Eventtrauer

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il ist verstorben. Unsere bürgerlichen, neoliberalen Einheitsmedien nutzen die Gelegenheit, um Nordkorea nieder zu machen:

So wenig die Welt dem Kim nachweint, so sehr tun es seine Landsleute. Bis zum 29. Dezember sollen die Nordkoreaner um den Geliebten Führer trauern, hat die Regierung angeordnet.

- Frankfurter Rundschau

Fernsehbilder zeigen Hunderte weinende Menschen, die vor Porträts Kim Jong Ils auf dem Boden knien.

- SpiegelOnline

Zum Tod von Kim Jong‐il setzen Nordkoreas Staatsmedien ganz auf Propaganda. Bilder von teils ekstatisch Trauernden sollen In‐ und Ausland zeigen, wie sehr die Menschen hinter dem Verstorbenen stehen.

- FAZ

Ist uns das unbekannt? Die Kollektiv‐Trauer, das Massen‐Schluchzen, das Event‐Weinen wird jedesmal neu zelebriert, wenn ein Prominenter oder ein Mensch der in der Öffentlichkeit stand, verstorben ist. Auch bei Terror‐Anschlägen wird das von der Bevölkerung und den Medien erwartet. Ich erinnere nur an Michael Jackson, Robert Enke, Steve Jobs oder die tagelange TV‐Dauerheulpropaganda vom 11. September 2001. Ob die Bilder der trauernden nordkoreanischen Bevölkerung inszeniert sind oder nicht, können wir schwer beurteilen. Sich aber moralisch über Nordkorea zu erheben, obwohl man selbst regelmäßig der Event‐Trauer frönt, ist bigott. Wir sind eben die Guten und sie die Bösen.

2 Gedanken zu “Eventtrauer

  1. Es ist beides ziemlich verlogen.

    Trauer sei Privatsache und nichts für die Öffentlichkeit!

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