»Ich bin reich!«

»Deutsche horten Milliarden im Ausland. Auslandskonten bleiben beliebt: Mindestens 590 Milliarden Euro haben Deutsche nach Informationen von NDR und SZ dort deponiert.«

tagesschau.de vom 24. Juni 2020

Anmerkung: Unglaublich, diese »Deutschen«! Wir haben überall Krise und die horten milliardenfach ihre Kohle im Ausland? Schämen die sich nicht? Diese rund 83 Millionen »Deutschen«? Ich muss ja zugeben, ich horte auch manchmal so ein paar Milliönchen in Luxemburg. Mein Nachbar hat letztens erst zu mir gesagt, er mache jetzt eine Überweisung von 3 Milliarden Euro auf sein Schweizer Bankkonto. Üblicher Alltag bei uns »Deutschen«. Wir sind halt reiche Säcke. Wir »Deutsche«. :jaja:

Kinder in Deutschland; Teil 47: Coronoia

Seit rund 10 Jahren gibt es die Kinder-Serie auf dem ZG-Blog. Am 20. Juli 2010 ging bezeichnenderweise »Teil 1: Kinderfeindlichkeit« online. Gerade die häufig offen ausgelebte, manchmal etwas subversiv versteckte, aber leider auch meist sehr direkte Kinderfeindlichkeit in Deutschland, war und ist für mich ein ganz persönliches Trauerspiel. Kinder werden ‑nach wie vor- vielfach als formbare Objekte der Erwachsenen, halbfertige Menschen, Nervenbündel, Schmutzverursacher und/oder Lärmbelästiger betrachtet. Deutschland hat zwar die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet, das hindert aber scheinbar Niemanden daran, seinen Menschenhass (denn genau das sind Kinder: kleine Menschen) ungeniert auszuleben. Die Corona-Krise hat das leider wieder sehr deutlich aufgezeigt. Weiterlesen

»Ich bin stolz!«

Ich bin stolz auf meine Sklavenmoral.
Ich bin stolz auf meine emotionale Meinung.
Ich bin stolz darauf, früh aufzustehen.
Ich bin stolz darauf, keine Hobbys oder Leidenschaften zu haben und stattdessen ‑ganz und ausschließlich- nur für meine Kinder da zu sein.
Ich bin stolz auf meine Eindimensionalität und Ich-Perspektive.
Ich bin stolz auf unser schönes tolles Deutschland!

Und worauf seid Ihr so stolz? :shock:

Selbstentlarvende Realsatire

»Politisch mag das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen aufwühlend sein. Der deutschen Wirtschaft dürfte es aber kaum schaden. Denn die fährt schon eine Weile ganz gut ohne Politik. [...] Vieles spricht dafür, dass ein paar weitere Monate politischer Stillstand der Wirtschaft zumindest kurzfristig sogar ganz gut tun. [...] Und egal ob es nun auf eine Große Koalition, eine Minderheitsregierung oder Neuwahlen hinausläuft — keines der möglichen Szenarien würde die grundsätzliche Stabilität Deutschlands infrage stellen.«

spiegel.de vom 20. November 2017

Anmerkung: Ergo, es ist völlig egal, ob und welche Regierung wir in Deutschland haben, solange sie nur im Sinne von Banken, Konzernen, der Finanzindustrie, Wirtschaftskanzleien und Millionären Politik macht oder zumindest keine Politik gegen sie macht. Auch ist die »grundsätzliche Stabilität Deutschlands« gleichzusetzen mit der Profit- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Ob die Menschen, also die Bevölkerung glücklich und zufrieden sind (Haha!), interessiert absolut gar Niemanden. Mit solchen Sätzen offenbaren Journalisten sehr deutlich und direkt, dass sie zum Sprachrohr des Establishments mutiert sind und den Anschluss an die »normale Bevölkerung« längst verloren haben. Die Selbstbeweihräucherung als »Vierte Gewalt« kann hier nur noch als schlechte Satire durchgehen.

Zum Thema Hamsterkäufe

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Scheinbar denken immer noch so einige, wenn man in Deutschland lebt, sei man unverwundbar. In einer unzerstörbaren Komfortzone. Terror-Anschläge, Naturkatastrophen, Stromausfälle, Staatspleiten, soziale Unruhen – das trifft doch immer nur die Anderen. Viele leben nicht nur in einer Filter-Bubble, sondern auch in einem mental-emotionalen-Weltverleugnungs-Glasbunker. Es ist naiv zu glauben, in Deutschland könne nichts passieren. Marc Friedrich, Autor von »Der größte Raubzug der Geschichte« (2012), beschreibt in einem persönlichen Erfahrungsbericht was nach dem Staatsbankrott im Jahre 2001 in Argentinien vorgefallen ist: Weiterlesen

Deutschlaaand!

deutsch_titelWie kann man sich eine Deutschland-Fahne an sein Auto hängen, während die Bundesregierung ALG2 verschärfen, die Video-Überwachung ausweiten, Bürgerrechte abbauen, Waffen in Diktaturen liefern, widerspruchslos US-imperialistische Befehle befolgen und weiterhin primär Politik für die Reichen und Vermögenden und gegen die Bevölkerung machen will? Wie kann man stolz auf ein Land sein, in dem man zufällig geboren wurde? Wie kann man sich eine deutsche Nationalflagge an seinen Balkon pinnen und an eine tief verbundene, zwischenmenschliche und vor allem deutsche Solidarität glauben, während der deutsche (Berufs-)Alltag von Egoismus, Rücksichts- und Empathielosigkeit geprägt ist? Ich verstehe das alles nicht. Kann mir das mal bitte jemand erklären und mich zum national-völkischen Vaterlands-Patrioten (um-)erziehen?

