Eine Insel der Konformität

Blätter-Ausgabe. März 2023.

»Nationalpopulisten aller Parteien, vereinigt euch, lautet das Leitmotiv der Wagenknechtschen Sammlungsbewegung. Deshalb werden die Unterschiede zwischen links und rechts ganz bewusst zum Verschwinden gebracht, zur Freude von Rechtsradikalen wie Jürgen Elsässer, der in seinem Compact-Magazin schon lange von der neuen Querfront schwärmt.«

- Albrecht von Lucke

»Die Angst vor dem Beifall von der falschen Seite ist nicht nur überflüssig. Sie ist ein Charakteristikum totalitären Denkens.“ (Hans Magnus Enzensberger.) Ganz im Gegenteil dürften Wagenknecht, Albrecht Müller, Dagdelen und Lafontaine die letzten Überbleibsel einer Linken sein, welche die soziale Frage, die Klassenunterschiede, Arbeiterrechte, die Einkommens- und Vermögensverteilung sowie die Friedensfrage, in den Fokus nehmen. Eine weitere neoliberale, identitäre und grün-woke Linke braucht kein Mensch. Deshalb wird die Linkspartei ohne Wagenknecht auch keine 5 Prozent mehr erreichen. Zur Freude der Grünen.


Es ist traurig mit anzusehen, was aus so einigen kritischen Magazinen und Zeitungen geworden ist. Seit März 2020 haben sich viele von ihrer Vernunft und ihrem Mut restlos verabschiedet. Dazu zählen die »Le Monde Diplomatique«, aber auch die »Blätter für deutsche und internationale Politik«. Beide hatte ich jahrelang abonniert und mit viel Vergnügen sowie regelmäßiger Horizonterweiterung gelesen. Das ist nun vorbei. Beide Abos habe ich mittlerweile gekündigt.

Monat für Monat lieferten sie kritische, aber vor allem auch alternative Sichtweisen auf Politik, Medien und Gesellschaft. Das gibt es kaum noch. Insbesondere bei den großen Themen: Corona, Ukraine und Klima, erwarte ich kein Nachbeten von offiziellen Regierungserzählungen oder von (Agentur-)Meldungen aus der Tagesschau. Das kann ich auch alles beim Original lesen.


Am 20. Juni 2023 schrieb ich der »Blätter«-Redaktion folgende E‑Mail:

»Liebe Blätter-Redaktion,

ich hatte einige Jahre die Blätter abonniert und sogar selbst einen Artikel bei euch veröffentlicht: »Medien ohne Selbstkritik?« (Juli/2016).

Von »Einer Insel der Vernunft in einem Meer von Unsinn« kann bei euch seit einigen Jahren leider keine Rede mehr sein. Ihr habt es nicht nur versäumt, bei Corona, Ukraine und Klima, wenigstens eigene Schwerpunkte ‑eben Nicht-Regierungs-Narrative- zu setzen, nein, Ihr unterstützt auch die weit um sich greifenden Diffamierungskampagnen gegenüber alternativen Medien. Dabei wart Ihr doch mal selbst ein »alternatives Medium«? Oder nicht?

Ein Markus Linden beispielsweise, der »Gegneranalysen« bei LibMod (von BuReg finanziert) betreibt und die Nachdenkseiten in den Boden schreibt. Alles Nazi. Alles Rechts. Alles Populismus. Alles Verschwörungstheorie. Immer die gleiche Buzzword-Bullshit-Bingo-Leier. Warum nicht auch mal die Nachdenkseiten zu Wort kommen lassen? Oder ein Pro und Contra veröffentlichen? Was haben einseitige Schuldzuweisungen bitte mit »Vernunft« zu tun?

Es ist traurig mit anzusehen, was aus euch geworden ist: ein weiterer TAZ-Ableger, der endlich in der bürgerlichen, lauwarmen Mitte-Soße ankommen will und vielfach auch angekommen ist. Bitte wundert euch nicht, wenn eure Abo-Zahlen weiter in den Keller rutschen. Das, was man bei euch lesen kann, kann man mittlerweile überall lesen.

Wo bleiben eure alternativen Sichtweisen?

