Der pädagogische Happen (27)

Mutter A: »Mein Sohn spielt ja jetzt jeden Montag Klavier!«

Mutter B: »Okay.«

Mutter A: »Dienstags und Freitags spielt er ja eh schon Fussball im Verein. Manchmal gibts noch Turniere am Wochenende.«

Mutter B: »Interessant.«

Mutter A: »Und im Schulhort macht er seit drei Wochen bei der Spanisch‐AG mit.«

Mutter B: »Wirklich?«

Mutter A: »Na klar! Ich habe ihm gesagt, dass ich es mir wünschen und ich es ganz toll finden würde, wenn er das macht. Und jetzt macht er das.«


Der pädagogische Happen (1−26)

4 Gedanken zu “Der pädagogische Happen (27)

  1. Wenn Kinder sich für so was selbst interessieren, ist es okay. Wer früh übt, ist später richtig gut in etwas.
    Aber dieses ständige Zwingen...
    Bevor das Kind Spanisch lernt, soll es erst einmal seine eigene Muttersprache beherrschen. Damit haben auch schon genügend Leute ein Problem...

    Alles andere ist nichts weiter als »Konditionierung«. Wie als wenn man einen Hund dressiert, Kunststücke zu machen.

    Bevor man die Kinder in zig AGs steckt und eigentlich darüber selbst nur seine unvollendeten Träume verwirklichen will, sollte man diese Investition doch besser in sich selbst machen — wer will hier schließlich mit was angeben können?
    Wie ging noch mal ein dummer Werbespruch... »Schreib‹ dich nicht ab.«?
    (Und wenn man eben mit 40 zu dumm dazu ist, was gänzlich neues lernen, sollte man es doch besser einsehen, dass man einfach nicht so schlau ist, dass man 3 Fremdsprachen, Klavierspielen und athletisch zugleich sein kann. Das hat auch was mit geistiger Arbeit zu tun — fällt nicht einfach vom Himmel oder man schüttelt es aus dem Handgelenk.)

  2. Wenn das Beispiel nicht so ein klischeehaftes wäre. Man könnte dies auch unter anderem Gesichtspunkt sehen, nämlich als eine Variante von sozialem Missbrauch von Kindern als allgemein akzeptiertes Geschäftsmodell.

    In diesem Kontext wird regelmäßig die völlig legale Form der Benutzung von Minderjährigen, die ich als sozialen Missbrauch bezeichne, vernachlässigt. Ich denke dabei z. B. an die Casting‐Show »The Voice Kids« bei der Kinder dazu benutzt werden, um die Quote einer kommerziellen Inszenierung zu halten bzw. zu erhöhen oder die Vorstellungen der Eltern vom eigenen Ruhr zu kompensieren. Früher war es die »Mini‐Playback‐Show«, die in der pädagogischen Kritik stand.

    Natürlich sehen Kinder nicht, dass es sich bei Casting‐Shows um inszenierte Sendungen handelt. Sie können meist nicht einschätzen, was es heißt, öffentlich vermarktet und zur Show gestellt zu werden. Das alles kann sie traumatisieren.

    Abgesehen davon übt es natürlich enormen Druck und Stress auf die Kinder aus, vor einem Millionenpublikum zu stehen und zu singen. Paula Honkanen‐Schobert, Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, trifft es auf den Punkt, wenn sie über „The Voice Kids“ sagt:

    Casting‐Shows produzieren sehr viele Verlierer, und nur einer kann gewinnen. Aber Kinder sollen ja individuell ihre Stärke zeigen. In diesem Konzept ist die Enttäuschung vorprogrammiert.“

    Das trifft ebenfalls auf andere Sendungen dieser Art zu. Von „Germany’s Next Top Model“ und dessen Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein von Mädchen möchte ich hier gar nicht erst anfangen. Denn dort wurde in der aktuellen Staffel eine 17‐jährige mit psychischem Druck -bis ihre Tränen flossen‐ dazu genötigt, sich im Prostituierten‐Look auf einer Alm fotografieren zu lassen.

  3. @ altautonomer
    Ja, im Wesentlichen ist es das.
    Und noch mal ja, es sind nicht nur medienwirksame Casting‐Shows.
    Sozialer/emotionaler Missbrauch ist es auch, wenn man das Kind ab 4 gegen seinen Willen zum Klavierunterricht schleppt, und mit 13 fängt es an, dir als Elternteil diesen Mist radikal vor die Füße zu kotzen.
    Bei solchen, die nicht selbst Interesse an so was haben, wird das früher oder später so kommen.
    Und glückliche Erwachsene werden das auch nicht — siehe Jacko, siehe Frau Spears; um mal ein paar sehr berühmte Beispiele von kaputten Kinder‐Stars zu nennen.
    Gar nicht zu schweigen von den ganzen Boybands, die Pearlman gecastet hat...

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