Aufklärung ist Strafe

»Chatzimarkakis FDP-Fraktionskollege im Europarlament, Alexander Graf Lambsdorff, kritisierte die Vroniplag-Macher. Schluss mit dem Pranger am Netz forderte er.«

- Süddeutsche.de vom 16. Mai 2011

Anmerkung: Nach Guttenberg und Silvana-Koch-Mehrin steht nun der FDP-Europaabgeordnete Chatzimarkakis unter Verdacht abgeschrieben zu haben. Wer aufklärt, die Machenschaften der gekauften Doktorarbeiten aufdeckt, den Schmutz aufwühlt, der stellt laut Graf Lambsdorff andere an den Pranger. Ein seltsames Verständnis von Wahrheit und Gerechtigkeit.

So haben sich die feinen Damen und Herren die neue Wissensgesellschaft sicher nicht vorgestellt, oder? Indessen zeigt sich, dass das Internet mit Vroniplag, Wikileaks, den Nachdenkseiten und vielen Blogs, der herrschenden Elite zunehmend unbequem wird. Das nächste Internet-Zensur-Gesetz wird bald kommen, wetten?

19 Gedanken zu “Aufklärung ist Strafe

  1. »Alexander Graf Lambsdorff, kritisierte die Vroniplag-Macher. Schluss mit dem Pranger am Netz forderte er.«

    Nein, Aufklärung und entsprechende Sanktionen sind nötig, wie bei Hatz 4 (das »r« habe ich bewusst weggelassen).

  2. Es schon dreist vom Pöbel, dass es die Unfehlbarkeit der Eliten nicht anerkennt. Vor gut 150 Jahren hatte der Papst dies für sich rechtlich niederschreiben lassen. Er hätte also nichts zu fürchten. Vielleicht sollten unsere Dr. Eliten ein ähnliches Gesetz erlassen. Wer nicht fehlbar ist, kann auch nicht abschreiben, somit besteht kein Problem mehr mit dem pragern. Erstaunlich ist, dass ein Urliberaler die Untersuchungen im Netz kritisiert. Wie war das mit freier Meinungsäußerung?

  3. Das nächste Internet-Zensur-Gesetz wird bald kommen, wetten?

    Medien bereiten vor, machen Stimmung für Gesetze, welche die Politik dann der Öffentlichkeit vorführt. Ich rieche schon das nächste Vorhaben, das Internet zu zensieren und zu kontrollieren: klick mich.

  4. Ganz normales Verhalten. Wer will schon, das seine dunklen Seiten gesehen werden?

    Ich möchte jedenfalls meine dreckigen Geheimnisse auch nicht in jeder Gazette lesen ...

    Bei aller Kritik muss man doch auch Verständniss haben.

    Einfach mal Vorstellen, das Deine Leiche ausgebuddelt wird und diese dann aller Welt präsentiert... Das ist keine angenehme Vorstellung und ganz ehrlich, so sehr es möglicherweise ein Straftatbestand ist, der Rechteverwertung betrifft, ich halte nur wenig davon diese Form jetzt so über zu bewerten.

    Wie wäre es mit einer durch Computerfans durchgeführten Onlinedurchsuchung Ihres Computers? Wieviel »geborgte« Software? Wieviel unbezahlte Musik- und Filmtitel?

    Es gibt möglicherweise keinen Unterschied bei dieserartigem Verhalten der sogenannten Eliten und dem, der kleinen Bürger.

    Letztere werden nur eher mal schmerzlich bestraft, aber häufig kommt das auch nicht vor, wenn man mal den Milliardenfachen »Raubzug« immaterieller Rechtsgüterverletzungen gegen die paar legitimen gerichtsverwerteten Anzeigen sieht.

