Strukturelle Gewalt

»Nach den jüngsten Anschlägen auf Fahrzeuge des Immobilienkonzerns ›Deutsche Wohnen‹ wächst der Druck auf den rot‐rot‐grünen Berliner Senat [..] Wer tagein, tagaus die Immobilienwirtschaft dämonisiert [...] nimmt auch Gewalt in Kauf.«

dnn.de vom 29. März 2019

Anmerkung: Es ist wie bei Konflikten unter Schulkindern: viele Eltern, Pädagogen und andere Kinder schreien meist erst dann auf, wenn die Gewalt körperlich wird. Die psychische Gewalt vorher, das provozieren, triezen, beleidigen und stänkern — fällt häufiger unter den Tisch. Oder mal provokant gefragt:

1.) Warum ist denn die strukturell‐existenziell‐gefährdende Gewalt der Immobilienkonzerne erlaubt (und wird teilweise auch gesetzlich gefördert/unterstützt), während die Sachbeschädigung an einem Auto als »Anschlag« tituliert wird?

2.) Und wer übt hier eigentlich Gewalt aus und ist gleichzeitig im Besitz der eigentlichen Macht? Die Immobilien‐Haie oder die Vandalisten?

Trigger‐Themen

Mit dem Einkaufswagen die Welt retten!

Der neoliberale Habitus (Ich‐Zentrierung, Eigenverantwortung, Wettbewerb etc.) hat es nicht nur geschafft, die wirklich existenziellen Themen im öffentlichen (und privaten) Diskurs zum Verschwinden zu bringen, sondern hat auch zahlreiche Nebelkerzen gezündet und Nebenkriegsschauplätze aufgemacht. Dort darf sich jeder -wie auf einem Spielplatz der Möglichkeiten‐ beliebig austoben und auskotzen. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe an Trigger‐Themen, bei denen man nur eine Aussage oder These in den Raum werfen muss, um den Bolzplatz zu eröffnen: Trump, Sexismus, Ossi‐Wessi, AfD, Veganismus, Feminismus, Flüchtlinge, Putin, (Trans-)Gender, Nachhaltigkeit und so weiter.

Da rede ich beispielsweise (im beruflichen oder auch privaten Kontext) von der Makroebene und viele kommen aus ihrer Mikroebene nicht heraus. Nur die eigene kleine Ich‐, Familien‐ und Lohnarbeits‐Blase wird als Bewertungs‐ und Analysemuster heran gezogen: »Also bei mir ist das so...«, Ich kenne da einen Fall, wo es so und so ist« Mit immer mehr Menschen ist es schlicht unmöglich, über Strukturen, Gesetze, Rahmenbedingungen und Sachzwänge zu reden. »Eigenverantwortung« beherrscht die Köpfe. »Was kann ich gegen den Klimawandel und gegen Plastikmüll tun?« Dabei sind und bleiben die Industrie und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen das eigentliche Problem. Den überwiegenden Anteil der Treibhausgas‐Emissionen, des weltweiten Mülls sowie der Umweltgifte (»Diesel‐Skandal«) produziert immer noch die Industrie! Darüber will man aber nicht reden.


Neusprech: Bedauerlicher Einzelfall
Hauptsache Ich!

Die »Pro‐Kopf‐Verantwortung«

»Ja, wenn doch nur jeder Einzelne dies und das kaufen würde, ja dann gäbe es weniger Müll, weniger Armut und weniger Kohlendioxid!«

Pro‐Kopf‐Verpackungsmüll
Pro‐Kopf‐CO²‐Emissionen
Pro‐Kopf‐Verschuldung

Die internationalen Verursacher von Massenarmut, Umweltzerstörung, Klimawandel und Müllbergen -also primär Konzerne, Banken und Milliardäre‐ werden seit Jahrzehnten durch die »Pro‐Kopf‐Berechnung« nicht nur versteckt, ihre Taten werden zu einer kollektiven Sippenhaft umgedeutet. Ganz im Sinne der Eigenverantwortung wird uns überall suggeriert, dass man mit dem Einkaufswagen die Welt retten könnte. Daran will vor allem die bequeme Mittelschicht unbedingt glauben. Politischer Widerstand erfordert Mut. Bio‐Produkte kaufen besänftigt dagegen die elitäre Selbst‐Haltung.

