Du musst funktionieren!

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Der Zwang zur lebenslangen Selbstentfremdung und die Hingabe zur konsumorientierten Identitätsproduktion gelten als gesunder Geisteszustand. Wer nicht mehr mitmachen kann oder will, wer auf die ureigenen Bedürfnisse hören und nicht mehr primär für die Interessen anderer Leute instrumentalisiert werden möchte, sei krank und brauche psychiatrische Behandlung. Frei und authentisch im Neoliberalismus ist, so zu sein, wie andere Dich haben wollen und nicht, wie Du gerne sein möchtest! Kultiviertes Doppeldenken als soziale Norm und Alltags‐Realität.

17 Gedanken zu “Du musst funktionieren!

  1. Vergiss dabei nicht das »Friedlichsein«.
    Wenn man sich dagegen wehren will und nicht zu friedlichen Mitteln greift, die jeder großspurig ignorieren kann, dann kommt man in die Mainstreammedienhölle, so wie das bei ResistantX mal der Fall war.
    War einer, der das offen gesagt hat, dass er ein Verlierer dieses Systems ist, noch bevor es straßentauglich war oder die Worte dafür gab, die man heute benutzt, und weil er’s nicht beim Dulden und In‐sich‐hineinfressen beließ, so wie die ganzen Jahre zuvor, deswegen ist er heute vergessen und hat ihn das System seinerzeit durch den Dreck gezogen, um bloß das Attribut »psychisch krank« an ihm festzukleben zu bekommen und dass niemand anhand dieses Beispiels auf dumme Ideen kommt (selbst bei den Jüngeren) wie das »schöne Leben, bei dem am Ende immer alles gut wird« in Wirklichkeit aussieht.

  2. Meine Erfahrung zeigt jedoch dass die Menschen (zumindest zum Teil) selbst schuld sind wenn sie sich entfremden lassen. Sie sind einfach zu bequem, zu ängstlich, zu sehr auf Autoritäten fixiert, zu Konsumorientiert... jammern hilft nicht ist meine Erfahrung.
    Kreativ werden, Risiken eingehen, quer denken muss man halt schon noch selbst. Es geht nicht darum das System zu ändern, sondern sich selbst zu befreien! Wenn das genug einsehen und auch so handeln hat das System langfristig ohnehin verloren. Keine Galeere ohne Ruderer. :d

    Die meisten sind doch ganz willige Schafe die zwischendurch mal ihren Unmut raus blöken. :(

  3. @Epikur

    Heute hatte ich so eine Begegnung mit einer alleinerziehenden, jungen Edeka‐Verkäuferin, die immer freundlich und nett zu ihren Kunden ist.

    Ich schilderte hier ja meine Probleme mit dem Bewerben bzw. der Arbeitsamts‐Bürokratie, die ich nicht wieder auffrischen will.

    Tja, meine Lebens‐ und Bewerbererfahrung hat aus mir, zumindest in Hinsicht »faule Hartzies« bzw. »Arbeitslose« als auch »sozial Schwache«, einen völlig unvoreingenommenen Menschen gemacht.

    Umso trauriger finde ich es, dass sogar Alleinerziehende, die es wahrlich nicht einfach haben mir ihrer Lebenssituation, und, eigenen Bekunden nach, auch »schon arbeitslos« waren, die typischen neoliberalen Vorurteile bringen, die uns allen hier seit Jahren schon sattsam bekannt sind.

    Mir sagte sie, dass sie es gut fände, dass ich mich anstrenge eine Arbeit zu finden, denn es gäbe ja genug die nicht arbeiten wollen bzw. sich nicht richtig darum bemühen....

    Traurig, aber leider wahr im sonnigen Südwesten Deutschlands :(

    Gruß
    Bernie

  4. @ epikur
    Ist gut, wenn du ihn noch mal verlinkst.
    Mir ist der Inhalt bekannt und noch einiges mehr. Hat mal einer ein Buch drüber geschrieben, bei dem alle Originaldokumente zu dem Fall veröffentlicht wurden, hieß »Die Columbine Erben — Wie Bastian B. den Freitod wählte«.
    Heutzutage kann man das so lesen. Das war einer, der seinerzeit gesagt hat: »Ich bin ein Verlierer nach der Definition eures Systems und das wird auch nicht mehr anders werden.« mit dem Zusatz »Euer System hat ein paar scheiß Bewertungskriterien!«.
    Heutzutage ist der Sprech mittlerweile in gewissen Kreisen hoffähig geworden, wenn auch nicht großflächig. (Wirst du ja selbst wissen.)

  5. @Bernie

    Da bist du aber auch an eine der schlimmsten Sorten von Arbeitnehmern geraten , die selbst in Deutschland zu finden sind. Kassierer/innen gehören zum übelsten Verräter‐Geschmeiß , was die solidarische Arbeitnehmerschaft angeht , nicht alle natürlich , aber mit einem bemerkenswert hohen Anteil und einer bemerkenswerten Intensität , was das Treten nach unten angeht.

