Als Netzneutralität bezeichnet man das nicht regulierte Versenden von Daten in unveränderter Form mit einer gleichbleibenden Qualität. Unabhängig davon, woher diese Daten stammen, wer sie verschickt hat oder welche Inhalte übermittelt werden sollen. In den USA wurde bisher jeder Gesetzesentwurf zur Netzneutralität abgelehnt. Wie sieht es damit in Deutschland aus? Haben wir bald eine Internet-Klassengesellschaft? Haben Provider ein Interesse an unterschiedlichen Bezahlmodellen? Umgehen firmeninterne Intranets die Netzneutralität?
Archiv des Monats: November 2012
Neusprech: Authentisches Marketing
»Ich liebe meinen Job, denn er ist meine Berufung. Doch das, was meine Berufung ist, steckt noch in den Kinderschuhen – authentisches Marketing. Es ist das neue Marketing, das die Menschen und seine Bedürfnisse in den Vordergrund stellt und nicht die Gewinne des Unternehmens.«
- Ekaterina Arlt, Marketing-Expertin auf experto.de
In der PR- und Marketing-Branche ist das der neue Trend: das sog. »authentische Marketing«. Der Begriff setzt sich aus den Nomen Authentizität und Marketing zusammen. Das Schlagwort suggeriert, als gäbe es eine Form von anständiger und aufrichtiger Transparenz beim Verkaufen von Produkten, Dienstleistungen und Ideen (PLI).
Moderne Romantik
Die Hollywoodschinken »Twilight«, »Titanic«, »Dirty Dancing«, »Pretty Woman« und so weiter, vermitteln den Menschen (vor allem jungen Frauen) ein Idealbild von einer romantischen Liebe. Sie müsse selbstlos, rein von Emotionen geleitet und unverfälscht sein. Oft genug ist sie aber eher berechnend. Die Romantikmaske ist häufig nur ein Deckmantel, für eine eigennützige Denkweise:
Er: Boah, hat die aber geile Titten!
Sie: Ist er größer und älter als ich?
Er: Ihr Arsch ist aber auch nicht schlecht!
Sie: Der sieht aber süß aus!
Er: Wie die wohl im Bett ist?
Sie: Es wäre geil, wenn er ein Auto hat. Dann muss ich nicht mehr so oft mit Bus und Bahn fahren.
Er: Na hoffentlich labert die nicht so viel.
Sie: Ich hoffe, er hat eine schöne Wohnung.
Er: Schlank sollte sie schon sein!
Sie: Ob er auch viel verdient?
Butterwegge über Arbeitslosigkeit
Der Politikwissenschaftler Prof. Christoph Butterwegge über den neoliberalen Arbeitsmarkt. Alles Wichtige über Statistikfälschungen, Lügen und Mythen der Erwerbslosigkeit in knapp 11 Minuten. Empfehlenswert!
Lob des Lobbyismus — eine Replik
In der November-Ausgabe der Blätter für deutsche und internationale Politik (Blätter) befürwortet der Wirtschaftswissenschaftler Andreas Polk den Einfluss des Lobbyismus auf die deutsche Politik. Er betont:
»Abgeordnete sind qua Amt Vertreter der Bürgerinnen und Bürger und ihrer Interessen — auch der wirtschaftlichen Interessen.«
- Andreas Polk, »Lob des Lobbyismus«, Blätter-Ausgabe November 2012, S. 36
In Zeiten der vollkommenen Ökonomisierung sämtlicher Lebensbereiche (Kultur, Bildung, Sport, Soziales, Familie und vieles mehr) und der über 500 Milliarden Euro Bankengeschenke, von einem »auch« statt von »vor allem der wirtschaftlichen Interessen« zu sprechen, halte ich nicht nur für fahrlässig, sondern für fast schon euphemistisch.
accessio lysis
In der Pränatalmedizin ist ein spektakulärer Durchbruch gelungen. Forscher aus den USA und Deutschland haben eine Wachstumspille, die sog.»accessio lysis«, für Kinder entwickelt. Die Schwangere muss die hochdosierte Tablette täglich einnehmen, damit die Gene des Ungeborenen stimuliert werden. Der Effekt: nach der Geburt dauert es nicht länger als knapp fünf Jahre bis das Kind zu einem vollwertigen Erwachsenen herangewachsen ist. Und zwar in physischer, kognitiver und emotionaler Hinsicht. Damit wird die Kindheit auf fünf Jahre begrenzt und der neue Mensch so frühzeitig zu einem produktiven Teil der Gesellschaft gemacht werden. Politik und Wirtschaft zeigten sich begeistert.
Spiele. PR. Korruption.
Wie die Vereinnahmung der Wirtschaft auf redaktionelle Inhalte vonstatten geht, kann man derzeit in der PC-Spieleindustrie gut beobachten. Die Umarmungsstrategie der Unternehmen, durch PR-Soldaten und Marketing-Agenturen, steht exemplarisch für viele Redaktionen. Autor Jörg Luibl, vom Spielemagazin 4players.de, hat die Entwicklung schon im Jahre 2006 vorausgesehen:
Wie soll eine gesunde Kultur der Kritik entstehen, wenn es so viele verlockende Druckmittel gibt, um Magazine ins Schwitzen zu bringen? Wenn man nach einer schlechten Wertung mit Regressmaßnahmen rechnen muss? Wenn Foren zur Stimmungsmache gezielt unterwandert werden? Wenn die Wertungserhöhung bei einer laufenden Kampagne selbst für Redakteure normal ist? [...] Es wird gut bewertet, was gut verkauft wird. Also ist es nützlich, schon im Vorfeld gerade da positives Interesse zu schüren, wo eine Nachfrage besteht.
- Jörg Luibl, »die Kultur der Kritik«, 4players.de
Demütigung statt Motivation
- Um Almosen zu betteln, ist demütigend.
- Sich für seine Erwerbslosigkeit zu rechtfertigen, ist demütigend.
- Zu einem Niedriglohnjob gezwungen zu werden, ist demütigend.
- Zu einer sinnlosen Maßnahme gezwungen zu werden, ist demütigend.
- Die Aberkennung von individuellen Abschlüssen und Berufserfahrungen, ist demütigend.
- In den Medien als wertloser Schmarotzer und Ballastexistenz beschimpft zu werden, ist demütigend.
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
- Grundgesetz, Artikel 1, Absatz 1
Das Geschäft mit der Hoffnung
Der Handel mit der Zuversicht blüht wie nie zuvor. Er ist das zentrale Element zur Motivationssteigerung am Arbeitsplatz und zur Kaufentscheidung von Produkten und Dienstleistungen. Wer eine vermeintliche Verbesserung der individuellen Lebenssituation anbieten oder versprechen kann, der hat schnell die Menschen — und den Profit — auf seiner Seite.
Voll auf die 10 ... Jahre ZG-Team!
Jaha, wer hätte das gedacht. Seit heute gibt es uns schon ganze zehn Jahre. Natürlich waren wir am Anfang nur eine karge Homepage und haben uns erst »vor kurzem« zu einem mächtigen Blog gemausert^^ Aber wer kann das schon von sich behaupten!

