Medien Erklärbären

erklärbärenDie Faulheit des (Selbst-)Denkens in der Bevölkerung, zeigt sich deutlich in den Schlagzeilen der bürgerlichen Massenmedien. Sie formulieren, quasi als mutmaßlichen Leser‐Service, zugleich Frage und vermeintliche Antwort. In den Headlines gibt es kaum noch Kreativität. Auch hier entwickelt sich -im Kampf um Aufmerksamkeit, Reichweite, Auflage und Klickzahlen‐ eine zunehmende Konformität. Einige Beispiele: Weiterlesen

An den Antworten werdet Ihr sie erkennen!

  1. Sind Sie für die (Wieder-)Einführung der Todesstrafe für Kinderschänder?
  2. Sollte der Staat kriminelle Ausländer abschieben?
  3. Sollten alle Hartz 4 — Empfänger eine verpflichtende »Bürgerarbeit« leisten, wie z.B. öffentliche Parks pflegen?
  4. Sollte Deutschland endlich einen Schlußstrich unter seine Nazi‐Vergangenheit ziehen?
  5. Sind die meisten Obdachlosen, Erwerbslosen und Drogensüchtigen selbst schuld an Ihrer Situation?

Demokratie, Aufklärung, Menschenrechte und Mitmenschlichkeit werden sich nur dann voll entfalten können, wenn sozial ungerechte Strukturen und der autoritäre Charakter überwunden werden.

Was ist Aufklärung?

Was soll´n das sein? Hat das was mit Sex zu tun? Kant? Kenn ich nicht. War das wieder so´n Klugscheißer und Wichtigtuer? Mich haben schon damals in der Schule die ganzen Streber und Besserwisser genervt mit ihrem Gelaber. Alle wollen sie mir erzählen, wie ich mein Leben zu führen habe.

Wenn ich weiß, was heute im Fernsehen kommt...
wenn ich weiß, wie ich am besten zu Geld komme...
wenn ich weiß, welches smartphone am coolsten ist...
wenn ich weiß, wo ich echte Schnäppchen machen kann...
wenn ich weiß, wie ich mir einen persönlichen Vorteil sichern kann...
wenn ich weiß, mit welchen Klamotten ich am besten Eindruck mache...
wenn ich weiß, wie und wann ich mir ein Auto, ein Haus und ein Garten leisten kann...

...dann, bin ich aufgeklärt.

Nutzklugheit und Marktintelligenz

Wissen, Bildung und Intelligenz an sich sind im marktradikalen Deutschland wertlos. Es muss stets mit Eigennutz, Profitsteigerung und wirtschaftlicher Verwertbarkeit einhergehen. Klug ist, wer marktintelligent handelt. Das bedeutet, sich gut zu verkaufen, viel zu verdienen oder ein großes Vermögen zu besitzen, und sich ökonomisch wertvolles Wissen anzueignen, dass persönliche Vorteile verspricht. Kindergärten, Schulen und Universitäten sind Lehrfabriken, die Menschen markt‐ und arbeitsfähig machen sollen. Weisheit, Aufklärung und persönliche Perspektiverweiterung dagegen, sind – jenseits einer Marktverwertung – unerwünscht und lästig. Weiterlesen

Aufklärung ist Strafe

»Chatzimarkakis FDP‐Fraktionskollege im Europarlament, Alexander Graf Lambsdorff, kritisierte die Vroniplag‐Macher. Schluss mit dem Pranger am Netz forderte er.«

- Süddeutsche.de vom 16. Mai 2011

Anmerkung: Nach Guttenberg und Silvana‐Koch‐Mehrin steht nun der FDP‐Europaabgeordnete Chatzimarkakis unter Verdacht abgeschrieben zu haben. Wer aufklärt, die Machenschaften der gekauften Doktorarbeiten aufdeckt, den Schmutz aufwühlt, der stellt laut Graf Lambsdorff andere an den Pranger. Ein seltsames Verständnis von Wahrheit und Gerechtigkeit.

So haben sich die feinen Damen und Herren die neue Wissensgesellschaft sicher nicht vorgestellt, oder? Indessen zeigt sich, dass das Internet mit Vroniplag, Wikileaks, den Nachdenkseiten und vielen Blogs, der herrschenden Elite zunehmend unbequem wird. Das nächste Internet‐Zensur‐Gesetz wird bald kommen, wetten?

Zum Wesen der Kritik

»Mündigkeit ist für Demokratie wesentlich. Sie geht mit Kritik notwendig zusammen. Denn mündig ist nur, wer für sich selbst denkt und nicht bloß nachredet, was andere ihm vorgeredet haben. Das Selbst‐Denken erweist sich aber erst in der Kraft zum Widerstand gegen vorgegebene Meinungen«

- aus der Einleitung von Kritiknetz.de

»Schreib nicht immer soviel negatives« oder »wenn, dann übe doch mal konstruktive Kritik, wie man es besser machen könnte« durfte ich mir dieser Tage wieder einmal anhören. Höchste Zeit also, zu diesem Thema auch mal einen Artikel zu schreiben, auch wenn der geschätzte Kollege Roberto von Ad Sinistram mit der »in Kritik gepackten Kritiklosigkeit« dieses Feld schon gut beackert hat: »Das strikte Pochen darauf, Negationen an Alternativen zu binden, gleicht einer Mundtotmacherei, die Menschen dazu animiert, erst gar nicht zur Kritik animiert zu werden«. Weiterlesen