Manchmal...

  • Manchmal wünsche ich mir, dass den arbeitsgehorsamen, weltfremden und ständig im Restaurant speisenden Mittelschichtsspießern, das Gehalt auf ALG 2 Niveau gekürzt wird.
  • Manchmal wünsche ich mir, dass die Verbrecher von Finanzindustrie, Politik und Konzernen alle sehr hart bestraft werden.
  • Manchmal wünsche ich mir, dass den materiell überverwöhnten Dekadenz‐Jugendlichen echte, finanzielle Armut ereilt.
  • Manchmal wünsche ich mir, dass in den Häusern der Bonzen eine Bombe einschlägt.
  • Manchmal wünsche ich mir, dass den bigotten, sogenannten »Erfolgsmenschen«, das dämliche Grinsen vergeht und sie echte Depressionen und/oder Mobbing erleiden.

Aber dann wird mir bewusst, dass mein Zynismus keinen Effekt haben wird, weil der Mittelschichts‐Biedermeier‐Weltverleugner‐Spießer‐Schnösel rein gar nichts daraus lernen würde. Er würde nie niemals und unter keinen Umständen gegen Banken, Konzerne, die Finanzindustrie oder gegen Milliardäre opponieren. Stattdessen würde er sich für alles einen Sündenbock suchen. Jemanden -oder eine Gruppe von Menschen‐ die noch viel schwächer und hilfloser sind, als er selbst (Flüchtlinge, Arbeitslose, Obdachlose etc.). Es ist ein tief verinnerlichter urdeutscher Habitus: nach oben kriechen und nach unten treten.

»Bad Banks«

bad banksNun habe ich mir die sechsteilige ZDF‐Arte‐Produktion auch angeschaut. »Bad Banks« ist eine, für deutsche Verhältnisse, durchaus gelungene und spannende Serie. Die meisten Schauspieler spielen ihre Rollen überzeugend, die Dialoge bzw. das Drehbuch sind mutiger als üblich und es gibt wenig SOAP‐Elemente. Die bisher nur 6 Folgen (eine zweite Staffel wurde bereits bestätigt) bewirken, dass eigentlich jeder Dialog und jede Szene relevant und bedeutend sind. Im Vergleich zu den Marvel‐Serien von Netflix (13 Episoden pro Staffel) ist es hier eine Wohltat, dass man sich durch keine Filler‐Episoden quälen muss.

Inwieweit die gezeigten »Finanzgeschäfte« realistisch dargestellt sind oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Ich bin kein Banker oder Finanzexperte. Auch die Menge an Sex, Drogen und Gewalt ist sicherlich der Inszenierung geschuldet. So spannend ist vermutlich kaum ein Bank‐Alltag. Was mich ein wenig gestört hat, sind eher einzelne Dialoge und das temporäre Verhalten von Charakteren. Und ja, manchmal auch der subtile Feminismus. Gibt es eigentlich keine Unterhaltungsprodukte mehr, wo nicht ständig versucht wird, die Zuschauer ideologisch umzuerziehen? :NENE:   Weiterlesen

Der Anschlag (26)

anschlag_teaserNach einer Umfrage von emnid hält die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung (rund 90 Prozent) das Anlegen von Notvorräten (Lebensmittel, Wasser, Medikamente etc.) für übertriebene Panikmache.

Immer mehr Milliardäre und Hedgefonds‐Manager kaufen sich unterirdische Notschutz‐Bunker, Flucht‐U‐Boote oder kleine, abgelegene Inseln und Häuser. Sie erwarten einen weltweiten Finanzcrash sowie viele soziale Unruhen und wollen in sichere Rückzugsorte investieren.

Wegen einer Panne ist der Strom in den Ballungszentren in Deutschland für über 72 Stunden komplett ausgefallen. Bundeskanzlerin Merkel fordert die deutsche Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren. Auf den Straßen herrscht indessen das Chaos.

Presseblick (12)

Das Hamburger Abendblatt titelt reißerisch »Währungscrash bedroht ein Viertel der Menschheit«. Wie wärs mit: »Banken bedrohen mit ihren Geschäften ein Viertel der Menschheit«? Währungskrise, Finanzkrise, EU‐Krise, Schuldenkrise, Wirtschaftskrise — es ist und bleibt das Verschulden der Banken und somit: eine Bankenkrise. Die Aufspaltung in viele kleine Einzelkrisen ist eine perfide Taktik um zu verschleiern, dass unser Wirtschaftssystem kollabiert.

