Die Erzieher-Nation

nation_titelSo sollten Sie sich beim Vorstellungsgespräch verhalten!
Diesen Sport müssen Sie treiben, um fit zu bleiben!
Das sollten Sie uns glauben und verinnerlichen!
Das müssen Sie essen, um gesund zu bleiben!
Das sollten Sie lesen und wissen!
Das sollten Sie unbedingt kaufen!
So müssen Sie sich bewerben!
So werden Sie perfekte Eltern!

Mit Verlaub: Ihr könnt mich alle mal! :SICK:

Der pädagogische Happen (9)

_happen_Viele Jungen lieben Fußball. Sie sind in Vereinen aktiv, ihre Eltern fiebern am Spielrand mit (sorgen für ordentlich Leistungsdruck) und am Wochenende gibt es regelmäßige Turnierspiele. Insgesamt wird diese Freizeitaktivität als sehr positiv bewertet. Insbesondere auch deshalb, weil sie bei vielen Vätern so beliebt ist. Dabei eignet sich gerade diese Sportart sehr gut, um schon die Kleinen frühzeitig mit neoliberalen (Un-)Werten zu indoktrinieren und zu infizieren.

Wie oft habe ich es persönlich schon erlebt, dass selbst bei den Kindern der Leistungsgedanke, der Erfolg, der Egoismus, der Wille zum Sieg, der Ehrgeiz, das Wettbewerbs- und Konkurrenzdenken sowie das rücksichtslose Vorgehen vor Spaß, Empathie (beispielsweise bei Verletzungen im Spiel) und Teamgeist stehen. Sicher, es mag diese Aspekte schon immer beim Fußball gegeben haben. Aber es gab auch mal Zeiten, bei denen man selbst bei einer Niederlage noch Spaß haben konnte. Oder wo man beim Fußball-Spielen noch gelacht hat. Oder wo Jungen, die kein Fussball mögen, nicht sofort ausgegrenzt wurden. Stattdessen gibt es heute vielfach den heiligen Leistungsernst.

Keine Sklaven. Nirgends.

(22 Sekunden Realitätsverdrängung und Realsatire)

„In Katar baut eine riesige Arbeiterarmee an sechs von sieben Wochentagen, winters wie sommers, bei Temperaturen von bis zu 50 Grad, die Stadien für die Fußballweltmeisterschaft 2022. Während ihres Aufenthalts in Katar sind die ausländischen Arbeiter praktisch rechtlos: ihr Lohn wird sehr spät oder gar nicht ausgezahlt, ihre Wohnheime sind baufällig und unhygienisch, sie dürfen ohne Zustimmung des Arbeitgebers nicht den Job wechseln und ihr Pass wird eingezogen. […] Bis zum ersten Anpfiff der WM ist mit dem Tod von über 7.000 Wanderarbeitskräften zu rechnen.“

David Garcia. „Die Leibeigenen von Katar“. Le Monde Diplomatique. Ausgabe Juni 2016. S. 16

Neulich im Schwimmbad: Teil 2

Manchmal besitzen banale Alltagserlebnisse so ihre ganz eigene Moralerfahrung. So ergeht es mir beispielsweise beim Bahnen ziehen im Schwimmbad. Während ich noch vor einiger Zeit ständig Rücksicht genommen habe und ausgewichen bin, so musste ich leider die Erfahrung machen, dass sich genau darauf besonders die Senioren verlassen (Jüngere weichen auch mal aus). Sie sehen mich quasi schon meilenweit kraulen kommen, rühren sich aber nicht einen Zentimeter vom Fleck, sondern erwarten, dass ich im Zickzack-Kurs durchs Becken kreise, wie ein Aal unter Speed. Diese einseitige Rücksichtnahme meinerseits, ging mir irgendwann tierisch auf den Sack, so dass ich nun streng meine Bahnen ziehe. Schwimmbojen, die mir in den Weg kommen, werden ab sofort gnadenlos abgedrängt.

Natürlich dauerte es nicht lange, bis ich die ersten Diskussionen im Wasser mit älteren Damen über 60 hatte. Ob ich denn denke, alleine hier zu sein oder ob ich nicht so schwimmen könne, dass kein anderer davon nass werde und so weiter. Hochbetagte Vollblut-Omas, die im Duett nebeneinander in Standgeschwindigkeit dahintreiben, das halbe Bad mit ihren Gesprächen über Küche, Kinder und Krankheiten unterhalten, sowie sämtliche Bahnen mit Schneckengeschwindigkeit blockieren, wollen mir etwas über egoistisches Verhalten erzählen? Die traurige Moral: wenn der Klügere immer nachgibt, gewinnt am Ende immer der Dumme.

Und dann die Oppas, die auf der Herren-Toilette nie die Spülung betätigen… :SICK: Ob die das Zuhause auch so machen?

Kinder in Deutschland; Teil 38: Vereinsmeierei

verein_titelEs gibt kaum einen Eltern-Stammtisch, bei dem nicht irgendwann das Vereins-Thema angesprochen wird. Für viele Mütter und Väter scheint es heutzutage essentiell zu sein, dass ihr Kind ein vorzeigbares Hobby hat. Ein pädagogisch-wertvolles, berufsvorbereitendes und sozial geachtetes Interesse, welches mit Disziplin, Sorgfalt und Regelmäßigkeit betrieben wird. Hier sollen schon früh die marktwirtschaftlich relevanten Skills ausgebildet werden: Eigenverantwortung, Teamfähigkeit, Disziplin, Belastbarkeit und Gewissenhaftigkeit. Wenn Kinder eine selbstbestimmte Leidenschaft entwickeln, ist das auch durchaus begrüßenswert. Sehr viel häufiger wird es ihnen jedoch aufgeschwatzt und aufgezwungen. Weiterlesen