    Also wer den Dr. Titel Käufer so gerne bloßstellen will, dem halte ich dagegen, das jemand dann mal seinen Dreck veröffentlichen könnte. Verstecke ihn gut, sehr gut, sonst findet ihn noch jemand :bulle:

    __

    Jetzt echt mal im Ernst, man ist zu blöd und hat keine Zeit wegen der beruflichen Auslastung. Jetzt mal ganz ganz aufrichtig: Man geht hin, sucht bzw. kauft sich soviel Support wie möglich, initiiert irgendwie einen Dr. Titel auf irgendeinem Gebiet, das keine Sau besonders interessiert.
    Dann gehts beruflich endlich vorwärts, man freut sich das man nun weiter kommt.

    Ja ich weiß, es ist immer noch geschummelt, aber wie war das bei dir werter Leser: Wann und wie oft hast du in der Schule geschummelt?

  5. hannzi,

    das ist nun wirklich unterbelichtet!
    Geklaute Software spielt in einer ganz
    anderen Liga als ein gemopster akademischer
    Abschluss. Erstere stellt, im Gegensatz zu Letzterem,
    keinen Karrierevorteil dar – o.k., jemandem wird die
    Vergütung seiner Leistung vorenthalten, schlimm genug:
    aber ein gefakter Karrierevorteil ist nun einmal
    Wettbewerbsverzerrung der übelsten Art und für alle
    ehrlichen Titelerarbeiter ein Tritt in die Weichteile –
    besonders wenn sich das sog. Vertreter der Elite
    herausnehmen. Ernsthaft: Typen wie Sie finden wahrscheinlich
    einen Ladendiebstahl im Carsch-Haus schlimmer als einen Raubüberfall
    auf einen Hartzie … [Vomit]

  6. Das mit dem Schummeln in der Schule war schon bei den ersten Dr.-Debatten ein schlechter Vergleich und ist es immer noch. Nur weil vielleicht fast jeder es mal in der Schule gemacht hat, soll es ein Totschlagargument sein, damit man nicht mehr kritisiert. Das Beispiel ist aber, um bei den Schulmetaphern zu bleiben, der Vergleich mit Äpfeln und Birnen. Genauso wie bei den anderen Beispielen. Der Umkehrschluss funzt da meiner Meinung nach nicht.

  7. Ich habe an meiner Diplomarbeit auch über 5 Monate, täglich 4–5 Stunden, gesessen und bin stolz darauf, dass ich das durchgehalten habe. Wenn mir dann jemand erzählt, er hat sie sich schreiben lassen, hat sie also gekauft, dann entwertet das nicht nur meine Mühen, sondern den gesamten akademischen Betrieb.

    Die Verunglimpfung von Doktortiteln ist auch in der breiten Bevölkerung schwer in Mode: endlich hat die Masse ein Ventil für ihr Intellektuellen-Bashing gefunden. Frei nach dem Motto: sind eh alles nur Klugscheißer, die sich für was besseres halten.

  8. Mir gehts nur darum, das es mich stört, das aus dieser sehr menschlichen Schwäche, nämlich etwas haben zu wollen, das einem eigentlich nicht zusteht, weil man es ggf. nicht kann bzw. schafft oder sich nicht leisten kann, eine moralisierende Peitsche gemacht wird von anderen, die selbst auch nicht immer ganz koscher handeln.

    Selbstgerechtigkeit wird dem Kirchgänger gerne um die Ohren gehauen, aber wenn das moralisieren dann eine Zielgruppe beim eigenen »Feindbild« hat, wird es immer wieder legitim.

    Das all die Vergleiche nicht so richtig vergleichbar sind, lasse ich aber nicht ganz gelten. Denn: Wenn ein z.B. Designer Softwarepakete für seine Arbeit nicht bezahlt hat, stiehlt er sich auch einen kostenträchtigen beruflichen Vorteil und zerstört die Arbeit anderer Designer, die teurer sein müssen, weil sie die Software finanziert haben, die er jetzt in keine Kalkulation einfließen lassen muss: Er wird einfach billiger und botet andere aus.
    Noch krasser wäre dies bei einem Unternehmer, der vielfach teurere Software benutzt.

    Wenn man also will, kann man sehr wohl vergleichbare realistische Beispiele konstruieren.

