Neulich im Schwimmbad: Teil 2

Manchmal besitzen banale Alltagserlebnisse so ihre ganz eigene Moralerfahrung. So ergeht es mir beispielsweise beim Bahnen ziehen im Schwimmbad. Während ich noch vor einiger Zeit ständig Rücksicht genommen habe und ausgewichen bin, so musste ich leider die Erfahrung machen, dass sich genau darauf besonders die Senioren verlassen (Jüngere weichen auch mal aus). Sie sehen mich quasi schon meilenweit kraulen kommen, rühren sich aber nicht einen Zentimeter vom Fleck, sondern erwarten, dass ich im Zickzack‐Kurs durchs Becken kreise, wie ein Aal unter Speed. Diese einseitige Rücksichtnahme meinerseits, ging mir irgendwann tierisch auf den Sack, so dass ich nun streng meine Bahnen ziehe. Schwimmbojen, die mir in den Weg kommen, werden ab sofort gnadenlos abgedrängt.

Natürlich dauerte es nicht lange, bis ich die ersten Diskussionen im Wasser mit älteren Damen über 60 hatte. Ob ich denn denke, alleine hier zu sein oder ob ich nicht so schwimmen könne, dass kein anderer davon nass werde und so weiter. Hochbetagte Vollblut‐Omas, die im Duett nebeneinander in Standgeschwindigkeit dahintreiben, das halbe Bad mit ihren Gesprächen über Küche, Kinder und Krankheiten unterhalten, sowie sämtliche Bahnen mit Schneckengeschwindigkeit blockieren, wollen mir etwas über egoistisches Verhalten erzählen? Die traurige Moral: wenn der Klügere immer nachgibt, gewinnt am Ende immer der Dumme.

Und dann die Oppas, die auf der Herren‐Toilette nie die Spülung betätigen... :SICK: Ob die das Zuhause auch so machen?

5 Gedanken zu “Neulich im Schwimmbad: Teil 2

  1. Genauso. Ich gehe nicht mehr in mein Schwimmbad, weil es nicht mehr möglich ist, den Zweier‐ und Dreierketten plappernder Rentner und Rentnerinnen auf einer mäßig breiten Schwimmfläche auszuweichen. Die schwimmen kurz vor einem von der Bande los, obwohl sie sehen, dass man gerade auf ihrer Bahn ankommt. Eine Sekunde gewartet und sie hätten freie Bahn gehabt. Ich habe mich schon oft gefragt, wieso diese Menschen ihre vielleicht gute Kinderstube so vergessen haben.

  2. @PeWi: Genau solche Situationen erlebe ich beim Schwimmen auch immer wieder. Ich frage mich dann jedes Mal: Das sind doch erwachsene Menschen mit zwei Augen im Kopf und einem Großhirn unterm Schädeldach. Die müssten doch sehen, dass da jemand schwimmt. Falsch gedacht, immer wieder. Ich denke, es ist dieser kurze Moment des Machtausübens, eine andere Erklärung habe ich auch nicht.

  3. solches gibt es nicht nur im schwimmbad. kann man täglich im straßenverkehr beobachten bzw. am eigenen leibe erfahren. parkendes auto, wartendes auto in der seitenstraße oder auto rechts hinterm LKW auf der BAB, man nähert sich und der oder die fährt los, obwohl es vorher gewartet hat oder gleich hätte fahren können.
    das sind diese unzulänglichkeiten, bei denen ich mich frage: warum habe die einen kopf auf dem hals? nur, damit es nicht hinein regnet ?..

  4. @Stefan R.

    Gut möglich, dass es hier um Macht geht. Gerade die älteren Menschen sind in unserer Gesellschaft ja viel zu häufig machtlos. Vielleicht ist das hier einfach mal eine Gelegenheit, die sie sich nicht entgehen lassen wollen ;)

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