Zeitverschwendung

»Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!« (Kurt Tucholsky)

Videospiele seien Zeitverschwendung. Fernsehen, Filme und Serien seien Zeitverschwendung. Nerd‐Hobbys (Trading‐Card‐Games, Tabletop‐Games, Pen&Paper-Rollenspiele, ehrenamtliches bloggen etc.) ebenso. So heißt es allerorten. Produktiv sein. Funktionieren. Keine Zeitverschwendung seien primär Selbstoptimierungs‐Tätigkeiten. Außerdem haben Hobbys und Freizeit‐Aktivitäten einen ganz unterschiedlichen sozialen Status. Kochen, Sport und Musik machen haben einen hohen sozialen Stellenwert. Je nerdiger, desto uninteressanter.

Mich aber mit anderen Eltern im ewig gleichen Diskursrahmen über Smalltalk‐Sozial‐Status‐Spießer‐Geblubber (Auto, Haus, Garten, Urlaub, Lohnarbeit, Kinder etc.) zu unterhalten, ist für mich restlose Zeitverschwendung.

Mir BWL‐Bullshitjob‐Wissen anzueigenen, infantilisiert meine Vernunft und ist insofern komplette Zeitverschwendung.

Mit meinen engstirnigen Verwandten über Normen, Werte und Grundüberzeugungen zu diskutieren, ist ebenfalls: totale Zeitverschwendung.

Mit BILD‐Lesern und RTL‐Konsumenten über die Todesstrafe zu diskutieren, ist verschwendete Lebenszeit.

Das gesellschaftliche Narrativ der »Zeitverschwendung« gehört unbedingt überarbeitet.


Das Verschwinden der Hobbys
»Verschwende Dein Leben!«
»Die Anarchie der freien Zeit«

Das Verschwinden der Hobbys

Ein Hobby, dass kaum noch ohne Leistungs-, Konkurrenz- und Wettbewerbsdenken ausgeübt wird: Fussball

Ein Hobby, dass kaum noch ohne Leistungs‐, Konkurrenz‐ und Wettbewerbsdenken ausgeübt wird: Fussball

Laut wikipedia leitet sich das Wort Hobby von »hobby horse« (Steckenpferd) ab. Es ist eine zweckfreie Tätigkeit, die kein direktes Ziel hat, außer der eigenen Entspannung, Zufriedenheit und Freude zu dienen. Im Zeitalter der neoliberalen Selbstoptimierung, in der wirklich jede Tätigkeit einen persönlichen Vorteil und Nutzeneffekt generieren muss, ist es wenig verwunderlich, dass immer weniger Menschen einer Freizeitbeschäftigung nachgehen, die auch Mut zu Schwäche und Fehlern erfordert. Aber selbst ein Teilzeit‐Leben -neben dem Erwerbsleben‐ ohne Leistungsdruck, Wettbewerbsdenken und Haben‐Habitus können sich viele überhaupt nicht mehr vorstellen. Zwischen optimieren und konsumieren gibt es aber mehr, als nur die schnöde Lohnarbeit. Weiterlesen

Mein Leben für die Lohnarbeit!

lohnarbeit_titel

Dir sind Deine Prinzipien, Werte und Moralvorstellungen wichtiger als die Arbeit?
Dir sind Deine Hobbys und Leidenschaften wichtiger als die Arbeit?
Dir sind Deine Familie und Kinder wichtiger als die Arbeit?
Dir sind Deine Freunde wichtiger als die Arbeit?

Dann Tschüss! So eine Motivationsschwäche und Illoyalität können wir nicht gebrauchen! Geh doch zum Jobcenter! Werd‹ doch Hartzi! :BULLE:

Kinder in Deutschland; Teil 38: Vereinsmeierei

verein_titelEs gibt kaum einen Eltern‐Stammtisch, bei dem nicht irgendwann das Vereins‐Thema angesprochen wird. Für viele Mütter und Väter scheint es heutzutage essentiell zu sein, dass ihr Kind ein vorzeigbares Hobby hat. Ein pädagogisch‐wertvolles, berufsvorbereitendes und sozial geachtetes Interesse, welches mit Disziplin, Sorgfalt und Regelmäßigkeit betrieben wird. Hier sollen schon früh die marktwirtschaftlich relevanten Skills ausgebildet werden: Eigenverantwortung, Teamfähigkeit, Disziplin, Belastbarkeit und Gewissenhaftigkeit. Wenn Kinder eine selbstbestimmte Leidenschaft entwickeln, ist das auch durchaus begrüßenswert. Sehr viel häufiger wird es ihnen jedoch aufgeschwatzt und aufgezwungen. Weiterlesen