Game of Thrones

Ja, ich schaue die Serie auch. Und ja, sie hat deutlich nachgelassen. Nun ist sie endgültig im Hollywood-Mainstream-Popcorn-Kino angekommen. Die Serie ist aber auch ein guter Beweis dafür, wie unsere bürgerlichen Massenmedien gleichgeschaltet sind, jeden Hype mit machen bzw. befeuern und primär vom SEO gesteuert werden. Hinzu kommt das systematische Abschreiben von reuters, dpa und anderen Agenturen. Hauptsache, es werden entsprechende Keywords in der Adresszeile, im Titel und im Artikel platziert. Ob sie inhaltlich irgendetwas interessantes beizusteuern haben oder ob nicht auch weniger populäre Serien eine Erwähnung wert wären, spielt indessen weniger eine Rolle. Der Klick zählt. Deshalb ohne Link:

  • taz.de: »Ende siebte Staffel Game of Thrones: Zottelige All-Star-Combo in Flokati«
  • zeit.de: »Game of Thrones: Zum Leben verdammt«
  • spiegel.de/bento.de: »Was im großen Finale der 7. Staffel passiert«
  • nzz.ch: »Sieben Fakten zur siebten Staffel«
  • sueddeutsche.de/jetzt.de: »Das GoT-Staffelfinale ist wie die Trennung von einem geliebten Menschen«
  • n‑tv.de: »Letzte Staffel verzögert sich: Game of Thrones-Fans müssen stark sein«
  • tagesschau.de: »Game of Thrones-Drehbuch gestohlen«
  • morgenpost.de: »Müssen Game of Thrones-Fans bis 2019 aufs Finale warten?«
  • stern.de: »Game of Thrones-Finale: Das Ende einer Ära«
  • bild.de: »Die letzten Geheimnisse von Game of Thrones«
  • tagesspiegel.de: »Staffelfinale von Game of Thrones: Schnelle Flotte für Cersei Lennister«

Identitätsproduktion

change_titelIch habe das nie verstanden. Da geht Mann oder Frau zum Frisör, kauft sich neue Klamotten und/oder macht eine erfolgreiche Diät und sofort reden alle davon, dass er oder sie sich verändert habe. Eine riesige Medien- und Schönheitsindustrie produziert und profitiert von diesem Narrativ. Natürlich ist das Aussehen Teil der individuellen Identität. Aber eben nur ein Teil. Wer sich seiner selbst bewusst sein, also selbstbewusst werden will, erreicht das eben nicht mit dem Konsum von gleichgeschalteter Marken-Identitätsproduktion. Persönlichkeit und Charakter verkommen hier zu kollektiven Konsum-Worthülsen, da sie jeder überall kaufen kann.

Selbstinszenierung, Selbstoptimierung und Selbstentfremdung sind die modernen Werte der digitalen Unfreiheit. Authentische Veränderung hingegen, kommt aus sich selbst heraus. Sie ist Sein und nicht Haben. Sie ist das Ergebnis von persönlichen Erfahrungen und Erkenntnissen. Sie kann nur entstehen, wenn man mit Neugier, Empathie und Selbstreflektion durch das Leben geht. Eigenschaften, die vielen Facebook-Selbstinszenierer-Narzissten völlig fremd sind.

Presseblick (65)

dernewsticker.de vom 15. Juli 2017

dernewsticker.de vom 15. Juli 2017

Junge Welt vom 10. August 2017

Junge Welt vom 10. August 2017

Nach der G20-Kampagne, dem Erstarken der AfD sowie einen weit um sich greifenden Flüchtlingshass, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, rund 180 Todesopfer seit 1990 durch rechte Gewalt, den »national befreiten Zonen« in den neuen Bundesländern, der Pegida-Bewegung, mehr als 1.000 Angriffe auf Flüchtlingsheime im Jahr 2016 sowie den (immer noch nicht aufgeklärten!) NSU-Morden und den sechs »zufälligen« toten Zeugen — kommt die eigentliche Gefahr von links! Und zwar nur von links! :bulle:  Weiterlesen →

