Manchmal...

  • Manchmal wünsche ich mir, dass den arbeitsgehorsamen, weltfremden und ständig im Restaurant speisenden Mittelschichtsspießern, das Gehalt auf ALG 2 Niveau gekürzt wird.
  • Manchmal wünsche ich mir, dass die Verbrecher von Finanzindustrie, Politik und Konzernen alle sehr hart bestraft werden.
  • Manchmal wünsche ich mir, dass den materiell überverwöhnten Dekadenz‐Jugendlichen echte, finanzielle Armut ereilt.
  • Manchmal wünsche ich mir, dass in den Häusern der Bonzen eine Bombe einschlägt.
  • Manchmal wünsche ich mir, dass den bigotten, sogenannten »Erfolgsmenschen«, das dämliche Grinsen vergeht und sie echte Depressionen und/oder Mobbing erleiden.

Aber dann wird mir bewusst, dass mein Zynismus keinen Effekt haben wird, weil der Mittelschichts‐Biedermeier‐Weltverleugner‐Spießer‐Schnösel rein gar nichts daraus lernen würde. Er würde nie niemals und unter keinen Umständen gegen Banken, Konzerne, die Finanzindustrie oder gegen Milliardäre opponieren. Stattdessen würde er sich für alles einen Sündenbock suchen. Jemanden -oder eine Gruppe von Menschen‐ die noch viel schwächer und hilfloser sind, als er selbst (Flüchtlinge, Arbeitslose, Obdachlose etc.). Es ist ein tief verinnerlichter urdeutscher Habitus: nach oben kriechen und nach unten treten.

9 Gedanken zu “Manchmal...

  1. Ein lupenreiner Untertan eben der, Feigheit als Lebensprinzip, als Plan B im Notfall immer behaupten wird, selbst nie aus eigener Verantwortung sondern stets nur im Vertrauen auf die Obrigkeit gehandelt zu haben.

  2. Bis zu den ersten Dashcam Videos hielt ich den »Verkehrserziehungsminister« auch für eine deutsche Erfindung. Aber andere ausbremsen, zum Stillstand zwingen und dann wahlweise mit Worten, Axt oder Baseballschläger die Meinung zu geigen klappt weltweit.
    Wer mir vor 15 Jahren erzählt hätte, dass in Frankreich auch nur darüber nachgedacht wird Hartz IV zu kopieren, den hätte ich ausgelacht.
    Man muß die Kandarre nur stramm genug ziehen um zu sehen, dass bei 99% aller Menschen zuerst das Fressen kommt und dann die Moral.
    In Deutschland kommt das alles nur etwas schneller hervor.

  3. Ehrlich gesagt: Darüber bin ich hinweg. Mir wurde dann bewusst, dass mein Zynismus keinen Effekt haben wird, weil ich diesen Menschen keine akzeptablen Alternativen anbieten konnte.
    Inzwischen habe ich Vorschläge, wie man verschiedene Probleme lösen könnte. Nicht von jetzt auf gleich und nicht auf der Ebene und mit den Mitteln, auf der und durch die sie entstanden. Aber dafür kurzfristig und nachhaltig.
    Für eine gesellschaftliche Transformation sollte man auch diesen Menschen Angebote machen. Sie können nicht darin bestehen, dass man ihnen alles wegnimmt, um es an andere zu verteilen. Obwohl sie ihr Vermögen nur auf diese Art und Weise anhäufen konnten. Das würde Mord und Totschlag bedeuten.

    Zwar erzählen alle Menschen gern von der angestrebten Gleichheit, auch die oben Erwähnten. Sie meinen damit gleich reich und nicht gleich arm.
    Also, Schwamm drüber.

    Sie können ihren »Reichtum« und Lebensstandard behalten, sich ein gemütliches Leben machen und niemand wird gegen sie vorgehen. Dafür werden private Investitionen und Spekulationen, mit dem Ziel Gewinn zu »erwirtschaften«, dauerhaft abgeschafft und unmöglich gemacht.