    Deshalb hatte ich auch null Mitleid mit diesen Schleckerfrauen , die eine Zeitlang durch die Medien geisterten , das gilt nicht immer , in diesem Fall aber schon , jeder kriegt die Chefs , die er verdient.

  6. @Art Vanderley

    Danke für den Hinweis, der mir bisher neu war ;)

    Tja, ich kenne da aber noch ein schlimmeres »Verräter‐Geschmeiß, was die solidarische Arbeitnehmerschaft angeht, nicht alle....« um dich zu zitieren, aber die sind eher von der heuchlerischen, hinterhältigen Sorte, und da rede ich aus Erfahrung mit 3 Geschwistern die genau dieser Arbeitnehmertypus sind, und da ist mir jede/r (vermeintlich geldgeile, egoistische) Kassierer/in tausendmal lieber, da die mit offenem »kapitalistischen« Visier kämpfen.

    Ich rede von den Menschen, die sich angeblich »aufopferungsvoll« um ältere Mitmenschen, Patienten, und sogenannte »Behinderte« kümmern, denn denen geht es letztendlich auch nur um die, zugegebenermaßen winzige, Kohle (die man mit dieser Tätigkeit verdient).

    Und Menschlichkeit und Solidarität, auch im eigenen, ganz privaten Lebensumfeld? Vergiß es!

    Und da rede ich als Mitgeschwister, der mit diesen »Sozialarbeitnehmerinnen«, und einer demenz‐ und parkinsonkranken Mutter, in einer sogenannten Einzelunternehmens‐Erbengemeinschaft feststeckt nicht vom Hörensagen sondern vom eigenen täglichen »Erleiden« hier.

    Die Pflegekräfte, die sich um meine Mutter kümmern sind da auch nicht besser — geldgeil aber eben hintenherum über die horrenden Rechnungen für die Pflegeleistungen.....und zwar ganz egal ob kirchliche Pflegedienstleister, oder ausländische.....oft polnische....

    Wie schon gesagt, da ist mir jeder sogenannte »Kapitalist«, egal aus welcher Arbeitnehmer/‐innenschaft tausendmal lieber als dieses heuchlerische Geschm.....das einen auf Hilfe für Pflegebedürftige macht.....angeblich....

    Irgendwo im Netz las ich mal was über einen »kapitalistischen« Wunderheiler‐Jesus ganz frei nach dem Motto »Gib mir all deinen Besitz vorher heile ich dich nicht!« — So sieht’s aus :(

    Gruß
    Bernie

    PS: Ich hatte mal, 1997, einen Fachhochschulkameraden der Sozialarbeiter werden wollte, und dieses Studium auch durchzog. Jahre später traf ich ihn mal in einer Gaststätte und hörte mal zu was er so losließ über »seinen« Beruf — Nur soviel ein gewisser österreichischer Gefreiter hätte seine helle Freude am Sozialarbeiter‐Bekannten von mir gehabt — Menschlichkeit, Solidarität, Mitgefühl bei denen? Vergiß es, denen geht es in neoliberalen Zeiten auch nur um Geld verdienen, Unmenschlickeit, KZ‐artige Erziehungsmethoden für ihre »Kunden« beim Jobcenter usw. usf.......

  7. @Ich bin kein Roboter

    »Solidarität«? Wo findet man die heute noch unter »Arbeitnehmer/‐innen«?

    Guckst du meine Antwort an Art Vanderley..... ;)

    Gruß
    Bernie

  8. @Bernie — ich frag mich immer, woher du trotz aller (ja ausführlich geschilderter persönlicher) Erfahrungen noch diese Naivität nimmst, von einer Edeka‐Kassiererin eine Einstellung abseits der neoliberalen »Normalität« zu erwarten... ;) So wie diese Frau denken im Grunde doch mindestens 90 % all derer, die »stolz« »ihrer Arbeit« nachgehen. Art Vanderley kann ich da nur voll und ganz zustimmen — ich würde es nur nicht auf »die Kassiererinnen« beschränken. ;) Am heftigsten nach unten getreten wird nachweislich genau von denen, die (noch) auf der letzten Stufe stehen! Je »simpler« die Jobs, um so größer ist der Glaube daran, ganz allein Schmied des eigenen »Glücks« zu sein...!

    Um es mal zu verdeutlichen: In meinem ganz persönlichen, »echten« Leben ist mir mit meinen inzwischen 34 Lenzen im Grunde jedenfalls noch nie(!) jemand begegnet, der sich in irgendeiner Form dadurch ausgezeichnet hätte, die wesentlichen Lebensfragen betreffend nicht (völlig) im Strom zu schwimmen...! Hier und da vielleicht mal ein Mitschüler — von dem ich aber auch nie mehr was gehört habe. Von der eigenen Familie fang ich erst gar nicht an; da wird letztlich die Saat ausgebracht... Kennst du ja alles, Bernie!

    Was eisigen Funktionalismus betrifft, fehlen in der Aufzählung »Schüler« und »Student«. Dabei war ich in der Schule eigentlich gar nie wirklich »angepasst« — aber trotzdem »erfolgreich« — wenn man es so nennen will. Es gab dort trotz allem noch Freiräume, man durfte man selbst sein — und vor allem: es war mit angemessenem(!) Aufwand irgendwie stemmbar.

