Verarmt und Vergessen

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Beitrag auf zeitgeistlos.de von roberto j. de lapuente

Finanzielle Armut hat vielschichtige Auswirkungen. Es geht eben nicht nur darum, dass man weniger Geld zur Verfügung hat, sondern auch gesamtgesellschaftlich als überflüssige Ballastexistenz wahrgenommen, ja abgewertet wird. Wer wenig Geld hat, dem werden nicht nur mangelnde soziale Kompetenzen zugeschrieben (»sozial schwach«), der wird nicht nur für dumm erklärt (»bildungsferne Schichten«), nein, der wird auch weniger Freunde finden und in der Schule bei gleichen Leistungen, im Vergleich mit Kindern aus finanziell starken Haushalten, schlechter bewertet werden. Und zur Krönung wird die Massenarmut stets mit der Eigenverantwortungs-Dogmatik verargumentiert.

Man könnte zur Abwechslung doch mal das Narrativ verbreiten, dass die Wertschätzung eines Menschen nicht an seinen finanziellen Status geknüpft werden darf! Selbstwert und Selbsbewusstsein sollten nicht mehr an der Höhe des Kontostandes gemessen werden! Aber dann würden ja sämtliche Karriere-Psychopathen, Chef-Narzissten und Lohnarbeits-Fetischisten eine ernsthafte Sinnkrise bekommen. Und das darf natürlich nicht sein! Denn eine menschenverachtende Profitmaschinerie ist ohne Psychopathen nicht überlebensfähig.


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4 Gedanken zu “Verarmt und Vergessen

  1. Ich denke, man wäre schon ein ganzes Stück weiter, wenn davon ausgegangen wird, dass alle Menschen gleichwertig sind. Da gäbe es nichts zu schätzen. Was man allerdings wertschätzen kann sind Leistungen, Talente, Fertigkeiten und Verhalten gegenüber Mitmenschen, Tieren und Umwelt. Wobei man natürlich im Kopf behalten muss, dass die Wertschätzung ein subjektiver Vorgang ist.

    UND: Wertschätzung kann man sich nicht leihen, verzinsen oder weiterreichen. Sie könnte damit eine natürliche Währung darstellen, die Solidarität und Kooperation befördert und an der sich niemand bereichern kann. Solche Ideen sind selbstverständlich nicht »ökonomisch«.

  2. »der wird auch weniger Freunde finden«

    Kann man auch als Chance begreifen. Sind das Freunde, die einen nach Status beurteilen?
    Es dürfte tatsächlich für Viele ein Grund zum Mitstrampeln im Hamsterrad sein, sogenannte Freunde zu erhalten. Wer da wirklich solidarisch bleibt, wenns mal kriselt, wollen die meisten wohl nicht so genau wissen.
    @Eike
    Interessanter Punkt, das mit den Freunden ist vielleicht sogar schwieriger mit viel als mit ohne Kohle.

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