Glückfreie Profitwirtschaft

wirtschaft_titelDie primäre Orientierung auf den Profit, ist nicht die Lösung all unserer Probleme, wie es uns Ökonomenprediger immer wieder weismachen wollen (wirtschaftliches Wachstum erzeuge Wohlstand und Glück für alle), sondern die Ursache der allgemeinen Unzufriedenheit. Ein kurzes Gedankenspiel hierzu. Was würde passieren, wenn...

  1. ...immer mehr Menschen ein sehr starkes Immunsystem entwickeln würden, gegen viele Krankheiten nur einmalig geimpft werden müssten und sich von Tabletten, Cremes und allen anderen Arzneimitteln abwenden würden?
  2. ...die Menschen anfangen würden, sich und ihre Mitmenschen so zu akzeptieren, wie sie körperlich und charakterlich sind? Wenn sie echtes Selbstbewusstsein entwickeln, die eingeimpften Minderwertigkeitskomplexe abstreifen und keinen so starken Drang mehr verspüren würden, unbedingt schön und begehrenswert sein zu müssen? Und infolgedessen deutlich weniger Geld für Kosmetik, Kleidung, Sport‐ und Fitnesskurse und so weiter ausgeben würden?
  3. ...jeder anfängt seine eigenen Lebensmittel im Garten anzupflanzen bzw. vermehrt Dinge des täglichen Lebens mit seinen Mitmenschen tauschen und leihen würde? Oder wenn viele für ihren eigenen Energiebedarf durch Solarzellen und ähnliches sorgen und sich nur alle zehn Jahre neue technische Geräte (smartphones, Fernseher, Konsolen etc.) zulegen würden?
  4. ...die Ängste der Menschen stark abnehmen und sie akzeptieren und verinnerlichen würden, dass es im Leben keine endgültigen Sicherheiten jemals geben kann. Folglich würde die Nachfrage nach Alarmanlagen, Sicherheitsdiensten, Versicherungen, Sparanlagen, Überwachungskameras und so weiter stark abnehmen.

Viele Unternehmen und Konzerne würden deutlich weniger oder gar kein Geld mehr verdienen. Insofern besteht überhaupt kein ernsthaftes Interesse daran, dafür zu sorgen, dass es den meisten Menschen wirklich gut geht. Ganz zu schweigen, dass es nicht im Interesse der Herrschenden ist, der Masse der Bevölkerung eine entsprechende Bildung zukommen zu lassen. Es ist ganz so, wie Georg Schramm es einmal formuliert hat: »Wir brauchen die Dummen, sonst frisst keiner das Gammelfleisch!« Menschen, die nachdenken, bevor sie etwas kaufen? Die Angebote vergleichen, zögern, nachhaken, sich ausführlich beraten lassen oder Geduld haben, bevor sie ihr Geld ausgeben? Die will kein Unternehmen. Erwünscht sind emotionale Sofortkaufer, die ohne wenn und aber zugreifen oder besser noch: die für eine Playstation 4 oder ein neues Samsung Galaxy stundenlang anstehen und sich darum prügeln.

Zufriedenheit unerwünscht
Millionen Produkte und Dienstleistungen versprechen Glück und Zufriedenheit, Unternehmen verdienen aber eben nur, wenn sie auf Unzufriedenheit und Unglück treffen: »Uns sind zufriedene Kunden wichtig« — so liest man es tausendfach auf den Firmen‐Homepages. Aber natürlich nur, nachdem man den Kunden diese »Zufriedenheit« durch ein eigenes Produkt oder eine Dienstleistung verkauft hat.  Also ist es vornehmlich die Aufgabe des Marketing, der PR, des Vertriebs und der Werbung, die Menschen -natürlich subtil und unterschwellig‐ unglücklich zu machen, ihnen Probleme und Bedürfnisse einzuimpfen, damit man ihnen auch etwas verkaufen kann. Ansonsten würden sich viele Unternehmen, die sich als Problemlöser inszenieren, auf Dauer überflüssig machen.

Glückliche, zufriedene, ausgeglichene, bescheidene, kritische und gesunde Menschen, sind das Schlimmste was Unternehmen passieren kann. Die Verfestigung und Institutionalisierung von Unzufriedenheit, Angst und Unglück sind elementare Pfeiler unserer Wirtschaftsordnung. Deshalb können beispielweise viele Menschen Kinder nicht mehr ertragen oder sie fühlen sich von ihnen magisch angezogen — beides, weil Kinder häufig noch vor Lebenskraft sprudeln, während die eigene Lebensfreude längst im Konsum‐ und Lohnarbeits‐Sumpf verrottet ist. Denn nur wer ständig Bedürfnisse zu befriedigen oder Probleme zu lösen hat, ist ein guter Kunde. Und ohne treudoofe Dauer‐Konsumenten kann es keinen Kapitalismus geben, der auf einer endlichen Welt mit endlichen Ressourcen, an ein endloses Wachstum glaubt.

3 Gedanken zu “Glückfreie Profitwirtschaft

  1. »....weil Kinder häufig noch vor Lebenskraft sprudeln, während die eigene Lebensfreude längst im Konsum– und Lohnarbeits‐Sumpf verrottet ist.«

    Kinder leben im :EUPHORIE: »Hier und Jetzt« :EUPHORIE: und diese, die Psyche stärkende Einstellung, die wird uns dann im Erwachsenenalter wieder mit gefordertem Konkurrenzkampf abgewöhnt.

  2. Kinder leben mit Glotze und Smartphone. An ein Märchen ist da nicht zu denken, schon gar nicht wenn beides nicht vorhanden sein sollte. Dann gibt›s eher Klassenkeile und zu Hause noch was drauf.

  3. Ich stimme, dem Tet oben Teilweise zu, denn für mich liegt das Glück nicht darin, dass der Mensch den einen durchdas andere ersetzt. Sondern darin, dass jeder auf sich selber schaut, in sich selber hineinhört. Zum Thema Kinder kann ich immer wieder sagen, dass sie das extreme unverfälschte Spiegelbild unserer Gesellschafft, unserer Selbst sind. Warum sollen sie das können, was wir Erwachsenen selber nicht können. Wer kann denn heute noch 2 Stunden in den Bahn fahren,ohne irgend eine Unterhaltung zu haben, bzw. nicht das Gefühl zu haben so viel Zeit verschwendet zu haben, ohne einen Nutzen gehabt zu haben.

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