Emanzipation

Über einen Deutschlandfunkkultur‐Podcast bin ich auf die Luxus‐Prostituierte Salomé Balthus aufmerksam geworden. Sie selbst sagt: »Was ich mit meinem Unterleib tue, entscheide ich selbst.« Für einen Großteil von radikalen Feministinnen sind Prostitution und Pornografie Frauen‐Unterdrückungs‐Maschinerien und gehören bekämpft. In ihrem Weltbild ist kein Platz für Frauen, die Spaß am Sex haben oder damit gar gerne ihr Geld verdienen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf und soll.

Nun wurde Salomé Balthus von Gunhild Mewes (»Kämpferin gegen die Vergewaltigungskultur«) »wegen Verbreitung pornografischer Schriften« angezeigt. Es sind eben nicht immer nur Männer, die per Generalverdacht sowieso alle Täter, Vergewaltiger und Unterdrücker -also stets schuldig sind‐ sondern auch selbstbewusste Frauen, die den radikalen Feministinnen nicht passen:

»Es ist genau dieser Stolz, die schamlose laszive Weiblichkeit, vor der alle die Angst haben, die Frauen lieber als Opfer sehen wollen. Lässt das nicht tief blicken? Steckt in diesem Opferbild nicht mehr Verachtung und Machtanspruch als in jedem schlüpfrigen Herrenwitz? Wie viel mehr fürchte ich den Neid der Frauen, als die Geilheit eines Mannes.«

Alle Männer, Porno‐Darstellerinnen und Sex‐Arbeiterinnen moralisch und rechtlich vor‐zu‐verurteilen, hat für mich nichts mit Emanzipation, Frauenbefreiung oder Feminismus zu tun, sondern mit einer menschenverachtenden, sexistischen Hetz‐ und Diskriminierungs‐Ideologie. Übrigens: Das Verfahren gegen Salomé Balthus wurde eingestellt.


Romantische Krawallchaotinnen
Die Spaltung der Geschlechter
Gender. Sex. Bullshit.

Fragmentierter Widerstand

»Im Universum der NGO’s  wird alles und jedes zu einem Thema, zum separaten, professionell abzuarbeitenden Einzelproblem und Einzelinteresse. [...] Diese Art der Förderung hat die Solidarität in einer Weise aufgesplittert, wie es keiner Repression je gelingen könnte.«

- Arundhati Roy, »Der Imperialismus der Wohltäter«, Blätter Ausgabe August 2012, S. 72

Anmerkung: Tausende, fragmentierte Grüppchen, engagieren sich in der Umwelt‐ oder Friedensbewegung, ehrenamtlich im sozialen Bereich oder streiten auf kommunaler Ebene für mehr Investitionen im Bildungssektor. Der Blick auf das große Ganze wird in der Regel systematisch ausgeblendet. Die tausendfache Zersplitterung nimmt nicht nur den Kapitalismus als Urheber komplett aus dem Blickfeld, sondern schwächt auch die eigene Position. Ob das Deutsche Rote Kreuz, der BUND, Amnesty International, Greenpeace, der WWF oder Ärzte ohne Grenzen – jeder kocht sein eigenes Süppchen und niemand stellt den Kapitalismus, der stets die Ursache für all die weltweiten Probleme ist, in Frage. Schließlich sei er alternativlos.

Warm eingebettete Spaltung

Die indische Schriftstellerin und Globalisierungskritikerin Arundhati Roy hat in der August Ausgabe der »Blätter für deutsche und internationale Politik« (kurz: »Blätter«), einen interessanten Gedanken formuliert:

- Quelle: flickr. von jeanbaptisteparis

Im Universum der NGO’s  wird alles und jedes zu einem Thema, zum separaten, professionell abzuarbeitenden Einzelproblem und Einzelinteresse. [...] Diese Art der Förderung hat die Solidarität in einer Weise aufgesplittert, wie es keiner Repression je gelingen könnte.

- Arundhati Roy, »Der Imperialismus der Wohltäter«, Blätter Ausgabe August 2012, S. 72

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Die gespaltene Gesellschaft

Raucher gegen Nichtraucher, Frauen gegen Männer, Reiche gegen Arme, Gesunde gegen Alte, Arte gegen RTL2, Eltern gegen Erzieher, Vegetarier gegen Fleischesser, Deutsche gegen Ausländer, Autofahrer gegen Autofahrer, Erwerbstätige gegen Erwerbslose, Großkonzerne gegen Mittelstandsunternehmen, Studenten gegen Hauptschüler, Christen gegen Moslems, Lehrer gegen Schüler, Popstars gegen DSDS, Saturn gegen Media Markt, Burger King gegen McDonalds, Nachbar gegen Nachbar, Blogger gegen Printmedien — und umgekehrt!

Ein Riss geht quer durch alle Gesellschaftsschichten. Die deutsche Gesellschaft ist so gespalten wie nie zuvor. Gelebt werden Konkurrenz und Wettbewerb. Jeder ist mit seinen ganz privaten Kleinkriegen so sehr beschäftigt, dass er den Blick für das große Ganze verliert. Harmonie und Solidarität werden belächelt, als utopisch abgestempelt. Spalten heisst die Devise. Eine Gemeinschaft, die auf Freiheit und Gerechtigkeit aufgebaut werden soll, muss zunächst Spaltungstendenzen entschärfen und überwinden. In Deutschland passiert seit Jahren das glatte Gegenteil.