Mit traurigen Grüßen
Markus Vollack«

Eine Antwort habe ich bis heute nicht erhalten. Stattdessen habe ich der Redaktion ein Zweites Mal geschrieben:

»Liebe Blätter-Redaktion,

da Ihr auf meine E‑Mail nicht geantwortet habt — insofern an einem kritischen Diskurs offensichtlich nicht interessiert seid- , habe ich nun meine Beweggründe auf meinem Blog (Link) veröffentlicht.

mit verbindlichen Grüßen
Markus Vollack (ZG Blog)«


In der Blätter- Ausgabe vom April 2015 gab es noch kritische Artikel über die USA. Vor allem über ihre weltweiten Einflüsse, Methoden und Kriegsbemühungen. Beispielsweise über die US-Unterstützung der roten Khmer:

»Die USA hatten 1973 zwar den Vietnamkrieg verloren, aber wie China unterstützten sie die Roten Khmer mit Waffen und Material, um Vietnam zu schwächen.«

Solche investigativen Artikel gibt es heute nicht mehr. Denn das würde dem »Satan Putin« wohl zu sehr »in die Hände spielen«, so die weitverbreitete Denkweise. Was gibt es stattdessen?

»Solidarisch gegen Putin«

»Putins Russland oder: Die geistige Entkopplung von Europa«

»Putins Erfolg: Europas Natoisierung und die Verfeindung der Welt«

»Putins großer Bluff«

»Putins Netz: Russische Geldwäsche in Londongrad«

»Kein Krieg, nirgends: Russlands Propaganda und der Ukraine-Feldzug«

»Ein Jahr russischer Angriffskrieg: Das Elend der linken Legenden«

»Putins Krieg: Das Ende unserer Illusionen«

»Putinisten aller Parteien – vereinigt Euch!«

»Putins Putsch von oben«

...

Und so weiter und so fort. Eine Verlinkung spar ich mir, die genannten »Analysen« und »Argumente« könnt Ihr jeden Tag in der Welt oder bei Spiegel, ZEIT, TAZ, ARD/ZDF, FAZ, Süddeutsche, Fokus, RBB, Tagesspiegel, BILD, T‑Online, Stern, Handelsblatt, Berliner Morgenpost, NZZ, Frankfurter Rundschau, RND, bei Reuters, dpa, afp, CDU/CSU/SPD/GRÜNE/FDP/LINKE etc. etc. lesen. Niemand braucht dafür ein Blätter-Abo. Niemand. Wirklich nicht.


Und bei COVID-19?

»Auch Malaria ist endemisch und fordert dennoch Jahr für Jahr hunderttausende Kranke und Tote. [...] Das Mantra vieler Kritiker: Kinder und Bildung dürfen nicht mehr leiden, Schulen müssen unter allen Umständen offen bleiben, erwies sich als unhaltbar

- Annett Mängel. Geschäftsführerin der »Blätter« im März 2023

»Erwies sich als unhaltbar?« Liebe Frau Mängel, als Schul-Pädagoge, der hautnah mit ansehen konnte, welches Leid die Corona-Maßnahmen den Kindern zugefügt hat, ist diese Behauptung mindestens unempathisch. Kinder wurden monatelang Zuhause eingesperrt, sie durften ihre Freunde nicht sehen, mussten stundenlang bei 30 Grad die Maske tragen, sie wurden beschämt und ausgegrenzt, sofern der Corona-Test positiv war. Sie durften nicht zu ihrem Sportverein, nicht ins Schwimmbad und vieles mehr. Nein, es ging eben nicht nur um die »Absperrung der Spielplätze«, es ging um sehr viel mehr. Reden Sie doch bitte einmal mit Erziehern, Pädagogen oder Kinderärzten!

Übrigens: Schweden und Florida leben immer noch. Ihr wollt bis heute nicht einsehen, dass eure gutmenschelnde Corona-Hysterie (euphemistisch formuliert als »Rücksichtnahme«, »Solidarität« und »Fürsorge«), völlig unverhältnismäßig war und große gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Schäden angerichtet hat. Allein die millionenfache Ausgrenzung von Kritikern und ungeimpften Menschen müsstet Ihr in jeder Ausgabe thematisieren, wenn Ihr wirklich eine »Insel der Vernunft« sein wollt?

Das Sie am Ende Ihres Artikels, dann auch noch die Ausrede: Wir hätten es damals nicht besser wissen können (Zitat: »Nämlich dass man selbstverständlich mit heutigem Kenntnisstand vieles anders machen würde«) beschwören, setzt dem Ganzen die Krone auf. Auch Sie wissen ganz genau, dass sehr viele Kritiker von Anfang an vor vielen Kollateralschäden der Maßnahmen gewarnt haben und dafür medial, politisch und gesellschaftlich niedergemacht wurden.

