Fatalismus und Faschismus

Politik
»Die da oben machen doch eh alle was sie wollen.«
»Man kann ja doch nichts ändern.«

Überwachung
»Ich habe ja eh nichts zu verbergen.«

Ernährung
»Wenn man danach geht, dann kann man sowieso nix mehr essen.« (Typische Reaktion auf einen kritischen Einwand bei gesundheitlich bedenklichen Zusätzen oder Lebensmitteln)

Lebenseinstellung
»Wir sind hier nicht bei ´Wünsch Dir was´, sondern bei ´So isses!´«
»Ist eben so. Kann man nix machen.«

Der fatalistisch eingestellte Bürger hält sich für macht‐, verantwortungs‐ und hilflos. Er sei primär nicht Gestalter und Schöpfer, sondern Opfer einer Welt, in die er sich bedingungslos einfügen will. Er geht jedem Konflikt aus dem Weg und bevorzugt die Zwangsharmonie, auch um den Preis der persönlichen Integrität. Dieser (leider weit verbreitete) Charakter in Deutschland bevorzugt weniger ein demokratisches, als vielmehr ein autokratisches, diktatorisches und faschistisches Herrschaftsprinzip. Insofern leben wir schon lange nicht mehr in einer Demokratie. Denn die ist -ohne freiheitsliebende, an Aufklärung, Politik und Kultur interessierte Menschen‐ schlichtweg nicht machbar.

11 Gedanken zu “Fatalismus und Faschismus

  1. »Es gibt keine Alternative.«

    »Sei doch mal realistisch.«

    »Das ist die beste aller schlechtesten Lösungen.«

    »Nimm es einfach hin. Es bringt nichts, sich aufzuregen.«

  2. »Dieser (leider weit verbreitete) Charakter in Deutschland bevorzugt weniger ein demokratisches, als vielmehr ein autokratisches, diktatorisches und faschistisches Herrschaftsprinzip. «

    Ist das ein zwingend logischer Schluss?

    Schauen wir einfach mal nach Griechenland! Die Griechen waren mutig , nur wen juckt’s? Sie können wählen, was sie wollen, zu vielen Tausenden auf die Straße gehen, bei der Volksabstimmung ganz klare Ansagen machen. Den, der die »Waffen« hat, braucht doch demokratisches Getue nicht zu kümmern! Die Griechen spielen einfach für die, die sich Griechenland billig unter den Nagel reissen wollen, doch absolut keine Rolle.

    Ich will gar nicht recht haben, nur wüßte ich zu gerne wie wir aus dem vorhandenen »autokratischen, diktatorischen und faschistischen Herrschaftsprinzip« überhaupt erst mal ein demokratisches hinkriegen könnten. Dass ich »wählen« spielen darf, sagt doch nichts darüber aus, in was für einem Herrschaftsystem wir tatsächlich leben.

    Die große Preisfrage: Wie bekommen wir überhaupt eine Demokratie? Ich lebe in einem tributpflichtigen Vasallenstaat, wo man ausspioniert werden darf, wo andere Mächte das Sagen haben, wo Politiker zur Wahl stehen, die willfährig sein müssen, weil es vielleicht Geheimnisse gibt, die man zur Erpressung mißbrauchen kann. Wer nicht spurt , kann schnell einen sozialen Tod erleiden.

    All die Schimpfer auf die dummen, unterwürfigen Deutschen, haben die denn einen brauchbaren Lösungsansatz? Sind nicht alle Widerstandsbewegungen, also die, die sagen, wir haben die Schnauze voll , rechts, also einfach in die rechte Schublade gepackt von den Aufgeklärten? Sogar ein Drewermann mit seiner tollen Rede beim Friedenswinter wird als Rechter gebrandmarkt. Ist das Demokratie, die etwas bewegt?

    Gibt es vielleicht sogar linke »Trollbewegungen«, die den Auftrag haben , die Straße sauber zu halten? Wie war das mit Orwells Begriffsumkehrungen?

