ZG-Rückblick: Tote für die Mode

Am 24. April 2013 sind über 1.000 Menschen bei einem Fabrikeinsturz in Bangladesch ums Leben gekommen. Die Textilfabrik hat für internationale Textilkonzerne wie Kik, H&M, Ernstings und viele andere Kleidung hergestellt. Die Arbeiterinnen mussten für einen sehr niedrigen Lohn arbeiten und die Bedenken am Sicherheits- und Brandschutzsystem waren schon seit Jahren bekannt, da es immer wieder Tote gegeben hatte.

Sind nun die Verbraucher in der Verantwortung durch einen gezielten Fair Trade Konsum oder einen Boykott, die Textilkonzerne zum Umdenken zu bewegen? Helfen internationale Abkommen, um weitere Tote zu verhindern? Oder sind die Toten »Kollateralschäden« für unseren Luxus, billig Kleidung einkaufen zu können? Weiterlesen →

Neusprech: Babypause

»Bundesgesundheitsminister Bahr entdeckt die Familie. Nach Geburt seines ersten Kindes will er pausieren. Genau drei Wochen. Das Handy bleibe aber an, versichert der Mann«

- manager-magazin.de vom 17. Mai 2013

Der Begriff »Babypause« ist in den Massenmedien ein oft verwendetes Wort. Es ist ein Synonym für die Elternzeit, in der die Eltern sich intensiv um ihr neues Leben kümmern. Während »Elternzeit« jedoch wertneutraler ist, suggeriert die »Babypause« als würde Frau einen, vom Unternehmen bezahlten, Urlaub wahrnehmen. Babybilder, emotionale Reaktionen und Glückwünsche sollten nicht darüber hinweg täuschen, dass der Begriff eher negativ besetzt ist, da die »Babypause« oft als »Karriereknick« gewertet wird. Weiterlesen →

Presseblick (1)

Inge Jacobs fragt auf stuttgarter-zeitung.de, wie es wohl gelingen kann, mehr Menschen in den Erzieher Beruf zu bringen? Natürlich nicht, indem man Erzieher endlich ordentlich bezahlt, sondern indem man millionenschwere Werbe-Kampagnen ins Leben ruft und laut darüber spricht.

In der Wirtschaftswoche (wiwo.de) wird geschildert, wie die Deutsche Bahn Graffiti Sprüher mit Drohnen-Kameras »jagen« will: »Der neue Hightech-Spürhund mit Logo der Bahn koste 60 000 Euro«. Hundert Stück und dann wären wir bei 6 Millionen Euro, Wartung noch nicht mit gerechnet. Gibts die auch mit Laser-Upgrade, falls die Terror-Sprüher Widerstand leisten?

Das Sprachrohr der Neoliberalen auf welt.de, Dorothea Siems, meint, so schlimm sei das alles mit der prekären Beschäftigung in Deutschland gar nicht: »Der in den vergangenen Jahren gewachsene Niedriglohnsektor bedeute keineswegs eine Verdrängung von gut bezahlter Arbeit, sondern sei vielmehr zusätzlich entstanden«. Da helfen auch keine Medikamente mehr.

Selbstverschuldete Erwerbslosigkeit

  1. Zu ausländisch. Ein nicht-deutscher Nachname, ein Akzent und/oder ein arabisch-asiatisch-afrikanisches Aussehen.
  2. Zu dick und/oder zu stark übergewichtig bzw. zu vermeintlich unattraktiv.
  3. Zu selbstbewusst, zu intelligent und/oder zu hochqualifiziert (und damit zu anspruchsvoll, was die Gehaltsvorstellungen angeht)
  4. Zu schwanger, zu sehr Mutter mit Kind oder mit Kinderwunsch.
  5. Zu ehrlich und zu anständig.
  6. Zu links und/oder zu kritisch.
  7. Zu krank und/oder zu alt.
  8. Zu wenig »Vitamin B«.

Letztendlich sind das natürlich nur haltlose Behauptungen und Übertreibungen von mir. In Deutschland herrscht ein Diskriminierungsverbot. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), oder auch Antidiskriminierungsgesetz genannt, schützt effektiv vor Benachteiligungen im Arbeitsmarkt. Die wahren Gründe, warum viele Millionen Menschen in Deutschland keine Arbeit finden, sind Faulheit, Dummheit und Anpassungsverweigerung. Und die Behauptung von einer strukturell fest verankerten Massenerwerbslosigkeit, die politisch und wirtschaftlich gewollt ist, entspringt nur den fixen Ideen von linken Spinnern, die ihren Arsch nicht hoch kriegen und immer nur nörgeln wollen.

