Neusprech: »Freiwillige Selbstverpflichtung«

Das Schlagwort »freiwillige Selbstverpflichtung« ist in Politik und Wirtschaft ein beliebtes Argument, um verbindliche Regelungen zu vermeiden. Es wird suggeriert, dass eine gesetzliche Regulierung nicht nötig sei, da Konzerne, Banken und Unternehmen freiwillig ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung nachkommen würden. Warum sie -ohne effektive Sanktionsmöglichkeiten‐ überhaupt etwas anderes machen sollten, was nicht in ihrem ureigenen (Profit-)Interesse liegt, verraten uns weder das Schlagwort, noch Politiker, die diese Phrase verwenden. Weiterlesen

Business Intelligence

Die gewerkschaftsnahe Hans‐Boeckler‐Stiftung behauptet im Böckler Impuls 03/2016: »BWL‐Studium: Betriebsräte sind kein Thema.« Die Ausbildungsinhalte von mehr als 50 Studiengängen an 25 Hochschulen wurden hierzu untersucht. Das Ergebnis: Mitbestimmung, Betriebsräte und Gewerkschaften kommen zwar am Rande vor, sind aber kein integraler Bestandteil des BWL‐Studiums. Denn:

»Statt kollektiver Verhandlungen sind marktförmige Beziehungen zwischen Individuen vorgesehen.«

Ich kann das nur bestätigen. Während meines Studiums hatten wir öfter mal lebhafte Diskussionen mit BWL‐Studenten. Für die meisten sind Humanismus, Menschenrechte und ethische Standards nicht nur Fremdworte, sondern auch moralische Handelshemnisse gewesen. Für so einige BWL‐Schnösel ist die Welt ein großer Apfelbaum, bei dem jeder so viele Äpfel wie möglich pflücken will. Nur für sich, versteht sich. Soziale Interaktionen werden als Kosten‐Nutzen‐Matrix, Menschen als Humankapital und Verbraucher‐ sowie Arbeitsrechte als profitstörende Faktoren betrachtet. Für sie besteht die bessere Welt darin, dass der eigene Geldbeutel prall gefüllt wird.

Gott ist tot? Mitnichten!

»Nun lobt den Markt, der Wunderbares auf der Erde vollbringt, der einen Menschen erhöht vom Mutterschoß an und an ihm handelt nach seinem Gefallen. Er gebe euch Weisheit ins Herz und der Friede sei mit euch.«

- Das Buch Jesus Sirach. 50,16 – 51,13. Das Alte Testament. (Gott durch Markt ersetzt).

Anmerkung: In den Massenmedien wird behauptet, die meisten Menschen in Deutschland stehen den Religionen (besonders dem Islam) eher skeptisch gegenüber. Und seit 1970 gebe es einen Mitgliederschwund bei den christlichen Volkskirchen in Deutschland. Der Glaube an Gott und an die Religionen wurde jedoch nur ersetzt durch unsere Verehrung an den unfehlbaren Gott‐Markt‐Leviathan. Geld ist unser Götze. Die Werbung der Psalm. Die Shopping‐Center unsere Tempel. Profitmaximierung das oberste Gebot. Die unsichtbare Hand der Heilige Geist.

Presseblick (13)

Als erstes gibt es von mir einen ausdrücklichen Lesebefehl zu »Heute CDU/SPD – morgen arbeitslos« auf dem monopoli‐Blog. Hier findet ihr eine ausführliche Auflistung aller zukünftigen geplanten Stellenstreichungen von Unternehmen, Konzernen und Banken. Für alle, die noch an der Illusion festhalten, die »soziale Marktwirtschaft« würde euch »Selbstverwirklichung durch Lohnarbeit« ermöglichen. Zieht euch das rein und öffnet euch für Lebens‐Alternativen.

In einem Zentrallager von Aldi‐Süd wurden Azubis vom Arbeitgeber körperlich gezüchtigt, schreibt SpiegelOnline. Die physische Misshandlung wird hier breit betitelt und zeigt auf, wie rücksichtslos unser Wirtschaftssystem geworden ist. Aber ist sicher nur ein »Einzelfall«. Was ist eigentlich mit der täglichen ökonomischen Erpressung von Millionen ALG2‐Empfängern, Mini‐Jobbern, Leiharbeitern und Aufstockern? Ist das keine seelische Misshandlung?

Auf taz.de gibt es einen empfehlenswerten Artikel von Uli Hannemann, der nicht nur unser TV‐Programm zerreißt, sondern hübsch formuliert, welchen Einfluss und welche Wirkung das Trash‐TV auf uns hat: »Das Fernsehen ist unser Fenster zur Welt. Mit zunehmender Erblindung dieses Fensters erblinden auch die Zuschauer.« Sehr viel konkreter wird er dann leider nicht, denn auch die TAZ braucht schließlich Werbekunden.

