Wohlfühlthemen

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Sport: heute kaum noch Selbstzweck oder Spaß, sondern Selbstoptimierung und Selbstinszenierung. (Bildquelle: pixabay.com)

Zwangsoptimismus, Weltverleugnung und Fassadenharmonie sind nicht nur die Leitmotive kleinbürgerlicher Biedermeier-Besitzstandswahrer, sondern auch effektive Herrschaftsinstrumente. Das Ausblenden von Reizthemen, wie beispielsweise die Flüchtlingskrise, neofeudalen Arbeitsbedingungen, Banken-und-Konzern-Skandale, Sozialabbau und Massenarmut oder Überwachungs- und Zensurgesetze wird nicht nur von vielen Menschen im Alltag subtil gefordert, sondern auch sozial kultiviert. Wer es dennoch wagen sollte, die mentale Bequemlichkeitszone zu überschreiten, muss mit sozialer Isolierung und/oder Stigmatisierung rechnen: Querulant. Störenfried. Pessimist. Schwarzseher. Klugscheißer. Lieber unterhält man sich ausgiebig über folgende Themen: Weiterlesen

Der pädagogische Happen (12)

_happen_Ein achtjähriger Junge spielt und tobt sehr laut in der Bahn. Dabei nimmt er keinerlei Rücksicht auf andere Fahrgäste, verteilt den Dreck unter den Straßenschuhen auf den Sitzen und rempelt andere Menschen an. Die Mutter tut zuerst so, als würde sie es nicht mitbekommen und hat dann sichtlich Mühe ihr Kind zur Rücksichtnahme zu bewegen. Als irgendwann ein junger Mann, Mitte Zwanzig, den Jungen direkt -aber freundlich-bestimmend- darauf anspricht, ist die Mutter auf einmal doch in der Lage, lauter zu werden:

Mutter: „So reden Sie nicht mit meinem Sohn! Was glauben Sie eigentlich wer Sie sind?“

Mann: „Ich bin nur ein unbedeutender, junger Mann, der nach einem harten Arbeitstag ein wenig Ruhe auf dem Heimweg haben möchte. Warum reden Sie eigentlich in diesem Ton nicht mit ihrem Sohn?“

Mutter: „Wie ich mit meinem Sohn rede und wie ich ihn erziehe, ist ganz allein meine Sache und geht Sie nicht das Geringste an! Was verstehen Sie schon davon? Sie sind ein Mann und hatten das Kind nicht in ihrem Bauch!“

Mann: „Ich habe auch einen Sohn. Und er ist in der Lage Rücksicht zu nehmen!“

Mutter: „Ist mir doch egal!“ (wendet sich ab und geht mit ihrem Sohn aus der Bahn)

(Bisherige Folgen)

Kinder in Deutschland; Teil 37: Die Übermutti

mutti_titelDefiniert sich selbst und ihr Leben primär über und durch den eigenen Nachwuchs. Stellt die Bedürfnisse und Interessen der eigenen Kinder immer, generell und überall an erster Stelle. Interessiert sich in der Regel wenig an (Gesprächs-)Themen, die nicht konkret mit der eigenen Familiensituation zu tun haben. Will die eigene kleine Mikrokosmos-Umwelt nach eigenen Pädagogik-Vorstellungen (um-)gestalten und (um-)erziehen. Besonders Männer und Väter sollen sich dem beugen. Kann absolut nicht nachvollziehen, wenn jemand nicht die gleiche euphorisch-infantile Begeisterung für die eigenen Kinder aufbringen will, wie man selbst. Außerdem wird jede Form von, auch nur angedeuteter, Kritik am Nachwuchs als ein kinderfeindlicher Akt gewertet. Weiterlesen