»Und plötzlich war er da: der Krieg«

krieg1Wir saßen gerade beim Abendbrot, als der Horror über uns kam. Ein kurzes Donnergrollen, laute Explosionen und dann begann die Feuersbrunst. Meine Frau war sofort tot und mein achtjähriger Sohn blutüberströmt.

Ich wollte schreien, brüllen und weinen – aber ich konnte nicht. Ich hatte das Gefühl für einen ewig langen Moment zwischen zwei Sekunden gefangen zu sein. Dann reagierte ich nur noch instinktiv. Ich nahm meinen Sohn und suchte in den Ruinen unserer Wohnung nach medizinischen Vorräten, Lebensmitteln und nach halbwegs unzerstörter Kleidung. Dann gab ich meiner toten Frau einen Kuss, drückte sie fest an mich, versorgte schnell mein Kind, so gut es ging, packte meinen Rucksack und ging dann nach draußen.

Mein älterer Bruder Theodor sagte mir, dass dies eines Tages passieren würde. Wer ständig einseitig gegen Putin hetzen und Politik machen würde, bekomme dafür irgendwann die Quittung, betonte er immer. Ich hielt ihn für einen Übertreiber, Spinner und linken Träumer. Er redete ständig davon, dass man den Kapitalismus überwinden und eine Gesellschaftsform finden müsse, die den Menschen und nicht den Profit in den Mittelpunkt rücken würde. Ich verstand ihn nicht. Uns ging es doch gut! Und dann sein ständiges Gerede vom US‐Imperialismus, Banken‐ und Konzernmacht, welche die Welt in den Ruin treiben würden. Mir war das alles egal, schließlich hatten meine Familie und ich ein gutes Auskommen und lebten in Frieden. Ich war Unternehmensberater.

Meinen Sohn im Arm haltend, betrachtete ich für einen Augenblick meine Wohngegend. Oder besser: was von ihr übrig geblieben war. Zerstörte Häuser, aufgerissene Straßen, brennende Autos, umgestürzte Bäume, der Geruch von Schwefel, Blut und Tod lag in der Nase und überall verzweifelte Menschen, die verletzt waren. Mein Sohn machte schmerzverzerrt die Augen auf: »Papa, was ist denn los?« Ich streichelte über sein Gesicht, hielt ihn fest und sagte, dass ich auf ihn aufpassen und ihn beschützen würde. Ich musste stark sein, es ging ums nackte Überleben. Auch wenn ich keine Ahnung hatte, was ich tun sollte.

Warum es zum Krieg gekommen war und wer jetzt genau die Konfliktparteien waren, wusste ich nicht. Es interessierte mich auch jetzt nicht. Irgendwie war wohl Russland beteiligt. Politik war noch nie mein Ding. Ich war noch nie politisch engagiert oder auf Demonstrationen und mit dem Wählen hatte ich irgendwann aufgehört. Hätte eh alles nichts gebracht und sicherlich auch keinen Krieg verhindert. Dafür war ich in den letzten zehn Jahren noch nie krank und auf Arbeit immer sehr zuverlässig, pünktlich und fleißig. Auch mit meinem Chef verstand ich mich sehr gut.

Plötzlich stand Theodor vor mir. Ich war sehr froh ihn zu sehen. Er meinte, er wisse wo wir vorerst sicher sein würden. Ich folgte ihm.

9 Gedanken zu “»Und plötzlich war er da: der Krieg«

  1. Morgen findet in München eine Demo gegen die Münchner Sicherheitskonferenz statt!

    Bei der Münchner Sicherheitskonferenz berät sich die private Waffenindustrie mit Militärs, Politik und Hochfinanz und nimmt dafür alljährlich die Münchner Innenstadt in Geiselhaft. 4000 Polizisten sichern das Ganze ab und wir Steuerzahler dürfen das bezahlen.

    Star‐Gast dieses Jahr: der nette Herr Poroschenko.....

    Beginn der Demo: Marienplatz 13.00 Uhr Auftaktkundgebung, anschließend Demonstrationszug durch die Münchner Innenstadt.

  2. »wäre doch schön, wenn irgendeiner diesen Poroschenko in die ewigen Jagdgründe befördern würde«

    mag ja sein, dass diese Aussage noch unter die Meinungsfreiheit fällt. Mir gefällt nur nicht diese gewalttätige und unmenschliche Ausdrucksweise. Ich muss dabei immer an A. B. Breivik denken.

  3. Andrea: Das ist noch der Spartarif für uns Steuerzahler. Richtig teuer wird es beim G7‐Treffen am 7./8. Juni 2015 auf Schloss Elmau bei Mittenwald. 80 Mio. Euro, davon die Hälfe allein für Sicherheitsmaßnamen (bis zu mehreren Helis in der Luft).

    epikur: Ist es richtig, dass Du davon ausgehst, dass Russland einen Krieg mit der Nato beginnt? Dem Kontext Deiner Fiktion ist dies so zu entnehmen. Oder wohnst Du in Russland?

  4. @altautonomer

    Ich weiß nur, wenn es so weiter geht, wird das alles noch ganz böse enden. Ob die NATO oder Russland dann als erstes geschossen haben, ist dann auch nicht mehr wichtig. Jedenfalls nicht für die Millionen Toten.

    Und nein, ich wohne in Berlin. Bist Du die Gesinnungspolizei? ;)

  5. @Altauto – ein solcher Angriff wie o.g. könnte friendly fire
    gewesen sein: schon in WK II weit verbreitet. Mein Vater
    mußte als 10jähriger miterleben, wie eine Nachbarsfamilie
    von einer deutschen Artilleriegranate ausgelöscht wurde,
    incl. der Bergung ihrer wenigen zerfetzten Überreste.

    Apropos friendly fire: die Starfighter‐Absturzserie in den 60–80ern, war die etwa anders. Manch eine F‐104 ist marschflugkörpermäßig in bewohnte Häuser eingeschlagen, kollateralschadenintensiv.
    Auch eine Art von Krieg gegen die eigene Bevölkerung.

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