Warum gibt es von unserer bürgerlichen (Anzeigen-)Presse eigentlich keine Datensätze, Listen und Aufzählungen, wo wir ganz genau erkennen könnten, wer, wann und wie viel Müll produziert? Ich will Namen, genaue Daten und Adressen von Konzernen und Unternehmen statt die ominösen Länder‐Angaben! Wer genau kippt wann und wie viel Chemie‐Abfälle in die Natur? Welche Konzerne arbeiten mit kriminellen Organisationen und Geheimdiensten zusammen?

Welche Industrie‐Zweige verursachen den größten Co²‐Ausstoß? Welche Banken und Unternehmen bedienen sich regelmäßig bei unseren Steuergeldern? Wer, wann und wie viel? Statt Banken, Konzerne und die Industrie gesetzlich zu verpflichten, werden Länder und Einzelpersonen in Kollektivhaft genommen. Genau an dieser Stelle beweisen Politik und Medien regelmäßig, dass sie nicht dem Volk, sondern dem Kapital dienen.

Hambacher Forst

»Der Wald sei Betriebsgelände, gehöre also zum Tagebau. Wer den Wald noch betrete, begehe Hausfriedensbruch.«

RWE‐Sprecher Guido Steffen, tagesschau.de vom 2. Oktober 2018

Anmerkung: Wälder. Flüsse. Seen. Gebirge. Alles ist heute Privateigentum. Dabei: »Die Luft gehört denen die sie atmen!« Die aktuellen Vorkommnisse im Hambacher Forst bezeugen die Machtlosigkeit von Politik und Bevölkerung sowie das Durchregieren von Banken, Konzernen, Kapital und der Finanzindustrie. Wer das noch immer für eine linke Übertreibung oder gar eine Verschwörungstheorie hält, dem ist echt nicht mehr zu helfen. :NENE:


hambacherforst.org

Big Pharma

»Doch die Pharmaindustrie interessiert sich nicht dafür, wie Betroffene ihre Freiheit wiedergewinnen, denn dann würden sie sich ja ihrem Zugriff entziehen. Sie hat vielmehr ein Interesse daran, dass es noch mehr Krankheiten gibt. [...] ADHS sei ein „Parade­beispiel für eine fabrizierte Erkrankung“, und dass die genetische Veranlagung für hyperaktives Verhalten vollkommen überschätzt werde.«

- Gérard Pommier. Le Monde Diplomatique. Ausgabe April 2018. S. 23

Anmerkung: Wie jetzt? Das klingt ja alles wie eine große Verschwörungstheorie! Ich dachte immer, die Pharmaindustrie will uns in erster Linie helfen und heilen? Und jetzt muss ich lesen, dass es ihr primär um den Profit geht? Das kann nicht sein. Weil es nicht sein darf. :NENE:

»Wie konnten wir das nur wissen?«

afd_titel

Das Jahr 2025. Überall in Europa haben rechtsradikale Parteien, Bewegungen und Organisationen großen Zulauf. Linke Parteien, Bewegungen und Gewerkschaften sind fast völlig von der Bildfläche verschwunden. In Italien, Spanien sowie in vielen Ländern Osteuropas werden rechtsextreme Parteien teilweise ganz offen von Banken, Konzernen, Milliardären sowie von Geheimdiensten unterstützt. Auch die Massenmedien berichten nun ganz positiv von der AfD als alternativlose Wahloption. Gleichzeitig haben sich alle rechten Kräfte in Europa miteinander vernetzt und das jeweilige Militär für sich gewonnen. Immer wieder verschwinden in ganz Europa Gewerkschafter, Oppositionelle und Menschenrechtsaktivisten. Doch niemand berichtet darüber. Die sozialen Medien sind indessen fast vollständig verstummt. Es herrscht überall die pure Angst. Viele fragen sich: »Wie konnte es nur so weit kommen?« :WTF:  

