Neusprech: Marketing

»Unternehmen wollen schließlich kein passiver Spielball des Zufalls sein. Sie wollen aktiv Einfluss auf das Marktgeschehen nehmen und durch einen gezielten, wirkungsvollen Einsatz der Marketing‐Instrumente die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.«

- Uwe Engler, Ellen Hautmann, »Grundwissen Marketing«, Cornelsen 2010, S. 9

Marketing bezeichnet die pseudowissenschaftliche Kunst und Möchtegern‐Philosophie des Verkaufens. Demnach ist die ganze Welt ein Produkt und alle Menschen haben unendlich viele Bedürfnisse, die durch den Gott‐Markt‐Leviathan befriedigt werden sollen. Die Fähigkeit menschliche Bedürfnisse erst gezielt zu konstruieren, um dann genau diesen Bedarf mit einem Produkt zu befriedigen, das ist Marketing.

Die selbst ernannte sog. »Kreativ‐Wirtschaft« besitzt Hunderte Ausprägungen, Konzepte und Merkmale: Beschaffungsmarketing, Finanzmarketing, Vertriebsmarketing, Eventmarketing, Dienstleistungsmarketing, Absatzmarketing, Servicemarketing, Personalmarketing usw. Marketing stellt immer die Frage nach der Zielgruppe, der Region, der Ziele sowie der Kunden‐ und Markenbindung. Alles was dazu führt, ein Produkt, eine Idee oder eine Dienstleistung erfolgreich verkaufen zu können, gilt demnach als Bestandteil des Marketings. Hierzu zählen unter anderem Werbung (TV, Radio, Print), Flyer, Prospekte, Plakate, Web‐Auftritte, Kampagnen, Newsletter, Events, Befragungen, Krisen‐PR, Pressemitteilungen, corporate Design und corporate behaviour und vieles mehr.

Marketing gilt als sog. »Unternehmenskommunikation«, welche die Kaufentscheidung von potentiellen Konsumenten beeinflussen soll. Der Kampf um die Aufmerksamkeit der selektierten Zielgruppe wird mit allen Mitteln geführt. Marketing‐Konzepte gleichen der militärischen Sprache, da werden Räume erobert, Gebiete besetzt, operative und taktische Ziele vereinbart sowie geplant und kontrolliert. Marketing‐, PR‐ und Werbeagenturen tauchen die Welt in ein absurd verlogenes Ja‐Sager‐Licht. Kritik kommt nicht vor, alles ist toll, gut und einmalig – geht los, kauft es und werdet glücklich!

Unter den gegebenen Verhältnissen werden die Glücksgüter selbst zu Elementen des Unglücks.

- Max Horkheimer/Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung, Fischer 2010. S. 5

Die Begriffe Management und Marketing verdeutlichen einmal mehr, wie stark unsere täglichen Lebenswelten ökonomisch gefärbt sind. Die Werbe‐ und Marketingbranche ist eine Welt voller Marktjünger, welche die Realität im Auftrag von Unternehmen zurechtbiegen sollen. Wahr und erlaubt ist das, was Profit bringt. Denn Marketing ist in der Regel Blendung, Täuschung, Propaganda, Lüge, Illusion, Verführung, Schwindel, Verzerrung und Manipulation.

Dauerhaftes Glück, Zufriedenheit und innere Ruhe erlangt man jedoch nicht durch Haben‐Wollen oder irgendein Konsumprodukt, sondern nur durch die eigene, innere Stimme, ehrliche Selbstreflexion sowie durch kreatives und schöpferisches Tätigsein im So‐Sein‐Augenblick.

21 Gedanken zu “Neusprech: Marketing

  1. Deine Artikel werden immer oberflächlicher.

    Du benennst die Dinge zwar, führst aber selten die Ursachen der Zustände an und ergießt deine Abneigung in einem Aufzählen von verschiedenen Wirkungen der kapitalistischen Produktionsweise.

    Wenn du wirklich die »ökonomisch gefärbten Lebenswelten« kritisieren möchtest, dann ist ein einlesen der — Stichwort — Wertkritik unerlässlich.

