Grüne Dissonanz

Dieses Gespräch einer Grünen mit Sarah Wagenknecht zeigt sehr gut auf, warum die Grünen schon lange nicht mehr »links«, sondern eher eine moralinsaure und realitätsferne FDP-Light sind. Die TAZ-Redakteurin Ulrike Herrmann sagt ganz offen, dass sie Flüchtlinge will, damit sie die Niedriglohn-Jobs in Deutschland machen (»Fachkräftemangel«). Löhne erhöhen und/oder Arbeitsbedingungen verbessern, um diese Berufe attraktiver zu machen, kommt ihr nicht in den Sinn.

Als Frau Wagenknecht die Armutsrenten in Deutschland anspricht, wischt das Frau Herrmann (»Ja zur Atombombe«) sofort zur Seite und lacht dabei: »die Rentendiskussion findet heute nicht statt!« Klar. Millionen von Menschen leiden darunter in Deutschland, aber Frau Herrmann hat keinen Bock auf das Thema. Auch horrende Mietpreise, Inflation oder steigende Energiekosten, werden nicht erwähnt.

Und dann kommt Frau Herrmann’s AfD-Kontaktschuld-Vorwurf. Wenn die AfD irgendwelche Positionen vertritt, darf Niemand anderer diese Meinung haben, weil man sich sonst mit Faschisten gemein machen würde. Seit C wird diese infantile Medienkeule verwendet und sie war von Anfang an eine intellektuelle Beleidigung. Es sollte immer um die Sache und um die Argumente gehen und nicht darum, wer, wann, was »auch« gesagt hat.

Beim Thema Ukraine folgt dann wieder das übliche Framing: »Sie haben eine ähnliche Position wie die AfD und Sie übernehmen die Erzählung von Putin!« Die USA wollten nie eine NATO-Osterweiterung. Die USA wollten nie ihre Raketen und ihr Militär bis an die Grenzen von Russland bringen. Es gab keinen Maidan-Putsch im Jahr 2014. Und es gibt auch keine Geschichte vor dem 24. Februar 2022. Das ist alles Kreml-Propaganda! Putin ist einfach nur ein böser Imperialist! So funktioniert die moralisch-grüne »Analyse«.

Und zum Schluss: »die Ukraine braucht noch mehr Waffen!« Diese grüne Kriegstreiberei ekelt mich nur noch an. Völlig empathiebefreit und kaltherzig. Da werden täglich Menschen zerfetzt. Auf beiden Seiten. Seit über Zwei Jahren. Und sie redet nicht ein einziges Mal über Diplomatie oder einen Waffenstillstand. Denn für die Menschen ist alles besser als Krieg.


Grüne Wahrheiten

Neusprech: »Solidarität«

Vor nicht allzu langer Zeit war »Solidarität« noch kommunistisches Teufelszeug. Lohnarbeiter, die sich miteinander solidarisieren wollen? Prekär Beschäftigte, die sich via Streik, Protest, Widerstand und Demonstration gegen menschenverachtende, neoliberale Ausbeutung wehren wollen? Bildungsproteste von Lehrern, Schülern und Eltern gegen das Spardiktat? Aufmärsche gegen Kriege und für den Frieden? Bitte nicht! Alles Chaoten, Verschwörungstheoretiker, Neu-Rechte, Radikale, Sozialromantiker oder Kommunisten.

Nein, »Solidarität« war und ist im marktkonformen Deutschland das exakte Gegenteil all dessen wofür unsere neoliberale Regierung steht! Wenn Konkurrenz, Wettbewerb und Eigennutz die dominanten Werte sind, ist für »Solidarität« keinen Platz mehr. Daran hat sich auch in Corona-Zeiten absolut nichts geändert. Oder hat sich unser Wirtschaftssystem gewandelt und ich habe davon nichts mitbekommen? Es wird zwar überall »Solidarität« gepredigt, aber im Kern weiterhin nur »Neoliberalismus« gesoffen. Weiterlesen

Keine Armut. Nirgends. (2)

»Berlin testet ein Modell für solidarisches Grundeinkommen für Arbeitslose. «

zeit.de vom 20. Juli 2019

Und nun beginnt es: die Sprach-Propaganda zum Thema »Grundeinkommen«. Denn dieses Modell hat mit dem Sinn und Zweck des bedingungslosen Grundeinkommens absolut nichts zu tun. Denn:

