Seit rund zwei Jahren bin ich im Betriebsrat. Machen statt meckern. Zwei mal im Jahr machen wir eine Betriebsversammlung. Es kommen durchschnittlich 100 Kolleginnen und Kollegen. Es geht um Arbeitsbedingungen, Tarifanpassungen, Gesundheitsschutz, Betriebsvereinbarungen, Finanzen, Arbeitsschutz und vieles mehr.
Archiv der Kategorie: Arbeit
Neulich auf der Lohnarbeit (4)

(Fünf Jahre nach der »Corona-Pandemie«. Oder auch: So geht Selbstentfremdung!)
Kollege: »Ich fühle mich nicht so gut. Ich mache mal einen Corona-Test.«
Ich: »Aber wenn Du Dich nicht gut fühlst, brauchst Du doch keinen Test machen?«
Kollege: »Ich will nur wissen, ob ich Corona habe.«
Ich: »Vertrau doch auf Dein Körpergefühl. Entweder Dir gehts gut oder eben nicht gut? Dann gehst Du Nachhause, zum Arzt oder bleibst auf der Arbeit. Wozu musst Du einen Test machen?«
Kollege: »Ich mache jetzt den Test.«
Ich: (20 Minuten später) »Und?«
Kollege: »Puh, Glück gehabt! Ich habe kein Corona. Ich kann wieder arbeiten gehen. Aber ich habe trotzdem Kopfschmerzen und Gliederschmerzen.«
Neulich auf der Lohnarbeit (1)
Neulich auf der Lohnarbeit (2)
Neulich auf der Lohnarbeit (3)
Neulich auf der Lohnarbeit (3)

-Gespräch mit einem Kollegen-
Kollege: »Wo hast Du das denn gelesen?«
Ich: »Auf NIUS.«
Kollege: »Das lese ich nicht.«
Ich: »Warum?«
Kollege: »Aus Prinzip.«
Ich: »Aber warum sich einen selbst gebastelten, mental-geistigen Stacheldraht um den Kopf wickeln? Warum sich nicht auf allen politischen Seiten umfassend informieren?«
Kollege: »Aber auf NIUS sind nur Rechte, Nazis, Faschisten und AfD-Anhänger unterwegs. Und das liest Du?«
Ich: »Ich lese auch die BILD, russische Medien, die Berliner Zeitung, Spiegel, Tagesschau, Nachdenkseiten, US-Medien, Junge Welt und vieles, vieles mehr und mache mir dann mein eigenes Bild.«
Kollege: »Dafür habe ich keine Zeit.«
Neulich auf der Lohnarbeit (1)
Neulich auf der Lohnarbeit (2)
Neulich auf der Lohnarbeit...(2)
Vor einiger Zeit absolvierte das gesamte Personal an unserer Schule einen Studientag zum Thema »Antisemitismus«. Das war eine Auflage vom Berliner Senat. Drei Dozentinnen vom »Kompetenzzentrum für antisemitismuskritische Bildung und Forschung«, vom Projekt »ACT gegen Gewalt« (natürlich gefördert vom Land Berlin), beglückten uns rund sieben Stunden mit zahlreichen Vorträgen zum Thema »Antisemitismus«. Meine Kolleginnen fühlten sich unwohl und unter Generalverdacht gestellt. Weiterlesen
»Vitamin S« (2)
Die ständige Behauptung, dass »Leistung«, »Kompetenz« und »Fachwissen« relevant bei der Beurteilung und Beförderung von Mitarbeitern und Kollegen seien, ist weiterhin eine urbane Legende. »Vitamin S« (Sympathie) schlägt alles. Ich sehe das in der täglichen Arbeit mit Kollegen, mit der Leitung, mit den Eltern, mit dem Schuldirektor, im Betriebsrat, mit Kooperationspartnern, in Gremien — ja, überall. Weiterlesen
Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn (16)
In Zeiten von Massenentlassungen, Inflation und einer großen Wirtschaftskrise in Deutschland, kommt das Thema »Arbeitslosigkeit« wohl endlich auch in der Mittelschicht an. Wie dieses Millieu nun damit umgeht, zeigt exemplarisch der Beitrag von Clara Ott auf spiegel.de vom 17. Dezember 2024: »Meine zwölf Erkenntnisse aus drei Monaten Arbeitslosigkeit.«
Die 44-jährige Journalistin und Buchautorin gibt Handlungsempfehlungen und Verhaltenstipps für die Arbeitslosigkeit, ohne auch nur einmal den Lohnarbeitsfetisch in Deutschland kritisch zu beleuchten. Von einem analytischen, strukturellen oder gar politisch-ökonomischen Blick ganz zu schweigen.
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Neulich beim Arbeitsgericht...
Vor einiger Zeit war ich, im Rahmen meiner Betriebsrat-Schulung, beim Berliner Arbeitsgericht. Einen ganzen Tag lang haben wir uns verschiedene Verhandlungen angeschaut. Was ich dort gesehen habe, hat abermals meinen Glauben an den Rechtsstaat entzaubert. Auch wenn es insgesamt dennoch interessant und spannend war.
Die Richterinnen und Richter haben regelmäßig Sprüche vom Stapel gelassen wie beispielsweise: »da müssen wir über Bande spielen« oder »das macht mir irgendwie Bauchschmerzen!« oder »Haben oder Nicht Haben? Es ist Ihr Geld!« Meine Kollegen fanden das irgendwie lustig. Ich fand das deplatziert und unangemessen. Ist das ein Stammtisch oder ein Gerichtssaal? Es gab völlig unvorbereitete Anwälte, die entweder gar nichts sagten oder wenn sie gefragt wurden mit: »Dazu kann ich ihnen jetzt nichts sagen!« antworteten. Und das bei dem Stundensatz, den Anwälte verlangen? Weiterlesen
Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn (15)
Viele Menschen wissen und spüren ganz genau, das in unserer Arbeitswelt so einiges schief läuft. Nur öffentlich reden will darüber kaum Jemand. Am Stammtisch dafür umso mehr. Heute möchte ich einzelne Meldungen, Berichte und Artikel rund um das Thema »Lohnarbeit« kommentieren.
Sie geben einen kleinen Einblick darüber, wie hier öffentliche Diskurse geführt werden, wie geframt und gewertet wird, welchen Habitus gutbürgerlich-sozialisierte Journalisten beim Thema »Arbeit« (die vermutlich noch nie »ALG 2« beantragen mussten) aufweisen und welcher sagbare Rahmen (Overton-Fenster) überhaupt erwünscht und erlaubt ist. Weiterlesen
Menschelnde Jobcenter