Auf netzwertig.com (Blog über Internet‐Ökonomie) schreibt Jürgen Vielmeier über die »der Kunde ist König« — Redewendung und darüber, dass Kritik anders formuliert werden müsse: »Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit einer freundlichen Anfrage und der höflichen Verpackung einer Kritik das gleiche, wenn nicht sogar mehr erreicht.« Der typische Vorwurf, die Kritik komme nur nicht an bzw. werde nicht angenommen, weil der Sender, sie nicht richtig kodieren würde, ignoriert die bewusst gewollte Realitätsverdrängung vieler Menschen. Es ist häufig völlig unerheblich, wie blumig, euphemistisch oder gefühlvoll ich eine Kritik verpacke, manche Themen will man einfach nicht hören. Hier wird nur die Verantwortlichkeit auf den Kritiker gelenkt, der ja selbst schuld sei, dass man ihn nicht anhören wolle.

Die Wirtschaftswoche berichtet, dass Unternehmen sich angeblich immer mehr den Shitstorms der User beugen würden und bezieht eindeutig Stellung dagegen: »Doch nicht immer ist es ratsam, alles, was den Kunden nicht gefällt, sofort wieder aus dem Programm zu nehmen. Es kommt drauf an, wie die Marke positioniert ist.« Die Verbraucher schlagen zurück. Nachdem wir Jahrzehnte mit Werbe‐Lügen, schlechten Produkten, Endlosschleifen‐Service‐Hotlines und unfreundlichen Mitarbeitern gequält wurden, werden viele Unternehmen plötzlich ganz empfindlich, wenn ein Shitstorm über sie hereinbricht. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Der richtige Mann für den Job

Unter dem Titel »Deutschlands Milliardenhüter« schrieb SpiegelOnline am 10. Juli über Klaus Regling, den künftigen Chef des Rettungsfonds ESM. Wie es sich für eine ordentliche Hofberichterstattung gehört, gibt es keinerlei Kritik an diesem Mann. Ganz im Gegenteil, er agiere nicht »als deutscher Sachwalter, sondern hat stets auch europäische Interessen im Blick«. Die Nachdenkseiten schreiben über Regling:

Klaus Regling, ein überzeugter Monetarist, arbeitete für Moore Capital Strategy Group, einem Hedge‐Fond.

Und was sagt Wiki zu ihm?

Von 1975 bis 1980 arbeitete er für den Internationalen Währungsfonds. Danach arbeitete er kurzzeitig für den Bundesverband deutscher Banken. [...] Es wird ihm vorgeworfen, dass er verantwortlich im Finanzministerium war, als von 1990 bis 1993 die Staatsverschuldung neue Rekorde erreichte und zwischen 2001 und 2008 der zuständige Verantwortliche in Brüssel war, der die griechische Finanzentwicklung zu überwachen hatte und sich dann mit den getürkten Zahlen abgefunden hatte.

Top Mann also. Die neoliberalen Bänker und Krisenverursacher sollens nun richten. Ich brauch einen Eimer.

15 Oktober 2011 — ZG‐Ausflug

 

Am letzten sonnig‐warmen Samstag wagte sich das ZG‐Team auf eine Demonstration. Und wir konnten es kaum glauben, aber sie war sogar global. Wir schafften an dem Tag dann aber nur die Strecke Alex–Kanzleramt in Berlin. Hier nun ein paar Fotos, die wir trotz der vielen Beschäftigungen – also dem Demonstrieren – knipsen konnten (Wenn ein Bild vergrößert ist, könnt ihr euch durchklicken). Weiterlesen

Fällt euch was auf?

Die große Wirtschafts‐ und Finanzkrise ist vorbei. Natürlich wird es auch keine mehr geben. Natürlich nicht. Die nächste Wirtschaftskrise ist zwar schon längst da, aber sie heisst eben nicht so. Aus Wirtschaftskrise macht man nun die Eurokrise. Ob Finanz‐, Wirtschafts‐ oder Eurokrise, die Bezeichnung ändert sich, das korrupte und völlig marode System bleibt. Leider wird ein Großteil der Bevölkerung diese Zusammenhänge nicht erkennen. Man stülpt der Krise einen anderen Zusatz auf und will uns damit weismachen, dass jede Krise einzigartig sei und mit der letzten nichts zu tun habe. So werden wir noch viele Krisen durchleben und den Blick für das große Ganze verlieren.

Die Krise heisst Kapitalismus.

Jetzt gehen wir in die Lobby...

Kaum geht das Kontaktformular wieder, schon flattert ein Hinweis hinein für ein nettes Video. Wie ich gerade sehe, konnte man das auch schon beim Spiegelfechter sehen. Naja, wenn schon wiederholter Content, dann aber richtig: Deswegen vorher noch ein Video, was ich beim Binsenbrenner gesehen habe:

Und nun der Hinweis vom Blinzler (Wenn schauen, dann bis zum Ende):