Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn (Teil 4)

[Im Büro vom Chef]

Chef: (telefoniert, mit übertrieben freundlicher Stimme, fast unterwürfig) Hallo, Herr Zander. Ich grüße Sie! Ich rufe Sie wegen der vertraglichen Vereinbarung an, die Sie mit uns getroffen haben und wollte nun nachfragen, ob...(wird unterbrochen) Ja, ich bin da ganz bei Ihnen, Herr Zander. Dennoch...(wird wieder unterbrochen) Vielleicht finden wir hier eine Lösung, die allen Beteiligten gerecht wird? Ja gerne, ich rufe Sie in einer halben Stunde noch einmal an (legt auf).

Frau Hein: (betritt den Raum) Entschuldigen Sie die Störung, Herr Schabanowski. Ich wollte noch einmal nachfragen, ob ich für kommenden Freitag einen Urlaubstag nehmen könnte? Der Kindergarten meines Sohnes hat da geschlossen. Weiterlesen →

Neusprech: Schlupflückenlöcher

»Große Koalition entdeckt Haushaltsloch von 4 Milliarden Euro.«

- deutsche-wirtschafts-nachrichten.de vom 29. August 2014

ZG-Artikel: Neusprech HeuteÜberall lauern sie: die Gesetzes‑, Steuer‑, Gehalts‑, Haushalts‑, Bildungs‑, Renten- und Gerechtigkeitslücken. Die Löcher, Spalten und Ritzen, für die es angeblich keine Fugenmassen gibt. Nichts und niemand kann sie verhindern oder aufhalten. Sie tauchen immer wieder unvermutet auf, verursachen einen derben Kontrollverlust der vermeintlichen Entscheidungsträger und zwingen sie ungewollt zur Sachzwang-Politik. So die gängige Legende. Weiterlesen →

Jobcenter Willkür

Andreas von Duckhome hat mich auf die interessante Video-Sammlung der Dresdner Sozialwacht aufmerksam gemacht. Diese zeigen deutlich, wie menschenunwürdig die Jobcenter mit ihren »Kunden« umgehen. Jede Willkür, Schikane und Drangsalierung ist erlaubt. Hartz4 soll Angst machen und diejenigen, die noch Lohnarbeit haben, eine deutliche Warnung sein. Hier ein Beispiel (von vielen!):

Filmtipp: Die Jagd

jagdEin männlicher Erzieher in einem Kindergarten. Die Kinder mögen Lukas. Die ca. 6 Jahre junge Tochter seines besten Freundes, ist auch in der Einrichtung. Beim Toben gibt sie ihm auf einmal einen Kuss auf den Mund. Und wenig später will sie ihm ein aus Bügelperlen gebasteltes Herz schenken. Lukas, der einzige männliche Erzieher in der Kita, sagt ihr, dass sie nur ihren Eltern einen Kuss auf den Mund geben und das Herz einem Jungen in ihrem Alter schenken solle. Sie fühlt sich abgelehnt und erzählt der Kita-Leitung, Lukas habe ihr seinen Penis gezeigt. Selbst als sie später zugibt, sie habe nur Quatsch erzählt, glauben ihr die Erwachsenen nicht. Die Hetzjagd beginnt. Weiterlesen →

Ohne Antwort

Am 1. November 2014 schrieb ich der »Blätter«-Redaktion folgende E‑Mail:

Liebe »Blätter« — Redaktion,

ich bin ein langjähriger Leser eures Magazins und habe es immer sehr geschätzt. Leider habt Ihr in Ausgabe 10/2014 Jürgen Trittin ein Forum geboten (mit Ankündigung auf dem Cover), was ich beim besten Willen nicht verstehen kann. Ihr bezeichnet euch in eurem Selbstverständnis als »unabhängig von Konzernen, Parteien, Verbänden und Kirchen« und bietet dann einem prominenten GRÜNEN-Politiker eine Plattform, der im Beitrag »Die Koalition der Transformation und was ihr im Wege steht« über mögliche Koalitionsmöglichkeiten schwadroniert? Als wenn die Politik in Deutschland, im Angesicht von Banken- und Konzernmacht, überhaupt noch etwas entscheiden könnte.

Den GRÜNEN, welche die Agenda 2010 in weiten Teilen bis heute befürworten? Den GRÜNEN, die den Überwachungsstaat mit gefördert haben (Stichwort: Otto-Katalog)? Den pazifistischen GRÜNEN die weltweite Kriege führen (Kosovo, Afghanistan)? Den GRÜNEN die gegen »Ausländern« Politik beziehen (Kretschmann im Bundesrat) — und nun Umweltaktivisten anzeigen (NRW/Kohleprotest)? Denen bietet Ihr die Möglichkeit in den »Blättern« einen Text zu veröffentlichen?

Ich dachte, Ihr seid eine (linkspolitische) Insel im Meer des Mainstreams? Gibt es demnächst einen Artikel von Gerhard Schröder, der die Hartz-Gesetze verteidigt? Oder von Wolfgang Clement, der die wichtige Funktion von FDP und Leiharbeit kommentiert? Sind euch prominente Namen so wichtig?

bestmögliche Grüße
Markus

Bisher gibt es hierzu keine Antwort.