Kinder in Deutschland; Teil 25: Knetmasse

Ich habe es hier schon öfter angesprochen: was Kinder wollen, was ihre Bedürfnisse und Wünsche sind, interessiert häufig nicht. Politiker und Unternehmer erst Recht nicht. Sie werden in Wirtschaft und Politik als Produkte, Ressourcen und Objekte betrachtet, die ganz nach den eigenen Interessen zurecht gebogen und abgerichtet werden dürfen. Weiterlesen

Personalfreisetzung

by epikur

Bald ist es soweit! Es dauert nicht mehr lange! Die massenhaften kreativen Freisetzungen sind in vollem Gange. Endlich haben viele Menschen wieder Zeit für ihre Hobbys, zum Spazieren gehen oder auch zum Lesen. Auch wenn sie vorerst weniger Geld haben und dann nach einem Jahr in die staatlich verordnete Armut (auch »Hartz 4« genannt) gedrückt werden. Schuld für die Entlassungen sind eine mangelnde Eigenverantwortung, keine vorhandene positive Lebenseinstellung, zuwenig individuelle Flexibilität und die schicksalhafte Krise, für die niemand verantwortlich ist. Im folgenden ein kleiner Auszug kommender Massenentlassungen.

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Das Mach‐Mit‐System

Liebes Rädchen im Getriebe,

ich spreche in einer ernsten Angelegenheit heute zu Dir. Kinder haben Träume, Jugendliche haben Wünsche, Erwachsene haben Bedürfnisse — und wir wollen unseren Profit! Renne keinen Illusionen von einer gerechten Welt hinterher, weigere Dich nicht mit zu machen, wehre Dich nicht! Gerechtigkeit in der sozialen Marktwirtschaft bedeutet, ein Auto zu haben. Frieden bedeutet, fürs Alter vorzusorgen. Sicherheit bedeutet, stets einen vollen Kühlschrank sein Eigen nennen zu dürfen. Geld, Vermögen und Konsum ist der Zweck und der Sinn Deines Daseins! Mach mit und Du wirst glücklich sein! Versprochen!

(Früher oder später kriegen wir Dich eh! Mit Druck, Zwang und Gewalt!)

Herzlichst,

Dein System

Neusprech: (Wirtschafts-)Wachstum

»Mehr Wachstum bekommen wir nur hin, wenn wir ohne Lohnausgleich wieder mehr arbeiten. Es ist eine unglaubliche Verschwendung von Ressourcen, wenn ein top ausgebildeter Ingenieur nur 38 Stunden pro Woche arbeitet.«

- Henning Kagermann, Manager, SAP auf wirtschaftszitate.de

Deskriptiv definiert bezeichnet der Begriff den zeitlichen Anstieg einer bestimmten Messgröße. Hierbei wird in verschiedenen Wachstumsarten, wie z.B. linear, expotentiell oder beschränkt unterschieden.  In der Biologie ist das Schlagwort, sowie sein Gegenteil die Schrumpfung bzw. der Zerfall, die Grundeigenschaft des Lebens. Auch findet keine positive oder negative Wertung des Begriffs statt. Schließlich können neben Pflanzen auch Krebsgeschwüre oder andere Krankheiten wachsen. Er bezeichnet hier also nur den Zustand bzw. den Prozess als solches. Anders sieht es in den Wirtschaftswissenschaften aus, die diesen biologischen Terminus neu besetzt haben. Weiterlesen

Angela menschelt

»Wir wollen menschliche soziale Marktwirtschaft«

- Bundeskanzlerin Angela Merkel am 7.10. im Bundestag

Anmerkung: Was an dem Konstrukt der (neuen) sozialen Marktwirtschaft unter Gerhard Schröder und nun unter Bundeskanzlerin Angela Merkel »sozial« war und ist, wissen wohl nur Eingeweihte. Ein Großteil der Bevölkerung weiß es nicht, aber die leiden sicher alle nur an einem »Vermittlungsproblem«. Da wohl langsam auch der letzte BILD‐Leser dahinter kommt, dass an dieser Marktwirtschaft rein gar nichts sozial ist, muss der Slogan eben noch positiver aufgeladen werden: die »menschliche soziale Marktwirtschaft«. Sollte diese Phrase bei den Menschen genauso wenig ankommen, wie der Aufschwung, schlage ich vor, in Zukunft einfach von »gute altruistische moderne liebe menschliche soziale Marktwirtschaft« zu sprechen. Vielleicht wird das ja vom gemeinen Mob verstanden werden.