    Und die Entwertung der eigenen Arbeit in einem Sinne, wie du meinst Epikur, das kann ich verstehen, wirkt aber auch schon etwas narzistisch. Am Ende ist die Arbeitsleistung durch Andere gar nicht weniger, sondern man kann es auch sehen das klar wird, das nicht jeder einfach mal so eine Diplom/Doktorarbeit schaffen kann. Dieser Zustand kann also auch von der anderen Seite als Aufwertung verstanden werden und nicht als Abwertung!

    Die wirkliche Entwertung betrifft den Titel an sich, dessen Vorschusslorbeeren in Frage gestellt sind. Aber sind sie das nicht schon immer? Wer nimmt einen Menschen denn ernster, nur weil dieser einen Titel erworben hat? Die Zeiten sind längst vorbei, das man vor dem Dr. oder Dipl. als eine Form des Adelstitels gleich schwitzend den Buckel machte. Es dürfte schon sehr viel länger klar sein, das ein Dr. Titel nicht immer Selbstzweck ist, sondern auch diversen sozialen Abgrenzungscharakter hat und vielen kaum mehr als ein Aushängeschild ist, wie andere Statussymbole auch. Heute ist auch weitestgehend unstrittig, das Akademischer Grad insbesondere ein Spielzeug für Besser-Situierte ist. Der Rest ist ja doch nur Akademisches-Proletariat :pfeif:

    Das der Wissenschaftsbetrieb damit in Frage gestellt würde? Damit müsste dieser in seiner angeblichen Selbstkritikfähigkeit eigentlich kein Problem haben. Ich sehe die Folge dann doch sehr viel mehr darin, das die reine Selbstüberschätzung des Wissenschaftsbetriebs ein wenig auf den Boden der Tatsachen ankommt. Denn: Faketitel gibs nicht erst seit Guttenberg, sondern schon immer. Es ist nichts neues, sondern die offene Diskussion darüber ist neu und die Art der Bloßstellung Betroffener und damit auch von diesen besetzte Zweige der Wissenschaft. Für das Image einer Institution kann das genauso schädlich sein. Aber ich glaube eben nicht das hier der Wille zur Aufklärung der Motor ist, sondern andere Faktoren eine Rolle spielen, viel billigere Motive.

  9. Hmmm, ich hab nix gegen die Verunglimpfung von Doktortiteln. Was macht den Doktor intelligenter, oder gar intellektueller als andere? (Kleine Anmerkung, — beides ist nicht das Gleiche) Eine Arbeit, die seine Intelligenz beweisen soll? Und dann nichts mehr, — außer Cleverness? Das ist irgendwie Banane. Außerdem hab ich eh was gegen Intelligenzfaschismus. Genau das, steckt nämlich dahinter. Die akademisierte Oberhand, über das dumme Volk. Winke mit dem Titel, dann wird danach entschieden. Ich hab zu viele Leute kennen gelernt, die ihr ganzes Leben lang gelesen haben, während bei allzu vielen Doktoren das letzte diesbezüglich ihre eigene Doktorarbeit war, — um das noch ernst nehmen zu können. Ich finde es richtig, da erst mal wieder richtig aufzuräumen. Und für mich, ist dies auch kein Einzelfall von Politdoktoren. Und was die Nerds betrifft.
    Peter Kruse gehört auch zum abgöttisch angehimmelten Ambiente der akademischen Wohlfühlintelligenzia. Was das mit Intellekt zu tun haben soll, ist mir schleierhaft. Wird Zeit, die Dinge mal wieder auf den Teppich zu bringen. Das sich hier viele angesprochen fühlen, gehört dazu.
    Immerhin, hat man mit dem elitären Gehampel es geschafft, sowohl die Lebenswelten abzuschaffen, — als auch die Menschlichkeiten. Kein Verständnis mehr, von meiner Seite.