(fotografiert am 28. Februar 2024 in einem Berliner U‑Bahnhof)
Ich war in meinen über 40 Jahren schon einige Male arbeitslos. Während ich die Phasen nicht als »schlimm« oder »unproduktiv« angesehen habe, da endlich ausreichend Zeit für Familie, Freunde, Hobbys, Leidenschaften und ZG-Blog vorhanden war — wurde mir natürlich von allen Seiten Druck und ein schlechtes Gewissen gemacht. Die Diskriminierung, gegenüber arbeitslosen Menschen in Deutschland, ist gesellschaftlich, politisch und medial fest verankert. Jeder, der einmal länger arbeitslos war, weiß das.
Die Jobcenter wurden im Zuge der »Agenda 2010« von der Schröder-Regierung sowie dem vorbestraften VW-Personaler Peter Hartz im Jahr 2005 ins Leben gerufen. Das Ziel war von Anfang an, nicht die Interessen oder gar die Bedürfnisse der arbeitslosen Menschen ernst zu nehmen oder zu berücksichtigen — sondern sie in den Niedriglohnsektor zu drücken. Mit aller Gewalt.
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Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn (14)
Woran erkennt man, dass wir in Deutschland einen tief verinnerlichten Arbeitsfetisch haben? Woran sieht man, dass offensichtlich sehr viele Menschen in Deutschland eine regelrechte »Angst vor der Freiheit« besitzen, wie es Erich Fromm schon vor Jahrzehnten formuliert hatte? In einem BILD-Beitrag zur »Vier-Tage-Woche«. Bei YouTube wurde das Video nach einigen Monaten auf »privat« gestellt. Auf Facebook habe ich es noch gefunden. Weiterlesen

