Personalfreisetzung

by epikur

Bald ist es soweit! Es dauert nicht mehr lange! Die massenhaften kreativen Freisetzungen sind in vollem Gange. Endlich haben viele Menschen wieder Zeit für ihre Hobbys, zum Spazieren gehen oder auch zum Lesen. Auch wenn sie vorerst weniger Geld haben und dann nach einem Jahr in die staatlich verordnete Armut (auch »Hartz 4« genannt) gedrückt werden. Schuld für die Entlassungen sind eine mangelnde Eigenverantwortung, keine vorhandene positive Lebenseinstellung, zuwenig individuelle Flexibilität und die schicksalhafte Krise, für die niemand verantwortlich ist. Im folgenden ein kleiner Auszug kommender Massenentlassungen.

  1. Siemens wird vermutlich nächstes Jahr bis zu 10.000 Mitarbeiter entlassen.
  2. Peugeot Citroen wird in Europa 8.000 Menschen auf die Straße setzen.
  3. Die US‐Bank Citigroup will mehr als 11.000 Stellen streichen.
  4. Die Schweizer Großbank UBS wird bis zu 10.000 Lohnabhängige feuern.
  5. Die Lufthansa will 1.100 Jobs ins Ausland verlagern und gleichzeitig 2.500 Stellen in der deutschen Verwaltung einsparen.
  6. Die Deutsche Bank schmeißt rund 2.000 Lohnarbeiter raus.

Umstrukturierung, Sanierung, Verschlankung und Gesundschrumpfung nennt man das im euphemistischen Lohnarbeitverschenker Arbeitgeber‐Deutsch. Falls Sie zu den Betroffenen gehören: nehmen Sie es nicht persönlich! Die Stellen werden, sofern möglich, »sozialverträglich« abgebaut werden. Managerbezüge, Aktien, Börse, Krise, Politik und so weiter — Sie wissen schon! Es geht leider wirklich nicht anders! Wir würden ja, wenn wir könnten! Wir können aber leider nur reicher werden, wenn die Armen ärmer werden. Bitte haben Sie Verständnis dafür!

5 Gedanken zu “Personalfreisetzung

  1. Gefühlte 99% der Lohnarbeitssklaven verstehen das ja.

    Sie Kotzen sich vielleicht mal aus in den Foren und gucken mal Anstalt oder Heute‐Show um sich über die da oben lustig zu machen. Aber ansonsten verrichten sie ganz brav ihre Sklavenarbeit.

    PS: ich bin einer von denen und DU lieber Leser auch!

  2. W.Buck, Lohnarbeitssklaven wer traut sich die Masse der Zweibeiner obendrauf mit EIGNENDEN Kopf Sklaven zu‐nennen. Es sind doch Minni – Zeit — Befristete – Arbeiter aber das gleiche gilt für Selbständige, wer ist nun der Sklavenherr?