Warum habt Ihr eigentlich nicht Wodarg, Bhakdi, Hockertz, Andreas Sönnichsen, Tom Lausen, Friedrich Pürner, Christoph Lütge, Christian Dettmar, Ulrike Kämmerer, Nils Melzer oder Stephan Kohn interviewt oder um einen Beitrag gebeten? Hier hättet Ihr ausreichend Vernunft anstatt polarisierende Moralisierung und diffamierende Gesinnungsethik haben können.

Eure »Insel der Vernunft« ist längst im Meer des Konformismus untergegangen.


1.) »Rechtsruck der Blätter? Ja, meint Peter Becker und kündigt sein Abo«
2.) »Es gibt kaum noch kritische Medien. Deshalb muss mit Sorge erfüllen, was bei den Blättern geschieht«

17 Gedanken zu “Eine Insel der Konformität

  1. Diese Wahrnehmungen kann ich vollständig bestätigen. Auch ich musste mich von Medien verabschieden, die vorher Teil meiner Leseroutine waren (übermedien, bild blog, postillon, die Anstalt) Insgesamt ist der Meinungskorridor sehr viel enger geworden. Kaum einer traut sich noch eine Meinung gegen die Herrschenden zu äußern. Deshalb Hut ab vor denen, die es noch tun!
    Höre ich da eine Kritik an Wagenknecht und Co heraus? Wenn ja, habe ich das nicht verstanden. Das ist aber ein Feld, wo es viel zu diskutieren gibt.

  2. @kakapo3

    »Höre ich da eine Kritik an Wagenknecht und Co heraus? Wenn ja, habe ich das nicht verstanden. Das ist aber ein Feld, wo es viel zu diskutieren gibt.«

    Nein, ganz im Gegenteil! Sie ist einer der Wenigen, die noch argumentiert, statt moralisiert. Der Blätter-Beitrag kritisiert das »Wagenknecht-Lager«, weil sie es gewagt haben, für Friedensverhandlungen und gegen Waffenlieferungen zu sein. Und das geht nun wirklich nicht! Sie hat der Tagesschau und der Bundesregierung widersprochen!

    Die Linkspartei-Spitze hat ja ganz offen gesagt, dass sie Frau Wagenknecht rauswerfen wollen. Dann macht sich die Linkspartei aber komplett überflüssig. Und ob das insgesamt so gut ist? Schwierig.

    Ob sie nun eine eigene Partei gründen soll oder nicht — kann ich nicht beurteilen. Sollte sie es wagen, wird sie von Anfang an sehr stark bekämpft werden. Von allen Seiten. Ich könnte mir gut vorstellen, dass auch Frau Wagenknechts Nerven endlich sind und sie es sich deshalb sehr gut überlegen wird. ;-)

  3. Die Wagenknecht, Lafontaine und ähnliche Spießgesellen haben es versäumt sich rechtzeitig eindeutig gegen das System zu positionieren.
    Spätestens zu »Edward Snowdens« Enthüllungen 2013 wäre es an der Zeit gewesen dies zu tun.
    Jetzt ist es zu späte, die Linke ist tief gespalten und nicht einmal jetzt geben die Protagonisten Gas.
    Nein, immer noch mit gebremsten Schaum werden die immanenten Leiden des Systems angeprangert, ohne daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

  4. Man erlebt momentan fast nur, dass die liebgewonnenen Medien seit 3 Jahren völligen Stuss erzählen und sich im Gegenzug eine Nische gebildet hat, die mit denen besetzt sind, die man jetzt als Unpersonen definiert. Das Framing hat ja prima gewirkt, aber auch nur, weil man sich das auch noch schön einreden lässt. Man kann ja quasi jetzt die Spreu vom Weizen trennen, wer noch Arsch in der Hose hat.

  5. Die von oben verordnete Agenda:
    “Denke nicht, frage nicht, mache mit und habe ein gutes Gefühl dabei! Dann gehörst du zu den Guten™.”
    Noch funktioniert’s bei viel zu vielen...

  6. Bzgl. Parteineugründung: diebasis ist ja auch dermaßen verunglimpft worden, daß kaum einer sie wählt, obwohl die Inhalte das sind, was mindestens 30% der Wähler eigentlich wollen. Nur geht es eben nicht mehr um Inhalte, sondern nur noch darum, wer bzw. welche Partei »gut« oder »böse« ist. Und diese Einschätzung ist von unseren Medien, Politikern und anderen »Meinungsmachern« vorgegeben, und daran hält man sich. Auch solche Leute, die mal dachten, eine eigene Meinung zu haben...

