Gewaltbereite Islamisten

»Extremismus: Zahl gewaltbereiter Islamisten steigt stark an« (zeit.de vom 3. Juni 2014)

»Gewaltbereite Islamisten: Terroralarm in Bremen« (faz.net vom 1. März 2015)

Diese Formulierung ist mittlerweile zur Allgemeinsprache in den Massenmedien geworden, dabei ist sie gleich in mehrfacher Hinsicht bedenklich. Jederzeit bereit, Gewalt einzusetzen, sind vor allem auch Regierungen, Gerichte, Polizei und Militär. Nicht zu vergessen, die allgegenwärtige Gewalt der Behörden, insbesondere bei Hartz 4 in Form von Sanktionen. Die Begriffe »gewaltbereite Polizisten« oder »gewaltbereite Jobcenter« gibt es indessen nicht. Außerdem müsste es ja dann auch das Gegenteil, also »friedliche Islamisten« geben, oder? Davon ist unseren LeiDmedien aber nie die Rede.

Die Vokabel soll uns Angst machen und den Islam primär als Terror‐Religion diffamieren. Nicht zufällig tauchen zu dem Schlagwort dann noch Panikbegriffe wie Extremismus, Terror und Anschlag auf. Gibt es eigentlich auch gewaltbereite Christen, Juden und Buddhisten? Wenn ja, warum gibt es dann nicht auch solche Bezeichnungen? Oder ist jeder, der von gewaltbereiten Juden spricht, ein Antisemit und wer von gewaltbereiten Islamisten schreibt, ein Verteidiger des Abendlandes?

4 Gedanken zu “Gewaltbereite Islamisten

  1. Die neoliberale Bande benötigte nach dem Ende des bösen »Ostblockes« ein neues Feindbild und hat es sich seit 2001 kontinuierlich geschaffen. Dass der Neoliberalismus selbst »von Hause aus« nicht nur gewaltbereit, sondern äußerst gewalttätig ist, spielt in diesem Narrativ keine Rolle.

    Dass es nun gerade den Islam getroffen hat, ist wohl relativ willkürlich — genauso gut hätten es auch »Rothaarige«, »Kleinwüchsige« oder wieder einmal »Kommunisten« sein können. Die heutige offen propagierte Islamfeindlichkeit kann man völlig problemlos mit dem vor 80 Jahren ebenso offen propagierten Antisemitismus oder Antikommunismus — die damals irrsinnigerweise sogar oft in denselben kruden Topf geworfen wurden — vergleichen.

    Ohne ein solches Feindbild kann der Kapitalismus nicht existieren und seine systemimmanenten Kriege führen; außerdem könnte die heimische Bevölkerung ansonsten auf die naheliegende Idee kommen, dass die Bedrohung gar nicht von irgendwelchen Bart‐ und Turbanträgern, sondern von den wenigen elitären Damen und Herren mit den dicken Geldspeichern ausgeht. Das muss um jeden Preis vermieden werden, und dafür gab und gibt es ins Absurde aufgebauschte Feindbilder wie dieses.

    So funktioniert Propaganda — heute ebenso wie damals.

  2. @Charlie

    Dass es nun gerade den Islam getroffen hat, ist wohl relativ willkürlich

    Es ist sicher auch praktisch, dass viele Öl‐ und Gasquellen sowie wichtige Rohstoffwege (Irak, Afghanistan, Syrien etc.) in islamisch geprägten Gebieten liegen, die man erbeuten will ;) »Gewaltbereit« sind dann aber natürlich nicht die NATO und die USA, welche diese Länder in die Steinzeit bomben, sondern die Menschen vor Ort.

  3. Diese Listen sind zwar nicht mehr die juengsten und man muss auch nicht unbedingt FBI/Europol vollstes Vertrauen schenken, aber was die Aufteilung von Terror&Co angeht, sind sie durchaus aufschlussreich.
    http://www.loonwatch.com/2010/01/not-all-terrorists-are-muslims/
    http://www.loonwatch.com/2010/01/terrorism-in-europe/

    Dabei fehlen natuerlich u.A. Millionen von Opfern des umfangreich westlichen, durchlegalisierten Staatsterrorismus der, nur mal, letzten Jahrzehnte, was dann zur Rubrik »Worthy and Unworthy Victims« zaehlt.
    Wer die Boesen sind bestimmen immer noch Wir!

  4. »Oder ist jeder, der von gewaltbereiten Juden spricht, ein Antisemit [...]«
    Nicht unbedingt. ... Kuerzlich sagte zB. der israelische Aussensinister, ..»Israelischen Arabern, welche unloyal zum Staate Israel sind, sollten ihre Koepfe abgeschlagen bekommen«
    »Israeli Arabs who are disloyal to the State of Israel should have their heads chopped off, Foreign Minister Avigdor Lieberman said at an elections conference at the Interdisciplinary Center Herzliya this week.«
    Nachtraeglich betrachtet, macht man so erfolgreichen Wahlkampf.

    Anders formuliert: »»Those who are against us, there’s nothing to be done – we need to pick up an ax and cut off his head,« Lieberman said.«

    Dafuer erntete er dann ein wenig Kritik, wie »...a situation like that described by Lieberman would result in a Jewish version of the Islamic State group, also known as ISIS or ISIL.«

    (da die Russen gerade eh wieder die Boesen sind ;) scheert Russe Lieberman dies ueberhaupt nicht, da er umfangreich einen extremradikalen Ruf zu verteidigen hat und diesem auch nur zu gerne gerecht wird. .....etc. http://www.haaretz.com/news/israel-election-2015/1.646076#!

    Solltest du dies so stehen lassen, liegt ein Verdacht eines typisch israelkritischgetarnten Antisemitismus im Bereich der Moeglichkeit.
    ....

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