    Denn deine »Kritik« ist im eigentlichen Sinn keine Kritik, dieser Artikel ist einmal wieder der Beweis, dass die Ursachen dieser »Zustände« — die du richtig beschreibst — vollkommen ausgeblendet werden, und warum??????

    »Erst wenn Kritik die Grenzen des eloquent‐larmoyanten Gejammers, in denen sie sich üblicherweise bewegt, überschreitet und sich in einem veränderten Sein niederschlägt – also darin, dass jemand die kritisierten Verhältnisse tatsächlich verlässt, boykottiert oder anderswie aktiv in einer Form unterläuft, die ihn zumindest in Teilaspekten aus dem System herauskatapultiert – somit also erst, wenn Kritik die Ebene der Reflexion verlässt und zur systemunterlaufenden Tat übergeht, bedroht sie die Strukturen der Macht tatsächlich und wird dann in der Regel ja auch entsprechend sanktioniert. «

    Streifzüge 552012, Erich Ribolits

    LG

  2. @MrOmaha

    Was sind denn Deiner Meinung nach die Ursachen der »Zustände«? Was genau hast Du denn in diesem meinem Neusprech‐Artikel erwartet, wenn Du ihn zu oberflächlich findest? Was genau meinst Du mit »einlesen der — Stichwort — Wertkritik«?

  3. Ich bitte dich, als ob du mit dem Begriff Wertkritik nichts anfangen könntest.

    Mir ist nur aufgefallen, dass du es in den meisten Artikeln — die sich sehr gut lesen lassen — nur die Wirkung der »Zustände« (ökonomische Durchdringung alles Lebensporen durch Marktdenken) benennst und sie als Gottgegeben hinstellst. Aus genau diesem Grund — so kommt es mir vor — solle sich daran deine »Kritik« legitimieren, was das ganze nur noch lächerlicher macht ohne die URSACHEN zu benennen.

    Auf deine Frage, hinsichtlich der Ursachen der von dir genannten »Zustände«. Wenn du das mich fragst, dann solltest du das Blog gleich zusperren, denn du gehst ansatzweise in die richtige Richtung.

    Aber ich bitte dich, all deine vordergründig genannten, ursächlichen Beschreibungsversuche auf die Wirkung der ökonomischen Lebensverhältnisse hin zu steuern scheitern kläglich, niemand kann sich der kapitalistischen Logik (dem Kapitalverhältnis) entziehen.