»Dabei wird Arbeitslosen eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit im gemeinnützigen Bereich finanziert. Sie werden nach Tarif- oder Mindestlohn bezahlt und zum Beispiel als Mobilitätsbegleiter, Hausmeisterinnen oder in Pflegeeinrichtungen arbeiten. Die Jobcenter suchen die Teilnehmer aus.«

Die Tafeln haben weiter enormen Zulauf. Bundesweit gebe es mittlerweile »über 2.000 Essensausgabestellen in 947 Einrichtungen.« Bei den politisch Verantwortlichen und den bürgerlichen Massenmedien ist das absolut kein Thema, da wird sich weiter über Trump, Putin, Erdogan, Klimaschutz, die AfD und über vermeintlichen Sexismus echauffiert. Massenarmut? Interessiert nicht.

»Nach deren Angaben versorgen sich aktuell etwa 1,65 Millionen Menschen regelmäßig bei einer Tafel mit Lebensmitteln, die Märkte zuvor aussortiert und auf diese Weise günstig entsorgt haben.«

jungewelt.de vom 19. September 2019


Keine Armut. Nirgends.

Ihre Renteninformation

Einmal pro Jahr erhält man die sog »Renteninformation« von der Deutschen Rentenversicherung. Als Grundlage für die künftige Rentenhöhe werden die Beitragszahlungen der letzten fünf Jahre herangezogen. Bei der aktuellen Rentenformel werden hier die Wenigsten eine große Summe stehen haben. Altersarmut ist indes kein Schicksal, sondern politisch gemacht. Interessant ist denn auch der letzte Abschnitt »Zusätzlicher Vorsorgebedarf«, darin heißt es:

»Da die Renten im Vergleich zu den Löhnen künftig geringer steigen werden und sich somit die spätere Lücke zwischen Rente und Erwerbseinkommen vergrößert, wird eine zusätzliche Absicherung für das Alter wichtiger (»Versorgungslücke«). Bei der ergänzenden Altersvorsorge sollten Sie — wie bei Ihrer zu erwartenden Rente — den Kaufkraftverlust beachten.«

Verstehe ich das richtig, dass die Deutsche Rentenversicherung als Teil der gesetzlichen Sozialversicherung und Körperschaft des öffentlichen Rechts in Deutschland, mir Angst machen mich dazu ermutigen will, privat vorzusorgen? Sie will mich in die Arme von Hedgefonds, Bankster und Finanzheuschrecken treiben?

»Echte Probleme!«

»Die Zahllosen, die nichts mehr kennen, als sich und ihr nacktes schweifendes Interesse, sind die gleichen, die kapitulieren, sobald Organisation und Terror sie einfängt.«
(Theodor W. Adorno. Minima Moralia. Suhrkamp Verlag. 8. Auflage 2012. S. 171)

Ich habe in meinem bisherigen Leben mit dutzenden sog. »bildungsnahen Mittelschichts-Aufsteiger-Leistungsträger-Eltern« sprechen dürfen (beruflich und privat). Und was sie erlebt haben, ist der absolute Horror! Dagegen sind alle anderen Probleme einfach nur lächerlich:

  • »Das Edeka an der Ecke schließt seine Fischtheke. Dabei gab es dort immer so lecker Fischbrötchen!« :(
  • »Das Klavier, dass ich kaufen wollte, ist nicht mehr im Angebot!« :(
  • »Mein Sohn schafft in Mathe nur die Note 3!« :(
  • »Wir schaffen es dieses Jahr nicht (zeitlich, Geld ist kein Problem!), ein zweites Mal in den Urlaub zu fahren!« :(
  • »Die neue Bewirtschaftung bei unserem Stamm-Italiener ist echt unfreundlich!« :(
  • »Wir können uns in unserem neuen Eigenheim auf keine Möbel einigen!« :(

Ich kann auch absolut nicht verstehen, wie sich Manche darüber lustig machen! Das sind echte Probleme, die es zu bewältigen gilt und die armen Menschen extrem belasten! Zwei Straßen weiter fischt ein Armutsrentner Pfandflaschen aus einem Mülleimer. Bitte, habt Mitleid mit Ihnen! :jaja: 


»Problembeschäftigungstherapie«
»Orientierungsprobleme?«
»Problemkinder«

Verarmt und Vergessen

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Beitrag auf zeitgeistlos.de von roberto j. de lapuente

Finanzielle Armut hat vielschichtige Auswirkungen. Es geht eben nicht nur darum, dass man weniger Geld zur Verfügung hat, sondern auch gesamtgesellschaftlich als überflüssige Ballastexistenz wahrgenommen, ja abgewertet wird. Wer wenig Geld hat, dem werden nicht nur mangelnde soziale Kompetenzen zugeschrieben (»sozial schwach«), der wird nicht nur für dumm erklärt (»bildungsferne Schichten«), nein, der wird auch weniger Freunde finden und in der Schule bei gleichen Leistungen, im Vergleich mit Kindern aus finanziell starken Haushalten, schlechter bewertet werden. Und zur Krönung wird die Massenarmut stets mit der Eigenverantwortungs-Dogmatik verargumentiert.