Presseblick (55)

Aufklärung ist Wurst! (Berliner Morgenpost vom 15. August 2016)

Aufklärung ist Wurst! (Berliner Morgenpost vom 15. August 2016)

Erwerbslosigkeit
Erwerbslose seien generell unglücklicher und unzufriedener als Menschen, die in Lohnarbeit stehen, stellt jetzt eine Studie von der FU Berlin und dem DIW fest. Ohne eine exakte Analyse zu liefern, warum das wohl so sei. Es scheint eine gesellschaftliche Norm zu sein, dass wer keiner Lohnarbeit nachgehe, eben auch depressiv, unglücklich und freudlos sein müsse. Glückliche Erwerbslose wären dreiste Sozialschmarotzer. Außerdem wurde das öffentliche, politische, soziale und mediale Bild vom vermeintlich typisch deutschen Erwerbslosen nicht untersucht. Denn dann würde man vermutlich zusätzlich zu der Erkenntnis kommen, dass wer überall als Ballastexistenz, Schmarotzer oder unwertes Leben beurteilt und abgewertet wird, es auch verdammt schwer haben dürfte, glücklich und zufrieden zu sein. :SICK: Weiterlesen

Charter Cities

»Versagende Staaten könnten bald ungeahnte Anlagemöglichkeiten bieten. [...] In speziellen Zonen (Anm.: Charter Cities) sollen Unternehmen den Platz von Regierungen einnehmen und ihre eigenen Regeln schaffen, [...] bei der demokratische Mitbestimmung nicht vorgesehen ist.«

Carsten Lenz und Nicole Ruchlak. »Charter Cities«. Blätter Ausgabe Dezember 2015. Ab S. 98

Anmerkung: Von der Lobbykratie zur Sonderwirtschaftszone bis zur Charter City. Das Konzept der kapitalistischen‐privatisierten Utopie sieht vor, dass die Macht von Unternehmen und Konzernen endgültig institutionalisiert und die Bevölkerung als willfährige Knetmasse von Konzerninteressen benutzt werden soll. Der Wirtschaftsprofessor Paul Romer träumt von einem dystopischen Freiluftgefängnis ohne jede staatliche Kontrolle mit einer privaten Sicherheitsarmee sowie mit eigenen Gesetzen zur Profitsicherung.

Links zum Thema:

» Eine Stadt als Start‐up
» US‐Ökonom empfiehlt Deutschland als Kolonialmacht
» Neue Städte für Migranten

Geldkrieger

ttip_eimer

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»Kein Mensch bei Verstand würde im Privatleben einen solchen Vertrag unterschreiben (Anm.: TTIP), mit dem er sich künftig allen noch nicht bekannten Befehlen von ihm ebenso unbekannten Organisationen unterwerfen würde.«

- Fritz Glunk. »TTIP: Die Selbstaufgabe des Staates«. Blätter. Ausgabe November 2015. S. 14

Anmerkung: Und warum zum Teufel findet unsere Bundesregierung das Konzerninteressenabkommen dann so toll? Alle nicht bei Verstand? Oder werden sie etwa doch gekauft, bedroht und/oder erpresst? Aber das ist ja wieder Verschwörungstheorie, nicht wahr?

Konzerne. Kunden. Kranke.

schere_titel»Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander«, ist ein beliebter Satz, auch und gerade von linken und progressiven Vertretern. Ich frage mich, gibt es auch nur eine Gemeinsamkeit zwischen Hedgefonds‐Managern und Hartz4‐Empfängern? Ist die Schere hier nicht die völlig falsche Metapher? Muss der Versuch, an die Solidarität und den politischen Willen von Reichen und Vermögenden zu appellieren, nicht zwangsläufig scheitern?