»Du hast das Falsche studiert!«

studi_titelDiesen Satz bekommen Geisteswissenschaftler, aber auch alle Anderen, die erfolgreich ihr Studium abgeschlossen, aber noch keine Erwerbsarbeit gefunden haben, immer wieder zu hören. Nur wer entscheidet eigentlich, was das »richtige Fach« ist (MINT!?), was man angeblich hätte studieren müssen, um schneller oder eine bessere Lohnarbeit zu finden? Unternehmen, der ominöse Markt, die Politik, die Medien oder die Familie? Alle Anderen wissen es scheinbar regelmäßig nicht nur besser, sondern wollen auch festlegen, was einen zu interessieren hat, ja was man beruflich hätte machen müssen.

»Doch genau das ist das Problem vieler Geisteswissenschaftler. Sie haben für alles studiert, nur nicht für den Markt.«

welt.de vom 15. Mai 2015

Nur wie kann es eine »falsche Wahl« gewesen sein, wenn man es gerne gemacht hat? Wenn man mit Leidenschaft, Interesse und Neugier dabei war? Wie können Tätigkeiten, die einen erfüllen und gleichzeitig niemanden verletzen, falsch sein? Soll etwa der ökonomische (Selbst-)Verwertungszwang  immer und überall das oberste Kriterium sein? Sollen etwa alle Werte ‑bis auf den Tauschwert- wertlos seien? Spätestens beim Titelzitat entblößen sich die Phrasen von der »Selbstbestimmung«, der »Eigenverantwortung« und des »Sei Deines Glückes Schmied« — als pure Unterwerfungsdogmen an die herrschenden Gegebenheiten. Wie soll man bitte glücklich werden, wenn man stets nur das sagt und macht, was andere  von einen erwarten? :wtf:

Reichtumsgerechtigkeit

»Die in Leistungsgesellschaften durch die unterschiedlichen Talente und Fähigkeiten der Menschen erzeugte soziale Ungleichheit lässt sich langfristig nur durch eine hinreichende Fairness des Wettbewerbs rechtfertigen, vor allem durch die Gleichheit der Ausgangschancen.«

Berthold Franke. »Aus Angst wird Wut wird Hass«. Blätter. Ausgabe Juni 2017. S. 97

Anmerkung: Bei solchen Sätzen frage ich mich ernsthaft, auf welchem Planeten, in wechem Elfenbeinturm und in welcher Filter-Bubble die Herren Akademiker eigentlich leben!? Ist es (leistungs-)gerecht, dass 62 Supereiche soviel besitzen, wie die Hälfte der Weltbevölkerung? Wo, außer in der Theorie, gibt es denn überhaupt einen »fairen Wettbewerb«? Wie kann es jemals »gleiche Ausgangschancen« geben, wenn weltweit Millionen Kinder in bitterer Armut aufwachsen, während sich die Reichen in ihren »Gated Communities« verschanzen? Wie kann Bildung überhaupt die Lösung für alles sein, wenn neofeudale Strukturen vorherrschen? Wo ist die Eigentums- und Verteilungsfrage? :nene:

»Zensur!«

zensur_titelNach mehr als 10.000 (nicht moderierten!) sehr vielen, sehr tollen Kommentaren, rund 9 Jahren ZG Blog und mehr als 1.700 veröffentlichten Beiträgen, wirft man mir nun vor, ich  würde »Zensur« betreiben, ich würde die hochintellektuellen Beiträge eines Kommentatoren nicht verstehen, sei für die »Revolution« nicht bereit und könne keine Kritik vertragen. Dabei gab es Dutzende, ja Hunderte sehr interessante, oft auch heftige Diskussionen im Kommentarbereich. Und das nicht nur hier, sondern auch auf Feynsinn, dem Narrenschiff oder anderen Blogs. Nie (mit einer Ausnahme: eine gewisse Hardcore-Feministin, die nur am pöbeln und beleidigen war) habe ich auf dem ZG Blog Kommentare gelöscht oder zur Moderation umgeschaltet. Weiterlesen →

Der pädagogische Happen (16)

