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Eventtrauer

22. Dezember 2011 von epikur

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il ist verstorben. Unsere bürgerlichen, neoliberalen Einheitsmedien nutzen die Gelegenheit, um Nordkorea nieder zu machen:

So wenig die Welt dem Kim nachweint, so sehr tun es seine Landsleute. Bis zum 29. Dezember sollen die Nordkoreaner um den Geliebten Führer trauern, hat die Regierung angeordnet.

- Frankfurter Rundschau

Fernsehbilder zeigen Hunderte weinende Menschen, die vor Porträts Kim Jong Ils auf dem Boden knien.

- SpiegelOnline

Zum Tod von Kim Jong-il setzen Nordkoreas Staatsmedien ganz auf Propaganda. Bilder von teils ekstatisch Trauernden sollen In– und Ausland zeigen, wie sehr die Menschen hinter dem Verstorbenen stehen.

- FAZ

Ist uns das unbekannt? Die Kollektiv-Trauer, das Massen-Schluchzen, das Event-Weinen wird jedesmal neu zelebriert, wenn ein Prominenter oder ein Mensch der in der Öffentlichkeit stand, verstorben ist. Auch bei Terror-Anschlägen wird das von der Bevölkerung und den Medien erwartet. Ich erinnere nur an Michael Jackson, Robert Enke, Steve Jobs oder die tagelange TV-Dauerheulpropaganda vom 11. September 2001. Ob die Bilder der trauernden nordkoreanischen Bevölkerung inszeniert sind oder nicht, können wir schwer beurteilen. Sich aber moralisch über Nordkorea zu erheben, obwohl man selbst regelmäßig der Event-Trauer frönt, ist bigott. Wir sind eben die Guten und sie die Bösen.

Filmtip: Brotherhood

10. November 2009 von epikur

Der südkoreanische Antikriegsfilm von  Je-gyu Kang aus dem Jahre 2004 erzählt die Geschichte zweier Brüder die in den Koreakrieg von 1950–1953 zwangsrekrutiert werden. Während sie anfangs beide für Südkorea in den Krieg ziehen, verändert der Krieg ihre Einstellung und sie stehen sich bald als Feinde gegenüber. Dieser häufig vergessene und filmisch selten thematisierte Krieg kostete mehreren Millionen Menschen das Leben. Die US-Airforce warfen mehr als 450.000 Tonnen an Bomben über Nordkorea ab  — ein vielfaches mehr als in Vietnam. Er galt als Stellvertreter-Krieg im »Kalten Krieg«, da die USA und China sich beteiligten. Der Film ist überraschenderweise sehr aufwendig produziert und inszeniert und kann mit US-Produktionen locker mithalten. Wer sich bei »Saving Private Ryan« übergeben musste, sollte sich diesen Film besser nicht ansehen. Er zeigt den Krieg in seiner radikal-häßlichen Weise und ist streckenweise sehr brutal. Gelungen ist auch die Darstellung des zunehmenden Hasses auf beiden Seiten. Der Film schafft es, für keine Seite Partei zu ergreifen, da Kriegsverbrechen beider Fraktionen schonungslos gezeigt werden. Es ist ein harter, brutaler, aber auch sehr ergreifender Film. Empfehlenswert!

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