  3. Nun, unabweislich gibt es darin die Option zu mehr. Allerdings bliebt sie unbestellt und somit braches Ödland. Der Lohnarbeitssklave ist heute einer, der an einer der empfindlichsten Stellen gepackt wurde: am Spaß, an der Unterhaltung. Dies ist eine der Hauptdimensionen unserer von uns vollzogenen Herrschaftsrelationen. Die Stabilisierung der Herrschaftsrelationen braucht keine Waffe mehr bei uns und auch nicht den Zwang sonstiger Herkunft. Nein, unter allen anthropologischen Dimensionen, ist nunmehr der Spaß besetzt. Was heißt dies? Wenn wir Spaß haben, reproduzieren wir die Herrschaftsrelationen. Abtrünnig blöd? Zweifellos mag es so scheinen und wem es fortan so scheint und scheinen will, nicht zuletzt der Wille, der Bruder der Schwester Unterhaltung. Der Wille zur Unterhaltung. Der Grundwiderspruch der alten Philosophie, die Vernunft und der Trieb, sind geeint. Die Vernunft gekappt genug, damit sie sich einem entfremdeten Trieb einamalgamieren kann. Sonach erscheint die Welt einheitlich.
    Der Lohnabhängige rennt im Verdruss hinaus aus seinem Office und gerade zu in den freiwilligen Vollzug seiner Abhängigkeit: in die Spaßmaschinerie. Alles schon dagewesen? Zweifellos, so mag es scheinen. Um so betrüblicher. Es geht nichts weiter. Es geht eher zurück.
    Das Auge des Kindes schaut in die Welt, die Art des Sensoriums individuell, die Komposition der Weltsicht im Akt, mitten in den Jahren der Prägung der Exsistenz (in der Tat hier Ek‐sistenz, der Hinausstand in die aufzunehmende und hereinbrechende Welt), frohgemut und locker, manche schwelende Neurose und tragische Vorurteile schon inkorporierend, aber hoffnungsfroh und gut gesinnt. Was gibt es schöneres, aber dies zu unserem Leid in für uns flascher Form. Wir ersehen die Höhen nicht, weil sie zu zahlreich sind. 1000000e Kinder wären zu bestaunen, nicht minder wie alle anderen, die in ihrem Blicke immerzu und noch im hohen alter jenen tief menschlichen Frohsinn ob der Seiendheit ausstrahlen. Falsch nehmen wir wahr. Du mußt nicht dein Leben ändern, du mußt anders wahrnehmen. Das Schauen und Fühlen sind die höchsten Erfahrungen der Menschen. Das Denken gehört dazu, aber wer sich in es flüchtet, muss sich gewahr werden, dass er flüchtet. Denn die Flucht setzt ein vor dem Schein der Wenigkeit. Alles schon dagewesen? In der Tat, aber manche Dinge weilen nicht ohne Grund jenseits des Hin und Her der Welt. Schwindet die Wenigkeit, kommt die Fülle. Wer sie erreicht, harrt in ihr aus, freiweillig und leicht. Ansonsten ist er verloren. Der erste Philosoph war einer, der flüchtete. Der Dichter meinte jedenfalls dies, der Philosoph jüngster Zeit verstand es nicht, eingebunkert strebend, aber doch nur in einem Slot.
    Die Freisetzung von dem Personalsein bürgte dies. Nah und doch so weit scheint alles, wenn die Emergenzkoordinaten der Welt fluid werden. Was soll dies mit jenem zu tun haben. Wäre der Sinn die Welt, so fragte jener, was soll der Wladivostok mit Luanda zu tun haben? Wa soll die Augmentierung des Salärs mit der Flucht zu tun haben? Und doch hat es. Plötzlich werden die Relationen frei, sie können gespielt werden. Gemeinhin eilt der Psychiater zur Tat: eine Psychose. Man versteht ihn nicht, er halluziniert, er deliriert, man muss ihn zunächst stillsetzen, dann prätherapieren, dann therapieren und guter Hoffnung bleiben, dass er die existenzielle Konfiguration eines Lohnarbeiters zeit seines Lebens einigermaßen annimmt, ihm einreden, der Kauf eines Produktes sei das Erfahren des Glückszustandes und die stete arbeiten gegen Lohn die allfällige Pflicht des Gewissens gegenüber allen anderen und Bedingung, das Mittel des Tausches, Geld, in die Hände zu bekommen. Eccettera Eccettera. In der Tat ist die Psychose nicht jener Zustand, allerdings tut sich hier eine Verwandschaft auf, die wiederum ermöglichte, die Psychose anders wahrzunehmen und somit ernötigte, sich auf die Suche nach einem anderen Vokabular machen, wie insgesamt einer anderen Einordnung in die Welt.
    Dies alles ermöglichte die Personalfreisetzung. Die exkludierende Inklusion verhindert dies. Es ist schwer. Sofort sind Exklusionsinkludate zu vollziehen: hilfe ich habe kein Geld, hilfe ich brauche einen Job, hilfe ich bingeächtet, hilfe ich bin ein Looser, hilfe ich bin allein, ich muss streben nach einem neuen Job, ich muss streben nach etwas Geld, ich darf nicht zu viel verlangen, ich darf nicht das Arbeitsamt stressen, hilfe ich brauch einen Job, hilfe ich brauche etwas Geld, hilfe die Hunde sind auch noch viele, hilfe, nun muss ich rennen, hilfe, dieser Hund nimmt mir einen Platz an der Lohnabhängigkeit weg. Hilfe ich muss mich qualifizieren, damit ich die Plätze an der Lohnabhägigkeit ergattere und damit ich andere daran hindere, sie zu ergattern. Ich bin der Ergatterer. Denn mehr als eine Ergatterung gibt es nicht. Denn wer wollte heute sagen, der Job sei das höchste des Glückes? Zweifellos gibt es solche, aber wenige. Die Extrawürste gewissermaßen. Und jene, die die falsche Pille schlucken, Halllo! Ja schluck sie doch nicht, er will das Schnitzel kauen und wenn es fiktiv ist, schluck sie nicht!
    Geh mir aus der Sonne, geh in die Lohnabhängigkeit! Wir müssen lernen sie zu ächten. Der alte Gewerkschafter ist der Geiselschnalzer über Bord, der schnalzt, wenn die Lohnarbeit nicht gehuldigt wird. Wir müssen sie ächten! Darin wären viele so viele. Dein Leben ändern, anders wahrnehmen und die Lohnarbeit ächten. Die Trias des Heils.

