Kinder in Deutschland; Teil 37: Die Übermutti

mutti_titelDefiniert sich selbst und ihr Leben primär über und durch den eigenen Nachwuchs. Stellt die Bedürfnisse und Interessen der eigenen Kinder immer, generell und überall an erster Stelle. Interessiert sich in der Regel wenig an (Gesprächs-)Themen, die nicht konkret mit der eigenen Familiensituation zu tun haben. Will die eigene kleine Mikrokosmos-Umwelt nach eigenen Pädagogik-Vorstellungen (um-)gestalten und (um-)erziehen. Besonders Männer und Väter sollen sich dem beugen. Kann absolut nicht nachvollziehen, wenn jemand nicht die gleiche euphorisch-infantile Begeisterung für die eigenen Kinder aufbringen will, wie man selbst. Außerdem wird jede Form von, auch nur angedeuteter, Kritik am Nachwuchs als ein kinderfeindlicher Akt gewertet.

Wird bei verschmadderten Eis-, Pizza- und Tomatensoßen-Kindergesichtern zu einer infantilen Gefühlsamöbe. Macht im Monat mindestens 500 Fotos und Videos von den eigenen Kindern. Sie muss sich überall einmischen und zu allem ein Kommentar abgeben. Diskutiert, belehrt und moralisiert gerne. Kann nicht die Klappe halten und fürchtet die Stille. Verwöhnt emotional und materiell die Kinder und vernachlässigt grob fahrlässig den eigenen Freund, Mann und/oder den Vater der Kinder. Sie sind von der Liebe ihrer Söhne und Töchter emotional abhängig und scheuen insofern den offenen Konflikt. Dieser wird entweder umgangen, indem der Nachwuchs alles bekommt, was es will oder indem sich der Frust an anderer Stelle entlädt. Beispielsweise beim Vater. Sollten die Eltern getrennt leben, ist er sowieso an allem Schuld. Immer. Generell. Und überhaupt.

Mama ist die Beste
Sie glaubt, die beste (Helikopter-)Mutti der Welt zu sein. Fragt zwar gelegentlich andere Mütter, Erzieherinnen oder Freundinnen um Rat, aber ganz sicher nicht den Vater oder andere Männer. Da ist sie beratungsresistent. Denn sie ist der festen Überzeugung, dass Kerle sowieso keine Ahnung von Kindern oder gar Erziehung haben (einzige Ausnahme: Erzieherbücher von männlichen Autoren). Sie hatte schließlich die Lütte im Bauch, also was weiß der Mann denn schon? Sie ist aber schnell überfordert, wenn die eigenen Blagen auf einmal rotzfrech werden, weil sie sich nie groß an Regeln halten oder Grenzen einhalten mussten. Dann soll der Papa, ausnahmsweise, mal als Autoritätsinstanz eingreifen. Ansonsten aber die Klappe halten. Er darf aber gerne schwere Sachen tragen, alle anderen körperlich anstrengenden Arbeiten verrichten und bezahlen. Da ist sie ganz Frau.

„Es gibt keine glücklichen Kinder ohne glückliche Eltern“

– Jesper Juul

Sie arbeitet mit aller Macht an der fleischgewordenen Soap-Bilderbuchfamilie, in der sich alle bedingungslos lieb haben, immer für einander da sind und in der nur Harmonie existiert. Für das zwangsläufige Scheitern dieses Vorhabens gibt sie in erster Linie nicht ihrer eigenen zwanghaften Verbohrtheit die Schuld, sondern ihrer Umgebung: Großeltern, Lehrer, Männer, Verwandte, Fernsehen, Väter, Erzieher, Internet, falsche Freunde. Sie hat zudem einen ausgeprägten Kontrollzwang und generell wenig Vertrauen in die Erziehungsfähigkeiten ihrer Mitmenschen. Greift insofern auch mal gerne als vermeintlich pädagogisches Korrektiv bei fremden Kindern und Familien ein.

