Zum Thema Hamsterkäufe

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Scheinbar denken immer noch so einige, wenn man in Deutschland lebt, sei man unverwundbar. In einer unzerstörbaren Komfortzone. Terror‐Anschläge, Naturkatastrophen, Stromausfälle, Staatspleiten, soziale Unruhen – das trifft doch immer nur die Anderen. Viele leben nicht nur in einer Filter‐Bubble, sondern auch in einem mental‐emotionalen‐Weltverleugnungs‐Glasbunker. Es ist naiv zu glauben, in Deutschland könne nichts passieren. Marc Friedrich, Autor von »Der größte Raubzug der Geschichte« (2012), beschreibt in einem persönlichen Erfahrungsbericht was nach dem Staatsbankrott im Jahre 2001 in Argentinien vorgefallen ist:

»Argentinien war schon immer eines meiner Traumziele. Im Jahr 2001 verwirklichte ich meinen Traum und machte mich auf den Weg, um dort zu arbeiten. Mein Gehalt wurde in US‐Dollar ausbezahlt. Dies ermöglichte mir in Buenos Aires einen angenehmen Lebensstil. Die Sonne schien, es gab alles zu kaufen, und die Stadt ist atemberaubend schön. Nicht ohne Grund nennt man Buenos Aires das Paris Südamerikas. Aber dies war alles nur Fassade, die im Laufe des Jahres immer mehr zu bröckeln begann. Ich wurde Zeuge eines historischen Umbruchs und Zeuge eines Staatsbankrottes. Dieses Erlebnis veränderte mein Leben. An nichts, woran ich zuvor geglaubt habe, konnte ich mehr glauben. Zu meinem Entsetzen sehe ich zehn Jahre später in Europa erschreckende Parallelen zu meinen damaligen Erlebnissen.

Genauso wie die Mitgliedsländer der EU hatte auch Argentinien damals seine Zinspolitik aufgegeben und den Peso an den Dollar gekoppelt. Jahrelang lebten auch die Argentinier enorm über ihre Verhältnisse. Durch die Bindung an den Dollar hatte Argentinien eine negative Handelsbilanz und eine daraus resultierende stark steigende Staatsverschuldung vorzuweisen. Die Inflation war absurd hoch. Im Laufe der zeit verteuerten sich alle Güter immens.

Beispielsweise kostete ein Joghurt bei meiner Ankunft ca. zwei Dollar. Was an sich schon teuer war. Nur drei Monate später waren es schon 2,50 Dollar und wiederum einen Monat später schon 3,20 Dollar. Telefonieren war purer Luxus. Meine Telefonkosten beliefen sich auf über 1.000 Euro pro Monat. Mir blieb bei meiner ersten Rechnung beinahe das Herz stehen. Ich war davon überzeugt, dass es sich bei der Rechnung um einen Irrtum handelte — dies war jedoch nicht der Fall. Argentinien hatte zeitweise die höchsten Telefongebühren der Welt. Die Inflation war enorm. Die Preise stiegen täglich. Der IWF versuchte Argentinien zu helfen — ohne Erfolg. Ganz im Gegenteil, die Lage wurde eher verschlimmbessert.

Aufgrund der zunehmenden Kapitalflucht sah ich die Regierung gezwungen, sämtliche Bankguthaben einzufrieren (Corralito) und die Banken zeitweise zu schließen. Als ich an jenem Morgen aufwachte, waren alle Banken geschlossen und die Bankautomaten funktionierten nicht mehr. Die Leute waren ausser sich. Es durften nur noch 250 Peso pro Konto UND Woche abgehoben werden. Die Währung wurde über Nacht abgewertet und alle Dollarguthaben wurden in Pesos umgewandelt. Jeder Bürger war über Nacht ärmer geworden. Viele aus der Ober‐ und Mittelschicht verloren viel bis zu teilweise fast alles. Die Wut war enorm und absolut verständlich. Der Staat hatte seine eigenen Bürger in einer Nacht‐ und Nebelaktion beraubt.

Die Folge waren starke soziale Unruhen und Plünderungen. Die Kriminalität steig immens. Der Peso verlor weiter drastisch an Wert, und die Immobilienpreise fielen stark (bis zu 90 Prozent). Die Lage spitzte sich weiter dramatisch zu. Es gab viele tote und Verletzte bei den Demonstrationen und schließlich musste Präsident De la Rúa filmreif im Helikopter vor dem wütenden Mob aus dem Präsidentenpalast flüchten. Anschließend wurde ein trauriger Rekord aufgestellt: Es gab innerhalb von zehn Tagen fünf verschiedene Präsidenten.