_happen_

Chef: »Frau Schulz, leider müssen wir uns von Ihnen trennen. Wir haben uns die Zusammenarbeit mit Ihnen etwas anders vorgestellt. Wir wünschen Ihnen für Ihre berufliche Zukunft alles Gute!«

Mutter: (Verkäuferin wird in der Probezeit ohne Angabe von Gründen gekündigt.) »Feuern Sie mich jetzt, weil mein vierjähriger Sohn so oft krank war und ich leider keine andere Betreuungsmöglichkeit hatte? Schließlich bin ich jetzt gerade erst seit Zwei Tagen wieder auf der Arbeit?«

Chef: »Nein, die Entscheidung ist schon lange davor gefallen.«

Mutter: »Sie haben mich doch selbst gerade vor drei Wochen ausgiebig für meine Leistungen gelobt! Und auch von meinen Kollegen höre ich nur Gutes! An meiner Arbeit kann es doch dann nicht liegen?«

Chef: »Sie passen einfach nicht zu uns, Frau Schulz! Eine weitere Begründung werde ich nicht abgeben!«

(Bisherige Folgen)

Kriegsfolgen

Über Kriegsfolgen wird so gut wie nie berichtet. Besonders die Uran-Munition der NATO-Streitkräfte verseucht und kontaminiert ganze Landstriche (aktuell: in Syrien und Jemen). Freilich lesen wir davon nichts in unserer NATO-Presse. Frieder Wagner, der im Jahr 2007 bereits »Todesstaub« veröffentlicht hat, wird von unserer Systempresse weiterhin gemieden und bekommt keine Aufträge mehr. Vielleicht hätte er mehr Dokus über US-Flugzeugträger machen sollen? :jaja:

Wohlfühlthemen

Quelle: pixabay.com

Sport: heute kaum noch Selbstzweck oder Spaß, sondern Selbstoptimierung und Selbstinszenierung. (Bildquelle: pixabay.com)

Zwangsoptimismus, Weltverleugnung und Fassadenharmonie sind nicht nur die Leitmotive kleinbürgerlicher Biedermeier-Besitzstandswahrer, sondern auch effektive Herrschaftsinstrumente. Das Ausblenden von Reizthemen, wie beispielsweise die Flüchtlingskrise, neofeudalen Arbeitsbedingungen, Banken-und-Konzern-Skandale, Sozialabbau und Massenarmut oder Überwachungs- und Zensurgesetze wird nicht nur von vielen Menschen im Alltag subtil gefordert, sondern auch sozial kultiviert. Wer es dennoch wagen sollte, die mentale Bequemlichkeitszone zu überschreiten, muss mit sozialer Isolierung und/oder Stigmatisierung rechnen: Querulant. Störenfried. Pessimist. Schwarzseher. Klugscheißer. Lieber unterhält man sich ausgiebig über folgende Themen: Weiterlesen →

Eure Armut kotzt mich an!

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»Ein hoher Prozentsatz von Privatwohnungen ist selten oder gar nicht bewohnt, während viele Leute, die auf der Warteliste für eine Sozialwohnung stehen, aus ihrem Stadtteil oder gleich ganz aus der Stadt wegziehen müssen.«

Rowland Atkinson. »Die toten Häuser von London«. Le Monde Diplomatique. Ausgabe Juli 2017. S. 8

Anmerkung: So ist das. Geld und Kapital regieren die Welt. Aber nein, wer so etwas sagt, ist polemisch, populistisch und vereinfacht die herrschenden Verhältnisse. Immer wieder, lese ich ‑insbesondere von vermeintlich linken Akademikern und Wissenschaftlern- dass ja alles immer und überall wahnsinnig kompliziert, diffus und abstrakt sei. Damit verschleiern und relativieren sie sehr häufig, wenn womöglich auch unbewusst, reale Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Denn anstatt den Reichen, Milliardären, Konzernen, Banken, Oligarchen und Mafias auf die Finger zu schauen, wird sich lieber mit Inklusion, Gender und anderen Nebenkriegsschauplätzen beschäftigt.