Jungen mutieren wahlweise zu rücksichtslosen Tyrannen oder zu komplett verweichlichten, unselbstständigen Mamasöhnchen-Sissis. Mädchen werden unter ihr selbstverliebte Möchtegern-Zicken-Models oder empathielose Tussis, die zu keinerlei Kompromissen oder zur Selbstreflektion fähig sind. Wozu auch? Sie sind ja schön und müssen nichts weiter können oder wissen. Übermuttis sind mittlerweile überall anzutreffen und tragen eine nicht unerhebliche Verantwortung für die neue Jugend, die sog. Generation Y, die nur für eines Interesse hat: sich selbst.

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Eine Zusammenfassung der ersten zehn Teile der Kinderserie ist auf www.zeitgeistlos.de zu finden. Alle bisherigen 36 Folgen können im ZG-Blog in der Rubrik Kindheit gefunden werden. Eine Auswahl bisheriger Teile:

» Folge 35: Gewalt
» Folge 33: Großeltern
» Folge 27: Kontaktabbruch
» Folge 20: Konsequenzen
» Folge 18: Leistungsdenken

8 Gedanken zu “Kinder in Deutschland; Teil 37: Die Übermutti

  1. Hast vielleicht eines vergessen: Was ist mit dem „wenn meine Kinder gute Leistungen bringen / es zu Ansehen bringen / einen guten Job finden, dann brüste ich mich damit“?

  2. Und die Übermutti kann gelegentlich Rat von der eigenen Mama akzeptieren… aber die eigene Schwiegermutti ist die Mutti aller Übeln, sie hat immer uns ausnahmslos a priori unrecht. Wie der eigenen Mann geworden ist, ist Beweis dafür!

  3. Meine Güte. Das klingt ja so, als sei die Übermutti per se an allem Schuld und als gäbe es keine anderen Ursachen für die falsch laufende Erziehung als die, dass Übermutti Frau ist und damit generell gegen Männer und Väter agiert.
    Das Phänomen der Übermutter ist ein gesellschaftliches Problem, das nur einen Teil der allgegenwärtigen Optimierungsmaschinerie ausmacht. Außerdem: Wer sich nicht als Übermutter präsentiert, wird gesellschaftlich schnell als Rabenmutter diskreditiert, auch von Ehemännern und Vätern der gemeinsamen Kinder, wenn die Kinder dann mal nicht so gespurt haben, wie Vater das gerne gesehen hätte. Denn daran ist dann selbstverständlich die mütterliche Erziehung Schuld.
    Ich finde es schon traurig, dass beim Thema Mütter und Kinder scheinbar zwangsläufig die Klagen der benachteiligten Männer und Väter in den Fokus gerät und die Klagen sich nicht gegen ein System richten, dass es Männern und Frauen immer schwerer macht, privat glücklich miteinander leben zu können, sondern an die böse Frau, die den Mann wegen der Kinder vernachlässigt und ihn an der Erziehung der Kinder nicht teilhaben lässt. Ich finde, das ist zu einfach gedacht.
    Sagt mal, ihr Männer, sucht ihr euch denn nicht die Frauen aus, mit denen ihr zusammenleben und Kinder haben wollt?

  4. @Frau Lehmann

    Das Phänomen der Übermutter ist ein gesellschaftliches Problem, das nur einen Teil der allgegenwärtigen Optimierungsmaschinerie ausmacht.

    Völlig richtig! Aber von den Ursachen ihres Verhaltens wollen gerade Übermuttis nun wirklich nichts hören ;)

    Sagt mal, ihr Männer, sucht ihr euch denn nicht die Frauen aus, mit denen ihr zusammenleben und Kinder haben wollt?

    Klar. Aber ich glaube nicht, dass es ein Zufall ist, dass es soviele Trennungen gerade in den ersten Jahren nach der Geburt des Kindes gibt. Da spielen natürlich unterschiedliche Erziehungsansichten, der steigende private Stress, aber eben auch die starke, emotionale Konzentration der Mutter auf das Kind eine Rolle (Sex gibt es beispielsweise bei vielen dann erst mal gar nicht mehr). Auf mich persönlich trifft das alles nicht zu. Ich beobachte diese Phänomene nur sehr häufig.