  10. Ich finde die ganze Diskussion schon wieder viel zu abgehoben und offtopic.

    An sich ist es doch ganz einfach:

    Wer meint einen Doktortitel zu benötigen, aber entweder nicht die nötigen Fähigkeiten hat oder die Zeit um diesen rechtmäßig zu erlangen und dann auf ilegitimen Weg sich diesen aneignet muss nunmal damit rechnen dabei erwischt zu werden.
    Im Gegensatz zu irgendwelchen Hackern die meinen Rechner durchforsten, müssen aber Betreiber von Deplagiatsseiten nicht unrechtmäßige Mittel nutzen oder überhaupt meine Privatssphäre verletzten um den Umstand einer Täuschung ans Licht zu bringen. Der Vergleich mit Raubkopien ist meiner Meinung nach auch wenig sinnvoll, da die Form des Schadens auf ganz anderer Ebene abläuft.
    Desillusionert kann ich mich damit abfinden das genug Leute auf dem Weg nach »Oben« keine Dreistigkeit auslassen um sich Vorteile zu beschaffen, bzw Andere zu übervorteilen, wenn man aber noch anfängt sich zu Beschweren, weil man dabei erwischt wird, wird es schon ein wenig grotesk.

  11. »Ich finde die ganze Diskussion schon wieder viel zu abgehoben und offtopic.«

    Ok, das kann ich jetzt auch nachvollziehen.

    »...wenn man aber noch anfängt sich zu Beschweren, weil man dabei erwischt wird, wird es schon ein wenig grotesk.«

    Ja, im Grunde ist das schon ein Punkt. Trotzdem nochmal: Niemand will erwischt werden, wenn er Mist macht bzw. gemacht hat und das jemand an einem Schalthebel diesen auch benutzt um irgendwie zu tarnen und täuschen ... ka ich finds auch schlimm, aber nicht unverständlich. Mir gehts halt darum, das diesen wie auch anderen, die jetzt mit gehässigem Finger drauf zeigen, schlicht Sündenböcke suchen. Der eine, indem er eine Ablenkungsdebatte führen will, der andere, weil er sich regelrecht abmüht eine Art »Klassenfeindbild« hinterherzuschnüffeln. Dabei geht es nach meinem Eindruck einfach nur darum, Leuten von FDP und Co. KG öffentlich bloß zu stellen und eben nicht darum, irgendeinen Ethos wider her zu stellen, den es so warscheinlich nie real sondern nur in den Köpfen vergreister Universitätskoryphäen gibt und gegeben hat.

    Das Moralisieren aller Parteien ist es, was mich oft so nervt. Wenn ich von einem Menschen wüßte, das er sich einen Dr. zusammengeschummelt hat, wäre es mir egal. Dabei kommt kein Mensch direkt zu Schaden, wenn es nicht in Hochstapelei als Mediziner oder so etwas ausartet, sondern einfach nur dem persönlichen Vermarktungswert dient.
    So etwas sage ich einfach nicht weiter, wenn ich nicht danach durch ermittelnde Behörden gefragt werde oder aus ähnlichen Gründen zur Kenntnissmachung verpflichtet wäre.
    Ich kann einfach nicht verstehen, das man sofort aufspringt und mit dem Finger auf den Übeltäter zeigt und mit Hähme seine Bloßstellung genießt und vor allem aus solcherlei Motiven mühsam die Demontation von Menschen und ihrem Berufsleben betreibt.

    Rechtlich ist es einwandfrei. Das darf DER nicht, aber: Nach diesem Prinzip, nach diesem Maß gemessen, dann kann ich jeden noch so kleinen Mist und müsste ich jeden kleinen Mist anzeigen! Darum gehts doch und in diesem Sinne sind Plagiate, Kaufdoktoren genau dasselbe wie Softwareklau oder illegale Filmdownloads. Es ist nämlich beides Verboten. Hier jetzt Selbstverteidigend herumzunölen ist ekelhaft. Entweder ein hartes Maß, nach dem ich mich auch messen lasse, oder eben Verständniss auch für diejenigen, mit denen ich nicht im selben Atemzug genannt werden will.