    LG

  4. Eine unberechtigte Kritik übt Obama. Der Direktsatz zu einer Ursache, wir belassen es mal beim Wort ›einer‹ und meiden aus didaktischen Gründen das Wort ›die‹, und das daraufhin folgende Festklammern an dieser, das im Zustand des Festklammerns gleichzeitige Drehen des Reflexionsfeldes des Denkens zurück auf seine Herkunft, das Ansetzen eines denkersichen Fernglases und das daran anschließende Lamentieren ob der Zurückgebliebenheit der Jammerer und bloßen Zustandsbeschreiber ist de facto ein Beispiel für die Unterseite oder hintere Medaillenseite der herrschenden Existenzlogik: Es offenbart sich das Motiv der Leistungspotenz, der potente Kritiker, gewissermaßen der leistungsstärkte Manager der Kritik, ein Leistungsträger, der andere niederkonkurriert und Richtigkeitsmonopole beansprucht wie der Bankchef ein finanzielles auf dem Geldmarkt beansprucht. Er meint schon an die Wurzel hinabgestiegen zu sein, während der andere noch auf den Blättern oben herumrätselt, woher sie wohl herkommen mögen. Bravo, du bist auch ein Gewinner. Hierin bist du ein Leistungsträger. Der Kritiker Obama folgt darin, betrachtet man es von einer anderen Seite her, der idealistischen Philosophie. Man staune, als vermutlicher Materialist. Denn dieser hat wie Platon, der erste Idealist, zwar erwähnt, dass es zu tun wäre, aber vergessen, in die Welt zurück zu kehren. So bleibt er bei seinen mentalen Monstern und spöttelt und vergißt auf ihre Unpraktischheit und natürlich auf seine eigene Unfähigkeit. Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie, sagte mal einer. Nun, mein lieber Obama, die Theorie der Wertkritik hat sich weltgeschichtlich als unpraktisch erwiesen. Das ist aber nicht das Problem. Die Haltung des Obama entbehrt jeder Reflexion auf eine Prozesslogik des Existierens. Der stümperhafteste Ansatz, den dieser Ansatz zu Tage gebracht hat, war der Geschichtsautomatismus. Daran nagten ja ganze Intellektuellengenerationen. Und manche haben die Knochen wohl vergraben, diese Pseudomarxisten, von denen meistens abzüglich ihrer narzistisch‐aggessiven Anteile ohnehin nur mehr das ›Pseudo‹ de facto übrig bleibt und das ›marxisten‹ wohl schamvoll verdrängt wird im Yuppiedasein oder als Universitätsprofessor, ausgestattet mit hohen Volumina diverser Kapitalsorten, wie z.B. Herr Ribolits.
    Um es klarer zu sagen: Man kann nicht hergehen und mit Verweis auf eine eingebildete Ursache, den mehr als Einbildung ist bis auf weiteres überhaupt kaum etwas, eine kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart abklären. Das ist im Letzten selbst unkritisch und reproduziert das Bestehende, weil darin mehr zum Vollzug kommt, was der Gegenwart entspringt, ihre operativen Schemata nämlich, als das ihr zuwiderläuft. Darin entgehst du der kapitalistischen Logik noch viel weniger.
    Kurzum, ich sehe nicht ein, warum man einen Aspekt der Gegenwart, der sich wunderbar eignet als ein Bestandteil eines Weges zur Wertkritik oder überhaupt als Bauteil derselben, warum man dies abtun muß, so, als könnte man sich das sparen und man sich besser gleich in Klammerstellung begibt. Jeder Mensch muss den Weg der Lösung vom Bestehenden selbst gehen können und dies braucht Zeit und sehr, sehr viel Zeit, denn in allen Nuancen des Lebens finden sich Sedimente. Man muß an sich arbeiten dürfen und die erste Arbeit, die zu tun es gilt, ist den Obercheckern zu misstrauen, seien sie nun Kapitalisten oder Sowjets. Von den Schnellcheckern an den Rockzipfeln der Oberursachen haben wir genug. Die Wertkritik ist aber bis auf weiteres durch aus interessant, besonders inklusive ihrer feministischen Erweiterung.

  5. auf was ich eigentlich hinweisen wollte ist Erich Fromms Sozialcharakter des Marketingscharakters, eines Charakters, der das Marketing internalisiert hat und danach lebt. Gewissermaßen die Subjektperspektive.

  6. @flavo

    Ich heiße nicht Obama, sondern Omaha. Obama würde ich mich doch nie nennen ;)

    Anscheinend hast du meinen Kritikansatz nicht so ganz verstanden. Und deine Wortwahl hinsichtlich der Wertkritik ist schon sehr entlarvend, um nicht zu sagen, ahnungslos. (Kurz‹ Schrift »Subjektlose Herrschaft« sei dir als Einleitung zu empfehlen, um zu wissen, wovon ich überhaupt spreche..pdf gibts sicherlich irgendwo)

    Dass was epikur hier schreibt ist nichts anderes als ein kritisieren von Nuancen IM System, anstatt das komplette System selbst zu hinterfragen.

    Wie ich bereits geschrieben habe, niemand kann sich der widersprüchlichen, kapitalistischen Logik enziehen, gerade das macht — gefangen in der »Systemkritik« — deine, als auch epikurs Argumentationsweise anfällig für ein Höchstmaß an Doppelmoral... und das lieber flavo, hast du mit deinem Post mit Bravur gezeigt.

  7. »Um es klarer zu sagen: Man kann nicht hergehen und mit Verweis auf eine eingebildete Ursache, den mehr als Einbildung ist bis auf weiteres überhaupt kaum etwas, eine kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart abklären. Das ist im Letzten selbst unkritisch und reproduziert das Bestehende, weil darin mehr zum Vollzug kommt, was der Gegenwart entspringt, ihre operativen Schemata nämlich, als das ihr zuwiderläuft. Darin entgehst du der kapitalistischen Logik noch viel weniger.«

    Soso, eingebildete Ursache.