Man könnte zur Abwechslung doch mal das Narrativ verbreiten, dass die Wertschätzung eines Menschen nicht an seinen finanziellen Status geknüpft werden darf! Selbstwert und Selbsbewusstsein sollten nicht mehr an der Höhe des Kontostandes gemessen werden! Aber dann würden ja sämtliche Karriere-Psychopathen, Chef-Narzissten und Lohnarbeits-Fetischisten eine ernsthafte Sinnkrise bekommen. Und das darf natürlich nicht sein! Denn eine menschenverachtende Profitmaschinerie ist ohne Psychopathen nicht überlebensfähig.


» Armut schwächt die sozialen Beziehungen
» Lehrer trauen sozial schwachen Schülern weniger zu
» Beiträge zum Thema Armut

»Wir brauchen mehr Armut!«

Ohne Massenarmut keine Pfandflaschen-Rückgabe!

Ohne Massenarmut keine Pfandflaschen-Rückgabe!

Wir haben in Deutschland viel zu wenig finanziell arme Menschen. Hier haben wir absoluten Nachholbedarf! Da sind wir international nicht wettbewerbsfähig! In den USA sowie in vielen asiatischen und afrikanischen Ländern gibt es deutlich mehr bildungsferne und sozial schwache Individuen. Das brauchen wir hier in Deutschland auch! Stattdessen geht es uns einfach viel zu gut! Deshalb wollen auch diese komischen Flüchtlinge alle zu uns!

Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland sind von Altersarmut bedroht. Jedes fünfte Kind lebt in Armut. Das sind mehr als 2,5 Millionen Kinder. 800.000 Bundesbürger sind auf „Tafeln“ angewiesen. Mehr als 400.000 Menschen sind obdachlos. Rund 7 Millionen Menschen sind Empfänger von ALG 2. Im Gefängnis Plötzensee war 2014 jeder Dritte Insasse ein Schwarzfahrer, der das Bußgeld nicht zahlen konnte. Rund sieben Millionen Menschen sind überschuldet. Ich denke, da geht noch was! In der deutschen Mittelschicht ist noch viel zu holen! Packen wir es an! :jaja:

Armut

Boeckler Impuls 10/2017 der Hans-Boeckler Stiftung des DGB

Boeckler Impuls 10/2017 der Hans-Boeckler Stiftung des DGB

Armutsgewöhnungszuschlag
Arme Erwerbstätige
Von Armut betroffen
Armutszuwanderer
Armutsgefährdet
Armutsdefinition
Absolute Armut
Kaufkraftarmut
Relative Armut
Armutsbericht
Armutsstatistik
Armutspolitik
Kinderarmut
Altersarmut
Armutsrisiko
Armutslagen

Armutsbekämpfung?
Die Armen bekämpfen.

Neusprech: Kaufkraftarmut

Demnach beträgt der Anteil der Kaufkraftarmen in Berlin 21,3 Prozent, nur in Bremen gibt es mit 24,6 Prozent noch mehr Kaufkraftarmut.“

tagesspiegel.de vom 2. März 2017

ZG-Artikel: Neusprech HeuteDer Begriff „Kaufkraftarmut“ setzt sich aus den Wörtern Kaufkraft und Armut zusammen. Das Institut für Wirtschaft in Köln definiert das Schlagwort so: „Die Kaufkraftarmut ist der Anteil an Personen mit einem Einkommen von weniger als 60 Prozent des regional preisbereinigten deutschen Medianeinkommens; in Prozent der Bevölkerung.“ Um den Begriff der Armut werden regelrechte Diskurs- und Statistik-Kriege geführt. Immer mit dem Ziel, Massenarmut weg zu rechnen und finanzielle Existenznot von Millionen von Menschen in Deutschland nicht anzuerkennen, weil sie nach Statistikberechnung X oder Methode Y nicht mehr als arm gelten (sollen). Weiterlesen