Kinder in Deutschland; Teil 55: Gruppendynamik

Viele Eltern sind verwundert oder gar geschockt, wenn sie vom pädagogischen Fachpersonal hören, wie sich ihre kleinen Engel in Kindergarten und Schule benehmen. Zuerst folgt oft der Abwehr- und/oder der Verteidigungsreflex. Zuhause sei ja alles »ganz anders«. Sie könnten so ein Verhalten ihres Kindes weder verstehen, noch nachvollziehen.

Meist wird anschließend an der Wahrnehmung oder der Kompetenz der Pädagogen gezweifelt. Außerdem müssten doch auch irgendwie andere bzw. externe Faktoren schuld seien. Dabei gibt es ein Merkmal, das bei fast jedem Kind zu drastischen Verhaltensänderungen führt und das logischerweise Zuhause kaum auftreten wird: die Gruppendynamik.

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Gratismut (3)

Vor einiger Zeit war ich auf einer Preisverleihung des Berliner Schülerzeitungswettbewerbs. Es wurden lange Reden von Politikern und Medienvertretern gehalten. Die Schülerzeitung unserer Schule hat auch einen Preis bekommen. Die Kinder haben sich sehr gefreut und waren sehr stolz. Meine Wenigkeit jedoch, kann die »Demokratie-Medien-Simulation« kaum noch ertragen.

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Kinderfeindlichkeit

Ihr verachtet und missachtet seit Jahrzehnten die Bedürfnisse und Interessen von Kindern und Jugendlichen. Die deutsche Kinderfeindlichkeit hat sich nicht nur in der C‑Zeit überall gezeigt, sondern ist weiterhin ungebrochen stark. In der Politik. In den Massenmedien. In der Gesellschaft. Im Alltag. Überall.

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»Berliner Zeitung«

Vor einigen Tagen wurde mein erster Artikel in der Berliner Zeitung veröffentlicht. Thema »Soziales Lernen«. Vermutlich haben sie aus SEO-Gründen den Titel geändert. Ich hatte »Soziales Lernen statt Digitalisierung« eingereicht. Nun steht da: »Klage eines Berliner Pädagogen: Dieser Aspekt kommt an unseren Schulen regelmäßig zu kurz«. Nun ja. Ganz ohne Kompromisse geht es wohl nicht. Nein, die große Reichweiten- und Aufmerksamkeits-Offensive wird ausbleiben. Ich fliege gern weiterhin unter dem Radar und mache gern weiterhin mein komplett eigenes Ding.

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Der pädagogische Happen (66)

‑Kürzungen-

Drei Meldungen der letzten Wochen verdeutlichen wie viel der Politik die Bildung der Kinder sowie die Teilhabe von Kindern an der Gesellschaft wirklich wert sind. Und obwohl sich mittlerweile selbst alle C‑Maßnahmen-Befürworter einig sind, dass die Kinder in der »C‑Pandemie« völlig unverhältnismäßig gelitten haben, setzt man bei ihnen nun den großen Spar- und Kürzungshammer an. Natürlich im Namen der Freiheit, der Demokratie und der Sicherheit. Was auch sonst. Weiterlesen

Der pädagogische Happen (65)

- Elfenbeinturm -

Zwischen Theorie und Praxis klafft häufig eine sehr große Lücke. Das wird kaum so deutlich, wie in der Bildung und in der Pädagogik. Ob (Fach-)Schulen, Dozenten, Journalisten, selbsternannte Experten, Freiberufler, Reformpädagogen, Kultusministerien, Wissenschaftler, Politiker oder Buchautoren: sie alle haben ganz viele und ganz tolle Ideen, Konzepte, Theorien und Maßnahmen im Gepäck, damit es in der pädagogischen Bildungslandschaft in Deutschland angeblich wieder vorangeht. Weiterlesen

Der pädagogische Happen (64)

- Konflikte -

Die Moderation von Konflikten, Missverständnissen und Meinungsverschiedenheiten unter Kindern, gehört zur klassischen Kompetenz eines Pädagogen. Kinder sind, in aller Regel, hier sehr ähnlich wie 90 Prozent aller Erwachsenen: sie wollen den Erzieher und/oder den Lehrer, auf ihre Seite ziehen. Sie wollen, dass der Andere Ärger oder eine klare Ansage bekommt. Sie selbst sehen sich fast immer in der Opferrolle. »Schuld« ist immer der Andere.

Ein guter Pädagoge will aber gar nicht wissen, wer angefangen hat, zu provozieren, zu schlagen oder zu ärgern. Die »Schuldfrage« trägt eben nicht zur Deeskalation bei. Auch wenn das Hypermoralisten gerne vor sich her tragen. Eine einseitige, auf emotionaler Beweisführung aufgebaute Täter-Opfer-Markierung, hilft Niemanden weiter. Außer vielleicht den Massenmedien, die gezielt Feindbilder aufbauen und bedienen wollen. Jeder Konflikt hat eine Ursache, einen Hintergrund und einen Kontext. Jeder. Weiterlesen

Der pädagogische Happen (63)

Vater: (sitzt seit 15 Minuten im Foyer der Schule, wartet offensichtlich auf sein Kind und glotzt die ganze Zeit auf sein Smartphone. Um ihn herum herrscht reger Schulbetrieb.)