    Das Studium dagegen war für mich mit die bislang grausamste Erfahrung — grade auch noch im angeblich so behäbigen, bequemen ÖD...! Was da am Ende an fachidiotischen Robotern aus den FHen und Unis (aber auch Berufsschulen) strömt, lässt eigentlich auch gesamtgesellschaftlich gar nichts anderes erwarten!

  9. Im besten Fall gilt jemand, der nicht »mitmacht«, als seltsamer Kauz. Ein gutes Indiz dafür ist die Teilnahme an den sogenannten sozialen Medien: »Wie, Du hast kein Facebook?« In diesem Fall trifft der Begriff des »Doppeldenkens« voll zu. Schliesslich gibt man sich ja Mühe, auf Facebook zu zeigen, welch ein aussergewöhnlicher, individueller Mensch man ist. So wie alle anderen auch. Und das auf den Servern eines multinationalen Unternehmens, das mit seinem Layout, seinen Vorgaben, Regeln und manipulativen Algorithmen eine — hmja — Matrix in den Köpfen von hunderten Millionen von Menschen verbreitet. So sehr individuelle Ansichten und Selbstdarstellungen dort auch auseinanderzugehen scheinen, den auferlegten Normen und dem daraus resultierenden Zeitgeist und der Art und Weise, wie bestimmte »Realitäten« wahrgenommen werden, tut das keinen Abbruch.

    Sorry, falls das hier schon off‐topic sein sollte ...

  10. Wenn man das als Beobachter so liest, gewinnt man den Eindruck, dieses ganze Nach‐unten‐Getrete ist eine ziemlich große Frage der Bildung. Wer weiter als seinen Tellerrand bescheid weiß und denken kann, der macht so was nicht, es sei denn bei den Leuten, die man wirklich nur als »Taugenichtse« bezeichnen kann, wo Hopfen und Malz verloren ist.

    @ Dennis82
    Biete mich immer als Gegen‐den‐Strom‐Schwimmer an.

  11. »Am heftigsten nach unten getreten wird nachweislich genau von denen, die (noch) auf der letzten Stufe stehen! Je »simpler« die Jobs, um so größer ist der Glaube daran, ganz allein Schmied des eigenen »Glücks« zu sein...!«

    Isso. Liegt ja auch in Beinlängenreichweite. Und irgendwo ist auch
    die Angst mit im Spiel, nach kurzem Fallweg dort unten zu landen
    (wobei es eher ein Stolpern wäre). Die Niedersten ganz oben lassen übrigens nach unten treten – die können ihre Leute fürs Grobe ganz gut besolden.

  12. @Bernie

    Gerade die Pflegeberufe zählen zu jenen , die mit den höchsten Anteil haben , was Mobbing angeht.
    Auch hier gilt natürlich , daß man nicht alle über einen Kamm scheren darf, die Zahlen sagen lediglich , daß es ein Mythos ist , daß sie in sozialen Berufen automatisch »netter« sind.

    @Dennis82

    »Am heftigsten nach unten getreten wird nachweislich...«

    Es gibt eine ältere Tierdoku , die von einer Langzeitbeobachtung japanischer Affen erzählt , wodurch die Forscher auch den genauen Rang in der Horde kannten , den jedes einzelne Tier einnahm.
    Die leben also in einem Waldgebiet , in dem es im Winter bis zu 25 Grad kalt wird , mittendrin aber , eine immer offene Thermalquelle , die die Tiere zum Baden nutzen.
    Jetzt wäre die Quelle locker groß genug , daß jeder seinen Platz hätte , dennoch werden die rangniedrigsten Tiere ständig attackiert und von ihren Plätzen vertrieben.
    Dabei wurde festgestellt , daß es gar nicht so sehr die ranghöheren Tiere waren , die sich bei den Attacken hervortaten , sondern vor allem die , die auf der vorletzten Stufe der Hierarchie standen....

  13. Hallo Ihr Zeitgeistlosen :)

    Bei dem Artikel weiss ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll...

    Einerseits präzise formuliert wie ich die »Gesellschaft« erlebe !

    Andererseits ist der Neoliberalismus mit all seinen Auswirkungen so sehr in den Köpfen vieler Leute verankert, dass ich nicht sehe, wie sich die Gesellschaft in den nächsten Jahren grundlegend ändern soll. Und auf das hoffe ich, als U30 Mensch doch noch (vergebens??)

    Grüsse aus der Schweiz

    PS: Der Titel hat mich an ein kürzlich gelesenes Buch erinnert: »Du sollst nicht funktioneren« Ariadne von Schirach

  14. Alle,die nicht so spuren,wie andere es gern hätten,werden gerne als »krank«,»unnormal« etc bezeichnet (nicht nur öffentlich,auch privat!) denn solche Menschen könnten einen schließlich auch zum Nachdenken bringen.Das ist ja auch wirklich sowas von schrecklich ^^

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