    Möglicherweise hätte Sahra Wagenknecht den Bonus, daß man sie kennt (die Leute von diebasis sind überwiegend unbekannt), aber ich würde darauf zählen, daß ihrer Partei, sollte sie eine neu gründen, sofort diverse negative Etiketten angehängt würden, was sich sicherlich auch in Wahlergebnissen entsprechend niederschlagen würde.

    Ja, so ist das derzeit im »besten Deutschland, das wir je erleben durften«. *geht mal kotzen sich oral erleichtern*

  7. Das Skurrile an Lucke ist, daß er selber einen wesentlichen Irrtum der Linken übernimmt, nämlich Patriotismus zu betrachten als Vorstufe zum Nationalismus.
    Eine krachende Fehleinschätzung, die in den 80ern aufkam und seitdem zur Schwächung der Linken beiträgt.
    Bekannt war Brandt dafür, die Wiedervereinigung nicht aufgeben zu wollen, so gut wie unbekannt aber ist, daß das auch für Rudi Dutschke galt, und beide waren damit ausgewiesene Exoten, weit über das linke Lager hinaus.
    Dennoch konten sie aufsteigen zu den beiden wichtigsten Führungskräften der Linken, was heute allerdings unmöglich wäre, heute würden sie übergossen mit antideutschen Hasstiraden.
    »Die Nation ist eigentlich ein linkes Projekt« (FAZ)
    Und war ein liberales im 19.Jhd, sowie lange ein sozialdemokratisches und liberal-konservatives in Bezug auf die europäische Nation.
    Wenn, laut Lucke, »Nationalpopulismus«, der tatsächlich gar keiner ist, um sich greift, beginnt zusammenzuwachsen, was zusammen gehört.

  8. @Art Vanderley

    Ich glaube, das Grundproblem bei vielen vermeintlich »Linken« ist mittlerweile vor allem, dass sie die Welt in »gut« und »böse« eingeteilt haben. Versteckt wird das hinter dutzendfachen negativ konnotierten Vokabeln, die dann Personen wie Trump, Erdogan oder Putin angeheftet werden.

    Echte inhaltliche, differenzierte und sachliche Auseinandersetzungen — besonders über die eigene ideologische Brille und den eigenen selbst gezogenen geistigen Stacheldraht hinaus — gibt es doch kaum noch. Das merken aber immer mehr Menschen und wenden sich vermehrt von den restlichen linken Kräften ab.

    Ob Black-Rock-Merz und die neoliberale AfD die Interessen der Bevölkerung besser vertreten werden — da habe ich so meine Zweifel.

  9. @epikur
    »die dann Personen wie Trump, Erdogan oder Putin angeheftet werden. «
    Projektion, so ist es.
    Kann dir nur zustimmen, die Zersetzung der Debattenkultur ist ein wesentlicher Teil des Problems- und typisch für Ideologisierung.
    »Ob Black-Rock-Merz und die neoliberale AfD die Interessen der Bevölkerung besser vertreten werden — da habe ich so meine Zweifel.«
    Werden sie nicht, so mancher wird da mit einem fetten »politischen Kater« aufwachen.

  10. Es ist völlig egal welche Partei oder welche Person Kanzler/in in der BRD wird.
    Es geht um die Agenda des WEF, der Konzerne und des militärisch-industriellen und neuerdings auch pharmakologischen Komplexes die hier in bewährter Salamitaktik durchgewunken wird.
    Ich habe schon immer als noch Merkel am Ruder war, zu denen gesagt, die Merkel weg haben wollten, das es völlig egal ist wer das übernimmt.

  11. Vielleicht wäre die Gründung einer neuen Partei durch Sahra Wagenknecht und Andere ja insofern eine gute Sache, wenn sie damit (wie allgemein prognostiziert) ein paar Prozente von der AfD und anderen Parteien abziehen könnte und die verbleibende Linke dafür dann von all denen, die sie jetzt wegen ihr nicht wählen, die Stimmen bekäme — und beide dadurch (vielleicht auch in einem Bündnis?) die 5%-Hürde überspringen könnten.
    Allerdings würde ich mir da eine deutliche internationalistische Perspektive wünschen und eine partizipatorische (plebiszitäre) ebenso.