Presseblick (40)

Harald Schumann, investigativer Journalist beim Tagesspiegel und Regisseur der durchaus empfehlenswerten Video-Dokumentation: „Die Troika – Macht ohne Kontrolle“ behauptet auf Telepolis: „Wenn man den Mächtigen nach dem Maul schreibt, bekommt man die besseren Honorare.“ Völlig richtig. Leider verharmlost auch er die Eigentum- und Machtverhältnisse der Massenmedien, indem er die einseitige Propaganda bei der Russland- und Griechenland-Berichterstattung so kommentiert: „Die Kollegen haben es getan, weil es einfach war. Man konnte sich der Aufmerksamkeit des Lesers und des Zuschauer sicher sein. Es war eine Story.“ Von redaktionellen Vorgaben, Selbstzensur, vorauseilendem Gehorsam, Kopfscheren und Atlantik-Brücke-Journalisten ist keine Rede. Denn wer die Eigentumsverhältnisse sowie die zunehmende Gleichschaltung der Massenmedien thematisiert, gehört heute schon zu den Verschwörungstheoretikern. Weiterlesen

Neulich im Schwimmbad

In Ruhe seine Bahnen ziehen, ist schon lange kein Vergnügen mehr, sondern eher eine Herausforderung geworden. Das Schwimmbad in meiner Nähe, welches ich in 15 Minuten per Fußweg erreiche, ist voller Treibholz und Schwimmbojen. Ältere Damen jenseits der 60 segeln fröhlich mit Stehgeschwindigkeit im Duett oder im Trio nebeneinander (!!) her, schwatzen entspannt über das Wetter, Krankheiten und vermeintliche Familienprobleme. Schimpfen jedoch sofort los, wenn man es wagen sollte, sie zu überholen oder wenn sie einen Tropfen Wasser, beispielsweise durchs Kraulschwimmen, abbekommen. Senioren üben sich im Rückenschwimmen und drängen alle Hindernisse, also andere Menschen, rücksichtslos ab: „Oh, Entschuldigung!“ Na klar. Dabei bin ich derjenige, der ständig am ausweichen ist und Rücksicht nimmt. Sie alle haben aber schließlich Eintritt bezahlt und nun das Recht erworben, sämtliche Bahnen mit ihrem Egoismus zu blockieren.

Bis 15 Uhr kostet der Eintritt 3,50 Euro, danach 5,50 Euro. Das tolle: ab 15 Uhr fängt auch der Parallelbetrieb an. Schwimmkurse für Kinder und Erwachsene, Aqua-Fitness und so weiter. Man darf also ab 15 Uhr mehr als 50 Prozent des Grund-Eintrittspreises draufzahlen und bekommt dafür dann weniger Schwimmfläche zur Verfügung als vor 15 Uhr. Als ich die Badeaufsicht auf diese absurde Logik hinweise, macht sie auf unschuldig: „Ich bin dafür nicht verantwortlich.“ Das stimmt sogar. Verantwortlich sind die politischen Budget-Kürzungen für Bildung, Kultur und Soziales. Irgendwie müssen die Milliarden, die man den Banken geschenkt hat, ja wieder eingetrieben werden. Schwimmen wird zunehmend zu einer privilegierten Freizeitbeschäftigung.

Meine guten Vorsätze für das Jahr 2015

  1. Alles glauben und nachplappern was mir BILD und RTL sagen.
  2. Keinen Sport treiben, weiter rauchen, saufen und auf der Couch rumlümmeln sowie fleißig Junk Food und Zuckerbomben fressen.
  3. Meine Lohnarbeit als mein größtes Hobby und als meine größte Leidenschaft verinnerlichen und keine Zeit für schöpferische Tätigkeiten verwenden.
  4. Weiter in meinem mental-emotionalen Biedermeier-Glasbunker leben; weltweite Armut, Ausbeutung und Kriege verleugnen.
  5. Mir ganz viel neues Zeug kaufen, was ich gar nicht brauche. Und es dann nach zwei Wochen wieder wegwerfen. Mindestens drei neue smartphones zulegen.
  6. Kinder, Migranten und alte Menschen ordentlich verabscheuen und hassen.
  7. Einen großen Bogen um Gesellschafts-, Medien- und Wirtschaftskritik machen. Und jeden, der sich damit beschäftigt als nervigen Spinner beschimpfen.
  8. Auf Facebook viele Katzenbilder posten und teilen, fleißig Familienbilder hochladen und mein Profilbild öfter wechseln, um Bestätigung zu bekommen.
  9. Mir im Fernsehen sämtliche Pseudo-Doku-Sozialsoaps reinziehen.
  10. Weiterhin den Neoliberalismus als alternativlose Wahrheit anbeten.

Ich muss nichts verändern. Ich bin Deutschland. Ich bin perfekt.

P:S: Meine 10 Wünsche für das Jahr 2014 sind natürlich nicht in Erfüllung gegangen.

Gesundschönheit

Quelle: wikimedia

Zwischen Schönheit und Gesundheit, zwischen Gesundheit und Schönheit wird ein untrennbarer Zusammenhang hergestellt. Die Pharma-, Lebensmittel- und die Sportindustrie erzeugen mit dieser konstruierten Kausalität eine Symbiose, von der alle finanziell profitieren. In dieser Trias ist gesund und schön, wer sich entsprechend ernährt, ist gesund und schön, wer die entsprechenden Kosmetik- bzw. Pharmaprodukte verwendet und ist gesund und schön, wer ausreichend Sport betreibt. Wer gesund und schön sein will, muss nicht nur leiden, wie der Volksmund sagt, sondern er muss vor allem kaufen, zahlen und konsumieren. Weiterlesen