Der pädagogische Happen (27)

Mutter A: »Mein Sohn spielt ja jetzt jeden Montag Klavier!«

Mutter B: »Okay.«

Mutter A: »Dienstags und Freitags spielt er ja eh schon Fussball im Verein. Manchmal gibts noch Turniere am Wochenende.«

Mutter B: »Interessant.«

Mutter A: »Und im Schulhort macht er seit drei Wochen bei der Spanisch‐AG mit.«

Mutter B: »Wirklich?«

Mutter A: »Na klar! Ich habe ihm gesagt, dass ich es mir wünschen und ich es ganz toll finden würde, wenn er das macht. Und jetzt macht er das.«


Der pädagogische Happen (1−26)

»Ich bin stolz!«

Ich bin stolz auf meine Sklavenmoral.
Ich bin stolz auf meine emotionale Meinung.
Ich bin stolz darauf, früh aufzustehen.
Ich bin stolz darauf, keine Hobbys oder Leidenschaften zu haben und stattdessen -ganz und ausschließlich‐ nur für meine Kinder da zu sein.
Ich bin stolz auf meine Eindimensionalität und Ich‐Perspektive.
Ich bin stolz auf unser schönes tolles Deutschland!

Und worauf seid Ihr so stolz? :SHOCK:

Zeitverschwendung

»Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!« (Kurt Tucholsky)

Videospiele seien Zeitverschwendung. Fernsehen, Filme und Serien seien Zeitverschwendung. Nerd‐Hobbys (Trading‐Card‐Games, Tabletop‐Games, Pen&Paper-Rollenspiele, ehrenamtliches bloggen etc.) ebenso. So heißt es allerorten. Produktiv sein. Funktionieren. Keine Zeitverschwendung seien primär Selbstoptimierungs‐Tätigkeiten. Außerdem haben Hobbys und Freizeit‐Aktivitäten einen ganz unterschiedlichen sozialen Status. Kochen, Sport und Musik machen haben einen hohen sozialen Stellenwert. Je nerdiger, desto uninteressanter.

Mich aber mit anderen Eltern im ewig gleichen Diskursrahmen über Smalltalk‐Sozial‐Status‐Spießer‐Geblubber (Auto, Haus, Garten, Urlaub, Lohnarbeit, Kinder etc.) zu unterhalten, ist für mich restlose Zeitverschwendung.

Mir BWL‐Bullshitjob‐Wissen anzueigenen, infantilisiert meine Vernunft und ist insofern komplette Zeitverschwendung.

Mit meinen engstirnigen Verwandten über Normen, Werte und Grundüberzeugungen zu diskutieren, ist ebenfalls: totale Zeitverschwendung.

Mit BILD‐Lesern und RTL‐Konsumenten über die Todesstrafe zu diskutieren, ist verschwendete Lebenszeit.

Das gesellschaftliche Narrativ der »Zeitverschwendung« gehört unbedingt überarbeitet.


Das Verschwinden der Hobbys
»Verschwende Dein Leben!«
»Die Anarchie der freien Zeit«