  12. Eine weitere neue Partei wird nur wenig bringen. Halb Europa hat bereits Faschisten an die Macht gewählt. Selbst die Holländer. Deutschland hinkt als drittklassige, schnarchnasige Industriebrache der Entwicklung nur wieder 10 Jahre hinterher.

    So sehr ich das Wagenknecht auch gönnen würde. Ändern könnte sie nur wenig. Als erstes müsste man Europa neu als Sozialunion gründen und daraufhin jedes Land entsprechend.

    Das ist mit einer narzisstischen Gesellschaft, die einer perversen Maxime (LBS-Werbung) der 80er und 90er frönt (Meine Villa, meine Yacht, mein SUV, Hauptsache: Meins), nicht zu machen. Mit lauter kleinen Buffalo Bills aus dem Schweigen der Lämmer richtest Du keine Kooperative her, sondern bestenfalls einen Schlachtbetrieb mit wechselnden Opfern (von Tönnies lernen, heißt siegen lernen), wobei die Verfügungsnasse dann halt schnell ausgehen würde

    Michael Kühnen, der große, schwule Naziführer der 90er hätte seine Freude an der heutigen Welt. Autoritär, reaktionär, identitär und so geblendet vom eigenen Ego, dass selbst der leere Kühlschrank nichts mehr ausmacht (»Ich bin so geil, ich könnte mich selber ficken!«) .

    Was passiert, ist eine logische Abfolge amerikanischer Gleichschaltung. Wenn vom Betrübssystem über die Zahncreme, von Kunst, Kultur, vom Sport bis zum Varieté nur ein Einfluss prägend ist.

    Da müsstest Du ran und Raum schaffen für Eigenes.

    Das kann keine Partei.

    Trotzdem wünsche ich Sahra Wagenknecht viel Glück, wenn sie denn wirklich eine eigene Partei aufmachen sollte.

    Das sie damit tatsächlich die Mehrheit erreicht, halte ich indes für ein Gerücht.

    Bestenfalls wäre ein ebenso kurzfristiges Links-Rechts-Zweckbündnis denkbar, wie damals in Griechenland. Mit ähnlichen Folgen.

    Hier ist indes Deutschland.

    Was passiert denn, wenn die Leute keinen Bock mehr auf die CDU haben? Sie suchen sich eine andere konservative Partei, mit möglichst rechtem Anstrich. Dann kommen halt Freie Wähler und erst danach AfD & Co. dran. Das passiert allerdings eher regional. Wen müssen die dann in die höheren Etagen wählen? Den alten Klüngel (oft bestehend aus Gestalten von CDU und SPD) denn was anderes geben die Listen noch gar nicht her.

    Was passiert, wenn die Leute keinen Bock auf SPD haben? Sie gehen zur CDU und zu den Freien Wählern, einige wenige zur FDP und zu den Grünen und noch weniger zur AfD).

    Was passiert, wenn die Leute keinen Bock auf die Grünen haben?
    Sie gehen zur CDU, zur FDP und einige sogar zur SPD.

    Was passiert, wenn die Leute keinen Bock auf die Linken haben? Sie wählen Kleinstparteien, gar nichts und einge radikal rechts (Hauptsache: Radikal!).

    Was passiert, wenn die Leute keinen Bock auf AfD haben? Sie wählen CDU, FDP, den dritten Weg oder gar nicht.

    Was passiert denn, wenn eine Kleinstpartei, nennen wir sie mal die Partei, in einem Gebiet stärkste Kraft wird? Sie stellen das Oberhaupt in dem Gebiet und wählen dann den alten Klüngel (oft Gestalten der CDU und SPD) , denn etwas anderes geben die Listen noch nicht her, in die höheren Etagen.

    Was passiert in unserer ›Ökodiktatur«?
    Es werden neue Abrechnungssysteme etabliert (meist nach amerikanischem Vorbild, wenn verfügbar), sonst ändert sich wenig, weil das nicht machbar ist.

    Kommt Megagrün Energie zu Dir nach Hause, passt Deinen Stromkreis an seine Ökotechnologie an und schließt Dich dann an seinen eigenen Stromkreis an? Nein! Sie schicken Dir die Rechnung und zahlen davon Vattenfall oder RWE aus, von denen Du weiterhin denselben Strom bekommst.

