Die »Pro‐Kopf‐Verantwortung«

»Ja, wenn doch nur jeder Einzelne dies und das kaufen würde, ja dann gäbe es weniger Müll, weniger Armut und weniger Kohlendioxid!«

Pro‐Kopf‐Verpackungsmüll
Pro‐Kopf‐CO²‐Emissionen
Pro‐Kopf‐Verschuldung

Die internationalen Verursacher von Massenarmut, Umweltzerstörung, Klimawandel und Müllbergen -also primär Konzerne, Banken und Milliardäre‐ werden seit Jahrzehnten durch die »Pro‐Kopf‐Berechnung« nicht nur versteckt, ihre Taten werden zu einer kollektiven Sippenhaft umgedeutet. Ganz im Sinne der Eigenverantwortung wird uns überall suggeriert, dass man mit dem Einkaufswagen die Welt retten könnte. Daran will vor allem die bequeme Mittelschicht unbedingt glauben. Politischer Widerstand erfordert Mut. Bio‐Produkte kaufen besänftigt dagegen die elitäre Selbst‐Haltung.

Warum gibt es von unserer bürgerlichen (Anzeigen-)Presse eigentlich keine Datensätze, Listen und Aufzählungen, wo wir ganz genau erkennen könnten, wer, wann und wie viel Müll produziert? Ich will Namen, genaue Daten und Adressen von Konzernen und Unternehmen statt die ominösen Länder‐Angaben! Wer genau kippt wann und wie viel Chemie‐Abfälle in die Natur? Welche Konzerne arbeiten mit kriminellen Organisationen und Geheimdiensten zusammen?

Welche Industrie‐Zweige verursachen den größten Co²‐Ausstoß? Welche Banken und Unternehmen bedienen sich regelmäßig bei unseren Steuergeldern? Wer, wann und wie viel? Statt Banken, Konzerne und die Industrie gesetzlich zu verpflichten, werden Länder und Einzelpersonen in Kollektivhaft genommen. Genau an dieser Stelle beweisen Politik und Medien regelmäßig, dass sie nicht dem Volk, sondern dem Kapital dienen.

Selbstverschuldete Ausbeutung?

Das Institut für Arbeitsmarkt‐ und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hält in einer Analyse fest, dass rund 30 Prozent aller Mini‐Jobber keinen bezahlten Urlaub und rund 50 Prozent keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall erhalten. Dabei sind die gesetzlichen Regelungen in Deutschland eindeutig. Auch Menschen mit einer geringfügigen Beschäftigung haben Anspruch auf bezahlten Urlaub und auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Als wäre diese Feststellung nicht schon Skandal genug, so setzt das IAB noch einen drauf, in dem es schlussfolgert: »Bezahlter Urlaub wie auch Lohnfortzahlung bei Krankheit werden häufiger nicht gewährt, wenn die Beschäftigten bzw. die Betriebe den rechtlichen Anspruch nicht kennen.«

Aha. Weil man also seine Arbeitsrechte nicht kennt, ist man auch verantwortlich dafür, dass der Lohnarbeitgeber diese mit Füßen tritt? Das soll die Ursache sein? Ein seltsames Verursacherprinzip und eine absurde Rechtsauffassung, die das IAB da als Fazit der Studie formuliert. Sind nicht eher die dreisten Unternehmen schuld, wenn sie ihre Mitarbeiter ausbeuten? Erwächst etwa aus der Unwissenheit der Mitarbeiter, ein Recht, diese rechtswidrig behandeln zu dürfen?

Der perfekte Lohnarbeiter

  1. Macht nur den Mund auf, wenn er etwas gefragt wird oder für das Unternehmen relevante Informationen hat.
  2. Ist gegenüber der Geschäftsführung nicht hinterfragend. Engagiert sich nicht im Betriebsrat und ist kein Gewerkschaftsmitglied.
  3. Verlangt nie eine Gehaltserhöhung und ist stets mit dem zufrieden, was er bekommt.
  4. Berichtet dem Chef zuverlässig und regelmäßig von aufsässigen und kritischen Mitarbeitern.
  5. Macht freiwillig unbezahlte Überstunden und Mehrarbeit.
  6. Sein Selbstbewusstsein hängt von seiner Lohnarbeit ab.
  7. Wird niemals krank, hat keine Kinder, will niemals Nachwuchs und hat auch sonst keinerlei arbeitsfremde Verpflichtungen.
  8. Besucht nach der Arbeit und am Wochenende freiwillig arbeitsrelevante Fortbildungen, Kurse und Seminare, die er komplett alleine bezahlt.
  9. Ist während seines Urlaubs telefonisch und per E‐Mail immer erreichbar.
  10. Benötigt keine Einarbeitung und übernimmt gerne fachfremde Aufgaben.

