»Veganer retten die Welt!«

Die dominanten Nachhaltigkeits‐Diskurse wirken. Das zeigen auch die Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg. Die Umwelt‐ und Klimakeule zwingt jeden zu mehr »Eigenverantwortung«. Es ist ein schöner Glaube und eine starke Erzählung. Weniger Plastik verwenden. Weniger (Elektro-)Müll verursachen. Ein bewussterer Umgang mit Wasser, Lebensmittel, Energie und Rohstoffen. Fair gehandelte Produkte. Eier aus Freilandhaltung. Fleisch von »glücklichen Tieren«. Holz‐Spielzeug. Weniger Konsum. Waren mit Bio‐ und Vegan‐Siegel kaufen. Nicht mehr so oft fliegen. Und so weiter und so weiter.

Natürlich kann jeder seinen kleinen Beitrag leisten. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden! Nur werden durch diese ständigen »Eigenverantwortungs‐Diskurse«, die durch alle medialen Kanäle vorangetrieben werden, die eigentlichen Schmutz‐ und Drecksverursacher kaum in die Verantwortung genommen: Investoren, Spekulanten, Groß‐Industrie, Banken, kriminelle Organisationen und Konzerne. Das Hauptproblem ist und bleibt die völlig absurde ungleichmäßige Verteilung von Einkommen, Besitz, Kapital und Vermögen sowie der kriegstreibende Imperialismus. Solange daran verbissen festgehalten wird, ist alles andere nur ein lauwarmes Lüftchen im Ozeanwind.


»Schöne Grüne Welt«
»Nazispaß und der nächste Anti‐Rezo«

4 Gedanken zu “»Veganer retten die Welt!«

  1. »Nur werden durch diese ständigen »Eigenverantwortungs?Diskurse«, die durch alle medialen Kanäle vorangetrieben werden, die eigentlichen Schmutz? und Drecksverursacher kaum in die Verantwortung genommen: Investoren, Spekulanten, Groß?Industrie, Banken, kriminelle Organisationen und Konzerne.«

    Und die Mitglieder der Grünen als der Partei, welche diese Leier am lautesten spielt, haben sich aus der Nummer ebenfalls längst ausgeklingt.

    Als »Pazifisten« segnen sie Kriegseinsätze der Bundeswehr im Ausland ab.

    Als »Umweltaktivisten« fördern sie die Auto‐Lobby und verhindern z.B. in Baden‐Württemberg Fahrverbote, statt den Unternehmen auf die Pfoten zu klopfen. Müsste da ein Kretschmann nicht ähnlich wie Söder auch in Haft?

    Ein grüner Verkehrsminister namens Hermann fördert über Ramsch‐Ausschreibungen Lohn‐Dumping im ÖPNV und reduziert und verschlechtert diesen dadurch. So miserabel wie seit dem Antritt der Grünen als Regierungspartei war dieser in BW noch nie. Stattdessen fördert man die E‐Mobilität per privatem Fahrzeug und hält damit an den längst bekannten negativen Folgen des Individualverkehrs fest.

    Gleichzeitig faselt er als Mitglied im Aufsichtsrat des Stuttgarter Flughafen von »klimaneutralem« Luftverkehr — Bullshit‐Bingo hoch zehn, denn er weiss sicher ganz genau, dass Verkehr niemals klimaneutral ist, sondern immer klimaschädigend.

    Leider verbirgt sich das Interview der SWP mit ihm hinter einer Bezahlschranke — so geht moderner »Journalismus«.

    Die Grünen sind damit mehr als angekommen im Kapitalismus.

  2. Die größte Form von Nachhaltigkeit, die man individuell leisten kann, ist als erstes »Dinge zu reparieren« (wenn es geht). Damit die Rohstoffe, die für den Gegenstand mal aufgewendet wurden, nicht umsonst verbraten wurden, und nur wenig eingesetzt wird, um das entstandene Konsumbedürfnis wieder zu befriedigen.
    Kommt ganz ohne Bio‐Siegel und angebliche Nachhaltigkeitszertifikate aus — oder müssen die drauf sein, damit man diese tollkühne Idee heutzutage überhaupt wahrnimmt?
    (Oder ist die Idee nicht standesgerecht, machen das nur arme Leute, die sich was neues nicht leisten können?)

  3. @matrixmann

    Nachhaltigkeit und nachhaltig sind als Begriff m.E. derart verbrannt, dass ich sie nicht verwende. Das ist aus meiner Sicht inzwischen derart Phrase und Worthülse, die nur noch dem Verdummen und Verkleistern irgendwelcher Sauereien dient.

    Im Sinne des Definierens auf Wikipedia bedeutet Nachhaltigkeit kurz gesagt, dass man dem Kreislauf nur das entnimmt, was ohne dauerhafte Schäden kompensiert werden kann. Über dieses Stadium sind wir doch längst hinaus, denn der Schaden besteht bereits und zumindest auf dem Papier dienen die aktuellen Massnahmen nur noch dem Reduzieren der Folgen.