»Deutschland ist wirtschaftlich erfolgreich!«

EU-Abgeordnete, Journalisten, Linksgrüne, vermeintliche Wirtschaftsexperten, die Bundesregierung, (auch linke) Akademiker und Intellektuelle sowie viele, viele Andere wiederholen ständig und überall diesen Glaubenssatz. Dabei bleibt stets die Frage: Wer ist mit Deutschland eigentlich gemeint? Die mehr als 7,5 Millionen Bezieher von ALG 2 und Sozialgeld? Die 2,5 Millionen Kinder in Armut? Die 8 Millionen, die im Niedriglohnsektor arbeiten? Die 2,5 Millionen Rentner, die in Armut leben? Die rund 850.000 Obdachlosen? Die 4 Millionen Menschen, die an Depressionen leiden? Generation Praktikum? Akademisches Prekariat? Flüchtlinge? Nein, natürlich nicht. Mit Deutschland sind Konzerne, Unternehmen, Banken und Millionäre gemeint. Nur sagt das niemand. Stattdessen wird die Volksgemeinschaft beschworen und immer wieder so getan, als hätten die Ärmsten der Armen irgendetwas davon, wenn Banken und Konzerne satte Profite machen.

Liebes Tagebuch...

Spiegel Online vom 21. Dezember 2015

Spiegel Online vom 21. Dezember 2015

...heute war ich bei der Bundesbank und wollte Goldbarren abheben. Der Wirtschaftsjournalist Michael Kröger (mik) hat in seinem Artikel auf Spiegel Online davon gesprochen, dass »besorgte Bürger« –und dazu zähle ich mich auch, schließlich bin ich bis jetzt auf jeder Pegida-Demonstration gewesen- die Goldbarren lieber in Frankfurt haben wollen, als im Ausland. Es würde »viele Deutsche beruhigen, den wertvollen Schatz lieber in der Heimat als in der Fremde« zu sehen, betonte er weiter. Und ja, ich bin laut meinem Personalausweis auch deutscher Staatsbürger. Und Fremden, also Türken und Ausländern, habe ich auch noch nie vertraut. Der Transport des Goldes nach Deutschland sei wichtig, damit »Deutschland im Krisenfall darauf zugreifen könnte«. Nach der Bertelsmann-Kampagne aus dem Jahr 2005 bin auch ich Deutschland. Und bei mir ist gerade Krise. In der Bank wollte man mir aber keinen Goldbarren geben, stattdessen haben die Wachleute mich nach draußen befördert. :prof:

Syrische Weißwurst

Spiegel-Online vom 15. Oktober 2015 (ohne link)

Spiegel-Online vom 15. Oktober 2015 (ohne link)

Norbert Lammert (CDU) möchte also, dass alle Flüchtlinge Saufpartys in Mallorca veranstalten oder Sex-Ferien in Thailand machen. Natürlich erst, wenn sie offiziell assimiliert integriert sind. Sie sollen den ganzen Tag Helene Fischer hören sowie humorlose, rechthaberische, unfreundliche, geizige, unterwürfige und kleingeistige Weltverleugner werden. Ganz so, wie der gemeine Deutsche. Außerdem sollen sie sich fortan eine ordentliche Bierplauze zulegen, viel über die Lohnarbeit jammern (sich gleichzeitig darüber definieren) und stets nach unten treten und nach oben kriechen. Bigotte Bürokraten, Biedermänner und Brandstifter. Haben wir davon nicht schon genug hier?

Wer ist Wir?

»Nach den ungeheuren Untaten des vergangenen Jahrhunderts sind wir heute die wohlhabendste Nation Europas, die sogar von der jüngsten Euro-Krise noch profitiert.«

- Albrecht von Lucke. »70 Jahre Befreiung: Deutsche Kälte, deutsches Glück«. Blätter. Ausgabe Mai 2015. S. 8

Anmerkung: Die emotionale Solidaritäts-Konditionierung des Wir wird mittlerweile inflationär gebraucht. Wir sind Papst. Wir sind Pizza. Wir sind Deutschland. Das aber auch vermeintlich Linke das Narrativ des wir sind wohlhabend häufig gedankenlos übernehmen, ärgert mich. Denn wohlhabend, reich und vermögend sind in Deutschland die oberen zehn Prozent. Der ganze Rest wird jedes Jahr ärmer. Von einem wir sind wohlhabend kann einfach keine Rede sein.