Auf den Straßen herrschte pure Anarchie. Die Stadt war nicht mehr sicher. Die Menschen hatten viel oder sogar alles verloren. Die, die nun nichts mehr zu verlieren hatten, ließen ihrer Not, Wut und Verzweiflung freien Lauf. Geschäfte brannten oder wurden geplündert, Menschen überfallen und in Häuser eingebrochen. Die Kriminalität war allgegenwärtig. Die Polizei war maßlos überfordert und beging teilweise selber kriminelle Handlungen.

Ich selber wurde zweimal überfallen und dabei sogar mit einer Waffe bedroht. Auch Handgeld an Polizisten zu bezahlen war gang und gäbe. Ich wollte nur noch raus aus Argentinien, und war froh, als ich es geschafft hatte. Den Glauben an den Kapitalismus, an Papierwerte sowie an ungedecktes Geld hatte ich in Argentinien zurückgelassen. Ich fing an, mich kritisch mit dem System auseinanderzusetzen und Lösungen für die Vermögenssicherung zu finden.«

(Aus: Matthias Weik und Marc Friedrich. »Der größte Raubzug der Geschichte«. Tectum Verlag 2012. S. 219)

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Insofern ist es weder übertriebene Panikmache, noch Hysterie, wenn man sich ein paar Notvorräte, Wasser, einen Camping‐Kocher, Medikamente usw. zulegt.

7 Gedanken zu “Zum Thema Hamsterkäufe

  1. Sehr richtig.
    Ich beziehe das aber immer noch auf einen etwas weiteren Radius:
    Die Menschen sind heutzutage so gestrickt, dass sie es als ihr von Natur gegebenes Recht ansehen, in einer Umgebung ohne natürliche Feinde aufzuwachsen.
    Passiert nämlich etwas außerhalb dieser sicheren Blase, dann sind sie immer gleich traumatisiert. Ob es Gewalt ist, ob es Beleidigungen sind, ob es Unfälle sind — bitte hole mich doch nicht aus meiner friedlichen Umgebung heraus!
    Sehe ich daran, dass man schnell den Vorwurf bekommt, gewaltverherrlichend zu sein, obwohl man eigentlich nur einen normalen Vorgang beschreibt.
    Aus keiner anderen Filterblase kommen nämlich auch die ganzen Social Justice Warriors. Sitzen den ganzen Tag bloß auf dem Uni‐Campus herum, lassen sich von ihren (gekauften) Uni‐Professoren beeinflussen und denken, sie hätten die Welt gesehen. Wüssten, was Arme, was Tiere, Gott und die Welt braucht, dabei vermenscheln und machen sie alles passgerecht für ihre Krabbelbox.
    Und wollen dann noch jedem aggressiv einreden, das ist die Art, wie die Realität »im Naturzustand« (!) auszusehen hat...

  2. ... Lösungen für die »Vermögenssicherung«,- haha,- sehr witzig bei den (Mini)Gehältern in Deutschland,- ich hab keins....????!!!!

  3. Einfach mal hingehen und die Kassierinnen der Lebensmittelsupermarktketten fragen, ob sie etwas von Hamsterkäufen mitbekommen haben. Du wirst erstaunt sein.

    Es interessiert niemanden.

  4. Guter Text.
    Gute Idee, Auszüge aus einem Buch zu veröffentlichen, die ganz reale Vorgänge beschreiben, wenn „ein System“ anfängt zu kippen. Das die Auswirkungen beschreibt, die fast jeden Bürger direkt treffen werden.

    Meine Gedanken zur kürzlich ausgesprochenen Regierungsempfehlung durch de Maiziere sind da allerdings zwiespältig.

    Wenn ein Vertreter einer rechten, populistischen und neoliberalen Politik, die den Bürgern über 18 Jahre lang einhämmern ließ, das es »Deutschland gut gehe», das unser »(neoliberales) Wirtschaftssystem gut für alle sei<>Terrorwarnungen<>Notvorräten« ins Spiel bringt, macht mich das unruhig.

    1. welcher Staat warnt seine Bürger vor Maßnahmen, wie sie Argentinien und viele andere Staaten bereits trafen? Das würde niemand machen, den die sofort einsetzende Panik ist verheerend.

    2. Anscheinend können die deutschen Sicherheits‐Dienste trotz immer weiterer Beschränkungen und weiterer geplanter Beschränkungen keine nationalen Notstände durch Terrorismus ausschließen. Will man uns das sagen?

