Weihnachten ist in Deutschland (und wohl nicht nur hier) ein scheinheiliges Konsumfest. Die Massen sind im Kaufrausch, drängeln, schubsen und jagen Schnäppchen. Die Unternehmen freuen sich über die »Konsumlaune« und über das Weihnachtsg-e-s-c-h-ä-f‑t. Auch wenn gerade die Städte teilweise sehr schön geschmückt sind: uns wird ein monströs-verlogenes Blendwerk sondergleichen vorgeführt, das nur dazu dienen soll, unsere Moneten locker zu machen. Denn genau darum, und um nichts anderes, liebe Leser, geht es hier: um den Profit. Besinnlichkeit, Ruhe, Konzentration, Frieden, Liebe — all die ständig beschworenen Weihnachtstugenden sind dem Kapitalismus das ganze Jahr über zuwider. Ja, er bekämpft sie sogar mit allen verfügbaren Mitteln. Weiterlesen
Archiv des Monats: Dezember 2013
Kinder in Deutschland; Teil 29: Missbrauch
»Ein weiterer Motivator war die Annahme, dass es anderen Unternehmen der Stadt ähnlich ging und auch dort Kindergesichter gefragt sein könnten.«
- Christina Höser von der Kindermodelagentur modelzwerge.de
Kleinkinder und Babys werden in Deutschland massenhaft missbraucht. In der Werbeindustrie werden sie benutzt, um die Zielgruppe der Kinder und Eltern anzusprechen oder um ein Produkt bzw. eine Dienstleistung mit den Eigenschaften von Kindern und Babys aufzuladen (jung, unschuldig, formbar, süß, unerfahren etc.). Auf Facebook sind sie, in Form von Bildern, ein Instrument der eigenen Inszenierung und des Selbst-Marketings, um besonders viele »likes«, »ist der/die aber süüüüß« – Kommentare und um Bestätigung zu bekommen. Im Musik- und Showbusiness werden sie öffentlich vorgeführt. Politiker und Promis zeigen sich im Boulevard mit ihren Kindern oder Babys, um sich ein besonders familienfreundliches Image zu geben. Bedenklich ist das vor allem deshalb, weil sie meist nicht einschätzen können, wofür sie gerade instrumentalisiert werden. Weiterlesen
Ihre Freiheit
Ihre Freiheit meint Deregulierung, Flexibilisierung und Liberalisierung.
Ihre Freiheit meint den Schutz des Eigentums.
Ihre Freiheit meint Konsum und Eigennutz.
Ihre Freiheit meint Profite vor Menschen.
Ihre Freiheit meint Lohnarbeitszwang.
Ihre Freiheit ist nicht unsere Freiheit.
Glückfreie Profitwirtschaft
Die primäre Orientierung auf den Profit, ist nicht die Lösung all unserer Probleme, wie es uns Ökonomenprediger immer wieder weismachen wollen (wirtschaftliches Wachstum erzeuge Wohlstand und Glück für alle), sondern die Ursache der allgemeinen Unzufriedenheit. Ein kurzes Gedankenspiel hierzu. Was würde passieren, wenn... Weiterlesen
Filmtipp: »Alphabet«
»Alphabet«, der dritte Film von Erwin Wagenhofer, ist ein stiller und leiser Dokumentar-Film, obwohl das Thema hochbrisant ist. Es geht um die moderne Schulbildung, das Leistungsdenken und die öffentlich propagierte alternativlose Zentrierung auf eine rein ökonomische Perspektive. Wagenhofer lässt unter anderem Arno Stern zu Wort kommen, der betont, dass in der Schule nur die Fächer Kunst, Sport und Musik notwendig wären, alles andere käme dann von ganz alleine. Der Film zeigt eindrucksvoll, dass es in unserem Bildungssystem nicht um die individuelle Entfaltung oder Selbstbestimmtheit des Kindes geht, sondern um die Abrichtung und Formung zu angepassten Arbeitsdrohnen. Empfehlenswert! Hier ein Trailer:
Presseblick (18)