    MFG

    Ergänzend vielleicht:

    http://www.farbe-rot.de/mp3/GegenStandpunkt%20-%20Peter%20Decker%20-%20Moral%20%28F%205‑2006%29.mp3

    http://www.farberot.de/mp3/GegenStandpunkt_Moral.mp3

    PS:

    Kann man diese 15 Min Regel nicht auf 30 oder 45 anheben? Ich bin immer am Text herum am doktoren tun und brauche sehr oft mehr Zeit nach dem schreiben und veröffentlichen fängt die Korrektur und so erst an ...

  12. Also ich gehe mal davon aus, dass Vroniplag im Hinterhof keine Raubkopien verkauft und ist doch super, dass nun eine Gemeinschaft die öffentlichen Arbeiten kontrolliert, da ja einige Universitäten »keine Zeit« dafür haben.

    Also wer Angst hat erwischt zu werden, sollte vielleicht hier vorbei schauen -> http://www.titel-kaufen.de/

  13. Eine Doktorarbeit ist per Definition eine eigenständige, wissenschaftliche Arbeit, die auf neuen Erkentnissen und nicht der bloßen Wiedergabe bereits bestehenden Wissens beruht. Diese neuen Erkenntnisse stehen allen Menschen weltweit zur Verfügung, denn die Arbeit muss öffentlich gemacht werden. Sie soll von anderen diskutiert werden — und zwar sowohl im Guten als auch im Schlechten. Dürften wissenschaftliche Arbeiten künftig nur noch diskutiert werden, wenn die Diskussion für den Autoren vorteilhaft ist, käme der Fortschritt zum Erliegen.

    Wer eine Doktorarbeit abliefert, ist sich der Öffentlichkeit also voll bewusst und sucht sie in vielen Fällen auch. Der Titel wird in den Ausweis eingetragen, der Titel steht auf jedem Brief, auf jeder Rechnung eines billigen Onlineshops, überall wird gezeigt: »Ich habe einen Doktortitel [und dafür musste ich meine Doktorarbeit veröffentlichen]«.
    Niemand ist gezwungen, eine Arbeit als Dissertation (zur Veröffentlichung) einzureichen, die die Kriterien einer Disseration nicht erfüllt.

  14. Hannzi,

    nochmal: die Fake-Doctores hatten alle (relativ) hohe politische
    Ämter inne, ausschließlich bei sich sehr elitär gebärdenden Parteien, die
    dem Gros der Bevölkerung Lebensunfähigkeit unter den Bedingungen
    der Globalisierung zu attestieren pflegen.
    Also Möchtegern-Übermenschen: die sich dann als menschlich-allzu-menschlich erweisen. Aber immer noch ihre Eliteprivilegien bis zu bitteren Ende um jeden Preis mit Zähnen und Klauen verteidigen.
    Sorry, das geht nun überhaupt nicht – das ist zum Mageninhaltpräsentieren
    unmoralisch. Aber, auf Linie: da haben wir einen Aussenminister mit den Englischkenntnissen eines minderbegabten Hauptschülers. Und ein G. Oettinger (heisst zu Recht nach einem Billigbier), der selbst Facharbeitern erweiterte Englischkenntnisse abzuverlangen sich erdreistet, versagt bei Reden in dieser Sprache ebenso.
    Aber wahrscheinlich vergebene Liebesmüh, meine Ausführungen: Sie erscheinen mir als buchwissenangefüllter Container ohne gesunden Menschenverstand und ohne Lebensinvolviertheit – auch ne Sorte Zombie, die heutzutage manchmal Karriere macht (als Wirtschaftsweiser z. B. )
    Na ja, noch so ein Weltuntergangsdetail.

