Staatsterrorismus

Gewalt erzeugt immer Gegengewalt. Der Anschlag‐Terrorismus ist in der Regel eine Reaktion auf eine Gewalt die vorher stattgefunden hat. Damit will ich nichts rechtfertigen oder entschuldigen. Mord bleibt Mord. Traurig ist nur, dass wir nie nach den Ursachen fragen, aber bei den Folgen jedesmal so ein riesiges Medien‐Trauer‐Drama veranstalten. Natürlich ist das für alle Betroffenen und für alle Angehörigen in Frankreich jetzt eine traumatische und schreckliche Erfahrung. Mein Mitgefühl hat aber auch die gesamte syrische Zivilbevölkerung, die von allen Seiten bombardiert und getötet wird: von den USA, Russland, Assad und dem IS. Und alle Menschen in Pakistan, Afghanistan und im Jemen, wo US‐Drohnen seit Jahren willkürlich Menschen ermorden. Allein in Pakistan gibt es schon mehr als 3.000 Drohnentote. Darunter viele unschuldige Zivilisten. Ist das etwa kein (staatlicher) Terrorismus? Warum trauern wir hier nicht?

Damit will ich nichts beschönigen oder relativieren. Mich ärgert es nur, dass wir die Hintergründe zur Entstehung von internationalem Terrorismus und die Motivation dahinter niemals diskutieren. Stattdessen wird der Islam als fanatische Religion dämonisiert, die primär blutrünstige Mörder und Attentäter hervorbringen würde, deren Ziel es nur sei, den Westen wegzubomben und in einen Gottesstaat zu verwandeln. Das der IS, die Taliban und die Al Quaida großzügig von den USA finanziert, ja mithilfe von ihnen erst entstanden und stark geworden sind, weil sie als politische Instrumente eingesetzt wurden, wird selten thematisiert. Terrorismus entsteht nicht aus einem luftleeren Raum heraus. Oder weil eine Religion grundsätzlich »böse« sei. So wie es Fluchtursachen gibt, so gibt es auch Terrorrismusursachen. Nur wer diese bekämpft, wird die Folgen -und damit die Anschläge‐ auch langfristig verhindern können. Das liegt aber überhaupt nicht im Interesse der Reichen und Mächtigen sowie des militärisch‐industriellen Komplexes.

Erziehung zur Menschenverachtung

elternbriefeVor einiger Zeit saß ich im Wartezimmer eines Kinderarztes und las die Elternbriefe. Eine Initiative der katholischen Kirche, die nach eigener Aussage: »dazu beitragen (wollen), dass das Leben in Ehe und Familie gelingt. [...] Erarbeitet werden die Briefe von einem Team von Fachleuten: Erziehungsberatern, Ärztinnen, Theologen, Journalisten.« Klingt auf den ersten Blick unverfänglich und nobel. Als ich jedoch im Elternbrief Nr. 35 die Experten‐Vorschläge gelesen habe, wie man als Eltern auf die Frage des Kindes »Warum sitzt der Mann auf dem Bürgersteig« reagieren sollte, kam mir die Galle hoch. Weiterlesen

Markt – Deutsch

wallcoo.net

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Der Markt ist unser Gott, den wir alle anbeten müssen. Seine Tempel und Kirchen sind Banken und Einkaufszentren. Seine Hohepriester sind Manager, Ökonomen, Unternehmensberater und Aktionäre. Seine Machtsymbole und Insignien sind Anzug plus Krawatte, Geldscheine, Autos und Immobilien. Seine heiligen Schriften sind in der Werbung, in den Massenmedien sowie in Kauf– und Arbeitsverträgen zu finden. Seine Gebote sind Gewinnstreben, Konsumpflicht und Lohnarbeitszwang. Seine Normen und Werte sind Konkurrenz, Wettbewerb, Profit und Eigennutz. Seine Gesetze sind das Wettbewerbs‐, das Eigentums– und das Vertragsrecht. Seine Ketzer sind Konsumverweigerer, Sozialisten, Anti‐Materialisten und Gesellschaftskritiker. Zugleich ist der Markt ein Tarnbegriff, um die Profitinteressen des räuberischen Geldadels, hinter einer abstrakten Vokabel zu verstecken. Weiterlesen

About the Other

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Ein geschätzter Freund und Kollege kommt in den Genuss, seine Dokumentation »about the other« in zwei Kinos in Deutschland zeigen zu können. Ich kenne sie natürlich auch noch nicht, aber wer in der Nähe von einen der beiden Spielorte ist, sollte einfach mal vorbei schauen.

Los geht es am Donnerstag, den 7.Mai 2015 im Cineplex in Paderborn
und dann am Dienstag, den 2. Juni 2015 im Kino Central in Berlin (dort mit freiem Eintritt). Mehr Infos gibt es bestimmt, wenn wir näher am Termin sind.

Synopsis:
»about the other« dokumentiert den Beginn eines Verständigungs‐prozesses von jungen Muslimen und Christen aus dem Iran und aus Deutschland.

Den Rahmen bildet ein theologischer Studienaustausch im Jahr 2012. Unterschiedliche kulturell und religiös geprägte Verhaltensweisen und Denkmuster führen zunächst zu Irritationen. Die vertiefte menschliche Begegnung eröffnet jedoch auch überraschende Perspektiven.