  4. W.Buck schreibt:

    »Aber ansonsten verrichten sie ganz brav ihre Sklavenarbeit.«

    Entscheidender Punkt.
    Das vorhandene System wird eben nicht nur von oben aufgedrückt , es sind genauso die Arbeitnehmer selber , die um ihre Ausbeutung betteln.
    Gebt mir was zu tun , damit ich nicht ich selber sein muß.

    Wer ist es denn , der als Erstes aggressiv wird , wenn jemand mal die Arbeitsbedingungen kritisiert oder wenn wer mal den seltsamerweise behaupteten Zusammenhang in Frage stellt zwischen frühem Aufstehen und Leistung?
    Mit wem kriegt man als Erstes Ärger , wenn man mal was Politisches sagt , was über den ganzen »die da oben « — Scheiß hinausgeht?
    Wer schwadroniert denn über faule Arbeitslose , Migranten oder Studenten , die »auf meine Kosten« studieren ?

    Es sind nicht nur die Chefs , es sind vor allem die Kollegen , immer eifrig darauf bedacht , daß auch der Andere schön kuscht und buckelt , von Solidarität keine Spur , Hauptsache , die Nase immer ein Stückchen vorne im Rattenrennen um die Gunst der Oberen.

    Jedes Volk hat die Regierung , die es verdient , und jede Arbeitnehmerschaft hat die Chefs , die sie verdient.

  5. ... ZU DÜRFEN

    Eine der schauerlichsten Folgen der Arbeitslosigkeit ist wohl die, dass Arbeit als Gnade vergeben wird. Es ist wie im Kriege: wer die Butter hat, wird frech.

    Es ist nicht nur, dass die Koalitionsrechte der Arbeiter und nun gar erst die der Angestellten auf ein Minimum zusammengeschmolzen sind, dass ihre Stellung bei Tarifverhandlungen immer ungünstiger wird, weil bereits das Wort ›Tarif‹ bedrohliche Wettererscheinungen in den Personalbüros hervorruft ... auch die Atmosphäre in den Betrieben ist nicht heiterer geworden. Zwar jammern die Arbeitgeber: »Wir können die Untüchtigen so schwer herauskriegen – heutzutage kann man ja niemand mehr kündigen ... « keine Sorge: man kann. Und so wird Arbeit und Arbeitsmöglichkeit, noch zu jämmerlichsten Löhnen, ein Diadem aus Juwelen und ein Perlengeschmeide.

    »Der Portier, dem Sie da gekündigt haben«, sagte neulich ein Beisitzer zu dem Vertreter des Café Josty, »hat immerhin dreißig Jahre vor Ihrer Tür gestanden ... « – Der Vertreter: »Ist es nicht bereits ein Plus, dreißig Jahre vor dem Café Josty stehen zu dürfen?« Und wenn er den ganzen Satz nicht gesagt hat: » ... zu dürfen« hat er bestimmt gesagt. Die einen haben das ›Recht‹, für das Vaterland sterben zu dürfen, andre ›dürfen‹ zu Hungerlöhnen arbeiten – wobei denn wieder andre die saure Pflicht haben, vierundzwanzig Aufsichtsratsposten bekleiden zu müssen.

    Merk: Wenn einer bei der Festsetzung von Arbeit und Lohn mit ›Ehre‹ kommt, mit ›moralischen Rechten‹ und mit ›sittlichen Pflichten‹, dann will er allemal mogeln.

    Ignaz Wrobel

    Die Weltbühne, 14.10.1930, Nr. 42, S. 597.

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