Pädagoge: »Würden Sie bitte Ihr Smartphone ausmachen? Auf dem gesamten Schulgelände existiert ein Smartphone-Verbot für Kinder, Eltern und Personal. Haben Sie die zahlreichen Hinweisschilder gesehen?«

Vater: »Ja, habe ich gesehen. Aber ich dachte, das gilt nur für die Kinder? Warum auch für Erwachsene?«

Pädagoge: »Weil wir eine Vorbild-Funktion einnehmen, die Kinder schon genug vor digitalen Bildschirmen sitzen und unsere Schule primär ein analoger Lern- und Bildungsort sein soll. Es wurde auch schon mehrfach durch verschiedene Kanäle (Elternabend, E‑Mail-Verteiler, Postmappe, Schulcloud etc.) kommuniziert. Würden Sie jetzt bitte Ihr Smartphone ausmachen und einstecken?«

Vater: »Habe ich nicht mitbekommen. Wer sind Sie überhaupt?«

Pädagoge: »Ich bin Pädagoge und arbeite hier.«

Vater: »Hmm. Na gut. Ich dachte schon, Sie wären ein anderer Vater. Ich bin gleich fertig, ok?«

Pädagoge: »Nein! Sie machen jetzt bitte sofort das Smartphone aus und stecken es ein! Ansonsten können wir auch direkt zum Schuldirektor gehen. Der sitzt hier zwei Türen weiter.«

Vater: »Boah, warum denn gleich so unfreundlich? Was sind Sie denn für Einer? Ich mach ja schon.« (verzieht das Gesicht, steckt das Smartphone ein und zieht von dannen.)


Kinder in Deutschland
Der pädagogische Happen

Der pädagogische Happen (62)

- Outsourcing -

Seit einigen Jahren und Jahrzehnten erleben wir nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch im Bildungsbereich einen Trend zum Auslagern von Verantwortung. Viele Bereiche der kindlichen Erziehung und der Entwicklung von Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, werden an Kindertagesstätten, Schulen und Ausbildungsbetrieben delegiert — die aber eigentlich in Elternhände gehören. Eines der Grundpfeiler des Neoliberalismus, die Privatisierung, durchzieht mittlerweile sämtliche Lebensbereiche. Weiterlesen

Der pädagogische Happen (61)

- Klassenfahrten -

Eltern und Kinder freuen sich über Klassenfahrten. Für Lehrer und Pädagogen ist das in aller Regel eine ziemliche Herausforderung inklusive unbezahlter Mehrarbeit. Und das seit Jahren und Jahrzehnten. Je nach Schule, Direktor und den dort intern ausgemachten Regelungen, variiert der Klassenfahrt-Ausgleich für die dort Beschäftigten sehr stark. Von gar nichts bis bezahlter Mehrarbeit inklusive Ausgleichstagen ist hier alles dabei.

Häufig werden Klassenfahrten von Eltern gefordert und von den entsprechenden Schuldirektoren erwartet. Eine Pflicht gibt es nicht. Man solle sich nicht so haben! Es sei doch für die Kinder! Ja, das ist richtig. Klassenfahrten leben in aller Regel davon, dass es viele engagierte Lehrkräfte und Pädagogen gibt, die eben nicht auf ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit schauen, sondern primär auf die Bedürfnisse von Eltern und Kindern achten.

Nun hat der Berliner Senat angekündigt, Klassenfahrten nicht mehr zu bezuschussen. Lehrkräfte sind also bei Klassenfahrten nicht nur 24 Stunden im Dienst, stehen (bei den immer klagewütigeren Helikopter-Eltern) mit einem Bein im Gefängnis (auf Klassenfahrten kann viel passieren), bekommen kaum Schlaf — Nein, sie dürfen die Klassenfahrt-Mehrkosten nun auch noch aus eigener Tasche stemmen. Nebenbei sollen Kinder aus finanziell ärmeren Familien nun auch keinen staatlichen Zuschuss mehr erhalten.

In meiner Schule haben viele Kollegen und Kolleginnen nun angekündigt, keine Klassenfahrten mehr zu machen. Dabei sind die Mehrkosten gar nicht der Hauptgrund. Es ist die mangelnde Wertschätzung. Teilzeit soll unterbunden werden. Arbeitsbedingungen werden nicht verbessert. Der Rahmenlehrplan wird immer voller gepackt. Eltern und Kinder werden immer anstrengender. Und nun das. Die Attraktivität des Lehrerberufes wird so ganz sicher nicht erhöht.


Kinder in Deutschland
Der pädagogische Happen
Der pädagogische Happen (41): »Klassenfahrt zu C‑Zeiten«