In individueller Weise geben die Protagonisten Auskunft über ihre Wahrnehmung des Anderen, die zugleich zum Nachdenken über die eigene (Glaubens-)Identität führt. Der Film ist ein Plädoyer für die differenzierte Auseinandersetzung mit dem jeweils Fremden.

Gewaltbereite Islamisten

»Extremismus: Zahl gewaltbereiter Islamisten steigt stark an« (zeit.de vom 3. Juni 2014)

»Gewaltbereite Islamisten: Terroralarm in Bremen« (faz.net vom 1. März 2015)

Diese Formulierung ist mittlerweile zur Allgemeinsprache in den Massenmedien geworden, dabei ist sie gleich in mehrfacher Hinsicht bedenklich. Jederzeit bereit, Gewalt einzusetzen, sind vor allem auch Regierungen, Gerichte, Polizei und Militär. Nicht zu vergessen, die allgegenwärtige Gewalt der Behörden, insbesondere bei Hartz 4 in Form von Sanktionen. Die Begriffe »gewaltbereite Polizisten« oder »gewaltbereite Jobcenter« gibt es indessen nicht. Außerdem müsste es ja dann auch das Gegenteil, also »friedliche Islamisten« geben, oder? Davon ist unseren LeiDmedien aber nie die Rede.

Die Vokabel soll uns Angst machen und den Islam primär als Terror‐Religion diffamieren. Nicht zufällig tauchen zu dem Schlagwort dann noch Panikbegriffe wie Extremismus, Terror und Anschlag auf. Gibt es eigentlich auch gewaltbereite Christen, Juden und Buddhisten? Wenn ja, warum gibt es dann nicht auch solche Bezeichnungen? Oder ist jeder, der von gewaltbereiten Juden spricht, ein Antisemit und wer von gewaltbereiten Islamisten schreibt, ein Verteidiger des Abendlandes?

Der Gott‐Markt‐Leviathan, Teil 2

Das Überwesen agiert wie ein mächtiger Tyrann. Ausgehend von Unternehmen, Konzernen und Banken hat er nach und nach alle anderen Götter vertrieben sowie sämtliche Lebenswelten erobert. Ob Wissenschaft, Schule, Fernsehen, Freizeit, Internet, öffentliche Infrastrukturen, Rente oder die Wertvorstellungen vieler Menschen – die Supermacht Markt hat sich, in Form von Konsum und Materialismus, alles einverleibt. Seine Herrschaftsmethoden sind offener Selbstzwang, Spaltung der Massen und das Versprechen auf ein glückliches Leben. Dafür fordert er Anpassung, Unterwerfung und vorauseilenden Gehorsam. Es gibt keine Alternative. Weiterlesen

Der Gott‐Markt‐Leviathan, Teil 1

Der unerbittliche Gott‐Markt‐Leviathan ist eine bewusst unsichtbare Religion. Seine Tempel und Kirchen sind Banken und Einkaufszentren. Seine Hohepriester sind Ökonomen, Manager, Unternehmensberater und Versicherungsvertreter. Seine Machtsymbole und Insignien sind Anzug plus Krawatte, Geldscheine, Autos und Eigentumswohnungen. Seine heiligen Schriften sind in der Werbung, in den Massenmedien sowie in Kauf‐ und Arbeitsverträgen zu finden. Seine Gebote sind Gewinnstreben, Konsumpflicht und Lohnarbeitszwang. Seine Normen und Werte sind Konkurrenz, Wettbewerb, Profit und Eigennutz. Seine Gesetze sind das Wettbewerbs‐, das Eigentums‐ und das Vertragsrecht. Seine Ketzer sind Konsumverweigerer, Sozialisten, Anti‐Materialisten und Gesellschaftskritiker. Weiterlesen

Gott ist ein Auto

»1950 gab es in der BRD 2 Millionen motorisierte Fahrzeuge, davon mehr als die Hälfte Motorräder; 1973 waren es 22 Millionen, heute sind es 50 Millionen«

- Harald Welzer, die automobile Republik, Blätter Ausgabe November 2010

Das Automobil hat sich tief in den Habitus der Deutschen eingegraben. Das Auto ist ein Symbol in vielerlei Hinsicht: Status, Potenz, Freiheit, Wohlstand, Luxus, Komfort, Macht, Spass und Technologie. Es ist ein bedeutendes Wirtschafts‐ und Gefühlsgut, für viele gar ein Fetisch. Die Autoindustrie ist in Deutschland einer der wichtigsten Wirtschaftszweige und eng mit der Politik verbandelt. »Auto« ist -neben Mama, Papa und Ball– auch einer der ersten Begriffe, die kleine Kinder sprechen lernen. Gleichzeitig ist das Auto aber auch ein Mordwerkzeug und Umweltverpester. Im Jahr 2009 sind laut dem statistischen Bundesamt in Deutschland 4152 Menschen durch Verkehrsunfälle gestorben.

Wie würde eine deutsche Gesellschaft ohne Auto aussehen? Könnte es sie überhaupt noch geben?