Klassentreffen

Klassentreffen sind eine gute Gelegenheit, um zu erkennen, was den meisten Menschen wirklich wichtig ist, um andere einschätzen und beurteilen zu können. In der Regel hat man sich 10 oder 20 Jahre nicht mehr gesehen und meist nur einen Abend Zeit, um sich wieder neu kennen zu lernen bzw. um die Vergangenheit zu reflektieren und mit dem neu gewonnenen Bild zu verknüpfen. Von Interesse ist hierbei die Lohnarbeit, die Wohnung, der Beziehungsstatus (Kinder? Ehe? Wie lange zusammen?) und das Aussehen (dicker oder dünner geworden? Kleidungsstil?). Alle Themen sind mit einer streng materialistisch‐konsumistischen Lebenseinstellung besetzt.

Meine Versuche, Themen wie Philosophie, Kunst, Kultur, persönliches Glück, Leidenschaften, individuelle Neigungen, Medien oder Politik ins Feld zu führen, scheiterten. Entweder sie wurden ignoriert, abschätzig bewertet oder führten wieder zu den oben genannten Lebensbereichen. Es scheint, als sei das wirtschaftspolitische Vorhaben, die Bevölkerung ausschließlich zu Krämerseelen um zu erziehen, ein voller Erfolg.

Konsumtierchen

Vorkommen: weltweit, geschlechts‐ und generationsübergreifend. Besonders in Großstädten und Ballungsräumen. Aber auch im Internet häufig anzutreffen. Geschätzte Anzahl: vier Milliarden Exemplare.

Alter: 3–99. Tatsächlich werden diese Wesen nicht geboren, sondern gezüchtet.

Verhalten: hedonistisch, ich‐bezogen, ungeduldig, schaut gerne Massenmedien, exhibitionistisch, kaufsüchtig, definiert sich selbst über sein/ihr Äußeres, neurotisch, chronisch unselbstbewusst, oberflächlich, materialistisch, gibt gerne heiße Luft von sich.

Fortpflanzung: nach Erreichen der Geschlechtsreife begeben sich Männchen und Weibchen in Zonen der Begegnungen: Partys, Soziale Netzwerke, Clubs, Schulen und so weiter. Erfüllt das Männchen vordefinierte Ideale und Wunschvorstellungen, dann gestattet das Weibchen die Annäherung. Bis es zur tatsächlichen Fortpflanzung kommt, vergehen jedoch noch Jahre des Werbungs‐ und Paarungsverhaltens, in denen massenhaft Alkohol, Medien und Menschen verbraucht werden.

Unterarten: Markentussi, Gelegenheitskäufer, Stammkunde, Fan‐Boy, Shopping Queen, Bio‐Besser‐Esser, Konsumzombie, Luxus‐Weibchen, Koma‐Säufer und viele andere.

Neulich in meinem Briefkasten...

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ZG goes Börse

Ich hab die Schnauze voll von ehrenamtlicher Empörungsprosa, Nörgelrhetorik und Motzlyrik. Davon kann ich mir ja doch nichts kaufen! Mein Kühlschrank ist leer und mein Bankkonto steht im Dispo. Und da ich hier nicht anfangen werde, um Brotkrumen (flattr, Spenden etc.) zu betteln, wenn ich eine Torte haben kann, wird der ZG‐Blog ab sofort kostenpflichtig. Die Umsonst‐und‐Lese‐Mitnahme‐Mentalität hat hiermit fertig. Die Umbenennung zu »Geldgeist‐Blog« (GG‐Blog) folgt in Kürze. Weiterlesen

Wertlose Schöpfungen

Sibylle Berg greift in ihrer SPON‐Kolumne einen Gedanken auf, der mir auch schon seit langem durch den Kopf geht. Intellektuelle, Künstler, Philosophen und Musiker — kurz: schöpferische und kreative Menschen, die nicht marktkonform sind und handeln, werden heute weitestgehend ignoriert oder sogar verachtet. Nur wer seine Kunst, seine Gedanken und seine Weltliebe verwerten und verkaufen kann, wird respektiert. Alle anderen kulturschaffenden Denker, Künstler und Philosophen werden als überflüssiger Ballast gesehen: Spinner, Träumer und Idealisten, die es zu nichts gebracht haben. Intelligenz wird nur geachtet, wenn sie eine Marktintelligenz ist.

Warum ist intellektuell heute ein Schimpfwort? Weil keinen Wert mehr hat, was nicht verkauft. [...] Gesellschaftlich respektiert werden unterdes nur noch Menschen, die es zu was, sprich: zu Geld gebracht haben. [...] Intellektuelle sind heute Verlierer, weil sie kein Geld verdienen. Sie haben keine Label an ihrer Kleidung, sie feiern nicht in St. Moritz, sie sind ohne jede Bedeutung für unsere Gesellschaft, also lächerlich. [..] Was nicht verkauft, hat keinen Wert.

- Sibylle Berg in ihrer SPON‐Kolumne vom 31. Mai 2011

Kinder in Deutschland, Teil8: Weihnachtsmaterialismus

Weihnachten für Kinder wird maßlos überschätzt. Sicher ist es für viele Kinder eine sehr harmonische Familienzeit. Mit Weihnachtsbaum, Leckereien und harmonisches Beisammensein der Familie. Dennoch folgt gerade auch das christliche Weihnachtsfest dem kapitalistischen Markt‐ und Konsumprinzip. Es wird viele Weihnachtsgeschenke für Kinder geben, die Unternehmen und Konzerne natürlich nicht an Kinder verschenken, sondern kräftig daran verdienen. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) nennt das: Konsumklima zum Weihnachtsgeschäft. Kinder werden durch Weihnachten eben nicht nur durch Familienharmonie geprägt, sondern schon früh mit einer Gesellschaft, die auf Konsum und Materialismus aufbaut, vertraut gemacht. Weiterlesen

Status‐Denken

Mein Gott, wie mich das nervt! Die Frage nach Beruf und Abschluss sind fast immer die ersten Fragen, wenn man einen Menschen neu kennenlernt. Auf dem Arbeitsplatz, in der Kneipe, auf Partys, bei Freunden, in der Öffentlichkeit. Egal wo. Menschen werden abgecheckt, eingeordnet und dann kategorisiert. Abschließend folgt, in Kombination mit Aussehen und Kleidung, eine Erstbewertung. Hat man studiert, sein Diplom gemacht und verdient ganz gut, gibt es aufschauende Blicke und »Ohh‐Floskeln«. Ist man erwerbslos, darf  man sich schämen und gleich rechtfertigen, warum man denn keine Lohnarbeit habe. Mit viel Glück wird die Rechtfertigung angenommen werden. Meistens wird aber heimlich abschätzig über die Person gedacht werden: »hmmm...ein Arbeitsloser, ein fauler Sack, jemand ohne Geld und Ansehen«.

Wieso fällt es Menschen so schwer, den Menschen an sich zu sehen? Stattdessen wird immer und immer wieder der Sozialstatus abgefragt. Wenn Lohnarbeit den Menschen von sich selbst entfremdet, ist es absurd, nach genau der Lohnarbeit zu fragen, um einen Menschen einschätzen zu können. Menschen sind nicht ihre zum Zwang erhobene Lohnarbeit, sondern ihre Bedürfnisse, ihre Leidenschaften, ihre Neigungen,  ihre Stärken und Schwächen, ihre Ängste und ihre Wünsche. Das machen Charakter und Persönlichkeit aus.