Fördern und Fordern

Mit der "Eigenverantwortung" wurde der Sozialstaat sturmreif geschossen

Mit der „Eigenverantwortung“ wurde der Sozialstaat sturmreif geschossen

Mehr ökonomische Verwertbarkeit fordern und damit mehr Menschenverachtung fördern.
Mehr Eigenverantwortung fordern und damit mehr Egoismus fördern.
Mehr Flexibilität fordern und damit mehr Existenzängste fördern.
Mehr Anpassung fordern und damit weniger individuelle Kreativität fördern.
Mehr Bürokratieabbau fordern und damit mehr Massenentlassungen fördern.

„Zuversicht und Realismus, Fördern und Fordern gehören für die SPD immer zusammen.“

Sigmar Gabriel (SPD) am 9. Februar 2016 auf spd.de

Lohnarbeit

lohnarbeit_titel

© epikur

Seit jeher gibt es ein großes Paradoxon: wer als Arbeiter seine „Aufgaben“ fleißig, gewissenhaft, schnell und effizient erledigt, bekommt als Belohnung für seine tolle Leistung in aller Regel: noch mehr Arbeit. Ob im Büro, im Dienstleistungssektor, im sozialen Bereich, in der Produktion, auf dem Bau oder im Vertrieb – überall freuen sich die Chefs über Angestellte, die ihre Arbeit zügig, aber natürlich auch gewissenhaft, also ordentlich erledigen. Die Mitarbeiter hingegen, würden sich über mehr Gehalt, einen früheren Feierabend oder einen Tag mehr Urlaub als „Belohnung“ freuen. Das wird in der Regel für zügige Arbeit aber eben nicht gewährt.

Die Folge dieser „Mitarbeiter-Behandlung“ ist letztlich das exakte Gegenteil von Produktivität und Motivation. Denn: diese sehr weit verbreitete, kontraproduktive  Lohnarbeits-Dynamik motiviert die Mitarbeiter letztlich nur, langsamer zu arbeiten, Dienst nach Vorschrift zu  erledigen und eben nicht mehr als nötig zu machen. Weil die Wenigstens Lust verspüren, noch viel mehr als ihre Kollegen zu schuften. Gleichzeitig wirft die Jobcoacher- und Berater-Industrie ständig mit tollen Vokabeln um sich: Leistung, Motivation, Effektivität, Produktivität. Ohne auch nur einmal solche essentiellen Widersprüche zu thematisieren.

Neusprech: Flexibilität

»Bundespräsident Köhler forderte die Bürger Ostdeutschlands zu mehr Flexibilität bei der Suche nach einem Arbeitsplatz auf – Gleiche Lebensverhältnisse in Ost und West nicht machbar“

aus der Wirtschaftswoche vom 11.9.2004

Das aus dem lateinischen kommende Wort »flexibel« bedeutet übersetzt zunächst so etwas wie biegsam, elastisch und anpassungsfähig. Flexible Arbeitszeiten können Wochenendarbeit, Nachtarbeit, Teilzeitarbeit, Feiertagsarbeit usw. sein.  Unternehmer fordern heute von ihren Arbeitskräften eine hohe Anpassungsfähigkeit – bei der Bezahlung, dem Arbeitsplatz sowie den Arbeitszeiten. Flexibel im Sinne, wie der Unternehmer es gerade braucht, um den größtmöglichen Profit daraus zu schlagen. Nicht euphemistisch ausgesprochen bedeutet demnach eine hohe Flexibilität eine hohe Ausbeutbarkeit des Arbeiters. Weiterlesen