The Outer Worlds

© Obsidian Entertainment

Das Action‐Rollenspiel »The Outer Worlds« ist am 25. Oktober 2019 für PC und Konsole erschienen. Entwickelt wurde es von Obsidian Entertainment, die vor allem für »Fallout: New Vegas«, »Star Wars Knights of the Old Republic II« und »Pillars of Eternity« bekannt geworden sind. Die Sci‐Fi‐Dystopie »The Outer Worlds« ist größtenteils solide, hat aber auch eklatante spielmechanische Schwächen. Das Spiel ist aber deswegen hervorzuheben, weil es erzählerisch, eine ätzende, zynische und bissige Kapitalismuskritik bietet, bei der sich der Kapitalismus zu Tode gesiegt hat.

Es ist schade, dass der von mir sehr geschätzte gamespodcast.de das Spiel komplett zerrissen hat, weil die Podcaster Andre Peschke und Jochen Gebauer, primär den direkten und ätzenden Zynismus nicht ertragen haben. Ja, der (real-)satirische Humor ist Geschmackssache. Auch ist es spielerisch nicht der größte Wurf (wenig zu erkunden, zu leichter Schwierigkeitsgrad, kurze Spieldauer etc.). Dem Vorwurf, dass es holzhammerartige Kapitalismuskritik in der digitalen Unterhaltungsbranche ständig geben würde, muss ich aber entschieden widersprechen. In dieser konsequenten, bissigen, direkten und eher unbequemen Form, ist er heutzutage eher selten anzutreffen. Allein deshalb sollte man einen Blick wagen. Einige Beispiele:

  • Konzerne beherrschen das Universum, inklusive Planeten, Politik und Umwelt.
  • Menschen sind Waren und Eigentum der jeweiligen Konzerne. Wer Selbstmord verübt, begeht Vandalismus am Konzern. Die Angehörigen müssen infolgedessen Schadensersatz zahlen.
  • Verkäufer, die sich selbst entfremdet sind, keinen Zugang zu ihren Emotionen mehr haben und ständig Werbeslogans aufsagen.
  • Man wird im Spiel mit Beute regelrecht zugeschissen. Eine Metapher auf unsere Überfluss‐ und Wegwerfgesellschaft, in der wir ständig Dinge kaufen, die wir nicht brauchen.
  • Man stolpert im Spiel ständig über Bürokratie, Uniformität und Phrasenhaftigkeit. Realsatire im Jahr 2019.
  • Digitaler Kontroll‐ und Überwachungskapitalismus wird häufig thematisiert.
  • »Corporate Identity« als Vehikel für die individuelle Sinnsuche.
  • Philosophen gelten als Feinde der Gesellschaft, sie zerstören den »Way of Life«. Insofern gelten sie als Terroristen und müssen ausgelöscht werden.
  • Eine Bevölkerung, die verhungert, wird durch Massenmedien belogen und betrogen. Die Eliten teilen ihnen mit: »Wir schaffen das!«
  • Anleihen bei Orwells »1984«. Hier: »Ministerium für Akkuratheit und Moral«.
  • Als Delikatesse gelten »Zystenschweine«. Massentierhaltung zuende gedacht.
  • Wodka‐Werbung: »a glass for every class«. Fussball und Alkohol gelten auch in der Zukunft als die beiden (einzigen) Hauptphänomene, die Reiche und Arme gemeinsam haben.

Es sind viele weitere aktuelle Bezüge zu finden. Wie gesagt, das Spiel weist Mängel im Gameplay auf (ist aber bugfrei); beweist meines Erachtens aber Mut, weil es viele neoliberale Zustände und Strukturen aufgreift und zu Ende denkt. »Unterhaltung« muss nicht immer Marvel sein.


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