    Der Eine oder Andere wird nun anmerken, dass dies ökonomisch nicht machbar sei. Stimmt. Da hat er recht. Ökonomik ist die Ideologie des Profits und wird nicht mehr gebraucht.

  4. @Carlo

    Mir ist bewusst, dass meine Gedanken zynisch und wenig zielführend sind. Dennoch habe ich schon manchmal solche »Emotionen«. ;)

    »Angebote machen«? Das klingt sehr vernünftig. Aber Du glaubst doch nicht wirklich, dass Du bei den »Mittelschichts‐Biedermeier‐Weltverleugner‐Spießer‐Schnöseln« mit Argumenten und Angeboten weit kommst, oder? Viel Erfolg! ;)

  5. »bigotten, sogenannten »Erfolgsmenschen««
    Den Eindruck habe ich auch, Bigotterie in verschiedensten Formen, von denen die wenigsten religiös sind, ist nicht nur kein Hindernis, sondern zunehmend Voraussetzung für Erfolg (den Umkehrschluß kann man allerdings nicht ziehen).

  6. @epikur

    Mein Beitrag war nicht zynisch gemeint und ich verstehe Dich nur zu gut. Trotzdem meine ich, dass es langsam an der Zeit ist, über Auswege nachzudenken und Szenarien zu entwickeln, die »uns« aus dem Dilemma führen. Von denen, die da alle vier Jahre gewählt werden, ist nichts mehr zu erwarten.

    Der Glaube soll ja bekanntlich Berge versetzen können. ;) Ich denke aber, dass es in diesem Fall nicht um den Glauben geht, sondern um den Inhalt des Angebotes. Was denkst Du hat »die« DDR‐Bürger auf die Straße gebracht? Das miese Leben in Armut, Hunger und Obdachlosigkeit oder die Vorstellung, dass es ihnen noch besser gehen, dass man noch mehr haben könnte?

  7. @Carlo: Das wird alles nix nützen. Die DDR‐Bürger waren verblendete Opfer antisozialistischer Propaganda. Nicht wenige davon wünschen sich zumindest die DDR‐Gesellschaft wieder zurück.

    Den Leuten wurde dann damals zur Agenda 2010 mit der Linken unter Lafo noch einmal eine grundsätzliche Alternative ermöglicht. Die wollten sie wieder nicht. Nach zig Jahren Neoliberalismus ist es den Leuten schon so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass es ohne immer enger geschnallten Gürtel gar nicht besser gehen könne. Die glauben schlicht nicht mehr daran, dass es ihnen besser gehen könne, wenn es mal nicht zuerst weh tut. Der Deutsche will doch auch gar nicht weniger arbeiten, weniger konsumieren, weniger Stress, weniger Konkurrenz, weniger Überlebenskampf, weniger Egoismus.

    Alternativen hat es ja. Es würde ja meines Erachtens schon ausreichen, wenn es wenigstens mal sowas wie einen Wendepunkt gäbe. Aber der ist weiterhin nicht in Sicht. Auch, weil für viele Radikal‐Linke alles außer der totalen, globalen »Überwindung des Kapitalismus« als »Verrat« und »Sozialdemokratie« gebrandmarkt wird...

  8. @Dennis

    Woher willst Du wissen, dass alles nix nützen wird?

    Im Gegensatz zu Dir, schrieb ich »die« DDR‐Bürger. Obwohl ich auch einer von ihnen war, kannte ich nicht alle und maße mir nicht an, für alle sprechen zu wollen. Ich weiß nicht, was DIE Menschen (DER Deutsche) glauben, mögen oder wollen. Außerdem würde ich mich auch nicht als »Opfer antisozialistischer Propaganda« sehen. Sehr differenzierend rückwärts blickend, wünsche ich mir die DDR nicht zurück. Sie (ebenso wie sozialdemokratische Umverteilung) wäre in meinen Augen auch keine Alternative, sondern nur die Kehrseite der gleichen Medaille.

    Im Gegensatz zur Krise lässt sich ein Dilemma nicht auf der Ebene und mit den Mitteln auflösen, die es verursachten.

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