Der Anschlag (12)

anschlagDer Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK), haben in einer gemeinsamen Pressemitteilung die Ausbildungsunfähigkeit der deutschen Jugend beklagt. Sie würden mit 16 Jahren noch keine 10 Jahre Berufserfahrung vorweisen können, keine fünf Fremdsprachen sprechen, keine mehrjährigen Auslandsaufenthalte absolviert und keine marktrelevanten Fortbildungen besucht haben. Außerdem würden sie keine Bereitschaft zeigen, für einen Hungerlohn zu arbeiten. Sie fordern die Politik auf, zu handeln.

In Geflügel Salami und Nürnberger Rostbratwürstchen sind Spuren von Menschenfleisch entdeckt worden. Der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Christian Schmidt (CSU), könne sich das nicht erklären, da Deutschland bei der Einhaltung von Qualitätsnormen international »vergleichsweise sehr strenge Regeln« habe, so der Politiker.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) kommt nach einer internen Studie zu dem Schluss, dass die Abdeckung von Einkaufszentren in Deutschland ungenügend sei. Für eine bedarfsorientierte Vollversorgung, sollten die Bundesbürger im Umkreis von 50 Metern mindestens ein Shopping Center aufsuchen können. Nur so könne das Wirtschaftswachstum und der Standort Deutschland weiter gewährleistet werden.

Eine ganz normale Bahnfahrt

bahn_titelIch steige ein, blicke mich um und suche einen freien Sitzplatz. Neben den Dummlaber-Proleten oder den Ich-bin-so-schön-und-wichtig-Tussis? Nein danke. Ah, da hinten ist noch ein Platz frei. Neben der Frau im mittleren Alter, die ein Buch liest. Ein seltener Anblick heutzutage. Menschen, die in der Bahn ein Buch lesen. Hingepflanzt. Ich schaue mich kurz um. Alle sehen weg. Dutzende portionierte Menschen auf engstem Raum, die unentwegt darum bemüht sind, den Blicken ihrer Mitmenschen auszuweichen. Stattdessen vergraben sie sich in ihren smartphones. Eingestöpselt, abgeschirmt und isoliert, versinken sie in der All-Inclusive-Berieselung. Lassen sich rundum verblödspaßen. Spielen Beziehungssimulator. Streicheln ihr Tamagotchi. Wovor haben sie Angst? Vor der Stille? Den eigenen Gedanken? Ihren Mitmenschen? Vor Nähe? Weiterlesen →

Presseblick (32)

Volker Looman jammert auf faz.net über »Klamme Mittelschicht: Kinder sind die schönste Geldanlage.« Der Artikel ejakuliert bis ins Detail sämtliche Kosten, die eine Familie mit Kind verursacht: Haushalt, Miete, Kleidung, Lebensmittel, Freizeit Kommunikation, Bildung und so weiter. Hier zeigt sich die erbärmliche, kleinbürgerliche und rein monetäre Kosten-Nutzen-Rechnung: Familie ist Geld, Geld ist Familie. Glück, Liebe, Harmonie und zwischenmenschliche Nähe als Familien-Faktoren spielen hier keine Rolle. Willkommen bei der neoliberalen, kleinbürgerlichen Spießer-Familie :sick:. Weiterlesen →

Gemietete Blogjournalisten

nigge_titelStefan Niggemeier, Journalist und Blogger, bekannt durch seinen Bildblog, fragt in seinem FAZ-Artikel »Journalismus unter Verdacht« vom 2. November 2014: »Manipulieren die Nachrichten die Nachrichten? Hetzt die Presse gegen Putin? Lassen sich Journalisten kaufen? Die Kritik an den Medien in Blogs und Büchern wird immer exzessiver und aggressiver.« Bezeichnenderweise werden in dem Artikel auch keine Kommentare zugelassen. Weiterlesen →

Kontaktabbruch in der Familie: Radiosendung

Als ich Anfang September 2013 Teil 27 der Kinderserie: »Kontaktabbruch« veröffentlicht habe, war ich über die große Resonanz sehr überrascht. Bis heute kommen immer wieder sehr interessante Erfahrungsberichte und Kommentare zu diesem Beitrag (aktuell 65 Kommentare). Da ich damals über meine persönlichen Gefühle geschrieben habe, war ich mir nicht sicher, ob ich den Artikel wirklich veröffentlichen sollte. Schließlich wollte ich im ZG-Blog nie allzu privat werden. Viele scheinen aber ähnliche Erfahrungen gemacht zu haben, wie das vergleichsweise große Feedback bis heute beweist.

Unter anderem kam auch Frau Palmer im Auftrag der SWR2-Radiosendung »Tandem« auf mich zu und interviewte mich. Der Radiobeitrag »Für mich bist Du gestorben!« (rund 25 Minuten lang) thematisiert das schwierige Verhältnis von Frau Palmer mit ihren Eltern. Auf ihrem Weg nach Antworten und Lösungen trifft und interviewt sie auch den Blogger epikur. Die gesamte Sendung kann man sich nun online hier anhören und runterladen.

Ein kleiner Auszug:
»Epikur willigt ein, wir treffen uns. Er ist 36 Jahre alt, Politologe, Redakteur und Blogger und heißt im realen Leben Markus. Markus hat nach einem großen Streit vor zwei Jahren mit seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten keinen Kontakt mehr mit ihr.«