    Ich möchte auch nicht »eine kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart abklären«. Aber es ist durchaus interessant, dass du das schreibst und damit im selben Atemzug die ursächliche Gegenwart verklärst.

    Du kritisierst, dass es so ist -das ach so schlimme kapital. System — aber hast — wie so viele Trivialökonomen — schlicht und ergreifend keine Ahnung WARUM dies überhaupt so ist.

  8. Öhmm ... @MrOmaha. Aufklärung, — fängt nicht oben an, sondern unten. (Schon mal den Begriff Intelligenzfaschismus gehört ?) Deine Kritik liest sich folgendermaßen. Zwei Kinder im Kindergarten verprügeln jemand anderen, weil die meinen, — der ist doof. Jetzt kommt die Kindergärtnerin an, und sagt »doof« ist ein blödes Wort, und eine Beleidigung. Und Gewalt ist noch schlechter. Kommt schon mal gar nicht in Frage. Jetzt kommt Mr. Klugscheisser (damit meine ich selbstverständlich nicht dich), hinzu, und meint, — Fräulein Kindergärtnerin, — ihre Kritik ist ausgeprochen oberflächlich. Sie benennen die Dinge zwar, aber gehen nicht an ihre Ursachen. Lesen sie doch bitte mal xxxxx.

  9. »Werbeagenturen tauchen die Welt in ein absurd verlogenes Ja‐Sager‐Licht. «
    Seit den 90ern halten sich erhebliche Teile dieser Branche für sowas wie Halbgötter , und auffällig , daß in es in weiten Teilen der politischen Linken eine völlige Kritiklosigkeit gibt gegenüber diesem Bereich .

    Das gilt als kreativer Job , daß es sich um eine der kapitalistischen Schaltzentralen handelt , wird schnell vergessen , wenn die Chance winkt , vielleicht dazu gehören zu können.

  10. @MrOmaha
    Du kannst mir gerne Buchempfehlungen geben oder mal einen Gastbeitrag schreiben, wenn Du meinst, den Stein der Weisen gefunden zu haben. Außerdem gibt es nicht »die« Erklärung der Zustände, sondern viele.

    @ArtVanderley
    Danke. Genau darauf wollte ich hinaus: er gilt als kreativer Job. Innerhalb der Linken wird diese Branche kaum kritisiert. Dabei würden Unternehmen ohne Marketing nicht lange überleben. Sie ist der Kern jeder Verkaufsstrategie.

  11. Für MrOmannomann kurz zusammengefasst: »Marketing bezeichnet die pseudowissenschaftliche Kunst und Möchtegern‐Philosophie des Verkaufens.«

    Mehr muss man über diese »Experten« und ihren gequirlten Quark gar nicht wissen.

    Das ist der Punkt.

  12. Auch ein Artikel oder Verweis über die Ineffektivität des Marketings wäre angebracht.
    Ineffektiv sowohl im Hinblick auf Ressourcen als auch auf die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse. Mir ist vor einiger Zeit nämlich aufgefallen, dass Marketing komplett Inaktzeptabel ist, da es die Menschen tendenziell eher unglücklich macht und dabei noch Ressourcen und kognitive Kapazitäten verschlingt.
    Nicht nur die kognitiven Kapazitäten der Marketingbediensteten, sondern auch der gesamten Bevölkerung.
    Ich werde mich mal nach einem solchen Artikel umsehen. Vielleicht werde ich hier schon fündig :)

  13. @ paul a
    ineffektiv vs »inaktzeptabel ist, da es die Menschen tendenziell eher unglücklich macht«
    Marketing ist effektiv, *weil* es die Leute erfolgreich unglücklich macht.

  14. @paul.a und unschland

    Ganz genau! Mit glücklichen und zufriedenen Menschen kann man schlechter Geschäfte machen. Wie soll man angstfreien Menschen Alarmanlagen, Versicherungen, Vorräte usw. verkaufen? Wie verkauft man Menschen, die mit sich im Reinen sind, Kosmetik und Schönheitsprodukte? Wie soll man jemandem überhaupt irgendetwas verkaufen, der sagt, er sei bescheiden und brauche nichts mehr?

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