  15. @jtheripper, Hihi, kaufen ist eine Sache, wenn mans hat, — egal wie, — gehts noch schlimmer ;-) Das ist alles nicht mehr ernst zu nehmen. Den Unmut der Leute, versteh ich vollkommen. Und ohne diesen Unmut, kriegt mans auch nicht mehr grade. Ich hoffe Hannzi fühlt sich nicht wieder von mir angegriffen. Eigentlich will ich gar keinen angreifen. Aber Menschenverstand und Lebensinvolviertheit, — sind zwei Worte, die ich rein praktisch, — schon lange nicht mehr erlebt habe. Da muss ich ihm einfach zustimmen.

  16. Der springende Punkt aus meiner Sicht ist nur das Moralisieren, das mich wirklich anwiedert. Genauso wie die oberen 10.000 sich so ekelhaft aufführen, genauso führen sich die Kritiker auf, wenn sie sich diesen gegenüber genauso mißgünstig verhalten wie umgekehrt.

    Was wird passieren? Die Betroffenen werden sich irgendwie zu einer neuen Lösung hindurchwinden. Nicht mehr und nicht weniger. An Erkenntnissen wird nichts gewonnen, das dieser Menschenschlag zu Hauf bescheißt, das er auf Haben-Kultur getrimmt ist, oder sich in einer Haben-Kultur zu behaupten versucht und Statussymbole schon aus Zwang hegt und pflegt, das ist doch alles nichts neues.

    Schon vor der Bloßstellung hätte ich darauf getippt, das eine erhebliche Anzahl von Dissertationen gekauft oder unter zu Hilfe nahme Dritter entstanden wäre.
    Wer würde sich nicht von einigen guten Freunden über ein gesundes Maß bei seiner Arbeit helfen lassen? Wer würde sich nicht von eingekauften Supportern helfen lassen? Wer hat nicht dann schon geschummelt, als er sich Sachverstand über eine private Schule oder »Eliteuni« mit Spitzenlehrkräften und ‑bedingungen eingekauft hat?
    Wer hat nicht sowieso schon einen Vorteil durch seine Geburt in eine reiche Familie mitgenommen? Wer nicht schon einen Vorteil durch seine Geburt in eine Akademiker-Familie mitgenommen?

    Es gibt immer Vorteile, die der Eine hatte und der Andere nicht. Ich verstehe nicht, wieso es jetzt verwerflicher ist, was heute zu Tage tritt. Diese Chancenungleichheiten, diese Lügerei, diese Heuchelei, das sind doch alles keine neuen Erscheinungsformen im gesellschaftlichen Hauen und Stechen um Spitzenpositionen, es sind allenfalls neue sichtbar gewordene Aspekte ein und desselben K®ampfe um die besten Positionen.

    Lebensfremd ist es, anzunehmen, das sich z.B. durch eine neue Bloßstellungskultur irgend etwas verbessert oder verändert hätte. Ich sehe einfach nur, das das Hauen und Stechen weiter geht und eine neue »Waffe« dazu gekommen ist.

    MFG

  17. Ich erinnere mich, bei den vorigen Europawahlen im Wahlkampf riesige Plakate der FDP gesehen zu haben, auf denen Koch-Mehrin abgebildet war mit ihrem Doktortitel vorneweg. Der Doktortitel war etwa doppelt so groß wie ihr Name auf dem Plakat. Ihm wurde also von seiten der FDP ein riesiges Gewicht zugemessen. Eine Straftat ist eine Straftat — und nein, ich bin nicht Hannzis Meinung, daß hier ja nur die private Karriere gefördert werden soll, denn aufgrund dieses Wahlplakats dürfte klar sein, daß hier Menschen schamlos belogen und betrogen werden (oder hat Koch-Mehrin etwa gesagt: nein, laßt das mal mit dem Titel, den habe ich mir ja ergaunert). Es ist eben nicht nur Privatsache, und darum finde ich es wichtig und richtig und gut, was auf wikiplag läuft — besonders, wenns um Politiker geht.

  18. @epikur

    Na so ein Pech, dass man sie vielleicht in Zukunft nicht mehr, aufgrund einer Leistung, die sie einmal im Leben vollbracht haben, ihr ganzes Leben für etwas Besseres hält. Das ist wirklich eine Sauerei. :-)

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