Wertlose Arbeit?

Die soziale Arbeit wird auch im Jahr 2019 weitestgehend in ökonomische Denkmuster gequetscht werden. Durch Sprache, gesetzliche Rahmenbedingungen, Sachzwänge und das neoliberale Narrativ in den Köpfen (Eigenverantwortung, Flexibilisierung, Liberalisierung etc.). Bildungspartner werden zu Kunden. Pädagogen zu Dienstleister. Hinzu kommen: Leistungsbewertung, Standardisierung, Wettbewerbs‐ und Konkurrenzdenken sowie damit automatisch verbunden: Ausgrenzung und Stigmatisierung. Betriebswirtschaftliches Verwertungsdenken sorgt indessen weiterhin dafür, dass die soziale Arbeit »wenig wert« ist. Sie generiert keine Güter und keinen Profit.

Die Interaktion zwischen Menschen werden betriebswirtschaftlich als Beziehung zwischen Mensch und Marke betrachtet, bei dem nicht nur verwertbare Zahlen generiert werden sollen, sondern bei dem auch angeblich jeder Akteur nur seinen egoistischen Vorteil und Eigennutz im Sinn habe. Wer dieses lebens‐ und menschenfeindliche Gesellschaftsmodell auf die soziale Arbeit übertragen will -bei der uneigennützige Empathie, Lebensfreude und Solidarität essentiell sind‐ gehört als Soziopath eingesperrt. Stattdessen werden sie in Talk‐Shows und Expertenrunden eingeladen.


Die Destruktivität des Leistungsgedanken
Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn
Eigennützig Gemeinnützig

Anstand kostet!

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©epikur (eigenes Werk)

Wer sich sein Gewissen, seine Fairness, seine soziale Gerechtigkeit und sein Mitgefühl bewahren will, muss dafür mit harter Währung bezahlen! Die meiste Kohle macht man, wenn man skrupellos, rücksichtslos und egoistisch ist. Wer sich scheut, auch mal bigott, verlogen und korrupt zu sein, wer nicht professionell lügen kann und will (Marketing, PR, Vertrieb etc.), wer Mühe hat, die eigene Selbstentfremdung nicht als Selbstverwirklichung zu verdrehen — der wird niemals eine steile berufliche Karriere hinlegen können! Weder in der Automobil‐ oder Pharmaindustrie, in einer Bank, noch in einem Konzern oder irgendeiner anderen Branche, wo man richtig Geld verdienen kann.

Nächstenliebe, Empathie und Mitgefühl sind ökonomisch gesehen nicht nur wettbewerbsschädigend, sondern schlicht nichts wert. Ja, zur Aufrechterhaltung der Arbeitsmoral und zur Mitarbeiterführung wird ein wenig Sozial‐Klim‐Bim betrieben und/oder gelegentlich gemenschelt. Auch werden die Ideale von Menschen, die in sozialen Berufen arbeiten, rücksichtslos ausgebeutet — all das wird aber nicht mit Euros vergütet. Es spielt zudem in der Management‐Ebene, in der Finanzindustrie und auf politischer Ebene kaum eine Rolle. Was zählt, sind Quartalsberichte, Dividenden und Profite. Und weil sich Anstand schlicht nicht rentiert, sondern nur Kosten verursacht, wird auf ihn weitestgehend verzichtet.


» Die ganz normale Ungerechtigkeit
» Marktgerechtigkeit und Verwertungsmoral
» Ohne Haltung

Eigennützig Gemeinnützig

Sponsoren: Deutsche Bank, Allianz‐Versicherung, McKinsey

Der soziale Sektor bzw. der ehrenamtliche Bereich in Deutschland, ist ein Dschungel von Tausenden Projekten, Förderstellen und Sponsoren. Es gibt Projekte für Integration, Kinder‐ und Tierpatenschaften, Umweltschutz, Inklusion, Aidsaufklärung‐ und Prävention, Bildung, Engagement für mehr Toleranz, gegen Ausgrenzung, Diskriminierung, Rassismus und viele mehr. In der Regel handelt es sich nur um zeitlich befristete Projektförderung mit Leuchtturmprinzip, statt um eine echte Infrastrukturförderung. Politik und Wirtschaft unterstützen soziale Projekte, um Sozialausgaben zu sparen und um Imagepflege zu betreiben. Weiterlesen

Neusprech: Sozialromantik

»Hollande ist beileibe nicht der ausgabenfreudige Sozialstaatsromantiker, als den ihn die Strippenzieher des Kanzleramts im französischen Wahlkampf dargestellt hatten«

- zeit.de vom 30. Mai 2012

In der öffentlichen Begriffsverwendung gibt es die Bezeichnungen des Sozialromantikers, der Sozialromantik, des Sozialstaatsromantikers, und der sozialromantischen Vorstellungen. Die Begriffe sind negativ besetzt. Damit werden vor allem Vorschläge, des Sozialstaates betreffend, als realpolitisch und pragmatisch nicht umsetzbar deklariert. Weiterlesen

NRW‐Wahl vorbei, Sozialkahlschlag kann beginnen

Woher sollen die Milliarden kommen, die im Bundeshaushalt fehlen? [...] Das Verhältnis von Zukunftsinvestitionen und Sozialausgaben müsse neu austariert werden.

»Das kann nicht einfach dadurch geschehen, dass man immer die Einnahmenseite erhöht, sondern das muss dadurch geschehen, dass man dann auch Strukturen der sozialen Sicherheit effizienter macht.« (Zitat: Angela Merkel)

- Meldung von SpiegelOnline vom 6. Juni 2010

Anmerkung: Zunächst einmal sollte Spon betonen, warum hier Milliarden fehlen? Dann hieße es nämlich: »Woher sollen die Milliarden kommen, die man den Banken geschenkt hat?« Liest sich doch gleich ganz anders, oder? Die Strukturen der sozialen Sicherheit effizienter machen, ist ein glatter Euphemismus für Sozialausgaben kürzen. Ich verstehe sowieso nicht, warum immer vom Sparen die Rede ist? Wer spart legt etwas zurück, in der Politik geht es ums kürzen und nicht ums sparen.
Wetten, dass viele der Kürzungen während der WM durchgepeitscht werden und keiner bekommt es mit?