Die FAZ spricht von »Armutseinwanderer« in Deutschland und meint damit Rumänen und Bulgaren: »Sorgen wegen Einwanderung in die Sozialsysteme machen sich auch im europäischen Ausland breit. 50.000 Einwanderer aus Rumänien und Bulgarien werden in einem Jahr nach Großbritannien kommen, schätzen die Briten.« Klingt ganz nach »Überfremdung« — dem Unwort des Jahres 1993. Als Krönung wird dann noch der unsägliche Hans-Werner Sinn zitiert: »Wer Sozialleistungen in seinem Heimatland in Anspruch nehmen kann, kann nicht in einem anderen Land die Hand aufhalten – aber er darf die Leistungen seines Heimatlandes konsumieren, wo er will.« Aha, aber Unternehmen dürfen sämtliche Infrastrukturen und staatliche Leistungen eines Landes in Anspruch nehmen, während sie gleichzeitig keine Steuern zahlen (Steuerflucht)? Weiterlesen
Die Sendung mit der Maus: Computer
Ein richtiger Klassiker. Auch für Erwachsene. »Das Motherboard in einem Computer hat die gleiche Bedeutung wie die Mutter in einer Familie [...] Der Geist und die Seele des Menschen, ist die Software bei einem Computer.« Die Erklärung des BIOS mit den kleinen Computer-Männchen ist sehr gelungen ;)
Vergiftete Marktkörper
»Portale wie Facebook vergrößern das soziale Kapital, die Ressourcen also, die Menschen über soziale Beziehungen aktivieren können.«
- Sonja Utz, »296 Facebook-Freunde«, Leibniz Journal, März 2013, S. 38
Anmerkung: Als Bourdieu vom sozialen Kapital sprach, tat er das in einer kritischen Form, insofern nämlich, dass alle sozialen und gesellschaftlichen Interaktionen als Kapital, als Ressource und Ware begriffen werden (kulturelles, soziales, ökonomisches Kapital). Die menschliche Seinsexistenz jedoch ausschließlich nach ökonomischen Kriterien durch zu definieren und zu kategorisieren, lässt die eigene Perspektive und die Empathie verkümmern. Menschen sind keine Ressourcen, die man für egoistische Ziele benutzen, sondern die man als fühlende Lebewesen ernst nehmen sollte. Darüber hinaus sind solche Phrasen wieder einmal der Beweis dafür, dass wir, unbewusst und scheinbar völlig natürlich, eine Alltagsmarktsprache verwenden.
Die Angst der Reichen
Häufig wird behauptet, man bräuchte nur genug Geld, dann hätte man für sein Leben ausgesorgt. Ein sorgenfreies und glückliches Leben würde einen erwarten. Ausreichend Vermögen würde die Nerven beruhigen, zufrieden machen und persönliches Glück erzeugen. Schließlich nagt, bei nicht wenigen finanziell schwachen Menschen, der ökonomische Überlebenskampf, der Neid und die Gier an der eigenen geistigen Gesundheit. Dies alles hätte ein Ende, wenn man nur reich sein würde, so eine weit verbreitete Einstellung. Also wird jahrzehntelang Lotto gespielt, sich an Gewinnspielen beteiligt, Geld in Lebensversicherungen und Sparguthaben angelegt oder sich kaputt geschuftet – alles in der Hoffnung, irgendwann reich oder zumindest halbwegs vermögend zu sein. Was ist aber, wenn in Wahrheit die meisten Reichen weder glücklich, noch sorgenfrei sind? Sondern, ganz im Gegenteil, eigentlich in ständiger Angst leben? Weiterlesen
Presseblick (17)
Unsere Krankenhäuser würden Verluste machen, schreibt unter anderem spiegel.de: »Es ist schon dramatisch, wie das gegenwärtige System der Krankenhausfinanzierung mehr als die Hälfte der Kliniken in die roten Zahlen drückt.« Das Krankenhäuser überhaupt wie Wirtschaftsunternehmen geführt werden müssen, anstatt die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung als einen elementaren Bestandteil der sozialen Daseinsfürsorge zu bewerten und zu behandeln, ist der eigentliche Skandal in einem der reichsten Länder der Welt. Ob verschwendete Milliarden für unsinnige Großbau- oder Rüstungsprojekte, Bankenmilliarden oder Verluste durch Steuereinnahmen in Milliardenhöhe — Geld wäre da, wenn man will. Aber man will nicht. Weiterlesen