    Gemäß dem Aktienhandel wird ein CO2-Zertifikatehandel aufgebaut unter ganz besonderer Korruptionswirtschaft. Es werden einfach so viele, wie gerade jemand benötigt, verteilt. Vorbild ist dabei ein Schneeballsystem.

    Man versucht sich an einem Gag. Dem GEG. Das soll neue Heizungsmethoden etablieren, bevor hier überhaupt eine nötige Infrastruktur dafür besteht.

    Wie machen sie Faschos in Schweden das? Nun, Gas- und Ölheizungen sind einfach teurer als Wärmepumpen. Jeder Handwerker kann und baut Dir die (nach gesicherter Finanzierung) auch ein. Der Clou: Das passiert ziemlich fix, nicht erst in zwei Jahren.

    Warum bieten die das dann nicht hier an (ist doch Europa)? Weil es sich nicht lohnt!

    In Schweden schaut sich der Klempner Deinen Wärmekreislauf an, baut die elektrische Luftpumpe passend ein und fährt zum nächsten Kunden. In Deutschland müsste er Dein Haus den Anforderungen anpassen, die er studieren muss, dann die Wärmepumoe den Anforderungen anpassen und ggf. für eine Ersatztechnologie sorgen, weil in Deutschland nicht die nötige Infrastruktur besteht. Dabei gibt es dann auch zusätzliche Haftungsprobleme. Das tut sich dort keiner an.

    Was passiert denn, wenn die Faschos an die Macht kommen? Nun, das kann man sich in Italien und Ungarn anschauen. Die Sozialbudgets werden gekürzt und neue Methoden zur Drangsalierung und Einkerkerung der Armen etabliert. Die lukrativen Geschäfte werden dem inneren Kreis zugeteilt und ansonsten passiert Symbolpolitik, vorzugsweise über die Zurschaustellung von faschistischen Heiligenbildchen längst vergangener Epochen.

    Was wir bräuchten, sind Strukturreformen die so umwälzend sind und wirklich alle Lebensbereiche betreffen, aber leider auch Einschnitte für das eigene Leben bedeuten würden. Nicht mal Profisport, wie z. B. Fußball, könnte es noch so, wie er jetzt ist, geben. Noch dazu bräuchte es Leute, die Bock auf diese Veränderungen haben und sich dort zur Mitgestaltung auch in der Freizeit einbringen wollen, auch wenn es dafür keinen Maserati gibt.

    Davon sind wir gaaaaaaanz weit weg.

    Da ändert auch eine weitere neue Partei nix, so schön und charismatisch die Anführerin auch sein mag.

    Was passieren wird ist die ewig gleiche Leier, nur dass eben noch mehr Menschen schnell verarmen und die Verteilungskriege zunehmen werden.

    Wenn Elon Musk der 8. dann in 100 Jahren Urururopas Marsmission startet und ihm neben den Klattens, Quandts auch die Geissens 8.0 folgen, werden alle bemüht sein auch mitgenommen zu werden.

    Wahrscheinlich bleiben sie an irgendeinem Trabanten kleben, den keiner mehr auf den Schirm hatte.

    Der Rest verendet halt auf einer Erde, die schon lange nicht mehr lebenswert ist

  13. danke, @Juri!

    ganz starker beitrag, finde ich.

    als seit 1977 bekennender fan des eisernen berliner fußball-clubs, dessen bewusste fanszene, stets stark unterstützt vom verein (erst recht auch als frischgebackener, unfassbarer champagnerliga-teilnehmer 23–24 — eine menge insbesondere älterer fans hätten das jedoch nicht gebraucht), bekannt ist für allerlei soziale projekte und den blick über den tellerrand hinaus, ist vielen von uns bewusst, dass dieses perverse rattenrennen an sein ende kommen wird — kommen muss!

    denn das ist so sicher, wie das »eisern!« an der Alten Försterei.

    wir stehen zu unserem klub, hinter dem, was er für uns INSGESAMT bedeutet, egal, in welcher liga wir wettkämpfe austragen.

    und wir erhalten uns unsere arteigene berlinische identität (schnauze mit herz), egal welche gesellschaftlichen verwerfungen auf uns zukommen werden.

  14. Berliner Fussball Club ;-). Galt früher als Stasiverein und hatte wohl Ostdeutschlands härteste Hools (den Gerüchten nach).

  15. ahhh...»die da«, wie wir unioner sagen, meinst du, Juri...
    genannt auch: »mordor« oder »die unaussprechlichen«.^^.

    end of OT.

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