  3. @Helmuth

    »Dass ich »wählen« spielen darf, sagt doch nichts darüber aus, in was für einem Herrschaftsystem wir tatsächlich leben. [...] Die große Preisfrage: Wie bekommen wir überhaupt eine Demokratie.«

    Auch ich habe keine Patentrezepte, denke aber, dass ein Mentalitätswandel bzw. eine geistige Wende der Masse unabdingbar ist, wenn man etwas gebacken bekommen möchte.

    In Griechenland sollte die Bevölkerung m.E. jetzt sofort mit einem Generalstreik beginnen und die gesamte Infrastruktur lahmlegen. Wie man da noch buckeln gehen kann, obwohl man »Nein« zu den brutalen Sparmaßnahmen der EU gesagt hat und Tsipras sich jetzt doch wieder auf Kürzungen ohne Ende eingelassen hat, ist mir ein Rätsel.

  4. »Das Leben ist kein Ponyhof.«

    »Ein Guter hälts aus, um einen Schlechten ist es nicht schade.«

    »Jeder ist für sich selbst verantwortlich« , gedachter Subtext: »außer mir«

    »Das siehst nur du so«

    »Damit dürftest du ziemlich alleine dastehen«

  5. »Wer will und sich anstrengt, der schafft’s auch.«
    »Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt, bei uns muss niemand hungern.«
    »Werd‹ mal erwachsen!« :PROF:
    »Es gibt nun einmal nichts geschenkt im Leben.«

  6. ...und noch so´n Spruch...(damals im Internat, wenn die Schüler mal »aufmuckten«)

    ....da kann ja jeder kommen....

    ...das ist schon immer so gewesen....

    ...wo kommen wir denn dann hin.....

  7. Man kann es Fatalismus oder auch Disziplin nennen, diese ist in den Augen vieler Menschen die Voraussetzung für Glück und Freiheit. Es geht darum Verzicht zu üben, Autoritäten anzuerkennen und Verantwortung zu übernehmen, nur wer das gelernt hat, der kann sein Leben selbstbestimmend in die Hand nehmen. Es ist das, was lobenswert ist, das was wir alle so früh gelernt haben. Sie sehen überall die Früchte dieser Disziplin, die Sie hier so treffend beschrieben haben. Die Disziplin müsste also jedem Menschen ein Leben in Glück und Freiheit ermöglichen, offensichtlich sind aber die meisten Menschen weder glücklich noch frei. Sie sind hoffnungslos, obwohl sie Autoritäten anerkennen. Diese Autoritäten sorgen scheinbar nicht dafür, dass deren Anerkennung zur Belohnung der allseits gelobten Disziplin führt und sie scheinen den disziplinierten Menschen auch kein Wohlwollen entgegenzubringen. So werden diese hoffnungslos, weil ihre Bemühungen keinen Erfolg zeigen.
    Arno Gruen bezeichnet diese Disziplin als einen Gehorsam, dieser Gehorsam und die damit verbundene Fügsamkeit führt offensichtlich nicht dazu, dass wir heute eine Gesellschaft haben, in der die Menschen Verantwortung übernehmen, ihr Leben selbstbestimmend in die Hand nehmen können und auch nicht frei und selbstbestimmend leben. Wer diszipliniert (also gehorsam ist) der kann die Menschen nicht mehr lebendig und mitfühlend wahrnehmen.
    “Wer den Mut zum Ungehorsam hat, der entzieht sich nicht nur vermeintlichen Autoritäten, sondern nimmt die Menschen lebendig und mitfühlend wahr. Wie sehr die Kultur des Gehorsams entmenschlichen kann und welche Wege aus dem Kreislauf der Unterordnung führen, zeigt Arno Gruen: ein befreiendes Plädoyer für mehr Mitmenschlichkeit“ heißt es im Einband “Wider dem Gehorsam“.
    Leider haben nur wenige Menschen diesen Mut und wählen die Resignation (also die Disziplin, den Gehorsam, den Fatalismus) das muss auch hoffnungs‐ und hilflos machen. Welcher Mensch, der Verzicht übt, Autoritäten anerkennt und damit Verantwortung übernimmt und dennoch ständig ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit mit sich herumschleppt, soll angesichts dieser Gefühle den Mut und die Hoffnung dafür aufbringen an sich zu glauben und zu meinen, etwas in der Welt bewirken zu können?

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