    3. Ist ein Krieg der NATO gegen Russland tatsächlich greifbar geworden? Dann nützen Notvorräte nichts mehr.

    4. Wer sollte dann nationale Notstände in Dt. verursachen können? Die organisierte Kriminalität? Die wollen Geld verdienen, können Notstände in der Form nicht gebrauchen. Verschleierte Muslima? Bei CxU und AfD besteht dieses Szenario wohl tatsächlich. Zumindest wird es populistisch genutzt.

    Was sollte das? Welche Ziele verfolgt diese Regierung?

    Bei einem Krieg gegen RU braucht niemand einen Notvorrat, weder für 3 Tage, 3 Wochen, 3 Monate.

    Das ist billigste Panikmache, um Zustimmung zum Abbau der Bürgerrechte zu bekommen (Geh in das Gefängnis, gehe nicht über Los, ziehe keine …. ein).

    Um breitest mögliche Zustimmung zu einem absolut irrsinnigen Verschleierungsverbot zu generieren? Das auch wieder nur ablenkt, dafür die Möglichkeit besteht, Muslime noch weiter kriminalisieren zu können, um noch mehr radikale Muslime zu züchten?

    Sollen wir darauf vorbereitet werden, das die Energiekonzerne, aus Trotz, bald mal den Strom flächendeckend abstellen? Um zu zeigen, was passiert, wenn die Atomkraft nicht weiter genutzt werden darf? Bzw. die Kosten für den Atommüll nicht pronto durch Steuern gezahlt werden?

    Jeder muss selbst wissen, ob und wie, in welchem Umfang er sich wappnen will.
    Ob es dazu einer Anmerkung eines Innenministers bedarf, halte ich für fraglich. Aber vielleicht brauchen die meisten Deutschen eben doch einen solchen „Anstoß.“

  5. Ich kann es kaum erwarten, dass das System zusammenbricht, denn es wird zusammenbrechen.
    Das Ganze funktioniert nur in kleinen Gruppen mit ausreichender Infrastruktur einschließlich Wachdienst, einem Generator eine sichere Behausung, ausreichender Bewaffnung um ungebetene Gäste abzuhalten.
    3 Monate sind das Mimnimum, 6 würde ich in etwa rechnen bevor sich ein wie auch immer geartete neue Herschaft etabliert hat.

  6. @Constanze Küppers

    Kann ich verstehen. Einfach jedesmal beim Einkaufen ein bisschen mehr als üblich einkaufen und lagern. Schaden kann es nicht. Hatte meine Oma, als sie noch lebte, auch gemacht. Kriegserfahrung.

    @anonym

    Das Schlimme ist: ob mit oder ohne Ankündigung unseres Innenministers, es interessiert so oder so niemanden! Der Glaube an die unzerstörbare Komfortzone »Deutschland« scheint tief verinnerlicht zu sein. Umso krasser wird dann wohl das Erwachen werden...

    @Alles nur Satire

    Solche Überlegungen mache ich mir auch, weiß aber nicht, was dahinter stecken könnte. Vielleicht ist es auch nur der schnöde Versuch, die Binnenwirtschaft ein wenig anzukurbeln? ;) Womöglich weiß er mehr, als wir. Sehr wahrscheinlich ist aber, dass es um eine Legitimation zum Abbau der Bürgerrechte geht. Sofern es irgendwann einen Terror‐Anschlag in Deutschland geben sollte, kann das Innenministerium die Überwachung ausweiten, den Notstand ausrufen, die Bundeswehr im Innern einsetzen usw.

  7. Bei aller Kritik an der Politik , das mit den Notvorräten scheint mir ehrlich gemeint.
    Es zielt vor allem auf den plötzlichen Zusammenbruch der Infrastruktur ab und darauf , die geschätzten zwei Wochen zu überstehen , die es voraussichtlich braucht , bis ausreichende staatliche Hilfe anläuft.
    Es ist ein erfreuliches Zeichen dafür , daß keine blinde Machbarkeitsgläubigkeit vorliegt , was die technischen Möglichkeiten angeht.
    Es ist nicht gedacht , um einen Krieg gegen Rußland vorzubereiten (der sowieso nie stattfinden wird) , weil es schon vor vier Jahren beschlossen wurde.
    Der Vergleich mit Argentinien ist sicherlich sinnvoll , eins zu eins übertragen kann man ihn nicht , bei uns herrscht keinerlei Inflationsgefahr , vielmehr bedroht uns das deflationäre Gegenteil .

    Und warum werden eigentlich keine Käfigkäufe empfohlen , irgendwo muß der Hamster ja hin.

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