    Dabei spielen mehrere Sachen hinein.

    Einmal geht es um Dinge, die wir einfach »verbrauchen« müssen wie Nahrung.

    Diese wird einerseits wie bei Fleisch im Übermass mehr oder weniger industrieell für maximalen Profit erzeugt, während sie andererseits gar nicht dem Ernähren dient wie bei Mais, Palmöl usw. Das wiederum vermindert ebenfalls wegen des damit verbundenen Profits die Anbauflächen, die tatsächlich dem Ernähren dienen.

    Bei Energie ist es ähnlich, die können wir lediglich aus Quellen nutzen und umwandeln, die unserer Lebensweise weniger bis gar nicht schaden, weil sie praktisch im Überfluss vorhanden sind wie Solarenergie im Vergleich zu fossilen Brennstoffen oder Kernenergie.

    Für die Kraftwerksbetreiber ist es natürlich leichter, mit vorhandenem und abgeschriebenen Produktionsmitteln weiter zu verdienen als in Neues zu investieren und das womöglich aus eigener Tasche. Da lässt man sich doch lieber den Ausstieg und den Wechsel über Fördermittel aus der öffentlichen Hand bezahlen. Zumindest in dieser Hinsicht funktioniert betriebswirtschaftliche Nachhaltigkeit (sic) hervorragend.

    Für den Rest ist es aus Sicht des möglichst langen Nutzens logischerweise sinnvoll, durch Reparieren, haltbare Materialien usw. den Lebenszyklus von Gebrauchsgegenständen solange als möglich zu verlängern.

    Das widerspricht jedoch der kapitalistischen Wirtschaftsweise, die praktisch nur funktioniert, wenn es dieses »immer mehr« gibt, egal ob das mit den natürlichen Ressourcen überhaupt funktionieren kann oder nicht.

    Und genau das ist m.E. Epikurs hüpfendes Komma: Dem Einzelnen wird über das verbale Bullshit‐Bingo ein schlechtes Gewissen wegen seines Verhaltens eingeredet, anhand dessen er (den grössten) Einfluss hat auf den menschgemachten Anteil am sich verändernden Klima.

    Im gleichen Atemzug wird praktisch komplett ausgeblendet, dass mit den Konzernen die wirklich grössten Klimaschweine verschont bleiben und wie hier in D mit nahezu vollständigem Befreien von der EEG‐Umlage, Konzessionen und dem Freikaufen über CO²‐Zertifikate usw. noch belohnt werden. Gleichzeitig wird beim Ablass des Emissionshandels an den Börsen auch noch kassiert ähnlich wie mit Spekulieren bei Lebensmitteln, Wohnungen u.ä., das alles den elementaren Grundbedürfnissen dient.

  4. @Siewurdengelesen

    Ich wollte die Idee einmal einbringen bzw. erwähnen, denn innerhalb des täglichen Bullshit‐Bingos kommt die gar nicht vor, obwohl das tatsächlich mal etwas ist, worauf man mit seinen Händen Einfluss hat (entgegen dem »kontrolliert konsumieren«, wo ich doch nicht weiß, ob das vor mir liegende Produkt oder Essen mit Hilfe einer Menge Dreck produziert wurde oder nicht).
    Mir kommt das zu Ohren, dass es inzwischen auch schon eine respektable Zahl von Menschen geben soll, die schon so verblödet sind durch und angepasst an den Konsumwahn, dass ihnen die Idee nicht einmal mehr einfällt. (So wie den angepassten Smartphonezombies nicht mehr einfällt, sie könnten miteinander sprechen, wenn sie nebeneinander sitzen anstatt sich Emails/SMS/Nachrichten im Messenger zu schicken um zu kommunizieren.)
    Aber auf der anderen Seite etwas von »Nachhaltigkeit« erzählen wollen...
    Also, wenn schon »Nachhaltigkeit« über die Schiene »Selbstverantwortung«, dann aber richtig und nicht nur in dem, was einem das System als »Möglichkeiten« (die keine sind) vorgibt.

    Manchmal kann es ja etwas bringen, es allein nur zu erwähnen.

    Denn, mache man sich nichts vor: Von oben wird keine Hilfe kommen. Weder aus der Politik, noch aus der Industrie selbst. Die verpesten die Welt zum Tag ihres Untergangs und leugnen es noch, sogar egal, ob ihr Ramsch verkauft wird oder nicht.
    Also bleibt einem nichts anderes übrig, als denen ein Schnippchen zu schlagen und seine eigene Strategie von »Nachhaltigkeit« zu fahren.
    Ein paar Anregungen findet man dazu allein schon in den Zeiten, als es noch aktiv Mangel an verschiedenen Dingen gab, man nicht einfach alles kaufen konnte — oder es übelst teuer war -, oder am Beispiel von Leuten, die nicht so viel Geld haben, aber kreativ damit umgehen.
    Eine Rolle in diesem Dilemma dürfte es nämlich auch spielen, was dem Durchschnittsbürger im Rahmen der fetten Jahre im Kapitalismus angewöhnt wurde.

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