Sinn im Unsinn

sinn_titelEs kann nicht sein, was nicht sein darf. Oder: einfach mal radikal die eigene Perspektive wechseln, vielleicht erscheinen einem dann manche Ereignisse nicht nur in einem anderen Licht, sondern machen dann durchaus auch Sinn. Oder eben auch nicht. Einige verquere Gedanken.

1.) Viele Menschen ärgern sich zu Recht über Angela Merkel’s Satz „Uns geht es gut!“. Vielleicht ist mit „uns“ aber auch einfach nur die reiche und vermögende Oberschicht gemeint? Denn seit wann hat unsere Bundeskanzlerin die Interessen der Bevölkerung im Blick? Weiterlesen

Haben oder Sein

habensein_titelSeit einiger Zeit arbeite ich nun in einer Grundschule. Vormittags bin ich in einer Jül-Klasse und Nachmittags im Hortbereich. Es ist die schlechtbezahlteste Lohnarbeit, die ich bisher hatte und gleichzeitig die zufriedenstellendste Tätigkeit, die ich in meinen rund 40 Jahren ausgeübt habe. In aller Regel füllt man eine Funktion aus, die nicht erfüllt. Bei der man eine soziale Maske kultivieren und sich langfristig von sich selbst entfremden muss, damit man auf der Lohnarbeit ordentlich funktionieren kann. Aber, um mal ein Wort zu bemühen, dass leider längst von Marketing-Soldaten gekapert wurde: eine Arbeit, bei der man authentisch sein darf, ist häufig eine erfüllende und befriedigende Tätigkeit.
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Verschwende Dein Leben!

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Mach was Dir gefällt! Das, worauf Du Lust hast, was Dir Spaß, Erfüllung und Freude bringt! Denke nicht daran, ob es nützlich ist, Dir etwas bringt oder Du einen Vorteil davon hast. Ob man das Wissen oder Können irgendwie monetär verwerten kann. Wer gerne und viel schreibt, sollte nicht immer gleich ein Buch schreiben sollen müssen. Wer gerne eine bestimmte Sportart betreibt, sollte nicht immer gleich Profisportler werden wollen. Wer gerne künstlerisch tätig ist, sollte dies primär aus Freude an der Sache machen und nicht, um damit Geld, Anerkennung, Aufmerksamkeit und/oder Ruhm verdienen zu wollen. Denn immer wenn der Zwang zur Verwertung die Ideen und Gedanken sowie das Wissen und Können infiziert, ist es meist vorbei mit der Freiheit, authentisch und selbstbestimmt leben zu können. Weiterlesen

Neulich bei Hugendubel

Als ich vor einigen Tagen zufällig bei der Buchhandlung „Hugendubel“ war, ist mir aufgefallen, dass die Abteilung zum Bereich „Philosophie“ nun innerhalb von einem Jahr schon wieder kleiner geworden ist. Ganze zwei Ebenen eines Bücherregals werden hierfür nur gebraucht. Mehr nicht. Es gibt dort zwar ein paar Klassiker von Platon, Schopenhauer, Arendt oder sogar Adorno, aber auch den nervigen Hirschhausen.

Gleichzeitig nehmen die Bereiche „Spiritualität“ und „Lebensratgeber“ kontinuierlich zu. Zusammen nehmen sie im ersten Stock mittlerweile einen recht großen Bereich ein. Dort stehen dann Wegweiser-Bücher von C-Promis, die billige Seelenklempnerei („So werden Sie glücklich!“), statt authentisches Selbstdenken propagieren. Die Menschen scheinen nicht mehr auf der Suche nach Weisheit oder echter Horizont-Erweiterung zu sein, sondern nach Götzen, die ihnen die Sinnsuche und die eigene Vernunft abnehmen.

