Generation Facebook

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  • Von nichts eine Ahnung, aber zu allem eine Meinung haben.
  • Kaum empfänglich für rationale Argumente oder einen analytischen Diskurs sein, aber überall mit Gefühl dabei sein wollen.
  • An nichts ein ernsthaftes Interesse zeigen, außer an sich selbst.
  • Infotainment statt seriöse Berichte verkonsumieren.
  • Kein Mittelmaß oder grau mehr wahrnehmen, sondern alles nach einem binären Bewertungssystem beurteilen wollen.
  • Infantilität, Kitsch und Banalität als Problemlösungs-Kompetenz begreifen wollen.

Zeitgemäße Romantik

romantik_titelEine attraktive Frau steht an einem menschenleeren Strand. Die Sonne geht gerade unter. Der Wind umspielt ihr Haar. Der Sand streichelt ihre Haut. Aber es interessiert sie nicht. Absolut nicht. Ein smartphone glitzert in der Sonne. Mehrfaches Knipsen. Selfies werden gemacht. Auf Facebook und WhatsApp hochgeladen. Als Profilbild eingestellt. Mit dem Satz „genießt den Sonnenuntergang.“ Dann geht sie.

Der Anschlag (43)

anschlag_teaserDas Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, schlagen in einem gemeinsamen Papier vor, bundesweit mehr als 10.000 neue Kindertagesstätten zu fördern, welche Kinder 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr betreuen können.

Die Bundesregierung will neue Datenschützer ernennen, die noch mindestens mit einem Teilzeit-Vertrag beim Facebook-Konzern angestellt sind. Sie sehe hier auch keine Interessenskonflikte, schließlich nehme Facebook den Datenschutz seiner Nutzer sehr, sehr, sehr ernst.

Der SPD Kanzlerkandidat Martin Schulz möchte mehr Demokratie wagen und ruft alle Bürger zu mehr Eigenverantwortung auf. Er sei zwar schon irgendwie für mehr Gerechtigkeit, aber gleichzeitig auch kein Befürworter der sozialen Hängematte und der spätrömischen Dekadenz in Deutschland.

(Bisherige Folgen)

Narrative Legenden

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BILD-Schlagzeile vom 2. August 2016

Nebelkerzen, Alibi-Diskussionen, Trash-TV, Symbol-Politik, Boulevard-Meldungen, Teile-und-Herrsche-Diskurse sowie Nebenkriegsschauplätze, sollen uns regelmäßig von dem ablenken, was wirklich wichtig ist. Also von den Interessen der Eliten, von Reichtums-Verteilungsfragen und den wahren Hintergründen von Kriegen. Zwar weiß eigentlich jeder (mindestens gefühlt), dass es immer und überall primär nur ums Geld geht, dennoch lässt man sich immer und immer wieder auf Halb-Wahrheiten, Legenden und Mythen ein, die unsere Hirne vernebeln und unseren Verstand ausschalten sollen. Weiterlesen

Der Anschlag (30)

anschlag_teaserIn der Nacht von Freitag zu Samstag haben sich die Redaktionen der Nachdenkseiten, von RT Deutsch, Junge Welt, Neues Deutschland und KenFM komplett aufgelöst. Spiegel Online nannte es überfällig. Und auch einige mutmaßliche Linke begrüßten den Vorfall.

Das Hochladen und Teilen von Katzenbildern und –Videos ist auf Facebook ab dem nächsten Monat verboten. Nun gibt es Online-Petitionen, Shitstorms sowie regelmäßige Protestaktionen vor der Facebook-Zentrale in Deutschland.

Thomas Gottschalk, der jahrelang für Haribo Werbung machte, bezeichnete in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die kommerzielle Propaganda als die schlimmste Form der Propaganda. Johannes B. Kerner nannte ihn daraufhin einen Verschwörungstheoretiker, der nur Aufmerksamkeit erregen wolle.

Konservative Geschichtsvergessenheit

Viele konservative Biedermeier-Weltverleugner-Spießer mögen linkspolitische Menschen nicht. Diese ewigen Weltverbesserer, Gewerkschafter, Klugscheißer, Verkehrblockierer-Demonstranten, Aktivisten, Verräter-Whistleblower und die unbequemen Freidenker. Sie genießen aber alle Segnungen und Vorzüge, die eben genau Gewerkschafter und linke Aktivisten für die arbeitende Bevölkerung erkämpft haben. Und sie tun alle so, als seien diese Regelungen Naturgesetze oder von Gott gegeben. Dabei wurden sie mit viel Blut, Schweiß und Tränen erkämpft. Streikende Arbeiter, Sozialisten und politische Aktivisten wurden und werden auch weiterhin weltweit ermordet.  Blutige Streikniederschlagungen finden auch heute noch überall in der Welt statt. Eben nur nicht direkt vor unseren Augen.

Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, der 8 Stunden Arbeitstag, die Elternzeit und die 5 Tage Woche sind keine großzügigen Geschenke des Kapitals gegenüber der arbeitenden Bevölkerung gewesen. Nein, sie mussten hart und brutal erkämpft werden! Nur infantile Facebookianer, verkappte Mittelschichts-Rassisten und Sofa-Shitstormer sind eben nicht diejenigen gewesen (und werden es auch niemals sein!), die auch aufgestanden sind und sich für das Wohl der Bevölkerung eingesetzt haben. Das waren in aller Regel progressive Kräfte. Heute verachten diese Leute voller Inbrunst die Linken, die „Gutmenschen“ wie sie es oft abwertend formulieren, genießen aber gleichzeitig die Menschen- und Arbeitsrechte, die ohne linkes Engagement in der Vergangenheit niemals zustande gekommen wären.

Individualität ist Konformität

Wenn ich mein Profilbild auf Facebook ändere, dann, weil ich dringend Komplimente und Likes über mein Aussehen brauche. Schließlich definiere ich mich über mein Äußeres und bin sehr verunsichert, wenn mir nicht ständig jemand sagt, dass ich gut aussehen würde.

Wenn ich Fotos von meiner Familie, meinen Kindern oder meinen Haustieren (Katzen!) veröffentliche, will ich allen zeigen, dass ich ein harmoniebedürftiger Mensch bin und eine vorbildliche Familie habe.

Wenn ich die Timeline abarbeite, will ich vor allen Dingen private Fotos, interessante Bilder und lustige Videos sehen. Alles andere ist mir zu anstrengend. Besonders Postings, die mehr als drei Sätze beinhalten und Sachverhalte differenziert analysieren.

Generell will ich keine Kritik für irgendetwas von mir lesen. Nie. Niemals. Was ich will, ist Zustimmung, Bestätigung und Aufmerksamkeit in Form von gaaaaanz vielen Likes und „ist das aber toll/süß/witzig“ – Kommentaren. Schließlich bin ich Individualist!

Der Anschlag (14)

anschlagIm Zuge einer erneuten, alternativlosen Rettung von systemrelevanten Banken, werden die Geldreserven aller europäischen Bürger auf Giro- und Sparkonten mit einer einmaligen Abgabe in Höhe von 30 Prozent des vorhandenen Guthabens besteuert. Um einen „Banken-Run“ der EU-Bevölkerung zu verhindern, werden bundesweit alle Sparkassen, Finanzinstitute und Geldautomaten für eine Woche komplett geschlossen (5 Comments, keine Shares).

Der Bundesrat hat mit überwältigender Mehrheit die „Verordnung zur Aufrechterhaltung der deutschen Leitkultur“ verabschiedet. Demnach müssen ab dem 30. Juni 2015 alle Bürger ohne deutsche Staatsangehörigkeit und alle Menschen mit Migrationshintergrund, die nicht mindestens schon 15 Jahre in Deutschland leben und arbeiten, bis spätestens 31. Dezember 2015 das Land verlassen. BILD, RTL, CDU, die Pegida-Bewegung, die AfD und die NPD befürworten die neue Regelung (mehr als 1.000 Likes, 100 Comments und 200 Shares).

Der Mini-Rock von Heidi Klum, Model und Moderatorin, ist bei einer Preisverleihung gerissen, was Live im TV übertragen wurde (mehr als 5.000 Likes, 300 Comments und 500 Shares).

Digitale Premiumexistenzen

social_titelNachdem ich mich bereits ausführlich über die sogenannte „Shitstorm-Bewegung“ ausgelassen, sowie die These aufgestellt habe, das Social Web bedeute eben nicht zwingend ein mehr an qualitativer Kommunikation und Vernetzung, sondern sei vor allem eine Plattform zur Selbstinszenierung und Selbstbestätigung (gebt mir Likes!) – so möchte ich mich heute mit den Inhalten auseinandersetzen. Also  damit, was die Facebook-Jünger so gerne tausendfach teilen. Und was sie komplett ignorieren. Weiterlesen

Der Gratis-Schwindel

gratis_titelIst man noch relativ jung, sagen wir, so unter 10 Jahren, spielt das Thema Geld nicht zwingend die Hauptrolle im Alltag. Familie, Freundschaften, gemeinsame Spiele und Unternehmungen, Schule und Hobbys sind meist deutlich wichtiger. Mit zunehmendem Alter ändert sich das radikal. Partys, Kino- und Restaurantbesuche im Jugendalter erfordern Kohle. Sobald man das Elternhaus verlassen hat, sieht man dann das Leben vor lauter Kosten nicht mehr: Miete, Strom und Gas, Lebensmittel, Telefon und Internet, Kleidung, Kosmetik, Haushaltsgeräte und Möbel, Versicherungen, Bus- und Bahnfahrkarte oder Auto, Rundfunkgebühr und so weiter. Die Geldbeschaffung wird zum zentralen Thema der eigenen Existenz. Umso verführerischer werden dann die ständigen Versprechungen von: kostenlos, gratis und umsonst. Weiterlesen