Neusprech: Kommunikation

ZG-Artikel: Neusprech HeutePädagogen, Politiker, Unternehmer, Philosophen, Psychologen, Medienmenschen, Vertriebsmitarbeiter sowie PR- und Marketing-Soldaten erzählen uns seit Jahrzehnten immer und immer wieder, wie wichtig Kommunikation sei. Sprechen, zuhören, schreiben, Körpersprache sowie der Austausch von Informationen: das seien die Grundlagen der Kommunikation. Den Gummibegriff verwenden eine ganze Armee an Coachern, Trainern und Beratern. Dabei besetzen sie ihn mit dutzenden Annahmen und Theorien. Weiterlesen

Neulich bei meiner Ärztin

ärztin_teaser»Trinken Sie? Rauchen Sie? Wie sieht Ihr Blutdruck aus? Moment, wir messen ihn gleich mal...ok, gut! Haben Sie Blutzucker? Allergien? Sonstige Beschwerden? Nein? Erkrankungen in der Familie? Gibt es Auffälligkeiten beim Wasser lassen oder beim Stuhlgang? Treiben Sie regelmäßig Sport? Ja? Gut! Okay, sie scheinen gesund zu sein! [...] Ach so, sind Sie bei den Impfungen auf dem aktuellen Stand?«

Ohne nun eine Diskussion von Impfgegnern vs. Impfbefürwortern loszutreten, so mutete die letzte Frage sehr verkaufsfördernd an. Weshalb brauche ich jetzt eine Impfung? Weiß die Ärztin etwa mehr als ich? Kommende Seuchen? Grippe-Epidemien? Ein einfaches »Nein, ich brauche keine Impfungen«, kippte dann auch sofort die gute Stimmung. Beim Hinausgehen fielen mir dann auch zum ersten Mal die vielen Impf-Plakate im Flur sowie die entsprechenden Info-Broschüren im Wartezimmer auf. :wtf:

DVB-T2

dvbt2_titelZum 29. März 2017 wurde DVB-T1 abgeschaltet. Mehr als 3 Millionen Haushalte in Deutschland empfingen ihr Fernsehprogramm über das DVB-T1 Signal im TV via eingebauten oder einen externen Receiver. Alle, die sich nicht rechtzeitig neue Hardware gekauft hatten, haben Ende März sprichwörtlich in die Röhre geguckt. Das Hauptargument der Industrie war dabei stets, dass eine Reduktion der bisherigen Übertragungsfrequenzen notwendig gewesen sei und dass die Zuschauer vermehrt nach HD-Inhalten nachgefragt hätten. Das es primär nur um Geschäfts- und Profitinteressen geht, haben die hundertfachen Advertorials, getarnten PR-Artikelchen und industriehörigen, vorauseilenden Redaktionsbeiträge in dutzenden Online-Massenmedien wie immer verschwiegen. Ein paar persönliche Erfahrungen aus der DVB-T2 ‑Servicewüste und ‑Konsumhölle. Weiterlesen

»Wollen Sie den Bon mitnehmen?«

  • bon_titel»Wollen Sie uns vorbehaltlos vertrauen?«
  • »Wollen Sie Ihre Abrechnung nicht überprüfen?«
  • »Wollen Sie auf Ihr Verbraucherrecht verzichten?«
  • »Wollen Sie uns helfen, Papierkosten zu sparen?«
  • »Wollen Sie einen schriftlichen Beweis für Ihren Kaufvertrag?«

»Haben Sie eine Datensammel Payback-Karte?«

Konsumtierchen

Vorkommen: weltweit, geschlechts- und generationsübergreifend. Besonders in Großstädten und Ballungsräumen. Aber auch im Internet häufig anzutreffen. Geschätzte Anzahl: vier Milliarden Exemplare.

Alter: 3–99. Tatsächlich werden diese Wesen nicht geboren, sondern gezüchtet.

Verhalten: hedonistisch, ich-bezogen, ungeduldig, schaut gerne Massenmedien, exhibitionistisch, kaufsüchtig, definiert sich selbst über sein/ihr Äußeres, neurotisch, chronisch unselbstbewusst, oberflächlich, materialistisch, gibt gerne heiße Luft von sich.

Fortpflanzung: nach Erreichen der Geschlechtsreife begeben sich Männchen und Weibchen in Zonen der Begegnungen: Partys, Soziale Netzwerke, Clubs, Schulen und so weiter. Erfüllt das Männchen vordefinierte Ideale und Wunschvorstellungen, dann gestattet das Weibchen die Annäherung. Bis es zur tatsächlichen Fortpflanzung kommt, vergehen jedoch noch Jahre des Werbungs- und Paarungsverhaltens, in denen massenhaft Alkohol, Medien und Menschen verbraucht werden.

Unterarten: Markentussi, Gelegenheitskäufer, Stammkunde, Fan-Boy, Shopping Queen, Bio-Besser-Esser, Konsumzombie, Luxus-Weibchen, Koma-Säufer und viele andere.

Neusprech: Marketing

»Unternehmen wollen schließlich kein passiver Spielball des Zufalls sein. Sie wollen aktiv Einfluss auf das Marktgeschehen nehmen und durch einen gezielten, wirkungsvollen Einsatz der Marketing-Instrumente die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.«

- Uwe Engler, Ellen Hautmann, »Grundwissen Marketing«, Cornelsen 2010, S. 9

Marketing bezeichnet die pseudowissenschaftliche Kunst und Möchtegern-Philosophie des Verkaufens. Demnach ist die ganze Welt ein Produkt und alle Menschen haben unendlich viele Bedürfnisse, die durch den Gott-Markt-Leviathan befriedigt werden sollen. Die Fähigkeit menschliche Bedürfnisse erst gezielt zu konstruieren, um dann genau diesen Bedarf mit einem Produkt zu befriedigen, das ist Marketing. Weiterlesen

Bitte Lächeln!

»Versuchen Sie, ein positiver, fröhlicher, heiterer Mensch zu sein. Seien sie optimistisch, und ermutigen Sie andere. Seien Sie fröhlich und locker. Legen Sie sich eine Ausstrahlung zu, von der andere sich angezogen fühlen. Egal, wie es in Ihrem Privatleben aussieht, lassen Sie es die Kunden nicht spüren.«

- Brian Tracy, Verkaufsstrategien für Gewinner, Seite 76

Lächeln gehört zum Geschäft. Lächeln ist Geschäft. Mit Lächeln macht man Profite, lockt Kunden an, gibt ihnen ein gutes Gefühl. Lächeln ist ein immanenter Bestandteil der Verkaufsstrategie, der Werbung. Eine Maßnahme, die Geld in die Taschen der Profitmacher spülen soll. Lächeln ist hier nicht nur künstlich, kalt und unehrlich, sondern verbirgt die Fratze des Kapitalismus: Egoismus, Gier und Profitdenken. Der zwischenmenschliche Mechanismus der Anziehung und Sympathie wird instrumentalisiert, zur Ware degradiert. Ob Versicherungsvertreter, Bankangestellte oder Kassierer – sie alle sollen ein »freundliches Auftreten« an den Tag legen und möglichst viel lächeln. Weiterlesen