  5. @epikur

    Aber von den Ursachen ihres Verhaltens wollen gerade Übermuttis nun wirklich nichts hören
    Du willst mir doch jetzt nicht weismachen, dass Ehemänner mit ihren „Übermutti-Ehefrauen“ über die Ursachen dieses Fehlverhaltens überhaupt diskutieren wollten?
    Da muss doch schon im Vorfeld was „fehlgelaufen“ sein.

    Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das durchaus ein westliches Phänomen ist (Ich komm aus „dem Osten“). Ich kann mich an einen Urlaub kurz nach der Wende erinnern, da campierten am Strand neben uns zwei Familien, da unterhielten sich die Mütter ausschließlich und expertenmäßig über die richtige Ernährung ihrer Babys und Kleinkinder. Ich fand das damals sowas von künstlich-befremdlich.

    (Sex gibt es beispielsweise bei vielen dann erst mal gar nicht mehr).
    Das mag tatsächlich so sein. Aber was soll das für ein Argument sein und wofür? Was spräche dagegen, dass mann sich (oder frau) auch mal fragt, warum, ohne gleich zu unterstellen dass frau sich so verhält, um mann zurückzusetzen? Könte das nicht auch einer ganz natürlichen und notwendigen Umstellung der Frau geschuldet sein? Beide, Frau und Mann, müssten sich doch darüber im Klaren sein, dass sich das Zusammenleben zwangsläufig ändert, wenn da Kinder sind. Oder etwa nicht?

    Was ich damit sagen will: Dieser Zusammenhang „Übermutti“ und benachteiligter Ehemann und Familienvater ist einer einseitigen Perspektive geschuldet, die unhinterfragt davon ausgeht, frau agiere so, um mann zu schädigen.

    Dass es solche Frauen gibt, will ich gar nicht bestreiten und dass solche Art Erziehung gravierende Auswirkungen auf die Persönlichkeit der Kinder haben kann, auch nicht.

    Nur die daraus konstruierte Benachteiligung des Mannes gehört hier meines Erachtens nicht hin.

  6. Gerade dem „Sex-Argument“ muss ich widersprechen: Nach meiner persönlichen Wahrnehmung (und einzig die zählt ja in solchen „Diskursen“ wie diesem) war es so, dass die „Übermama“, mit der ich einen gewissen Teil meines Lebens verbracht habe, hernach noch viel sexhungriger war als zuvor – was selbstverständlich einzig meiner exquisiten erotischen Ausstrahlung zu verdanken war.

    Aber Spaß beiseite: Ich halte es für schlichten Nonsens, ein solches Thema auf diese Schmalspur herunterbrechen zu wollen – und das betrifft nicht bloß den sexuellen Bereich, auch wenn dort der Unsinn ganz besonders offensichtlich wird.

    Frau Lehmann hat bereits einige gute Denkanstöße geliefert – wer sich ein wenig näher mit diesem Phänomen auseinandersetzen möchte, sollte keine halbseidenen Texte oder Kommentare dazu schreiben oder lesen, sondern sich mit der durchaus nicht untätigen Wissenschaft auseinandersetzen.

    Es ist übrigens kein Zufall, dass im verlinkten pdf fast durchweg von „Eltern“ die Rede ist – ohne jede Unterscheidung in „Mütter“ und „Väter“. Das Märchen von der bösen Mama und dem teilnahmslosen bzw. „vernachlässigten“ Papa ist nichts weiter als eine weitere Nebelkerze, die auf dem lächerlichen Nebenschauplatz des „Genderismus“ nur allzu gerne für neue Fronten sorgt, während die „Elite“ sich feist die teigigen Hände reibt und einmal mehr schallend lacht.

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