Europawahl 2014: Worthülsen-Lego

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Wir brauchen mehr Chancen für Jugendliche, damit sie eigenverantwortlicher handeln können. Bildung ist unser wichtigster Rohstoff. Leistung muss sich wieder lohnen. Steuern runter, Arbeitsplätze rauf. Europa ist eine Wertegemeinschaft. Wachstum schafft Wohlstand. Für ein nachhaltiges Wirtschaften. Wir stehen für eine moderne Familienpolitik. Sozial ist, was Arbeit schafft. Mit uns wird es keine neuen Schulden geben. Mehr Markt und mehr Freiheit. Und so weiter.

Wer noch nicht genug hat, darf sich aus dem Plastikwörter-Phrasen-Archiv sein ganz persönliches schimmeliges Süppchen kochen:

Bildung, Nachhaltigkeit, Europa, Wachstum, Familie, Arbeit, Zukunft, Gerechtigkeit, Verantwortung, Leistung, Demokratie, Wohlstand, modern, Arbeitsplätze, Markt, Umwelt, Marktwirtschaft, Chancen, Bürokratieabbau, Freiheit, Fairness, zeitgemäß, Schulden, Steuern, Deutschland, Menschen.

Das überfrachtete Leben

Der individuelle Mangel an Glück und Zufriedenheit ist nicht nur das Ergebnis unserer Wirtschaftsordnung, sondern hat seinen Ursprung auch in der großen Differenz zwischen eigenen Ansprüchen und der Wirklichkeit sowie in einem stark ausgeprägten Haben-Denken.

  1. Wir wollen die perfekte Lohnarbeit haben und können nie genug Geld besitzen.
  2. Wir wollen die perfekte Wohnung, das größte Haus und/oder den schönsten Garten unser Eigen nennen.
  3. Wir wollen die perfekte Beziehung haben, die jede Hollywood-Romantik übertrifft.
  4. Wir wollen die perfekten Vorzeige-Kinder und die besten Eltern der Welt sein.
  5. Wir wollen die perfekte Familie ohne große Konflikte und die perfektesten Freunde zu unserem sozialen Umfeld zählen können.

Die oft völlig übersteigerte eigene Anspruchshaltung kann nur zu Frust und Enttäuschung führen. Sie ist mit die Ursache dafür, dass wir eine tiefe Unzufriedenheit verspüren. Etwas mehr Bescheidenheit und Demut in allen Lebenslagen, könnten dazu beitragen, dass wir etwas entspannter und gelassener werden.

Selbstverwirklichung durch Fremdbestimmung

Wer einer Lohnarbeit nachgehe, verdiene sein eigenes Geld, sei nicht mehr vom Staat abhängig, sorge für sich selbst und seine Familie, verwirkliche sich selbst und nehme aktiv an der Gesellschaft teil. So lautet eine der üblichen, allgemein gültigen und selten in Frage gestellten Dogmen der westlichen Industriegesellschaften. Manche Menschen sind gar „selbstständig“ oder gründen eine „Existenz“. Wer als ein vollwertiges Mitglied in der Gesellschaft anerkannt, ja als Mensch respektiert und nicht zu den Überflüssigen zählen will – der muss einer Lohnarbeit nachgehen. Unabhängig davon, welche Vorstellungen er oder sie vom Leben hat. Individualismus bedeutet, die eigene Lebensgestaltung, Selbstfindung und Sinnerfüllung der vorhandenen sozioökonomischen Struktur zu unterwerfen. Weiterlesen

Von Idealisten und Pragmatikern

Seit längerem beschäftigt mich das Thema der eigenen Prinzipien und Ideale. Insofern kann es heute etwas esoterisch werden. Ich denke, jeder Mensch hat sich im Laufe seines Lebens Gedanken über Gerechtigkeit, Freiheit, Frieden, Liebe und über den Sinn des Lebens gemacht. Mich interessiert hierbei, wie und warum soviele Menschen diese Gedanken aufgegeben haben? Ist der Glaube und der Kampf für eine bessere Welt weniger sinnerfüllend und wertvoll als Konsum, Habendenken und Lohnarbeit? Weiterlesen