Der tägliche #Aufschrei

»Noch immer werden nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch Tote aus den Trümmern geborgen. Mehr als Tausend starben, die meisten von ihnen Frauen.«

- zeit.de vom 10. Mai 2013

Anmerkung: Sind Frauen wertvollere Menschen und verdienen deshalb eine besondere Erwähnung? Wäre es frauenfeindlich bzw. sexistisch, wenn Man(n)/Frau stattdessen schreiben würde »die meisten von ihnen Männer«? Oder wäre auch das nur eine völlig neutrale Sachbeschreibung? Wie lange würde es wohl dauern, bis sich Feministinnen über solch eine Meldung empören, weil man die Frauen dabei nicht erwähnen würde? Gilt etwa immer noch: Frauen und Kinder zuerst? Männer sind ersetzbar? Wie wäre es mit »die meisten von ihnen waren Menschen, die schamlos ausgebeutet wurden«? Warum spielt die Erwähnung des Geschlechts bei solch einer Katastrophe überhaupt eine Rolle?

Konsum macht glücklich!

»Je mehr du besitzt, desto mehr kannst Du kriegen!“

- Arundhati Roy, »Kapitalismus: eine Gespenstergeschichte«, Blätter, Ausgabe Juli 2012, S. 35

Gehen Sie noch heute los und kaufen Sie! Gönnen Sie sich etwas tolles, etwas einmaliges, etwas besonderes! Sollten Sie sich unwohl fühlen oder eine innere Leere verspüren, dann zögern Sie nicht lange und greifen Sie zu! Heben Sie einen ordentlichen Batzen Geld von Ihrem Konto ab und fahren Sie sofort in das nächste Geschäft. Erfüllen Sie sich einen Herzenswunsch, werden Sie noch heute glücklich und kaufen Sie!

Kinder in Deutschland; Teil 24: Freiräume

Die gelebte Kinderfeindlichkeit in Deutschland zeigt sich, auch und vor allem, in den immer kleiner werdenden Freiräumen für Kinder. Kindertagesstätten und Spielplätze werden wegen Lärmklagen dicht gemacht oder ihre Benutzung wird stark eingeschränkt. Nachbarn und Anwohner beschweren sich über zu laute Kinder in der Wohnung. Viele haben nicht mal ein eigenes oder ein sehr kleines Kinderzimmer. In Restaurants, in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie in der Schule sollen sie still sitzen und gefälligst das tun, was von ihnen erwartet wird. Natürlich brauchen Kinder Regeln und Strukturen, aber eben auch Freiräume. Wo können sich Kinder noch frei bewegen? Wo können sie sich noch frei entfalten und ihrer Kreativität freien Lauf lassen? Weiterlesen →

Smalltalk

Das kleine Sprechen, so sagt man mir oft, erleichtert den Zugang zu anderen Menschen. Ich solle mich auf der Oberfläche bewegen, keine tiefgründigen oder ernsten Themen ansprechen. Humorvoll sein, über Lohnarbeit und über mein unmittelbares Umfeld reden. Alles darüber hinaus werde als anstrengend empfunden. Diskurse aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Medien, Philosophie und Kunst würden die meisten Menschen eher abschrecken, ich solle sie daher meiden. Auch Kritik werde ungern gesehen.

Doch smalltalk wird schnell zum normaltalk. Ob bei Facebook, auf Partys, mit den Arbeitskollegen, selbst mit Freunden oder der Familie: die alltägliche Kommunikation bleibt nicht selten auf dem Niveau der Einstiegskommunikation. Wenn ich mich jedoch ständig mit meinen Mitmenschen über Dinge unterhalte, die mich nicht in die Welt werfen und in sie eintauchen, mich nicht berühren und empathisch aktiv werden lassen — so bleibt nicht nur die Beziehung zu meinen Mitmenschen oberflächlich, unverbindlich und belanglos, sondern auch das Verhältnis zu mir selbst.

ZG-Rückblick: Steuern, Gerechtigkeit und der ganze Rest

Das nächste Schwein scheint mal wieder durch das Dorf der Massenmedien getrieben zu werden. Sein Name: Hoeneß. Ein Schwall von Meinungen zu Steuern und Gerechtigkeit ergießt sich hinterher. Der Ankauf staatlicherseits von Steuer-CDs wird genauso diskutiert, wie die Frage, ob Hoeneß Selbstanzeige gar nicht hätte öffentlich werden dürfen. Ist ein Abkommen mit der Schweiz eine sinnvollere Lösung als die gegenwärtige Handhabe? Haben Steuern überhaupt etwas mit Gerechtigkeit zu tun oder zumindest mit gefühlter? Ist die Art und Weise wie der Staat Steuergelder nutzt überhaupt sinnvoll? Weiterlesen →