Wirtschaft definiert sich die soziale Kompetenz über folgende Charaktereigenschaften: Team‐, Konflikt‐, Kommunikations‐, Kompromiss‐ und Kritikfähigkeit. Die Bereiche der Pädagogik und der Psychologie gehen jedoch weiter und umfassen hierbei auch Empathie, rücksichts‐ und respektvolles Verhalten, ethische Wertvorstellungen, Solidarität und Toleranz. Die Definition des Schlagwortes ist hierbei schwammig und nicht eindeutig festgelegt, da der Begriff viele gesellschaftliche Bereiche des zwischenmenschlichen Miteinanders umfasst. Weiterlesen

Zugetackert und vollgeschmiert

Rund 6,3 Millionen Menschen in Deutschland sind laut einer im Mai vorgestellten Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) tätowiert. Der Bundesverband der Tätowierer (BVT) spricht sogar von bis zu acht Millionen

- dpa‐Meldung vom 1. Juli 2014

Anmerkung: Als ich vor einigen Wochen im Freibad war, ist mir das zum ersten Mal so extrem aufgefallen, wie viele eigentlich angemalt sind. Ob Tribals, chinesische Zeichen, Tiere, Fantasy‐Bilder oder der Name des eigenen Kindes – jeder will sich seine ganz persönliche (Massen-)Individualität auf den Körper klatschen, um allen seine Einzigartigkeit zu präsentieren. Auch bei der WM 2014 konnte man viele tätowierte Fußball‐Spieler sehen. Individualität ist jedoch nicht etwas, dass man besitzen und vorzeigen kann, sondern eine Lebenseinstellung, ein Charakterzug, etwas, das man lebt und nicht kaufen kann.

Neusprech: Anpassung

»Zum 1. Juli eines jeden Jahres werden die Renten angepasst, indem der bisherige aktuelle Rentenwert durch den neuen aktuellen Rentenwert ersetzt wird.«

- SGB VI, § 65 Anpassung der Renten

Das Nomen »Anpassung« kommt ursprünglich aus dem Bereich der Biologie und bezeichnet die evolutionsbedingte Veränderung von Lebewesen, die von ihrer jeweils spezifischen Lebensumgebung beeinflusst wurde. Säugetiere, Insekten und Bakterien haben sich im Laufe der Jahrhunderte an die verschiedensten, auch vermeintlich lebensfeindlichen, Lebensräume angepasst. Politik, Medien und Wirtschaft verwenden häufig dieses Schlagwort. Sei es die Miet‐, Strom‐, Renten‐ oder Lohnanpassung. Nicht selten ist hier die Anpassung ein Euphemismus für eine Preiserhöhung oder eine Leistungskürzung.

Weiterlesen

Herzlose Anpassung

Früher habe ich mit den Armen gefühlt.
Früher habe ich alternative Medien gelesen.
Früher habe ich mich über politische Lügen geärgert.
Früher habe ich meinem Chef widersprochen und ihn kritisiert.
Früher habe ich demonstriert und mich ehrenamtlich engagiert.
Früher habe ich mich über die Ungerechtigkeit der Welt aufgeregt.
Früher habe ich mir Gedanken über eine menschliche Gesellschaft gemacht.

Heute bin ich erwachsen und denke an mich.

Verhärtete Herzen

»Nein« zu sagen, Dinge zu hinterfragen und sich von vorgegebenen Ansichten und Meinungen abzugrenzen, ist im Kleinkindalter und in der Pubertät ein wichtiger Entwicklungsprozess zur Autonomie und Charakterbildung. Für die Eltern sind diese Phasen oft nicht einfach, aber sie wissen, dass sie notwendig und wichtig sind, weil ein Kind dadurch seine Individualität und sein selbstbestimmtes Handeln entdeckt. Außerdem bringen wir unseren Kindern wichtige Werte wie Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Fairness bei.

Im Erwachsenenalter werden wir wieder zu Ja‐Sagern gemacht, Anpassung und Konformität wird gefordert und wer Dinge in Frage stellt, hinterfragt oder kritisiert, gilt als Miesmacher, Pessismist und allgemein als Spielverderber. Und uns wird wieder beigebracht, dass wer ehrlich, aufrichtig und fair ist, nicht selten benachteiligt wird. Weiterlesen