Nichtgedanken — Bettina Wulff

Oliver Kalkofe liest Auszüge aus »Jenseits des Protokolls« von Bettina Wulff. Ein Blick in die Gedankenwelt einer Ex-Bundespräsidentengattin. Das Buch hat auf Amazon bei über 1.100 Bewertungen knapp 1,5 von insgesamt 5 Sternen erhalten. Kluge Gedanken, eine versierte Sprache oder interessante Geschichten sind heute nicht notwendig — ein bekannter Name genügt. Oder: »eine Michelle Obama ist nicht meine Freundin Silke«.

Personalisierung ist Entpolitisierung

Die übliche Methode von Massenmedien, Politik und Wirtschaft, um Diskussionen über gesellschaftliche, gesetzliche oder wirtschaftspolitische Veränderungen zu vermeiden, ist die Personalisierung. Wann immer es um Skandale, Korruption oder um kritikwürdige Verhältnisse geht, wird das Problem, sofern möglich, auf eine Person reduziert. Man nimmt dem Skandal die politische Brisanz, verharmlost den Sachverhalt zu einem »Einzelfall« und zu einer persönlichen Verfehlung. So wird der Blick auf die wahren Verantwortlichen, auf Strukturen und Mechanismen von Politik und Wirtschaft verdeckt und auf einzelne Personen fokussiert. Diese wird dann meist öffentlichkeitswirksam mit Sanktionen belegt und anschließend geht man wieder zur Tagesordnung über. Weiterlesen →

Selbstverwirklichung durch Fremdbestimmung

Wer einer Lohnarbeit nachgehe, verdiene sein eigenes Geld, sei nicht mehr vom Staat abhängig, sorge für sich selbst und seine Familie, verwirkliche sich selbst und nehme aktiv an der Gesellschaft teil. So lautet eine der üblichen, allgemein gültigen und selten in Frage gestellten Dogmen der westlichen Industriegesellschaften. Manche Menschen sind gar »selbstständig« oder gründen eine »Existenz«. Wer als ein vollwertiges Mitglied in der Gesellschaft anerkannt, ja als Mensch respektiert und nicht zu den Überflüssigen zählen will – der muss einer Lohnarbeit nachgehen. Unabhängig davon, welche Vorstellungen er oder sie vom Leben hat. Individualismus bedeutet, die eigene Lebensgestaltung, Selbstfindung und Sinnerfüllung der vorhandenen sozioökonomischen Struktur zu unterwerfen. Weiterlesen →

Tod durch Profitgier

Als am 11. September 2001 knapp 3.000 Menschen durch einen Terror-Anschlag auf das World Trade Center ihr Leben verloren haben, gab es eine große internationale Solidarität mit den USA, einen Krieg mit Afghanistan sowie eine weltweite Mobilisierung gegen die terroristische Vereinigung Al Kaida. TV-Sender, Printmedien sowie die Wissenschaft beschäftigen sich bis heute ausführlich mit diesem Thema.

Am 24. April 2013 sind über 1.000 Menschen bei einem vermeidbaren Fabrikeinsturz (unzureichende Sicherheitsbedingungen) in Bangladesch ums Leben gekommen. Die Textilfabrik hat, mit Billig-Lohnarbeitern, die unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten, Mode für internationale Konzerne hergestellt. Nun »versprechen« die Mode-Konzerne (in bester Krisen-PR-Manier) bessere Arbeitsbedingungen und neue Brandschutz-Regeln. Keine internationale Solidarität, keine Eingreiftruppe und keine Mobilisierung gegen die Modeketten. Und in zwei Wochen ist das Thema wieder von der medialen Agenda verschwunden.

Merke: Tod durch Profitgier ist kein Terror, sondern unvermeidbarer Kollateralschaden.

Berliner Energietisch

... brauch noch ein paar Unterschriften. Von Berlinern. Und diesmal reicht nicht einfach nur ein klick hier oder eine E‑Mail-Adresse da. Ne, ihr müsst wirklich voll echt jetzt auf Papier unterschreiben und das dann abschicken. Ich weiß, klingt schwierig und ist irgendwie voll aufwendig und so, aber wenn du es nicht machst, wer dann?

berliner-energietisch.net — da gibt es das PDF, mehr Infos und sogar eine Übersichtskarte wo man unterschreiben kann, wenn das mit den Brief zu aufwändig ist.

Foto: berliner-energietisch.net (Der Bär sieht bissl creepy aus^-^)