Zehn Beziehungsmythen

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© epikur

1.) These: Kinder können eine Beziehung retten.

Anmerkung: Es gibt wohl Millionen Paare in Deutschland, die wegen den Kindern zusammen bleiben, obwohl die Beziehung längst im Eimer ist. Das Sexleben ist quasi nicht mehr vorhanden, gemeinsame Unternehmungen (ohne Kind) gibt es nicht mehr (oder nur sehr selten), Konflikte sind an der Tagesordnung und auch ansonsten beschränkt sich die Partnerschaft auf Alltagstrott und auf die Inszenierung einer vorbildlichen Familie bei Freunden, Facebook und der Familie. Und das soll eine Rettung sein?

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Ohne Profil

charakter_teaserSamtweich‐verschmierte Illusionen ohne Dornen der Wahrheit. Erkenntnis‐Verdrängungswettbewerbe als Leistungssport. Schmerzbefreite Unterwürfigkeit als vorzeigbare Tugend. Glatt gebügelte Kleinbürger‐Idole der wahrhaftigen Verlogenheit. Romantisch verklärte Gefühlsamöben zelebrieren die öffentliche Zwangsharmonie. Als aufklärungsresistentes Massenindividuum die Gemeinschaft zersetzen. Obrigkeitshörig in die Weltvergessenheit ejakulieren.  Sich vorwärts im Kreis drehen und dabei still stehen. Bilder fressen. Emotionen saufen. Im Versinken ertrinken. Ist das Charakter?

Die Illusion der Ehe

»Nach den derzeitigen Scheidungsverhältnissen werden etwa 36 % aller in einem Jahr geschlossenen Ehen im Laufe der nächsten 25 Jahre geschieden. Die durchschnittliche Dauer der im Jahr 2013 geschiedenen Ehen betrug 14 Jahre und 8 Monate.«

- Statistisches Bundesamt

Anmerkung: Liebe und Vertrauen hängen nicht von Eheringen oder einem Ehevertrag ab. Eine Ehe ist genauso wie die Liebe kein Zustand, den man einmal (käuflich) erwirbt und dann besitzt, sondern ein stetig schöpferischer Prozess, der durch Ehrlichkeit, Vertrauen, Empathie und Kompromissen gefestigt wird. Weder Eheringe noch Hochzeitsfotos im Glasschrank halten die Liebe fest. Allein der Glaube, ein Gefühl bzw. einen Menschen konservieren und einsperren zu können, um ihn für immer zu »haben« ist naiv und destruktiv. Nur Selbstreflektion, Toleranz, Respekt und Aufgeschlossenheit können stets neue Liebes‐Augenblicke erschaffen.

Die Matrix ist der Fehler

»Selbst ein Kapitalismus mit mehr Einkommensgerechtigkeit wird in der Katastrophe enden, wenn er weiterhin auf Konsumsteigerungen und kurzfristiges Wachstum setzt.«

- Chandran Nair. »Die Mutter allen Kapitals«. Le Monde Diplomatique. Ausgabe Juli 2014. S. 3

Anmerkung: Viele Alt‐Sozis, Gewerkschafter und SPD‐Anhänger glauben daran, den Kapitalismus zähmen zu können. Eine vermeintlich bessere Verteilung von Brotkrumen der Reichen, führt jedoch nicht zu einem besseren gesellschaftlichen Entwurf, sondern verfestigt nur die ohnehin schon vorhandenen Ungerechtigkeiten (Konsum als Lebenszweck, Ausbeutung von Menschen und der Natur, Umwelt‐ und Klimaverschmutzung etc.). Was wir wirklich brauchen, sind Alternativen zum menschlichen Abgrund. Und wer die liefern will, wird lächerlich gemacht.

Grüne Illusionen

Letztlich lässt jedes Wachstum, ob öko‐grün oder fossil‐schwarz, den Output aller Güter und Dienstleistungen ansteigen und mit ihm wiederum die Nachfrage nach Energie und Ressourcen.

- Tilman Santarius. »Der Rebound‐Effekt: Die Illusion des grünen Wachstums«. Blätter. Ausgabe Dezember 2013. (S. 73)

Anmerkung: Grüner Öko‐Konsum ist bequem und gibt ein gutes Gewissen. Man darf fröhlich weiter konsumieren und fühlt sich als ein besserer Mensch. Dafür muss man lediglich ein paar Euro mehr ausgeben. Am Wirtschaftskreislauf und dem Wachstums‐Fetisch ändert das aber leider nichts. Um wirklich nachhaltig zu sein, muss man auf Konsum generell mehr verzichten lernen können. Daran führt kein Weg vorbei.

Coca Cola: Illusion und Mord

Pünktlich zur Vorweihnachtszeit fährt wieder der Coca‐Cola‐Truck durch die westliche Welt. Der Konzern überflutet uns wieder mit seiner nestwärmelnden Werbung. Wir haben uns alle lieb:

Alle? Gewerkschafter mögen wir nicht. Die wollen ja Löhne und Arbeitsbedingungen verbessern. Unglaublich frech! Und warum berichtet niemand darüber? Weil Coca Cola sonst seine Anzeigen, also sein Geld, zurückziehen würde.

Der schöne Schein

Kann es Authentizität in einer Welt voller Verkäufer, Marken, Images, Logos und Corporate Identitys überhaupt noch geben? Woran erkennt man, dass man ganz bei sich selbst ist und nicht fremdbestimmt handelt? Sich zu verkaufen, sich positiv zu präsentieren und zu inszenieren, unabhängig von der eigenen Gemütslage und Persönlichkeit, wird nicht nur in der Lohnarbeitswelt gefordert, sondern ist auch gang und gäbe im zwischenmenschlichen Bereich. Vielen geht das ins Blut über. Besucht man diverse Singlebörsen, präsentieren sich die Nestsucher von ihrer vermeintlichen Schokoladenseite. Sie möchten, dass ein verkaufsförderndes Bild im Persönlichkeitsmarkt über sie entsteht. Der Glaube an Marken, Bilder und Images hat zunehmend den Rang eines religiösen Dogmas. Weiterlesen