Presseblick (17)

Unsere Krankenhäuser würden Verluste machen, schreibt unter anderem spiegel.de: »Es ist schon dramatisch, wie das gegenwärtige System der Krankenhausfinanzierung mehr als die Hälfte der Kliniken in die roten Zahlen drückt.« Das Krankenhäuser überhaupt wie Wirtschaftsunternehmen geführt werden müssen, anstatt die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung als einen elementaren Bestandteil der sozialen Daseinsfürsorge zu bewerten und zu behandeln, ist der eigentliche Skandal in einem der reichsten Länder der Welt. Ob verschwendete Milliarden für unsinnige Großbau‐ oder Rüstungsprojekte, Bankenmilliarden oder Verluste durch Steuereinnahmen in Milliardenhöhe — Geld wäre da, wenn man will. Aber man will nicht.

In Lohnarbeits‐Pädagogik übt sich rp-online.de mit der Schlagzeile »Wenn Azubis Chef auf Zeit werden«. Mit der Unterschrift »Jetzt bin ich der Boss!« und der Aussage »Dabei merken die meisten schnell: Chef sein ist alles andere als ein entspannter Job« soll dann Verständnis und Empathie für unsere hart arbeitenden Führungskräfte erzeugt werden. Unsere Leistungsträger, die Herrenmenschen, die sich selbstlos für uns alle aufopfern. Wie wäre es, wenn gleichzeitig die Chefs die Azubis mimen, während die Azubis die Chefs sind? Nein, das würde natürlich zu weit gehen. Dazu passt: »Lehrlinge in Deutschland: Betriebe nutzen Azubis immer öfter als billige Arbeitskräfte« von spiegel.de. Wann war das jemals anders?

Mein Lieblingsmedium, die einseitige konservative Arbeitgeber‐Propaganda‐Springer‐Zeitung, welt.de, titelt reißerisch »Weihnachten ist 80 Milliarden Euro wert«. Sicher, für Händler und Unternehmen geht es das ganze Jahr über nur um Kohle und da sind Konsum‐Feste, wie Weihnachten, ein Profit‐Segen. Aber ist es nicht irgendwie armselig, alles schaffen, handeln und denken ausschließlich in Geldeinheiten zu messen?

Interessant. Die FAZ berichtet über eine bisher unveröffentlichte Analyse vom Fachjournal »Climatic Change«, die zu dem Schluß kommt: »Nur 90 Firmen verursachen wesentlich den Klimawandel.« Warum also noch sinnfrei mit Staaten nach Lösungen suchen und Scheinkompromisse eingehen? Man holt alle 90 Firmen an den Tisch und vereinbart verbindliche, an harten Sanktionen geknüpfte, Klimaschutzziele. Nur leider sind unter den 90 Firmen Erdöl‐ und Gaskonzerne, wie Exxon Mobil, Chevron, BP und Gazprom. Konzerne, welche die Politik in den USA und der EU schon längst gekauft haben. Sorry nein, das ist Verschwörungstheorie.

Außerdem skandalisiert die Berliner Morgenpost unter der Schlagzeile »Chinas Forscher tricksen bei Veröffentlichungen«. In dem Artikel heißt es: »Bei wissenschaftlichen Publikationen gehe es in China zu wie auf dem Basar«. Wissenschaftliche Ergebnisse sollen schon im Vorfeld festgelegt und/oder gekauft werden. Viele Forschungen finden zudem nur auf dem Papier statt, um Produkte aufzuwerten, Marketing zu betreiben und um Karrieren zu befördern. Das alles findet in Deutschland natürlich nicht statt. Sowas machen nur die bösen Chinesen.

2 Gedanken zu “Presseblick (17)

  1. »Geld wäre da«
    Es ist da. Es gibt Sonderkonditionen mit Zielvereinbarungen für Chefärzte. Für jeden Patient gibt es Geld. Es werden Ziele definiert, wieviele Patienten behandelt werden sollen. Eigentlich schon ein wenig abartig. Wenn das alle Krankenhäuser machen und diese Zahlen steigen, dann darf man sich nicht wundern, warum die Gesundheitskosten steigen. Wenn dann noch ein Teil des Geldes bei den Antreibern hängen bleibt, dann hat man unser heutiges System.

  2. Was macht die Krankheitsindustrie eigentlich, wenn die Menschen gesund werden?
    Die größte Gefahr für Leib und Leben besteht doch darin, sich in eine Klinik oder Arztpraxis zu begeben! Meines Wissens sterben pro Jahr mehr als 15.000 Menschen an ärztlichen »Kunst«-fehlern, also deutlich mehr als im Straßenverkehr. Dann kommen noch die Nebenwirkungen von Medikamenten. Im Grunde sieht es doch so aus, als ob die Gesundheitsindustrie sich ihre Patioenten selbst schafft.
    Und wenn wir noch den Wahnsinn und die Umsätze mit künstlichen Gelenken (pro Jahr ca. 200.000 Knie‐ und Hüftgelenk‐OPs), Krebsbehandlungen u.a. betrachten, dann sehen wir, was das Gesundheitswesen heute ist — ein Abzockverein erster Güte ohne Heilungsgarantie.

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