Presseblick (25)

SpiegelOnline veröffentlicht einen Artikel mit dem Titel »Geldvermögen: Deutsche sind so reich wie nie«. Im entsprechenden Forum gibt es verständlicherweise große Kritik zu dem armutsrelativierenden Beitrag. Bei ausufernder Leiharbeit, Dumping‐und sinkenden Reallöhnen, gestiegenen Lebenshaltungskosten, steigenden Miet‐ und Energiepreisen, Massenerwerbslosigkeit und mindestens acht Millionen ALG 2 — Empfängern, von den »Deutschen« zu sprechen ist schon krass realitätsverweigernd und dreist. Es gibt auch keine Schere zwischen arm und reich (wie man immer wieder betont), denn Scheren sind am Ende miteinander verbunden. Millionäre, Reiche und Vermögende leben jedoch schon längst in einem Parallel‐Universum. Weiterlesen

Wieso. Weshalb. Warum.

  1. Wieso darf ich für ein halbes Schwimmbad (ständige Becken‐Belegung durch alle möglichen Kurse, Vereine, Wartungsarbeiten, Schwimm‐Bojen) dennoch den vollen Preis bezahlen? Und das obwohl die Schwimmbad‐Preise auch noch im vergangenen Jahr gleich zweimal erhöht wurden?
  2. Weshalb bekomme ich bei jedweder Kritik bei Behörden, Institutionen, Unternehmen oder staatlichen Einrichtungen von den Angestellten immer als Antwort »Ich bin dafür nicht zuständig, Das liegt nicht in meiner Verantwortung, Ich kann auch nichts dafür, Ich befolge nur die Gesetze/Regeln/Befehle/Anordnungen« zu hören?
  3. Warum legt man sich Kinder und/oder Hunde zu, wenn man sie, zum größten Teil, nur alleine lässt, abschiebt oder wegorganisiert?

Glückfreie Profitwirtschaft

wirtschaft_titelDie primäre Orientierung auf den Profit, ist nicht die Lösung all unserer Probleme, wie es uns Ökonomenprediger immer wieder weismachen wollen (wirtschaftliches Wachstum erzeuge Wohlstand und Glück für alle), sondern die Ursache der allgemeinen Unzufriedenheit. Ein kurzes Gedankenspiel hierzu. Was würde passieren, wenn... Weiterlesen

Presseblick (17)

Unsere Krankenhäuser würden Verluste machen, schreibt unter anderem spiegel.de: »Es ist schon dramatisch, wie das gegenwärtige System der Krankenhausfinanzierung mehr als die Hälfte der Kliniken in die roten Zahlen drückt.« Das Krankenhäuser überhaupt wie Wirtschaftsunternehmen geführt werden müssen, anstatt die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung als einen elementaren Bestandteil der sozialen Daseinsfürsorge zu bewerten und zu behandeln, ist der eigentliche Skandal in einem der reichsten Länder der Welt. Ob verschwendete Milliarden für unsinnige Großbau‐ oder Rüstungsprojekte, Bankenmilliarden oder Verluste durch Steuereinnahmen in Milliardenhöhe — Geld wäre da, wenn man will. Aber man will nicht. Weiterlesen

Das Geschäft mit der Hoffnung

Der Handel mit der Zuversicht blüht wie nie zuvor. Er ist das zentrale Element zur Motivationssteigerung am Arbeitsplatz und zur Kaufentscheidung von Produkten und Dienstleistungen. Wer eine vermeintliche Verbesserung der individuellen Lebenssituation anbieten oder versprechen kann, der hat schnell die Menschen — und den Profit — auf seiner Seite.

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